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Single-Mission:Der Meisterdieb

Der Meisterdieb

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von Chief-Korporal Breda Krulock (DOG)
Online seit 01. 02. 2010
PDF-Version

Es häufen sich die Anzeichen, dass ein seit langem gesuchter Meisterverbrecher nach Ankh-Morpork zurückgekehrt ist. Schafft es eure Abteilung, den Täter zu fassen?

Dafür vergebene Note: 13

~1~


Die Luft im Büro des Kommandeurs war heiß und stickig und die Gemütslage der Anwesenden hatte hohen Anteil daran. Dem ein oder anderen kam gelegentlich der Gedanke, dass dieser Raum es geradezu herausforderte, dass sich viele aufgebrachte Gemüter nach stundenlanger erhitzter Diskussion gegenseitig die Köpfe einschlugen. Es lag quasi in der Atmosphäre, dem Chi, des Raumes.
Rea Dubiata, Abteilungsleiterin der SEALS, saß mit zusammengedrückten Beinen auf einem viel zu kleinen Holzhocker und hielt ihre gerafften Röcke nur mit Mühe im Zaum. "Wir hätten ihn gehabt, wenn ihr nicht ..."
"Was heißt hier, wenn ihr nicht? Ich hatte meine Männer", Humph MeckDwarf räusperte sich, "und Frauen auf Position, so wie du es wolltest. Lass deine Wut über dein Versagen nicht an mir aus. Immerhin galt der Brief euch, nicht uns."
Lautes Gemurmel erklang, doch bevor es die Lautstärke eines vorbeirauschenden Eselskarrens auf Platte erreichen konnte, unterbrach Araghast das Chaos.
"Der Hauptmann hat Recht", begann der Kommandeur und warf dem DOG-Abteilungsleiter einen mahnenden Blick zu, bevor der seinen vermeintlichen Sieg über die Hexe ausreizen konnte. "Damit meine ich, dass der Brief eindeutig an euch gerichtet war. Bisher hat dieser Nick jeden seiner Raubzüge angemeldet und jedes Mal ist er uns nur knapp entwischt."
"Die Sache bei der Bank macht meinen Leuten immer noch zu schaffen", warf Valdimier ein. "Wie Nick es geschafft hat, die Wachen zu umgehen und in den Tresorraum zu gelangen, ist mir schleierhaft."
"Ein mieser Trickser ist das, wenn Ihr mich fragt. Ich glaub nicht an die Theorie mit dem Edelmann. Auf's große Geld ist er aus, sonst nichts!"
"Romulus, wir kennen deine Meinung."
"Hast du ein Problem damit, MeckDwarf?"
"Ruhe jetzt!" Breguyar sank auf seinen Stuhl und schob die Briefe vor sich über den Tisch, während er mit der freien Hand seine Stirn stützte. 'Nick der Profi' hielt die Stadtwache nun schon seit mehreren Wochen auf Trapp und obwohl er jeden seiner Übergriffe angekündigt und die Wächter mit rätselhaften Aufgaben auf die richtige Fährte gebracht hatte, war er ihnen dennoch immer einen Schritt voraus. Es schien fast, also wäre der Kerl nicht nur ein Meisterdieb, sondern auch ein Magier.
"Noch einmal fürs Protokoll, Rea: Was ist passiert, nachdem ihr das Gebäude ausfindig gemacht habt?"
Die blonde Frau rutschte auf dem unbequemen Hocker vor und zurück. "Nun, das Rätsel war leicht. Es wies uns eindeutig den Weg zur Unsichtbaren Universität ..."
"Muss Tag und Nacht auf Wache steh'n, hab keine Füß' und muss doch geh'n. Hab keine Hand und muss doch schlagen - nichts hört man, auch an leisen Tagen", las der Kommandeur.
Rea nickte. "Eine Uhr, darauf sind wir schnell gekommen. Die Uhr im Kunstturm der Unsichtbaren Universität ist die einzige Uhr, deren Glocken lautlos schlagen. Das passte ins Bild, da er in seinen Briefen offen seinen Hass auf die Stadt ausdrückt. Wobei wir uns ja noch nicht sicher sind, ob es wirklich Hass ist oder nur Abneigung."
"Vielleicht jemand, der schlechtes hier erlebt hat und Ankh-Morpork deswegen hasst?" Laiza Harmonie kaute nachdenklich auf ihrer Unterlippe.
"Jedenfalls", nahm Rea den Faden wieder auf, "war uns klar, dass er die goldenen Zeiger der Uhr entwenden will. Sie gelten als eines der Wahrzeichen der Stadt und die Bürger Ankh-Morporks wären in Aufruhr, wenn sie mitbekämen, dass sie geklaut wurden. Nur ..."
"Red ruhig weiter!", stichelte der DOG-Abteilungsleiter.
Die Hexe fuhr sich fahrig durch die Haare, besann sich dann aber ihrer Unschuld. "Wir wussten nicht, dass es sich bei den am Ziffernblatt hängenden Zeigern um Fälschungen handelt!" Eine dicke Ader begann, sich an ihrer Stirn abzuzeichnen. "Das hätte man mir sagen müssen, bevor ich all meine Leute von wichtigen Aufgaben abziehe, um sie diese blöden Messingzeiger bewachen zu lassen!"
"Die goldenen Feiger befanden fich in einer Kammer im Keller def Turmef und der Dieb hat freie Hand gehabt. Niemand wuffte davon."
Araghast nickte der Igorina zu. "Ich weif äh, weiß." Er stand auf. "Rea, sag deinen Leuten, dass sie gute Arbeit geleistet haben. Wir erwischen diesen Mistkerl schon. Der nächste Streich wird sein letzter sein!"

~2~


Das Surren kam näher. Breda Krulock hatte bereits die Richtung festgestellt, aus der das Geräusch kam und sie blätterte, so schnell sie konnte. "Bei gleichbleibender Kontinuität des wellenartigen Klanges die Flügelschlaufen auf L38 ... L38, wo verdammt ... ah, da." Es klickte.
Das Surren kam näher. Breda las weiter. "Hmhmhm, wellenartigen Klanges ... auf L38 ausrichten und den Be.Ka.3 um 45 Grad in entgegengesetzter Richtung zur gewünschten Tendenz" - Das Surren wurde lauter - "ausrichten und dann mit der Sammelvorrichtung ..."
Mit einem wusch landete die Taube im Netz. Glück gehabt!
Irgendwie war diese Apparatur zum Empfang von Nachrichten noch nicht ganz ausgereift, fand Breda. Häufig trafen Nachrichten ein, ohne dass jemand auf dem Dach des Boucherie stand und die TK-Anlage bediente. Im Normalfall setzten sich die Tauben dann an die Futterbehälter und warteten brav, bis jemand kam, um ihnen die Nachricht abzunehmen. Im ungünstigsten Fall dauerte das aber einige Stunden, was sich unter den Wasserspeiern der Stadt herumgesprochen hatte. Das Resultat bestand aus sehr schwer zu lesenden Nachrichten, einem Haufen Dreck und einer fehlenden Taube. Manche Kommunikationsexperten weigerten sich sogar, ihre Tauben ans Boucherie zu opfern. Stattdessen nahmen sie lieber weite Fußmärsche in Kauf als einem ihrer Lieblinge den Flug in den fast sicheren Tod zu schenken. Seit Breda einmal im Scherz gesagt hatte, sie würde es begrüßen, wenn man ihr nachts den ein oder anderen Snack vorbeischicken würde, war der Informationsfluss gen Boucherie sogar noch weiter verebbt. Der Abteilungsleiter war der Ursache dafür bislang nicht auf die Spur gekommen.
Diese Taube jedoch hatte Glück. Sie gurrte leise und entleerte sich, als Breda sie aus dem Netz pflückte. Sie entnahm die Nachricht und steckte den Boten in den kleinen Käfig neben der Anlage, den Kescher lehnte sie gegen die Mauer.
Sie hatte die Nachricht noch nicht zuende gelesen, da rannte sie bereits die Treppen hinunter, zwei Stufen auf einmal nehmend und stürzte, ohne anzuklopfen, in Humphs Büro.
"Was bei den Niederhöllen ...?" begann dieser und starrte auf den Zettel in Bredas ausgestreckter Hand.
"Zeit zu zeigen was in uns steckt, Chef!"
Der Abteilungsleiter grinste.

~3~



"Das Gerücht ist immer größer als die Wahrheit", sagt schon ein altes Sprichwort.
Wie sehr dies doch auf Eure Stadt zutrifft - meine lieben Wächter - das vermögt ihr gar nicht zu erahnen.
Ihr suhlt euch im Ruhm, dem goldenen Glanz von einstiger Pracht, von Königen und Herrschern, die das Land zu ihrem machten und es durch Geiz und Zorn dem Schönen entrissen und den Neid und Hass schürten.
Ich hasse Eure Stadt nicht, liebe Wächter, und es hat mir auch niemand etwas Böses zugetan. Mir scheint, als sei mein Antrieb, mein Motiv, euch noch immer nicht eröffnet. Mich dünkt, die Stadtwache von Ankk-Morpork ist auf der falschen Fährte, denn sie suchen nach einem hasszerfressenden, geldgierigen Monster, das Schaden und Angst zufügen will. Dies habt ihr, Bürger der Stadt, schon selbst erledigt und soll nicht meine Aufgabe sein.
Richte ich meine Worte nun an euch, meine verehrten Gildenspezialisten, so hoffe ich, dass ihr mein Spiel durchschaut und mir auf die Schliche kommt. Denn jedes Spiel macht nur dann am meisten Spaß, wenn man einen ebenbürtigen Gegenspieler hat und man Aug' in Aug' um den Sieg spielt. Aus diesem Grunde etwas anspruchsvolles für euch, sitzen in euren Reihen doch kluge und geschulte Köpfe, einer weiser als der andere.

In einem Hafen hatten vier Schiffe festgemacht. Am Mittag des 2. Januar, im Jahr des boykottierenden Hirsches, verließen sie gleichzeitig den Hafen.
Es ist bekannt, dass das erste Schiff alle drei Wochen in diesen Hafen zurückkehrte, das zweite Schiff alle fünf Wochen, das dritte alle neun Wochen und das vierte alle fünfzehn Wochen.
Wann trafen alle Schiffe das erste Mal wieder in diesem Hafen zusammen?

Findet die richtigen Zahlen und sie leiten Euch zu einem historischen Bildnis eurer selbst, dessen Fehlen der Stadt nicht nur ihr Gesicht, sondern auch ihr Ansehen schmälern würde.

Hochachtungsvoll,
Nick der Profi


"Er weiß sich zu artikulieren." Glum Steinstiefel nahm wieder Platz. "Dumm ist er nicht."
"Es war eine Frage der Zeit bis er uns eine Nachricht zukommen ließ", sagte Breda. "Immerhin sind wir die einzigen, die bisher keine hatten."
"Also alles wie immer?!" Patrick Nichts quittierte Bredas finsteren Blick mit einem Grinsen. "Kein Grund zur Aufregung, Mä'am. Das beste immer zum Schluß, nicht wahr?"
"Er gibt der Stadt selbst die Schuld an dem, was mit ihr passiert ist", dachte Zu-Arm-Für-Einen-Namen laut. "Er will sie bestrafen für das, was aus ihr gemacht wurde. Warum?"
"Nicht jeder ist glücklich mit dem Verlauf der Vergangenheit", sagte Humph. "Er schrieb, dass wir sein wahres Motiv noch nicht verstanden hätten. Er sei weder auf Geld aus, noch will er die Stadt in Angst und Schrecken versetzten."
"Das überlässt er uns selbst."
"Was meinst du damit, Harry?"
Der Gnom, der eher mit sich selbst als mit den Anwesenden gesprochen hatte, kratze sich am Kinn. "Nun, er hat es bisher auf welche Dinge abgsehen? Die goldenen Zeiger am Kunsturm, die Eigentumszertifikate diverser hoher Tiere, die in der angeblich sicheren Bank gelagert wurden, was noch? Die Wetterhähne der Assassinen- und Gewerkschaftsgilde. SUSI war nahe dran, aber es ist nicht ihr Metier. Schließlich der "goldene Löffel", mit dem sich der Zwerg Torks im Jahr des Annehmbaren Sommerregens den Weg aus dem unterirdischen Labyrinth geebnet und so die Zwerge seines Clans vor ewiger Knechtschaft bewahrt hat."
"Allesamt wichtige Zeugen der Zeit."
Der Gnom nickte seinem Abteilungsleiter zu. "Er will Unruhe stiften, ja. Aber von innen heraus. All diese Gegenstände sind Zeichen für Unabhängigkeit und Freiheit, Sicherheit und Scharfsinn, der dieser Stadt zugesprochen wird. Ohne sie ist Ankh-Morpork nur eine Stadt wie jede andere auch."
"Wenn die Bürger merken, dass die für sie überlebenswichtigen Symbole, die diese Stadt hat und braucht, gestohlen wurden ..."
"Passiert gar nichts?", fragte Glum hoffnungsvoll.
"Entweder das oder es bricht das totale Chaos aus. Wer weiß schon, wie Ankh-Morporks Bürger reagieren?"
Stille füllte den Raum, als die Wächter sich vorstellten, jeder nach seinen eigenen Möglichkeiten, wie Chaos über die Stadt kam. Glum schauderte, Hatscha al Nasa erstarrte entsetzt, Breda grinste und Humph MeckDwarf sah Überstunden en masse.
"Ähm", unterbrach Helmi die gedachten Apokalypsen seiner Kollegen. "Vielleicht sollten wir uns daran machen, das Rätsel zu lösen?"

~4~


Die Vorhalle des Kunsthistorischen Mueseums zu Ankh war angefüllt mit Kisten und in Leinen verpackten Paketen, dicht an dicht gestapelt und mit einer zierlichen Handschrift durchgehend nummeriert.
"Wie sollen wir hier ein bestimmtes Bild finden?" Breda legte den Kopf in den Nacken und begutachtete die Decke. Sie war mehrere Meter hoch. "Wir wissen noch nicht einmal, ob die Lösung richtig ist."
Humph MeckDwarf lehnte sich über den leeren Empfangstresen, der den Kopf der Halle zierte. "Für meine Ohren klang es logisch. Und der Klackertyp hat doch auch noch einmal drübergesehn."
Breda zuckte nur mit den Schultern. Mit Zahlen hatte sie noch nie viel zu tun gehabt, geschweige denn mit ihnen jongliert. Sie hatte sich den Lösungsweg mitgeschrieben, doch er machte in ihren Augen einfach keinen Sinn.
"Primelzerlegung", las sie auf dem kleinen, zerknitterten Zettel, den sie heimlich aus ihrer Jackentasche zog. "Was, bitteschön, haben Blumen mit Schiffen zu tun?"
"Hm?" Erfolglos suchte Humph hinter dem Tresen nach einem Mitarbeiter, fand aber nur eine kleine Glocke, die er betätigte.
"Ach nichts." Breda steckte den Zettel wieder weg.
"Sie haben geläutet?", erklang eine Stimme hinter ihnen.
"Ja, haben wir." Breda zeigte dem Igor ihre Marke. "Stadtwache, wir würden gerne ... hast du grade Sie gesagt?"
"Nein, Mä'am, daf habe ich nicht."
"Doch, ich bin mir ziemlich sicher, dass ..."
"Wir würden gerne mit dem Herrn Direktor sprechen", unterbrach Humph seine Stellvertreterin. "Wir haben Grund zur Annahme, dass ein Attentat auf eines der Gemälde geplant ist."
"Der Direktor ift fur Feit nicht fu fprechen." Er deutete mit der Hand seiner Urgroßmutter auf einen Mann, der am Fuße der Treppe im ersten Stock in ein Gespräch vertieft war. "Um welchef Bild handelt ef fich denn?"
"So genau wissen wir das nicht. Wir haben nur ein Datum."
"Und wie lautet diefes Datum?", fragte der Igor, ohne einen gewissen Unterton unterdrücken zu können. Es schien häufiger zu passieren, dass Leute nach etwas bestimmten fragten, ohne sich im Klaren darüber zu sein, um was es sich eigentlich handelte. Es war wie in einer Buchhandlung, in der Kunden ganz explizit nach diesem einen Buch fragten. Mit einem Mann und einer Frau, die sich verlieben. Am Ende sind alle glücklich, mit ganz vielen Seiten und so.
"Daf Datum?", forderte der Igor erneut.
"Der zehnte Dezember im Jahr des boykottierenden Hirsches."
Wortlos verschwand der Igor hinter dem Tresen und holte ein abgewetztes Büchlein hervor. "Da kommen mehrere in Frage. Haben Fie weitere Informationen?"
"Wir wissen nur, dass es ein Bildnis unserer selbst darstellen soll."
"Ah, eurer felbft."
"Ja, das sagte ich doch."
"Nein nein, Ihr miffverfteht. Daf Bild: 'Bildnif eurer felbft'. Moment." Der Igor öffnete das Büchlein und blätterte zielstrebig. "Hier ift ef. Am fehnten Defember im Jahr def boykottierenden Hirfef begann die Tefumanische Belagerung der Ftadt Ankh-Morpork. 'Bildnif eurer Felbft' ift aber nur der Untertitel."
"Wo finden wir dieses Bild?" Der Hauptmann begann unruhig von einem Bein aufs andere zu treten. Sie schienen auf der richtigen Spur zu sein.
"Wir führen derfeit eine Inventur durch und arrangieren die Bilder neu. Ich fürchte, fie müffen warten, bif der Direktor Zeit für fie hat."
"Dafür haben wir aber keine Zeit!"
"Humph, warte!"
Ungeduldig stapfte der Abteilungsleiter an dem Igor vorbei die Treppe hinauf, wo der Museumsdirketor immer noch in das Gespräch verwickelt war.
"Ich versteh sie ja, Herr Pino. Aber ich kann Ihnen nur den Ostflügel anbieten. Die Haupthalle ist für feste Aussteller reserviert."
"Aber mäine Bilder brauchen mähr Lischt!" Der Künstler untermalte sein Worte mit einer großen Geste. "Die Schönheit meiner Fontasie kommt nuar dursch ausreichend Beläuchtung zum Ausdruck. Härr Direktor, isch flehe Sie an!" Erneut öffnete er seine Arme zu einer ausladenden Geste, wobei er einen der dekorativ aufgestellten Blumentöpfe vom Treppengeländer stieß, sodass er klirrend neben Bredas Stiefel landete.
Der Angesprochene hob beschwichtigtend die Hände. "Selbstverständlich, Herr Pino. Beruhigen Sie sich doch! Ich bin mir sicher, dass sich da etwas einrichten lässt."
Zufriedenheit schob sich über das hellhäutige Gesicht des Künstlers. Sein Schnurrbart wackelte hin und her, als seine Mundwinkel breiter wurden. "Sähr schön. Das freut misch. Isch sähe, Sie haben Besuch." Er trat einen Schritt zur Seite und gab den Weg für die Wächter frei, die der Einladung folgten und näher traten.
"Wir stören nur ungern, aber wir sind in einer dringenden Angelegenheit hier."
"Wie? Oh ja. Natürlich! Die Stadtwache. Ich hoffe, das Museum soll nicht beklaut werden. Haha!" Der Direktor fuhr sich nervös durch sein silbernes Haar. Die Auseinandersetzung mit dem Mann schien ihn verstört zu haben. "Herr Pino, wenn Sie dann die Güte hätten?"
"Natürlisch! Isch verlasse misch auf Ihr Wort. Meine Herren", er verbeugte sich, "und Dame. Die Kunst wartet auf mich und isch fühl misch von der Muse geküsst. Das muss isch nutzen."
Bevor die Wächter etwas sagen konnten, war der Mann bereits die Treppe hinunter und aus dem Blickfeld entschwunden.
"Komischer Typ", sagte Breda.
"Wem sagen Sie das? Und seine Bilder? Furchtbar! Ich fürchte, ich werde nicht drum herum kommen sie auszustellen. Herr Pino hat einflussreiche Freunde." Er seufzte, raffte sich dann aber zusammen und straffte seine Gestalt. "Also, womit kann ich Ihnen dienen?"

~5~


"Das ist es!" Dem Museumsdirektor gelang es, den Stolz etlicher Generationen von Direktoren in seine Worte zu legen.
"Hübsch" Breda brauchte ihre Begeisterung nicht zu zügeln, denn es gab keine. "Was stellt es dar?"
"Eintausend Tezumaner belagern die Stadt", erklärte der Museumsdirektor.
"Die Stadt?"
"Ankh-Morpork. Mit der Belagerung begann die zehnjährige Besatzung des jungen Ankh-Morporks. Es heißt, das Finanzwesen sei damals deutlich weniger ausgeprägt gewesen und die Stadt so den Angriffen feindlicher Heerscharen schutzlos ausgeliefert."
"Wie haben es die Tezumaner aus ihrem Dschungel bis nach Ankh-Morpork geschafft?"
"Es gibt Aufzeichnungen über einen großen religiösen ..."
"Krimskrams", mischte Humph sich ein, "konzentrieren wir uns auf das Wesentliche: Der Raum hat nur einen Zugang. Wir postieren einfach eine Wache vor dem Durchgang."
Breda schüttelte den Kopf. "Wenn die Wache vor der Tür steht, kommt der Dieb vielleicht nicht." Sie sah sich in dem großzügig geschnittenen Raum um und zeigte auf das Sofa, das dem Bild gegenüberstand. "Wenn die Wache sich darauf setzt, sieht man sie zumindest nicht schon von Weitem."
"Hm", machte Humph. Dann lächelte er. "Wie wär es mit einer Wache unter dem Sofa?"
Breda verstand. "Der Oberststabsspieß wird sich freuen."
"Es gibt noch einen weiteren Zugang", sagte der Museumsdirektor.
Humph seufzte. "Und der wäre?"

~6~


In der Galerie des Kunsthistorischen Museums zu Ankh warteten das "Schwert, das Gideon der Gräßliche garantiert in seiner Freizeit trug" und "Bastyas Brünne, die sie auch beim Frühstück nicht ablegte" vergeblich auf Harrys staunende Augen. Insbesondere die Brünne hätte er gern näher begutachtet. Der Gnom seufzte in seinem Versteck und fragte sich, ob dort auch Ausüstungsgegenstände von Freddy Frettchentöter zu finden waren. Natürlich war Freddy reine Fiktion, natürlich! Aber in jeder Geschichte steckte zumindest ein Körnchen Wahrheit, das hatte er in den langen Jahren bei der Stadtwache gelernt.
Fahles, durch die Vorhänge gedämpftes Mondlicht tauchte das Bild am anderen Ende des Raumes in Dutzende Grautöne. Die Nacht im Museum war langweilig und still und Harry war sich sicher, dass er jeden frühzeitig bemerken würde, der versuchte, sich dem Bild zu nähern. Ein Quietschen drang durch den einzigen Durchgang vom Nachbarraum herüber. Es klang gleichmäßig wie eine schlecht geölte Maschine und wurde stetig lauter. Harry horchte auf. Das Quietschen kam näher.
Langsam verließ er sein Versteck unter dem Sofa und näherte sich dem Durchgang. Eine Hand ruhte nervös auf dem kleinen Schwert an seiner Seite. Als er den Durchgang erreichte atmete er tief durch. Das Quietschen war jetzt ganz nah. Nur einen Blick werfen ...
Harry spähte um die Ecke und sah ein Gefährt auf sich zukommen, das sich auf kleinen Holzrädern fortbewegte. Eine runzelige Gestalt hielt es über Hebel auf Kurs und trat es strampelnd an. Ein Kessel qualmte auf der Ladefläche des Gefährts vor sich hin.
"Stadtwache Ankh-Morpork, sofort anhalten!", rief Harry der Gestalt zu, die winkend und grinsend an ihm vorbeifuhr. Der Qualm erreichte ihn und umhüllte seine Gedanken. Was tat er hier eigentlich? Er sollte in einem Bett liegen und schlafen! Ja ... schlafen ...

Auch Hatscha langweilte sich zunächst auf ihrem Posten. Der sommerliche Tag hatte unter dem Dach des Museums ein angenehmes Klima für die Nacht geschaffen. Hier befand sich ein Atelier mit großen Oberlichtern und nach Norden ausgerichteten großen Fenstern. Leider war die Nacht bewölkt und es fiel nur wenig Licht auf die mit Tüchern abgedeckten Staffeleien. Der Geruch verschiedener Öle und Harze drang selbst durchs Hatschas dauergereizte Nase. Sie lauschte in die Dunkelheit, doch das Atelier schwieg still. Auch aus dem Raum mit dem Gemälde ein Stockwerk tiefer drangen keine Geräusche herauf.
Dann klarte der Himmel auf, den sie über eines der Oberlichter beobachten konnte, und sie begann die Sternbilder zu suchen, von denen ihre Eltern ihr oft und gern erzählt hatten. Die Aussicht auf den Himmel war begrenzt, doch sie konnte zumindest einen interessanten Teil des Jungfräulichen Widders entdecken, der Erfolg bei frühmorgendlichen Unternehmungen versprach. Sie fragte sich, ob halbeins in der Nacht schon als frühmorgendlich galt und ob sie die Halbleere Kaffetasse sehen würde, Wahrzeichen der wahrlich Deprimierten, wenn sie ihr Versteck verließ. Pflichtbewusst, wie sie war, trank sie stattdessen lieber einen Schluck Kaffee aus ihrer Thermoskanne. Eine kühle Brise ließ sie frösteln.
Alarmiert blickte sie zum Dachfenster hinauf. Ihre durch klatschianischen Kaffee geschärften Sinne bemerkten einen Schatten, der vor dem Gemächt des Widders am Himmel vorbeihuschte. Etwas Rundes schlug vor ihr auf dem Boden auf und zerbrach. Zischend entwich Luft aus dem geborstenen Innern. Sie starrte abwechselnd von den Trümmern am Boden zum Dachfenster auf und es dämmerte ihr: Das Fenster stand offen!
Dann sank sie in wohltuende Schwärze hinab.

~7~


"Also ich finde diese Bilder nicht unbedingt schrecklicher als die alten." Breda stand vor einem Bild in grellbunten Farben. Sie war der Meinung, es stellte einen großen, purpurnen Tiger mit Glupschaugen dar, doch Humph sah darin den Jahrmarkt von Gennua. Vermutlich hatten sie beide Recht, denn in Gennua gab es tatsächlich purpurne Tiger, insbesondere wenn Jahrmarkt war.
Der Museumsdirektor war entschieden anderer Meinung und schnappte mit geröteten Wangen nach Luft. "Das ist ein Skandal! Ich werde mich beim Patrizier über Ihre Unfähigkeit beschweren!"
Humph hob beschwichtigend die Hände. "Ganz ruhig, wir finden den Kerl schon noch. Bis auf", Humph schielte auf einen kleinen Zettel, "'Befreiung von der Tezumanischen Herrschaft - Bildnis eurer selbst' hat er also nichts gestohlen?"
"Das wissen wir noch nicht. Der Einbrecher hat die meisten Bilder umgehängt! Und überall Pinos ... grässliche Werke aufgehängt! Die befanden sich in den großen Kisten im Eingangsbereich."
"Pino?" Humph horchte interessiert auf.
"Ja, Sie haben ihn doch gestern kennengelernt. Er hat mit mir um seine Bilder gestritten. Ich hatte ihm den Ostflügel angeboten, doch das reichte ihm nicht. Er wollte seine Geschmacklosigkeiten in der Haupthalle präsentieren!"
Humph sah sich das Bild mit dem schreiend bunten Tiger-Jahrmarkt an: Es hatte einen blassen Rahmen, der auf das Fehlen eines größeren Bildes hinwies, das hier lange Zeit gehangen hatte. "So schwer es Ihnen auch fallen mag: Bitte hängen Sie vorerst nichts um!"
Die uniformierte Mumie Ptupekh kam herangeschlurft. "Die Susen haben einen Fußabdruck gefunden. Könnte mit den zuvor gefunden übereinstimmen", murmelte er und schlurfte wieder davon.
"Ich mag seine prägnante Art", sagte Humph.
"Ich seh' mir das mal an." Breda ließ ihren Abteilungsleiter mit dem Direktor des Museums allein.
"Sie haben gesagt", wandte sich Humph wieder an den Direktor, "es gibt nur zwei Zugänge zu diesem Raum hier. Unsere Straßenwächter hatten das Gebäude umstellt und nichts Verdächtiges bemerkt."
"Ja", bestätigte der Direktor. "Unfähig!"
Humph ließ die Kritik an seinem Ego abprallen. "Wir haben ein paar exzellente Wasserspeier. Denen entgeht so leicht nichts. Der Dieb war vermutlich schon im Gebäude, als wir es abgesichert haben. Was ist das?" Humph beäugte eine Stelle des neuen Bildes.
Der Direktor folgte seinem Blick. "Ölfarbe blättert leicht ab. Das Gemälde ist offenbar nicht vorsichtig genug transportiert worden. Der Einbrecher geht mit Gemälden genauso gut um wie dieser Pino!"
Humph fuhr mit einem Finger über den dargestellten Einlass eines bunten Zeltes - Breda hätte gesagt, das sei ein Eckzahn des Tigers - und kratzte etwas Farbe ab. "Das gehört doch nicht zur Leinwand."
Der Direktor trat näher. "Nein. Das ist ein Stück Pergament."
Humph zog an dem Zipfel Pergament, der aus der freigekratzten Stelle lugte. "Na sowas."

~9~


"Ihr habt Schweine gejagt?" Rea starrte Humph ungläubig an.
Humph sah die Abteilungsleiterin der SEALS einen Moment lang durchdringend an. "Nein. Schnitzel. Es war eine Schnitzeljagd. Hast du das als Kind nie gespielt?"
"Für sowas hatte ich bestimmt keine Zeit!", entgegnete Rea und wandte sich dem Kommandeur zu, der über einer Reihe Zettel brütete, und signalisierte damit, dass der Exkurs in ihre Kindheit für sie beendet war.
"Acht Rätsel", verkündete Humph der Runde der versammelten Abteilungsleiter. "Jedes Rätsel führte uns zu einem neuen Pino-Bild. Bis auf das letzte. Das führte uns zu diesem." Er reichte eine Ikonographie herum. "Das habe ich anfertigen lassen."
Das Bild wanderte durch die Hände der Anwesenden.
"Das muss ein Scherz sein!" Laiza sah fassunglos zu Humph. Dieser schüttelte den Kopf.
"Nein, aber ich denke dass..."
"Ich wusste es!" Romulus von Grauhaar sprang auf und stieß dabei seinen Hocker um. "Ich wusste, dass es nicht bei solchen Lapalien bleibt!"
"Wir müssen ihn aufhalten, bevor er ..." Rea schnappte nach Luft. "Bevor er ..."
MeckDwarf versuchte, seine Kollegen zu unterbrechen. "Nein, wartet. Ich denke nicht, dass Nick ..."
"Wir müssen uns beeilen! Keine Sekunde mehr verschwenden. Bregs, ich kann die FROGs innerhalb von zehn Minuten zusammen trommeln."
"Araghast", Humph wandte sich dem Halbvampir zu. "Warte noch. Es kann auch ein Fehler sein. Dieser Nick ist kein Mörder. Es liegt nicht in seiner Absicht, den ..." Breguyars Hand brachte ihn zum Schweigen und Totenstille in den ganzen Raum. "Darauf können wir uns nicht verlassen, Humph. Ihr habt die Rätsel alle gelöst, richtig?"
"Ja, aber ..."
"Und ihr habt sie mehrmals kontrolliert?"
"Das haben wir, aber ..."
"Du willst mir doch nicht sagen, dass deine Mitarbeiter, trotz mehrmaliger Korrektur, fehlerhaft gearbeitet haben und die Ergebnisse, die du uns eben vorgetragen hast, falsch sind?"
Humph zögerte. "Nein, das will ich nicht."
"Aber du willst riskieren, dass Nick der größte Coup aller Zeiten gelingt, nur weil du von seiner ehrlichen und charmanten Art überzeugt bist?"
Für einen Augenblick lang stand Humphs Welt still. Er war sich sicher gewesen, dass Nick nur ein Dieb war. Ein ziemlich guter sogar, aber kein Mörder. Er wollte auf Dinge aufmerksam machen, die Menschen wach rütteln, aber nicht so. Zumindest dachte Humph das bislang. Aber wie er so in das funkelnde Auge des Kommandeurs blickte, überkamen ihn Zweifel. Konnte er wirklich so falsch liegen? Was, wenn die Sache in die Hose ging, weil er, Humph MeckDwarf, an die Ehrlichkeit eines Diebes glaubte? Glaubte er denn wirklich daran?
Er wich einen Schritt zurück und senkte den Blick. "Nein, du hast Recht. Das können wir nicht riskieren."
Der Kommandeur nickte und sah dann zu den restlichen Anwesenden.
"Valdimier, versammel deine Leute und weise sie ein. Diese Sache hat allerhöchste Priorität. Nehmt alles mit, was ihr braucht. Ihr habt von mir freie Hand und vollste Kompetenzzuweisung. Ich will jeden verfügbaren Wächter am Ort des Geschehns sehen. Humph, von euch will ich heut keinen mehr sehen. Ihr habt genug getan." Mit diesen Worten und einem diabolischen Grinsen auf den Lippen verschwand der Kommandeur mit den anderen. Lautes Poltern und Rufe drangen nach oben in das Büro und selbst durch die geschlossene Tür konnte MecDwarf die Anweisungen seiner Kollegen hören.
Nachdenklich blickte er auf das Bild, das nun auf dem Tisch des Kommandeurs lag.
"Verdammt nochmal!", sagte Hummph und verließ das Büro. Zurück blieb ein Vetinari, der stumm und unbeweglich an die Decke starrte.

~10~


Breda tat so, als läse sie das "Buche für Anfängher in der Kommuhniekazion". Ein aufmerksamer Beobachter hätte bemerkt, dass sie das Buch falsch herum hielt. Ihre Gedanken waren bei Nick, dem Profi, der sie alle bislang so erfolgreich an der Nase herumgeführt hatte. Es wurmte sie, dass sie hier an der Taubenkommunikationsanlage Stellung halten musste, während sich die anderen Abteilungen bei Vetinari vergnügten. Allerdings hielt sie Humphs Zweifel für berechtigt. Eine Taube gurrte wie zur Bestätigung. Sie hoffte, dass ihre Kollegen etwas herausfänden. Bis dahin würde sie wohl den Taubenstand messen oder eine Testbotschaft verschicken müssen, schließlich wollte sie ihre neue Ausbildung ja auch irgendwann einmal erfolgreich abschließen.

"Ich finde es sehr schwer, Rätsel zu lösen, deren Lösung man bereits kennt", sagte Helmi Bernstein. "Ich meine: Wie sollen wir herausfinden, ob eine andere Lösung vielleicht besser passt?"
"Tja", antwortete Glum Steinstiefel. "Genau deshalb haben sie ja uns damit beauftragt!"
Die beiden Zwerge saßen im Kunsthistorischen Museum zu Ankh vor einem Portrait der Mundlosen Susanne und hatten die Rätselzettel vor sich ausgebreitet.
"Hey, nimm's nicht so schwer, Glum! Immer noch besser, als wie die anderen im Patrizierpalast Stellung zu beziehen."
Glum seufzte und nahm sich einige der Zettel, um sie nacheinander zu sichten. "Dreimal gefaltetes Papier. Jedes Mal verdoppeln sich die Lagen. Zwei mal zwei mal zwei ist acht! Der auf der Leiter am Schiffsrumpf hängende Matrose muss keine Stufe hinaufklettern, um sich vor der Flut zu schützen, weil das Schiff sich mit anhebt. Frosch verhält sich zu Kaulquappe, wie Huhn zu Ei."
"Küken!", warf Helmi ein. "Das Küken ist das Junge der Henne. Das Ei ist bloß der Behälter."
"Stimmt. Steht ja auch hier. Also 'Küken'."
"Sehen wir uns die Bilder noch einmal an", schlug Helmi vor.
Glum stand auf und nickte, als er seinem jungen Freund auf die Beine half. "Die Bilder von Fredrick gehen mir langsam richtig auf den Geist. Die Formen sind durchaus gewagt und konsequent verwendet, aber die Farben, die schreien echt zum Himmel!"
"Fredrick?", fragte Helmi, als sie den Raum verließen. "Wieso Fredrick?"
"Fredrick Pino? Der Meister der grausamen Komposition? Das stand doch in einem der Berichte. Er hat all das hier verbrochen." Glums Geste umfasste das ganze Museum.
"Du meinst, Fredrick Pino ist Nick der Profi?" Der junge Zwerg begann zu grübeln.
"Was? Nein! Wie kommst du darauf? Nick ist der Dieb und Pino der Maler. Wieso ...?"
"Gib mir mal den Stift", verlangte Helmi und begann zu kritzeln. "Schreibt man Fredrick mit Cehkah?"
"Ja, ich denke schon." Glum sah ihm neugierig über die Schulter. "Was tust du da?"
"Ich ordne die Buchstaben des Malernamens neu an. Moment ... Hier!"
Glums Augen weiteten sich, als der andere ihm seine Lösung unter die Nase hielt. "Nick ist Fredrick", sagte er tonlos. Er setzte sich auf den Schoß der 'Skulptur vom denkenden Krieger'. "Das ist eine interessante Neuigkeit. Aber was fangen wir mit ihr an?"
"Jetzt, da wir das wissen, wissen wir, dass Nick sich vor dem Diebstahl hier im Museum aufgehalten hat, nämlich als Pino! Er hat mit dem Direktor gesprochen und sich ausführlich umgesehen."
"Stimmt, Helmi! Und wir wissen, dass in besagter Nacht niemand das Museum betreten oder verlassen hat. Vielleicht hat Pino, also Nick, sich nach seinem Besuch hier irgendwo versteckt?"
"Die Kisten", rief Helmi. "Sie enthielten seine Bilder, aber sie sind groß genug, dass sich ein Mann darin verstecken kann!"
"Schauen wir nach!"

Breda griff nach der Taube, die sich frisch im Posteingangsnetz verfangen hatte. Sie entnahm die Nachrichtenkapsel und setzte das verstörte Tier zu den anderen in den Schlag. Als sie die Nachricht las, grinste sie. Der alte Haudegen hatte Recht gehabt! Breda eilte davon. Zum Glück waren alle DOGs in Alarmbereitschaft.

~11~


Fredrick legte das Brecheisen zur Seite. Das Kerzenlicht flackerte, als er den Deckel der Holzkiste zur Seite schob und sie auf den Boden prallen ließ. Der Krach hallte zwar von den steinernen Wänden wider, doch es war außer ihm niemand weit und breit da, um es zu hören. Fredrick wusste alle Wächter beim Patrizier, selbst die Wachen, die man vor dem Kunstturm postiert hatte, waren abgezogen worden. Wehmut überkam ihn, als er die prunkvollen Steine in die Hand nahm und in den Leinensäcken verstaute. Jetzt, am eigentlichen Ziel, war das Spiel vorbei. Monatelange Vorbereitungen und Erkundungen, selbst die Beschaffung seiner kleinen Helfer, all das gehörte zum großen Puzzle namens Nick, der Profi. Er hatte es genossen und gespielt, als ob es kein Morgen gäbe. Und die Wache war ein würdiger Gegner gewesen.
"Leider", seufzte er. "Leider gibt es kein Finale."
"Wieso nicht? Wird es wegen schlechtem Wetter verschoben?"
Fredrick Pino lächelte, als er sich umdrehte. "Hauptmann MeckDwarf! Es freut mich! Sie haben die richtige Lösung doch noch gefunden?"
"Allerdings, auch wenn ich zugeben muss, dass Sie uns ganz schön an der Nase herumgeführt haben. Es war sehr schlau, Ihren echten Namen beim Direktor des Museums preiszugeben. Das hat was."
"Vielen Dank!" Pino verneigte sich. "Aber Sie und Ihre Leute waren eine echte Herausforderung für mich. Im Museum dachte ich für einen kurzen Augenblick, die Vampirin durchschaut mich."
Humph lachte und trat näher. "Die Stadtwache hält Sie für einen potenziellen Mörder, sowas spricht sich schnell rum. Ich weiß nicht, ob ich sie vom Gegenteil überzeugen kann."
"Ich weiß Ihre Mühen sehr zu schätzen, Hauptmann. Und es ist mir eine Ehre, Ihnen meine Niederlage einzugestehen. Ich werde jede Strafe so hinnehmen, wie man es für richtig errachtet."
Im Licht der Kerze tanzten die Schatten der beiden Männer und eine beruhigende Atmosphäre umgab sie.
"Ich würde nicht sagen, daß Sie verloren haben, Pino. Es ist wie bei einer guten Schachpartie, an deren Ende nur noch die zwei Könige übrig sind." Er runzelte die Stirn. "Sie wissen genau, daß ich Sie nicht festnehmen kann. Es würde sofort an die Presse gehen. 'Die Stadtwache fängt den Meisterdieb'. Und dann käme auch heraus, was Ihnen alles gelungen ist. Einige Leute müssten dann eine Menge guter Erklärungen abgeben."
"Sie meinen die gefälschten Zeiger der Turmuhr?"
"Zum Beispiel, ja."
"Wussten Sie, dass der Goldene Löffel des Torks nur noch aus Blech besteht, weil einer der ehemaligen Herrscher der Stadt keine liquiden Mittel mehr hatte und ihn deswegen einschmelzen ließ?"
"Die Zwerge der Stadt wären außer sich, wenn sie das erführen."
Der erste Sonnenstrahl des Tages kroch durch eines der Fenster und unterbrach jäh den Tanz der beiden Schatten.
"Was werden Sie Ihrem Kommandeur erzählen?"
"Die Wahrheit. Wir haben Sie erwischt und festgenommen. Sie haben uns erzählt, wo das Diebesgut versteckt ist und baten um ein Glas Wasser. Als wir Sie von den Fesseln lösten, schlugen Sie einen meiner Wächter nieder und flohen. Irgendwo stahlen Sie ein Pferd und verschwanden durch das Große Tor."
Die Männer sahen sich tief in die Augen, dann reichten sie sich die Hände.
"Es war mir ein Vergnügen, Fredrick Pino!"
"Ein Schuppen in der Ankertaugasse. Angemietet auf den Namen Prof. Iren Dick."
Auch ohne Zettel und Stift wusste Humph, dass auch dieser Name ein weiteres Anagram war. "Gute Reise."

~12~


Die verdeckte Ermittlerin Mina von Nachtschatten hockte neben ihrem Abteilungsleiter Romulus von Grauhaar in einer schmalen Seitengasse, von wo aus sie den Haupteingang des Patrizierpalasts beobachteten. "Sir?", begann sie vorsichtig. "Wir warten jetzt schon seit mehreren Stunden darauf, dass etwas passiert. Es wird bald hell und ..."
"Wir warten weiter", knurrte Romulus. "Auf solche Typen ist Verlass!"

Kolumbini nestelte an seiner Pfeife und fragte sich, ob im Patrizierpalast eigentlich Rauchverbot herrschte. Neben ihm stand Lili Baum wie angewurzelt. "Ich glaube", sagte er mehr zu sich selbst, "der kommt nicht mehr."
Günther, der Sprechdämon, reckte sich in seinem Zuhause. "Das kannste laut sagen, Kumpel! Gibt's hier irgendwo was zu essen? Ich sterbe vor Hunger!"

Araghast Breguyar hatte sich auf eine spannende Nacht gefreut: Wie in alten Zeiten den Verbrecher auf frischer Tat ertappen und - vielleicht nach einer kleinen Verfolgungsjagd über die Dächer der Stadt - dingfest machen. Kampflustig lauerte er unter dem Treppenabsatz, der zu Vetinaris Schlafgemach führte.
"Sir?"
Breguyar fuhr herum. Die Spitze des Degen verharrte zitternd vor dem angstgebleichten Gesicht eines Rekruten. "Was?", zischte er.
"M-meine Schicht, Sir, s-sie i-ist b-bereits seit einer Stunde vorb-bei. Sir!"
"Und?" Breguyar ließ seine Frage eine Weile wirken. "Du bist Wächter, Mann! Es ist deine Aufgabe, deiner Stadt zu dienen. Bis zum bitteren Ende, wenn's sein muss! Geh ... irgendwas bewachen! Wegtreten!"
Mit zu allem entschlossener Miene richtete er seine Aufmerksamkeit wieder der Tür zu, durch die Nick der Profi kommen würde. Bald schon. Er würde ihn nicht entkommen lassen. Durch ein hohes Fenster kroch das erste Licht des Tages und blendete den Kommandeur der Stadtwache für einen Moment. Er blinzelte. Nick der Profi würde diese Partie verlieren!
Breguyar hatte nicht den Hauch einer Ahnung, dass nur ein paar Meilen vor Ankh-Morpork ein einsamer Reiter die Sto-Ebene mit genau dem Wissen durchquerte, eine äußerst gute Partie verloren zu haben.
Zählt als Patch-Mission für den Bulldogge i. A.-Patch.



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