Eine Vorführung vorzuführen

Bisher hat keiner bewertet.

von Wächter Dippwin Damo Felabro Bendolch (GRUND)
Online seit 07. 11. 2005
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Für Rekruten (erste Mission):
Auf dem heutigen Ausbildungsplan steht: "Spurensicherung." Dein Ausbilder hat in einem Raum einen Tatort konstruiert, nun sollst du dort alle wichtigen Spuren finden und erste Schlüsse daraus ziehen. Hoffentlich machst du alles richtig.

Dafür vergebene Note: 13

"Aber Sir, ich flehe sie an! Ist das wirklich notwendig?"
"H AUPTGEFREITER HOLM! Halt endlich den Mund und hör mit dem Lamentieren auf!" MeckDwarf warf Charlie Holm, einem seiner Spurensicherer einen warnenden Blick zu. "Ich habe es dir mehrfach erklärt. Der Kommandeur hat mir einen klaren Befehl erteilt und ich werde einen Teufel tun, ihn nicht zu befolgen, nur um dein angekratztes Selbstbewusstsein zu retten."
"Ja schon... aber warum ich?" Holms Stimme war nur noch ein Flüstern und kurz davor zu brechen. Diese Behandlung hatte er nicht verdient, nicht nach allem was er für die Wache getan hatte, nicht nach all seinen Leistungen. Noch vor kurzem hatte er für den Geheimdienst des Patriziers gearbeitet und jetzt so etwas!
Flehentlich blickte er zu seinem Chef empor, was bei ihrem Größenunterschied jedoch nicht ganz einfach war. Holm überragte den Abteilungsleiter von SUSI mindestens um eine Haupteslänge. Derzeit war der erfahrene Hauptgefreite jedoch ein gebrochener Mann und wirkte winzig im Vergleich zu MeckDwarf, der an einem der Fenster lehnte und missmutig das rege Treiben vor dem Wachhaus beobachtete. Der Pseudopolisplatz war zu dieser Zeit des Tages immer ziemlich belebt, aber noch immer konnte er keine Spur von Irina Lanfear ausmachen. Die Leiterin von GRUND wollte eigentlich bereits vor einer halben Stunde hier sein.
Als er sich vom Fenster abwandte, blieb sein Blick zum wiederholten Male an der traurigen Gestalt von Charlie Holm hängen. Eilig begann der Hauptmann einige Papiere aus den Innentaschen seines Mantels zu fischen, damit der gedemütigte Hauptgefreite nicht das Lächeln sehen konnte, dass sich fast augenblicklich im Gesicht seines Chefs ausbreitete. Der Anblick war aber auch zu amüsant.
Holm steckte von Kopf bis Fuß in der Tracht der Bäckergilde. Offensichtlich hatten sich die Leute seiner Abteilung alle Mühe gegeben, den Hauptgefreiten in seiner Verkleidung möglichst authentisch wirken zu lassen. Zu einem weißen und mehrere Nummern zu groß geratenen Bäckerkittel, hatte man ihn in eine schwarz-weiß karierte Hose gesteckt, die zwar ebenfalls deutlich zu weit ausfiel, dafür aber knapp unterhalb des Knies endete. Dazu trug er ein Paar abgelaufener Filzpantoffel, die vermutlich schon in den Tagen des verrückten Lord Schnappüber ihre besten Tage weit hinter sich gelassen hatten. Auf seinem Kopf thronte eine lächerlich große Bäckermütze, die Charlie immer wieder über die Augen zu rutschen drohte. Nur seine Ohren verhinderten, dass sein Kopf völlig in der weißen Röhre verschwand. Zum krönenden Abschluss hatte man ihn mit Unmengen von Mehl eingepudert und ihm ein frisch gebackenes Brot unter den Arm geklemmt. Offensichtlich hatte MeckDwarfs Abteilung eine ganz eigene Vorstellung davon, was einen echten Bäcker ausmachte.
"Sieh mal Charlie, mir gefällt diese Nummer genau so wenig wie dir. Der ganze Aufwand, nur um ein paar Rekruten in systematischer Tatort- und Spurensicherung zu unterweisen. Als wenn diese Dilettanten durch eine Lehrvorführung begreifen könnten, was unsere tägliche Arbeit ist. Warum bilden wir unsere Tatortwächter wohl mehrere Monate aus, bevor wir sie auf die Straße schicken?" Das Lächeln war aus MeckDwarfs Zügen verschwunden und machte einem gefährlichen Funkeln in den Augen Platz.
"Meinst du wir müssen solche Vorführungen jetzt ständig machen?" Charlies Stimme klang ein wenig ängstlich.
"Wer weiß? In einem Punkt hat der Kommandeur ja Recht. In den letzten Monaten kam es viel zu häufig vor, dass unerfahrene Wächter, die als erste an einem Tatort eintrafen, Spuren verwischt haben. Sicherlich nicht mit Absicht, aber oft genug konnten selbst wir anschließend nicht mehr anständig ermitteln. Sie bauen keine Absperrungen auf oder stehen sogar noch den lästigen Reportern der Times Rede und Antwort. Verdammt, vor zwei Wochen hat sich einer der Grünschnäbel grinsend neben einer Leiche fotografieren lassen! Eine Schlagzeile für die zweite Seite!"
"Dritte."
"Was?"
"Es war die dritte Seite, Chef. Auf Seite Zwei war die Ikonographie von der Braven-Bäurin-Isabel. Unter dem Bild stand, ihr sei so heiß, wenn sie ihre großen Melonen zum Markt trage." Charlies Blick schien für einen Moment in weite Ferne zu schweifen. "Es waren gar keine Früchte auf dem Bild zu sehen."
Für einen Moment herrschte betretenes Schweigen.
"Die Sache ist doch so", fuhr MeckDwarf fort und ignorierte geflissentlich die letzte Bemerkung seines Hauptgefreiten, "wenn die Idee mit der Vorführung funktioniert, haben auch wir etwas von der Sache. Die Rekruten machen weniger Fehler, zerstören keine Hinweise mehr und wir kriegen zukünftig ordentlich gesicherte Tatorte mit frischen Spuren."
"Muss ich dann noch öfter den Bäcker mimen?"
"Das bleibt abzuwarten."
Erneut fiel sein Blick auf den Pseudopolisplatz hinunter. Nein, so etwas hatte auch MeckDwarf in all seinen Dienstjahren noch nicht erlebt. Er ging vom Fenster wieder zu seinem Schreibtisch und ließ sich schwer in den Stuhl fallen. Die Vergrößerungsdämonen, die bis dahin still auf dem Tisch gesessen und interessiert das Gespräch verfolgt hatten, blickten abwechselnd vom Hauptmann zum Bäcker und warteten gespannt, was als nächstes passieren würde.

***


Im Innenhof des Wachhauses am Pseudopolisplatz hatten sich nahezu alle Rekruten eingefunden, die sich derzeit in der Ausbildung befanden. Für viele war es der erste Ausflug zum eigentlichen Hauptquartier der Wache und eine nervöse Ausgelassenheit, die einem Schulausflug gleichkam, machte sich langsam breit. Für die bevorstehende Lehrvorführung durch SUSI hatte Oberleutnant Lanfear die Rekruten aller Ausbilder zum Pseudopolisplatz befohlen. In kleinen Gruppen hatten sie sich nun im Hof versammelt und tauschten aufgeregt ihre ersten Erfahrungen aus. Die drei Unteroffiziere von GRUND, die für die Ausbildung verantwortlich waren, standen etwas abseits, beobachteten das kindliche Treiben und warteten auf ihre Chefin.
Dippwin befand sich in der Gesellschaft von Chi Petto und Bruder Laudes. Beide wurden wie er direkt von der Leiterin ausgebildet und hatten somit im Moment keine echte Aufsicht.
"Ist dies nicht ein herrlicher Tag? Man spürt die allgegenwärtige Präsens von Seramis, nicht wahr?" Bruder Laudes strahlte seine beiden Kameraden an. Der Priester des Gottes der kurzzeitig bewölkten aber größtenteils sonnigen Sommertage blickte glücklich in den blauen Himmel und blinzelte in die Sonne.
"Es ist Winter." Dippwin untersuchte seinen Helm, den er erst vor wenigen Wochen erhalten hatte und blickte nicht auf als er Bruder Laudes antwortete.
"Es spielt gar keine Rolle, dass Winter ist. Seramis setzt sich über derlei Banalitäten hinweg. Er ist stets präsent! Wie kannst du etwas anderes glauben, wo dich doch seine sonnigen Sonnenstrahlen wärmen?"
"Ich stehe im Schatten, Laudes. Abgesehen davon macht es keinen Sinn, einen Gott für Sommertage zu preisen, wenn doch ganz offensichtlich Winter ist. Es liegt Schnee, Sonne hin oder her!"
Beleidigt ließ Laudes den Blick sinken und starrte vorwurfsvoll den Ungläubigen an, der noch immer seinen Helm zu untersuchen schien. "Was machst du da eigentlich?"
"Ist kaputt, hat eine Beule." Dippwin zeigte ihnen eine deutlich eingedellte Stelle des Helmes. "Ist wohl beim Kämpfen passiert."
"Was? Hattest du etwa schon einen Einsatz? Konntest du jemanden festnehmen?" Laudes wirkte plötzlich sehr euphorisch und aufgeregt.
Dippwin blickte irritiert von seinem Helm auf. "Nein. Ich meine, als ich mit Chi Petto gekämpft habe."
"Ihr habt euch geprügelt? Und du hast seinen Helm kaputt gemacht?" Bruder Laudes wendete sich ungläubig an Chi Petto.
Der alte Mann aus dem achatenen Reich blickte unschuldig in die Runde. "Wil haben uns gal nicht geplügelt, du komischel Pliestel! Was ledest du denn fül ein Blödsinn?"
"Äähm...", Dippwin kratzte sich verlegen am Kopf, "Chi Petto kann eigentlich nichts dafür, weißt du? Wir mussten diese seltsamen Schwertübungen machen und da..."
"Ja?" Laudes wirkte gespannt.
"Del Tlottel hat sich selbst umgehauen! Hat sich den Alm ausgelenkt und den Velstand vellolen, del alme Ille!" resigniert schüttelte Chi Petto den Kopf, als sei er über den Verlust von Dippwins Geisteskraft über alle Maße enttäuscht.
Laudes brauchte einen Moment ehe er die Rede des Alten für sich übersetzt hatte. "Kannst du mir erklären was er damit meint?" wandte er sich wieder dem jüngeren seiner beiden Kameraden zu.

Konnte er das? Dippwin war sich nicht ganz sicher, was diese Frage betraf. Um ehrlich zu sein hatte er ja selbst Schwierigkeiten zu verstehen, was in den letzten Wochen alles passiert war, seit er den Eid geleistet hatte.
Er war aus purer Verzweiflung zur Wache gekommen, nachdem er seine krisensichere Stelle bei den Alchimisten verloren hatte. [1] Irgendwann blieb ihm keine andere Wahl mehr, da ihn alle anderen Gilden der Stadt bereits abgelehnt hatten. Er sehnte sich zurück in sein Labor, den kleinen Keller in dem er jahrelang sicher vor den Menschen auf der Straße seinen Forschungen hatte nachgehen können.
Bereits am ersten Tag fingen die Probleme an. Bei seiner Einstellung wurde ihm eine Uniform (Größe Mittel, einfach), ein Helm (Eisen und Kupfer, gebraucht), ein Schwert (Eisen, stumpf zu Übungszwecken), ein Schlagstock (Eiche, Standard), eine Armbrust (Burlich und Starkimarm Nr. 4 Standard - Offizieller Ausstatter der Assassinengilde seit dem Jahr der arroganten Beutelratte) und diverse andere Ausrüstungsteile ausgehändigt. Er verlor sehr schnell die Übersicht und hatte keine Ahnung, was er mit dem ganzen Krempel anfangen sollte. Beim Quittieren des Empfangs teilte man ihm dann mit, dass ein einfaches 'X' durchaus genügen würde, sollte er des Schreibens nicht mächtig sein. Gab es etwa Wächter die nicht schreiben konnten?
Eine seiner ersten Unterrichtsstunden, die er kurz darauf mit noch hohen Erwartungen besucht hatte, behandelte die Rechtssprechung. Zu seinem Erstaunen spielten dabei die 'Gesetze der Stadt Ankh-Morpork in der Fassung von 1457' nur eine untergeordnete Rolle. Eine schriftliche Ausgabe derselben erhielt er nur nach mehrfachem Nachfragen. Als er schließlich bei der Beantwortung einer Frage von Frau Oberleutnant aus dem Text zitieren wollte, wurde er von mehreren der erfahreneren Rekruten sogar ausgelacht. Nahm man hier das Gesetz etwa nicht ernst? Es gab doch kein höheres Gut als das geschrieben Recht. Wie konnten es die Wächter nur so geringschätzend behandeln?
Auch wenn die erste Woche für ihn in intellektueller Hinsicht bereits ein Albtraum war, so verhieß die zweite doch keine Besserung. Auf dem Ausbildungsplan standen 'Schnelles Ausweichen im Angesicht übermächtigen Feindes' und 'Grundlagen der waffenlosen und bewaffneten Selbstverteidigung'. Dippwins Erfahrungen mit körperlicher Ertüchtigung beruhten hauptsächlich auf dem Flüchten vor seltsam riechenden oder blubbernden Experimenten. Für einen Alchimisten war es überlebenswichtig, von einem gefährlichen Ort A einen sicheren Ort B [2] in außergewöhnlich hohem Tempo erreichen zu können. Auf kurzen Strecken konnte ein geübter Alchimist daher erstaunliche Geschwindigkeiten entfalten. Große Entfernungen stellten dagegen ein Problem dar. Da die Grenzen eines Labors gut überschaubar waren, bewegte sich ein Alchimist niemals sehr weit. Ein Experiment in kritischem Zustand tendierte zwar zu unvorhergesehenen Reaktionen, aber es neigte nicht dazu, den Laboranten über weite Strecken zu verfolgen. Die Anforderungen der Wache trafen ihn daher völlig unvorbereitet und das 'Allgemeine Lauf- und Ausdauertraining für Wächter im Rahmen der Grundausbildung' offenbarte ihm das Geheimnis der vollkommenen körperlichen Erschöpfung.
Durch die Sache mit der Nahkampfausbildung trat dagegen ein völlig anderes Problem zutage. Für Dippwin erschloss sich einfach nicht das Konzept der Gewaltanwendung. Wenn doch ein Wächter das Recht hatte, einen Verdächtigen festzunehmen, warum sollte er dann noch Gewalt anwenden müssen? Trotz mehrstündiger Diskussionen mit der Frau Oberleutnant konnte sich Dippwin keinen rechten Reim darauf machen, warum er ein Schwert benötigen sollte, eine Pike und auch noch einen Schlagstock, von der Armbrust einmal ganz zu schweigen.
Als es dann zur Ausbildung mit dem Schwert (Eisen, stumpf zu Übungszwecken) gekommen war, stand er Chi Petto etwas verlegen gegenüber. Nicht nur die Sache mit der Gewalt, jetzt sollte er auch noch auf einen alten und offensichtlich wehrlosen Mann losgehen. Aber der Kampf entpuppte sich für Dippwin wiederum als eine der vielen Überraschungen, die die Wache für ihn bereithielt.
Chi Petto war scheinbar nicht halb so wehrlos, wie es zunächst den Anschein hatte. Zornig funkelnde Augen blitzten Dippwin an, als der Alte immer wieder auf ihn einstürmte und dabei mal schwächer, mal stärker auf die schon peinlich anmutende Verteidigung Dippwins einschlug. Es bestand gar kein Zweifel daran, dass er weder die Kraft noch die Ausdauer und schon gar nicht die Technik besaß, um gegen diesen Derwisch aus dem achatenen Reich längere Zeit zu bestehen... und hatte er da nicht gerade auch zwei erstaunlich lange Schneidezähne aufblitzen sehen?
Hier konnte ihm nur noch die Wissenschaft weiterhelfen. Als ehemaliger Alchimist der Abteilung Experimentelle Grundlagenforschung (Bereich Unbelebte Materie) wusste er, dass Bewegungsmoment mit Energie gleichzusetzen war. Er musste also nur seine mangelnde körperliche Kraft durch genügend Geschwindigkeit ausgleichen. Er begann mit einer weit ausholenden, kreisenden Bewegung seines Schwertarms ohne für den Moment auf Chi Petto zu achten.
Der wiederum unterbrach seine wütenden Attacken als er sah, dass sein Gegner mit seltsam anmutenden Verrenkungen begann und offensichtlich nicht mehr aktiv an den Übungen teilnahm. Langsam wich Chi Petto einige Schritte aus. Was tat dieser Rekrut da bloß?
Dippwin beschleunigte seine Bewegung jetzt deutlich. Er spürte, wie die Fliehkraft an dem stumpfen Schwert zog und es seiner Hand zu entreißen drohte. Lange würde er diese Technik nicht durchhalten können. Für einen kleinen Augenblick aber war es ihm möglich, das Tempo noch einmal erheblich zu steigern. [3] Das noch schemenhaft zu erkennende Schwert verwandelte sich in eine rotierende Metallplatte. Ein Pfeifen erklang, als die Luft zerteilt wurde und die Temperatur in der Nähe der Klinge um mehrere Grade sank.
Chi Petto war verwirrt. Was tat dieser Rekrut?
Jetzt oder Nie! Dippwin hatte nur diese eine Gelegenheit seinen Gegner zu besiegen. Er lief auf den alten Mann zu, um die im Bewegungsmoment gefangene Energie im Ziel zu entfesseln. Nur wenige Schritte trennten ihn von dem Alten.
Chi Petto wurde flau im Magen. War der Kerl irre?
Nur noch fünf Schritte, höchstens sechs. Dippwin wankte weiter nach vorne. Noch drei Schritte,... zwei...
Später konnte er nicht mehr sagen, worüber er gestolpert war, ob über das unebene Pflaster des Übungsplatzes, den Schneematsch oder seine eigenen Füße. Möglich war alles davon. Aber es spielte ohnehin keine Rolle. Als er zu Boden sank, bohrte sich das Schwert in den Boden und stoppte die Kreisbewegung schlagartig. Der Rest war die Folge von Naturgesetzen, die im Gegensatz zu den Regeln der Wache immer ihre Gültigkeit hatten.

"...ist dulch die Luft geflogen, wie eine Klähe! Alme weit ausgebleitet wie Flügel und voll in die Mauel! Wollte mich glatt umblingen del Tlottel." Chi Petto beendete seine Schilderung mit einem Funkeln in Dippwins Richtung.
"Und daher die Delle in deinem Helm?" fragte Laudes und beobachtete seinen Kameraden teils belustigt, teils mitleidig.
Dippwin nickte nur betrübt und betastete fast zärtlich die tiefe Einkerbung im Metall.
"Naja, dann hat er dir doch zumindest das Leben gerettet, oder?" Laudes lächelte aufmunternd und klopfte Dippwin kameradschaftlich auf die Schulter.
"Schon...", aber wo sollte er jetzt einen neuen Helm herbekommen?

***


Irina Lanfear eilte über die Ponsbrücke in Richtung Pseudopolisplatz. Nicht nur dass sie wie üblich verschlafen hatte, sie wäre auch noch beinahe zur Kröselstrasse gelaufen. Erst auf halbem Weg war ihr eingefallen, dass heute die große Lehrvorführung von SUSI stattfinden sollte.
Sie wollte die Gelegenheit nutzen, heute auch einmal die Rekruten der Unteroffiziere unter die Lupe zu nehmen. SUSI hatte den Auftrag bekommen, ein anspruchsvolles Programm zu gestalten, das die Auszubildenden mit allen Aspekten der Tatort- und Spurensicherung vertraut machen sollte, die für den gemeinen Wächter von Bedeutung waren. Vielleicht ließ sich ja dabei sogar schon das eine oder andere Talent ausmachen, das später einmal zu einem der Spezialisten von MeckDwarf werden könnte.
Irina war fast am Opernhaus angekommen, als sich ihr eine dunkle Gestalt von der Seite näherte. Im Laufen legte sich ein Arm um ihre Schulter und zwang sie unmerklich weiterzugehen.
"Oberleutnant? Was treibt dich denn hierher? Ich bin gerade auf dem Weg in die Sirupmienenstrasse und wen sehe ich da?" eine bekannte, kalte Stimme flüsterte in Irinas Ohr.
"Sir, ich bin gerade auf dem Weg zu SUSI."
"Natürlich bist du das, Oberleutnant. Eigentlich wärst du ja bereits seit mehr als einer halben Stunde dort. Aber dich haben wirklich wichtige Dinge in der Kröselstrasse aufgehalten, nicht wahr Irina?" die Stimme des Kommandeurs klang gefährlich.
"In der Kröselstrasse...", Irina wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als sie harsch unterbrochen wurde.
"Denn du weißt ja, wie wichtig mir der heutige Tag ist, da würdest du nicht verschlafen, nicht wahr? Ich bin mir recht sicher, die Bedeutung des heutigen Tages dir gegenüber erwähnt zu haben." Rascaal Ohnedurst erwartete nicht wirklich eine Antwort von Irina und so setzte er unverwandt fort. "Nie wieder will ich einen grinsenden Wächter in der Zeitung sehen, der seine Pflichten vernachlässigt. Ein Gefreiter, der die Fußspuren an einem Tatort mit seinen eigenen schlammigen Stiefeln verwischt? Ein Rekrut, der die Mordwaffe mit seinen bloßen Händen aufhebt und alle brauchbaren Fingerabdrücke zunichte macht? Nie wieder, sage ich! Hörst du mir noch zu, Oberleutnant?"
Von der Seite blickte Irina unsicher zu Rascaal hinüber, als dieser vor der Oper auf dem Pseudopolisplatz plötzlich stehen blieb. Grob drehte der Kommandeur seine Abteilungsleiterin zu sich um. Mit festem Griff packte er sie an beiden Schultern und blickte ihr tief in die Augen. "Du verstehst natürlich, dass ich es nicht zulassen kann, dass derartiger Dilettantismus weiterhin unsere Effizienz untergräbt. Keine Probleme mehr dieser Art aus unseren eigenen Reihen! Das ist eine wirklich wichtige Sache Oberleutnant!"
"Natürlich, Sir." Irina war kurz davor, unter dem zunehmenden Druck in die Knie zu gehen, als der Kommandeur sie plötzlich losließ.
Noch einmal traf sie der Unheil verkündende Blick des Untoten, bevor er sich abwandte und seinen Weg in Richtung Sirupmienenstrasse fortsetzte. Er war schon fast wieder in der Menge verschwunden, da hörte sie es wieder: "Wirklich wichtig, Oberleutnant!"
Hatte sie Ohnedurst tatsächlich noch einmal sprechen gehört oder ertönten die Worte direkt in ihrem Kopf, ungehört von den Menschen um sie herum?
Mit deutlich schnelleren Schritten legte Irina die letzten Meter bis zum Wachhaus zurück. Mit dem Kommandeur war nicht zu spaßen, wenn er in dieser Stimmung war.

***


"Er kriegt keinen Neuen, so viel steht fest!"
Inzwischen hatten sich Fliegweit, Lilli Baum und Siouxie, drei andere Rekruten, ihrer kleinen Gruppe hinzugesellt und eine Diskussion über Dippwins Möglichkeiten, einen neuen Helm zu erhalten, hatte begonnen.
"Aber er passt ihm doch gar nicht mehr." Bruder Laudes nahm den zerbeulten Helm, der in der Gruppe herumgereicht wurde, und setzte ihn Dippwin probeweise auf. Tatsächlich wackelte der Helm beträchtlich auf Dippwins Kopf und drohte jeden Moment herunterzurutschen.
"Spielt keine Rolle", entgegnete Fliegweit ungerührt. "Solange kein Loch drin ist, bekommt er keinen neuen Helm."
Dippwin horchte auf. "Heißt das wenn ein Loch drin wäre, müsste ich einen neuen kriegen?"
"Ja." Fliegweit zuckte mit den Schultern. "So haben die das bei der Ausgabe erklärt. Erst wenn irgendwas von der Ausrüstung richtig kaputt ist, wird es ersetzt."
"Ein Loch, ja?" Dippwin verarbeitete diese neue Information noch. "Ein Loch würde reichen, oder? Ich meine... wenn er ein Loch hat, ist ein Helm doch richtig kaputt?"
"Aber er ist nun einmal nur zerbeult." Laudes Stimme drückte aufrichtiges Mitgefühl aus. "Hat sonst jemand noch eine Idee?"
Nachdenkliche Stille breite sich aus.
Während Bruder Laudes mit faltiger Stirn über die Lösung des Helmproblems sinnierte und Dippwin verlegen seinen Helm absetze, flatterten plötzlich zwei turtelnde Tauben aus dem Schlag des Wachhauses über den Innenhof. Nach einigen Runden ließen sich beide auf der linken Schulter von Lilli Baum nieder, die davon aber kaum Notiz nahm. Interessiert richteten sich die Blicke aller auf Lilli.
Nach einer Weile hüpfte die etwas kräftigere Taube, es war wohl das Männchen, von Lillis Schulter und segelte elegant zu Boden. Dort pickte sie einen kleinen Zweig auf der aus dem Schnee herauslugte und flatterte mit diesem im Schnabel und drei schnellen Flügelschlägen wieder zurück auf Lillis Schulter und übergab dort den Zweig an die zweite Taube. Dieser Vorgang wiederholte sich mehrfach.
Völlig irritiert traten die anderen näher an Lilli heran, um das absonderliche Schauspiel zu beobachten.
"Die wollen doch nicht etwa auf deiner Schulter nisten, oder?" Siouxies Stimme hätte nicht ungläubiger klingen können.
Lilli wandte den Blick nach links und schien die beiden Vögel jetzt zum ersten Mal zu bemerken. Ein seliges Lächeln huschte über ihre Züge und sie begann in einer ihrer Taschen nach etwas zu kramen. Kurz danach präsentierte sie ihren Kameraden ein kleines Kärtchen mit der Aufschrift: 'Kann schon sein!'
Ein Stöhnen ging durch die Reihen und einige der Anwesenden verdrehten verzweifelt die Augen.
"Dank sei Dir großer Seramis, dass du uns dieses Wunder hast schauen lassen!" Bruder Laudes breitete triumphierend seine Arme aus und strahlte in Dippwins Richtung. "Siehst du mein Freund, was habe ich dir gesagt?"
"Wie bitte?" Dippwin wusste nicht worauf der Priester jetzt schon wieder hinaus wollte.
"Vögel nisten nicht im Winter! Dies muss die Macht Seramis sein, dem einzigartigen Gott der kurzzeitig bewölkten aber größtenteils sonnigen Sommertage!"

***


Ein unangenehm heller Pfeifton von mehreren Sekunden Länge ließ die Rekruten zusammenfahren. Im Eingang zum Innenhof stand Oberleutnant Irina Lanfear, Abteilungsleiterin von GRUND, die Ausbilderpfeife noch zwischen den Lippen.
"Antreten ihr lahmer Haufen, aber ein bisschen zackig!" die Stimme ihrer Chefin hallte im Innenhof des Wachhauses laut nach.
Sofort kam hektische Betriebsamkeit in die Gruppe der jungen Rekruten. Jeder versuchte als Erster in der Formation zu stehen, um ja nicht das Missfallen der Chefin oder das der Unteroffiziere auf sich zu ziehen. [4]
Als kurz darauf endlich Ruhe in den aufgeschreckten Haufen kam, ließ Irina ihren prüfenden Blick über die angetretenen Männer und Frauen wandern. Was sie sah, war über alle Maße enttäuschend. Vor ihr standen keine Wächter, sondern vielmehr ein wild zusammen gewürfelter Haufen schlecht verkleideter Zivilisten. Weder Haltung noch Ausstrahlung besaßen diese Frischlinge. Es konnte gar kein Zweifel daran bestehen, dass ihnen allen, - Irina eingeschlossen -, noch ein langer Weg bevorstand.
"Guten Morgen Rekruten!" herrschte sie die angetretene Formation an. Ihre Stimme verriet bereits, dass die Aussicht auf einen guten Morgen als eher unwahrscheinlich einzustufen war. Eine Antwort auf ihren Gruß wartete sie gar nicht erst ab.
"Der heutige Tag ist der Höhepunkt eurer Grundausbildung!" Ihr Blick wanderte durch die Reihen. Jeder angehende Wächter wurde lange genug fixiert, um angemessen eingeschüchtert zu werden ohne dabei gleich einen Herzinfarkt zu erleiden. [5] "Ihr werdet heute durch die besten Experten der Wache in die hohe Kunst der Spuren- und Tatortsicherung eingeführt. Ich habe dafür..."
"Aber Ma'am?" ein vorlauter Rekrut in der zweiten Reihe hob schüchtern die Hand.
"Ja...", Irina versuchte die Ruhe zu bewahren.
"Verzeihung Ma'am, aber ich dachte unsere Beförderung zum Gefreiten sei der Höhepunkt unserer Ausbildung?"
"Wie ist dein Name Rekrut?" Irina musterte den jungen Mann, der unter ihrem Blick etwas zu schrumpfen schien.
"Querkopf, Ma'am. Ignatius Querkopf."
"Nun Querkopf, natürlich ist eure Beförderung, so ihr sie denn jemals erleben solltet, ein Höhepunkt eurer Zeit bei GRUND. Aber im Rahmen der Ausbildung, ist der heutige Tag der Höhepunkt, also..."
"Und was ist mit der Rekrutenprüfung?" ein erneuter Zwischenruf unterbrach die Ausführungen Irinas.
Sehr langsam wendete sie sich dem neuen Querulanten zu. Als sie ihn in der dritten Reihe ausmachen konnte, wandte sie die geballte Macht des Blicks an. "Was wolltest du sagen Rekrut?"
"Wir müssen doch alle diese Abschlussprüfung machen, was ist mit der? Sollte man nicht..."
Länger konnte der junge Mann dem Blick nicht standhalten. Seine Stimme verebbte und verlegen senkte er den Blick zu Boden. Aber die Ruhe hielt nicht lange an.
"Ich finde er hat Recht. Bei dem Rekruten-Test müssen wir doch beweisen, dass wir alle Vorschriften der Wache gelesen und verstanden haben. Also das mit den Dienstgraden, den Abzeichen, wie unsere Dienstnummer entsteht und so weiter. Ich denke schon, dass das ein Höhepunkt der Ausbildung ist." Mit verschränkten Armen stand Fliegweit in der ersten Reihe und brachte für die Zuhörer im näheren Umfeld seine Ansicht der Dinge zu Gehör.
"Aber was ist mit dem blöden Lauftraining?" tönte es aus der letzten Reihe.
"Nein, nein! Höhepunkt sind ganz klar die freien Tage."
Aus einzelnen Zwischenrufen wurde urplötzlich ein wildes Palaver. Die Bürger aus Ankh-Morpork konnten sich einem allgemeinen Meinungsaustausch niemals für längere Zeit entziehen. Diskussionen wirkten auf sie wie ein Sonnenwendfeuer auf eine nach Licht lechzende Motte. Sie konnten sich ihr nicht entziehen. Was nützte die eigene Meinung, wenn man sie nicht lautstark kundtat?
"R UUUUUUHE!" Irinas Schrei brachte den meuternden Haufen in nur wenigen Sekunden zum Schweigen. "Was glaubt ihr eigentlich wer ihr seid? Von mir aus hat diese Grundausbildung ein Dutzend Höhepunkte. Spielt überhaupt keine Rolle für mich! Fakt ist aber, dass hier und heute eine der wichtigsten Unterrichtsstunden dieser und der nächsten Wochen stattfinden wird. Und mich soll der Schlag treffen, wenn ich zulasse, dass einer von euch Wichten mit seinen unqualifizierten Kommentaren die Ausbildung stört!" Irina marschierte vor der Front auf und ab. Ihre Körpersprache allein hätte ausgereicht, den Rekruten Respekt einzuflößen.
"Erst vor wenigen Minuten hatte ich noch ein Gespräch mit unserem Kommandeur, in dem wir über euren desolaten Ausbildungsstand sprachen. Es sieht momentan nicht gut aus für eure Karrieren, habt ihr das verstanden?" Sie hielt kurz in ihrem Redeschwall inne und überlegte, wie sie fortsetzen sollte. Es kam jetzt auf die richtige Formulierung an.
"Kommandeur Ohnedurst und ich waren uns völlig einig, dass ihr deutlich bessere Leistungen zeigen müsst. Andernfalls habt ihr keine Zukunft in dieser Wache. Wir werden keine Wächter mehr tolerieren, die auf Grund ihrer Unerfahrenheit Einsätze und Ermittlungen zum Scheitern bringen. Die Zeit der Ausreden ist vorbei, klar? Das ist wirklich wichtig für euch!"
Irina holte tief Luft. Sie hoffte, bei dem Haufen Eindruck hinterlassen zu haben. Im Grunde waren sie keine schlechten Menschen... oder Zwerge, in einigen Fällen auch Untote. Aber die Wache war kein Spielplatz und je eher sie das verstanden desto besser für sie.
Inzwischen stand sie vor einem Rekruten, für dessen Ausbildung sie selbst verantwortlich war. Er war ihr schon mehrfach unangenehm aufgefallen und auch dieses Mal stellte keine Ausnahme dar. "Rekrut Bendolch, wo ist dein Helm?" Irinas Stimme klang fast schon ein wenig resigniert.
Eingeschüchtert holte Dippwin den verbeulten Helm hinter seinem Rücken hervor, wo er ihn bis eben versteckt hatte. Wie konnte man einen massiven Eisenhelm innerhalb weniger Ausbildungstage nur so beschädigen? Die Ausbildungsleiterin verdrehte die Augen und sehnte sich einmal mehr in ihre alte Abteilung zurück.
Neben Bendolch stand ein ihr unbekanntes Mädchen, auf deren Schulter in diesem Moment eine Taube landete, einen dürren Zweig im Schnabel. Nach kurzer Pflege ihres Gefieders gesellte sich ihr eine zweite hinzu und ein munteres Gurren ertönte auf dem Hof. Das konnte doch alles gar nicht wahr sein.
"Lance-Korporal!"
"Ja, Ma'am." Sofort war Lance-Korporal Harmonie einen Schritt vorgetreten.
"Abführen!"
"Wie bitte, Ma'am?" Harmonie wirkte überrascht.
"Ich meine wegführen... wegtreten lassen. Ach sorg dafür, dass die Bande in den großen Saal für die Vorführung kommt!"
Oberleutnant Lanfear war ein wenig erschöpft, dabei hatte der Tag doch gerade erst angefangen. Es war immer noch früher Morgen, ein sonniger Wintertag in Ankh-Morpork.
Aber kein guter Morgen. Nein, mit Sicherheit kein guter!

***


"Weißt du Chef, es ist ja gar nicht diese blöde Verkleidung an sich. Aber sie steht stellvertretend für meinen Stolz, den man mir damit nimmt." Charlie Holm wirkte inzwischen gefasst. Er hatte sich seinem Schicksal ergeben und akzeptierte, dass er allein die Last der Welt auf seinen Schultern zu tragen hatte. Betrübt saß er gemeinsam mit MeckDwarf an dessen Schreibtisch und hatte bei einer Tasse heißem Kakao bereits vor einigen Minuten angefangen, über die Wache, das Leben und die Probleme der Welt im Allgemeinen zu philosophieren.
Zu seiner unmöglichen Aufmachung mit der Bäckertracht und dem mehlig weißen Gesicht hatte sich inzwischen ein brauner Schokoladenmund aus Kakao hinzugesellt. Nach kurzem Überlegen hatte sich sein Chef dazu entschlossen, diesen Umstand nicht extra gegenüber dem Hauptgefreiten zu erwähnen.
Die Vergrößerungsdämonen hatten unterdessen jegliches Interesse an der Unterhaltung verloren. In weltmännischem Erbarmen hatte ihnen Charlie ebenfalls eine Tasse Kakao überlassen. Warum sollte es ihnen schlecht gehen, wenn er doch schon genug für alle zu leiden hatte?
"Wenn es wenigstens nur vor unseren Leuten wäre... Vor den Männern von SUSI wäre das schon in Ordnung, verstehst du Chef? Die kennen mich. Aber diese Rekruten... Die werden mich nie wieder Ernst nehmen und dann kommen einige von ihnen später in deine Abteilung Chef und wie steh ich dann da?" Ein tiefer Seufzer entfuhr dem trauernden Spurensicherer.
"Charlie..."
"Ja, Chef?" mit nur zwei Worten vermochte es der Hauptgefreite, Resignation und Enttäuschung zum Ausdruck zu bringen. MeckDwarf glaubte sogar, unausgesprochene Vorwürfe aus Charlies Stimme herauszuhören.
"Du übertreibst!"
"Ja, Chef."
In dem Moment wurde die Tür geöffnet und Oberleutnant Lanfear betrat ohne anzuklopfen MeckDwarfs Büro. Zur Begrüßung nickte sie den beiden Anwesenden nur knapp zu. 'Frag nicht!' stand ihr mit großen Lettern ins Gesicht geschrieben. MeckDwarf tat es trotzdem. "Ich wünsche dir auch einen Guten Morgen Irina. Hattest du eine angenehme Nacht?"
Irina überhörte den sarkastischen Tonfall. "Ich... hatte noch ein wichtiges Gespräch mit dem Kommandeur. Wirklich wichtig. Ist für die große Nummer alles vorbereitet?"
"Von uns aus kann es losgehen. Richtig Charlie?" ermutigend klopfte MeckDwarf seinem Hauptdarsteller beim Aufstehen auf die Schulter. Dieser quittierte die Bemerkung mit einer Grimasse hinter MeckDwarfs Rücken.
"Die Rekruten sitzen bereits alle unten im großen Saal und sind unausstehlicher als jemals zuvor. Wenn mehr als fünf von ihnen an einem Ort versammelt sind, vergessen sie alles was man ihnen beigebracht hat und benehmen sich wieder wie Kinder!" Der Ärger über das Antreten saß noch immer tief bei der Ausbildungsleiterin.
"Ja so sind sie, die Kleinen." Als ehemaliger Abteilungsleiter von GRUND wusste MeckDwarf genau wovon er sprach. "Na dann lasst uns mal runtergehen und mit der Show beginnen!"

***


Der große Saal des Neuen Wachhauses hatte in den letzten Tagen einige tief greifende Umbaumaßnahmen erfahren. Der einzig größere Raum, der den Offizieren für Besprechungen zur Verfügung stand, war durch die Spezialisten von SUSI in kurzer Zeit in ein provisorisches Theater verwandelt worden. Mehrere Bettlaken dienten als Vorhang und verwehrten den Blick auf das, was in Ermangelung eines besser geeigneten Begriffs großzügig als Bühne bezeichnet werden musste. Im Bereich des Publikums hatte man mehrere Stuhlreihen aufgestellt, die inzwischen von den Rekruten in Beschlag genommen worden waren. Auf den Komfort, den manch einer vielleicht aus der Oper gewohnt war, musste allerdings verzichtet werden. Der Nachwuchs der Wache saß in der Holzklasse.
Spannung lag in der Luft und wenngleich sie auch nicht knisterte, so schlug sie das Publikum doch in ihren Bann. [6] Ganz gegen ihre normale Gewohnheit redeten die Rekruten nicht alle lautstark durcheinander, sondern begnügten sich mit zögerlich zusammengesteckten Köpfen, die nur leise miteinander tuschelten. Sie alle hatten das Gefühl, gleich Zeuge eines Schauspiels von Weltformat zu werden.
Dippwin saß zwischen Lilli Baum und Bruder Laudes und wurde das unvorbereitete Opfer asynchroner Kommunikation. Während ihn Lilli von rechts interessiert anschwieg und scheinbar eine lautlose Unterhaltung anregte, flüsterte Laudes auf der anderen Seite pausenlos vor sich hin, ohne dabei jedoch seine Nachbarn oder wenigstens sich selbst direkt anzusprechen. Konnte es sein, dass er mit dem Löffel redete, den er gerade aus seiner Uniform gezaubert hatte?
Trotzdem genoss Dippwin die Gesellschaft seiner Kameraden. Für ihn waren die meisten der Rekruten herrlich unkompliziert. Sicherlich hatten sie alle ihre kleinen Eigentümlichkeiten, aber alles in allem kam er gut mit ihnen zurecht. Von seiner eigenen Ausbildung konnte er das im Gegensatz dazu nicht behaupten.
Als sich die Tür öffnete betrat Oberleutnant Lanfear den Raum. Begleitet wurde sie von einem düsteren Typ, der ein ganzes Stück kleiner war als die Ausbilderin. Mit dem alten Mantel und dem wüsten Haar wirkte er beinahe wie ein Vagabund, wären da nicht die Rangabzeichen gewesen, die scheinbar nachträglich auf die Schultern genäht worden waren.
"Ruhe Leute! Ich darf euch Hauptmann MeckDwarf vorstellen", eröffnete Irina dem Publikum. "Er ist der Abteilungsleiter von SUSI. Das bedeutet Suchen und Sichern, für diejenigen unter euch, die es immer noch nicht verinnerlicht haben. Er wird euch alles Weitere über die folgende Übung erklären." Irina stapfte zum hinteren Teil des Raumes, von wo aus sie sowohl die Vorführung als auch ihre Auszubildenden im Blick hatte.
"Also...", MeckDwarf baute sich vor den Rekruten auf, "ich habe den Befehl euch alles Wichtige zum Thema Tatortarbeit beizubringen." Kurz hielt er inne und musterte seine Zuhörerschaft kritisch. "Dazu gehört vor allem das Sichern von Spuren, angefangen von Blutspritzern, Fußspuren und Fingerabdrücken bis hin zu Staubresten und feinsten Geruchsspuren!" Bedeutungsvoll tippte sich der kleine Mann an die Nasenspitze.
"Des Weiteren hat ein Tatortwächter dafür zu sorgen, dass keine Schaulustigen oder Reporter zum Ort des Verbrechens vordringen und Spuren verwischen oder Beweise entwenden." Eine prophetische Warnung aussprechend glitt sein Blick in weite Ferne. "Es gibt immer Schaulustige am Tatort. Dies ist schließlich Ankh-Morpork."
Bei seinen nächsten Worten verfinsterte sich seine Miene. "Die Ausbildung bei SUSI dauert allein im Bereich Spurensicherung schon mehrere Monate und somit ist der Versuch dieser Vorführung von vornherein zum Scheitern verurteilt! Keiner von euch sollte glauben, dass er heute Abend ein besserer Mensch oder gar ein ausgebildeter SUSI-Spezialist wäre."
Bei diesen Worten ging ein Raunen durch die Menge. Was sollten sie denn überhaupt hier, wenn man sie für unfähig hielt und was wurde aus der schönen Theatervorstellung?
"Was ich euch aber beibringen will ist, so wenig Schaden wie möglich anzurichten, wenn ihr zu einem Verbrechen gerufen werdet. Sorgt am Tatort am besten dafür, dass die Leute ruhig bleiben, keine weiteren Verbrechen geschehen und wartet auf meine Experten, die sich nicht umsonst ausschließlich mit der Tatortarbeit beschäftigen." Der Hauptmann konnte deutlich die Enttäuschung in den Gesichtern der Anwesenden sehen. Offensichtlich hatten sie mit ein bisschen mehr Aufregung gerechnet als sie sein Vortrag bis jetzt auslöste.
"Nun, um euch zu demonstrieren, wie schwierig die Tatortarbeit ist und wie leicht ihr Spuren übersehen könnt, falsch deutet oder gar verwischt, haben meine Leute ein kleines Szenario vorbereitet. Hinter diesem Vorhang werdet ihr gleich den Tatort eines Verbrechens zu sehen bekommen. Einigen von euch werde ich dann den Auftrag geben, Nachforschungen anzustellen, während ihr dabei von euren Ausbildern und mir beobachtet werdet."
Das verbesserte die Stimmung im Saal schlagartig. Das versprach fast so spannend zu werden wie ein echter Einsatz, nur ohne die lästige Gefahr von hinten niedergestochen zu werden.
"Wenn ich mich dann lange genug über eure tollpatschigen Versuche amüsiert habe, werden wir die Übung beenden und alle gemeinsam euer Vorgehen besprechen. Gibt es Fragen dazu?"
Offensichtlich hatten sie bis hierhin das Meiste verstanden oder glaubten es zumindest. Die Augen aller Rekruten richteten sich gespannt auf den Hauptmann und warteten, wen er für die Übung auswählen würde. Alle bis auf zwei. Ziemlich weit hinten machte er einen Mann und eine etwas jüngere Frau aus die schweigend in ein Gespräch vertieft zu sein schienen und dem Geschehen um sich herum wenig bis keine Aufmerksamkeit schenkten.
"Da haben wir ja auch schon zwei Freiwillige!"
Mit wenigen Schritten marschierte MeckDwarf zu den beiden Delinquenten. Zwar wechselten die beiden nicht ein Wort miteinander und störten den Unterricht somit nicht wirklich, trotzdem erschienen sie ihm im höchsten Maße schuldig. "Na, mit wem habe ich denn die Ehre?" die böse funkelnden Augen straften MeckDwarfs freundliche Stimme Lügen. Offensichtlich schrieben sich die beiden auch noch kleine Briefchen, denn die Frau hielt ihrem Nachbarn gerade einen entsprechenden Zettel vor Augen. Einen teuflischen Moment lang überlegte der Hauptmann, ob er die sicherlich amourösen Botschaften des Pärchens laut vorlesen sollte, entschied sich dann aber dagegen. "Also, wie heißt ihr?"
Erst als der Mann von seinem anderen Nachbarn angerempelt wurde, bemerkte dieser MeckDwarf. Nachdem er die Situation erfasst hatte, sprang er zügig von seinem Stuhl auf. "Mein Name ist Bendolch, Sir, - Rekrut Dippwin Bendolch. Das neben mir ist Lilli."
Der Kerl antwortete zwar respektvoll, zeigte sich aber ansonsten nicht ganz so eingeschüchtert wie es MeckDwarf lieb gewesen wäre. "Na gut ihr beiden, dann mal nach vorne mit euch!"
Als Bendolch und Lilli an ihm vorbei zur Bühne marschierten, konnte der Hauptmann doch noch einen Blick auf den vermeintlichen Liebesbrief erhaschen. Auf dem Kärtchen standen nur vier Worte: 'Ich bin ein Baum!'
MeckDwarfs Lippen öffneten sich, nur um Sekunden später wieder stumm geschlossen zu werden. Sein Verstand formte Fragen, die sich der Mund auszusprechen weigerte.

***


Das erste was Dippwin wahrnahm als sich der Vorhang öffnete, war der warme Duft frisch gebackenen Brotes. Auf der Bühne war der Großteil einer Bäckerei zu sehen, mitsamt einem Ofen, Tresen für den Verkauf, mehrere Arbeitstische, Mehlsäcke, Milchkannen, diverse Tragen voller Eier und zahlreiche Schüsseln, wie man sie eben gewöhnlich in einer Bäckerei anzutreffen erwartete. Regale standen entlang der hinteren Wand, gefüllt mit mehreren Reihen frischer Brote und Körben voller Brötchen. Begrenzt wurde die Backstube durch eine exemplarisch errichtete Mauer die frei auf der Bühne stand, nur etwa drei Schritt lang war und mit einem eigenen Fenster ausgestattet war. Aus diesem lehnte sich gerade eine Gestalt mit einer riesigen, weißen Mütze und rief lautstark nach dem helfenden Arm des Gesetzes.
"Hilfe, haltet ihn! Ja um Himmels Willen, so haltet ihn doch!" Charlie Holm gab sein Bestes. Wenn er sich schon der Lächerlichkeit preisgeben musste, dann wenigstens mit Pauken und Trompeten. "Ich armer, armer Bäcker. All mein Geld hat er mir gestohlen und niemand war zur Stelle, um ihn aufzuhalten." Theatralisch fasste sich der Hauptgefreite an die Stirn und erweckte den Eindruck kurz vor einer Ohnmacht zu stehen. Der Effekt wurde jedoch etwas durch die gewaltige Armbrust gemildert, die er in der anderen Hand hielt und die ihm eine doch etwas martialische Aura verlieh.
Dippwin und Lilli näherten sich offenbar von der 'Außenseite' der Bäckerei als etwa zeitgleich aus einer dunklen Ecke drei weitere Akteure auf die Bühne gelaufen kamen.
"Was ist denn hier passiert?" tönte die Erste, eine junge Dame mit durchdringender Stimme. "Bestimmt ist ein Mord geschehen, nicht wahr Sir?"
Eine Zwergin bedrängte die überraschten Wächter plötzlich auf Hüfthöhe. "Kann ich behilflich sein? Ich kenne mich hier sehr gut aus, Sir."
Die dritte Gestalt, ein junger Mann, machte im Gegensatz zu seinen Gefährten sofort Anstalten, die Bäckerei durch die physisch nicht präsente Tür zu betreten.
MeckDwarf hatte keine Schwierigkeiten gehabt, Freiwillige für die Rolle der 'Zeugen' zu finden. Die Aufgabe versprach Unmengen von Spaß, ohne die Gefahr sich dabei zum Clown machen zu müssen. Der Hauptmann hatte schließlich drei Gefreite seiner Abteilung ausgewählt und ihnen den Auftrag gegeben, in begrenztem Umfang für Unruhe zu sorgen und den Rekruten die Arbeit ein wenig zu erschweren. Bis jetzt machten sich Olga-Maria, Avalania und Rabe Raben ganz hervorragend.
Dippwin starrte voller Entsetzen auf die Zwergin hinab, die beständig an seinem Hosenbein zerrte, dabei auf den Bäcker deute und voller Inbrunst beteuerte, dass sie alles, - egal was vorgefallen war -, genau beobachtet hatte und eine genaue Beschreibung von dem Täter (auf Wunsch auch einer Täterin) liefern könne.
In der Zwischenzeit war Lilli flink dem vorwitzigsten der Zeugen in den Weg getreten und verwehrte ihm den Zutritt in die Backstube mit weit ausgebreiteten Armen. Entschlossenheit ausstrahlend, wirkte sie ein wenig wie eine tief verwurzelte Eiche, nicht gewillt auch nur einen Zentimeter Boden Preis zu geben.
"Sir, unter uns... ich kenne den Typen", verschwörerisch raunte Avalania die Worte in Dippwins... nun ja, in seinen Bauchnabel. "Der führt nichts Gutes im Schilde, ist ein elender Störenfried."
Dippwin war sich nicht sicher, ob sie auf den Bäcker oder einen der anderen 'Zeugen' deutete. So oder so wurde es Zeit etwas zu unternehmen. "Lilli, kannst du die drei... Bürger hier ein wenig in Schach halten, während ich versuche den Bäcker zu beruhigen?" fragte Dippwin in Richtung seiner Kameradin, während er versuchte die anhängliche Zwergin zumindest auf Armeslänge von sich zu schieben.
Die Antwort von Lilli war in dem kurzen Aufblitzen ihrer Augen zu sehen, danach verwandelte sich die Eiche urplötzlich in eine gertenschlanke und vom Sturm gepeitschte Weide. Ihr Körper wogte hin und her, vor und zurück. Ihre Arme beschrieben unvorhersehbare Kreise, immer dem Wind nachgebend den niemand hier im Saal spüren konnte.
Derartige Verrenkungen konnten den Gefreiten Raben natürlich nicht einschüchtern. Das Mädchen wirkte auf ihn am ehesten wie eine exotische Tänzerin. Nein, eine Gefahr ging sicherlich nicht von ihr aus. Er versuchte sich an ihr vorbei zu drängeln, um schließlich doch noch die Backstube zu erreichen. Er hatte einige teuflische Ideen, wie er da drinnen den Rekruten das Leben schwer machen könnte.
Schon halb am Ziel, traf ihn plötzlich ein Ast quer im Gesicht und seine sonst so leblosen Augen begannen zu tränen. Das Publikum quittierte das Gesehene mit mäßigem Applaus und vereinzelten Lachern. Offensichtlich nahm die Handlung langsam Fahrt auf.
Raben wusste natürlich, dass er von dem Luder einfach geschlagen worden war. Aber trotzdem glaubte er, einen Moment lang das Rauschen des Windes und raschelnde Blätter gehört zu haben. Dafür hatte er sich mit Sicherheit nicht freiwillig gemeldet. Er fuhr seine Bemühungen in die Backstube einzudringen auf ein Minimum zurück und beschloss sich das Spektakel lieber von hier draußen anzusehen. Nach einigem Zögern folgten Avalania und Olga-Maria seinem Beispiel.

***


Nachdem die Zwergin von ihm abgelassen hatte, betrat Dippwin endlich die Backstube und versuchte sich zunächst einen Gesamteindruck von der Lage zu verschaffen. "Im Namen der Wache von Ankh-Morpork, was geht hier vor?" tönte er vollmundig. Die Zuschauer dankten es ihm mit anerkennendem Nicken. Ja, so stellte man sich einen stolzen Wächter der Stadt vor.
"Io sei Dank, dass ihr endlich da seid, Herr. Ich wurde das Opfer eines schrecklichen Verbrechens. All mein Geld hat man mir gestohlen. Was soll ich jetzt nur tun?" Charlie stand vor Dippwin und deutete mal auf das scheinbar aufgebrochene Fenster, mal auf eine geöffnete Truhe neben dem Ofen und dann wieder auf einen metallischen Gegenstand der neben dem Fenster lag. Die gesamte Zeit über hielt er dabei die geladene Armbrust in Händen.
"Könntest du wohl zunächst..."
"Oh ich armer, armer Mann, wie soll ich das nur Frau und Kindern erklären?"
"Ja natürlich, aber wenn du vielleicht erst einmal..."
"Wovon sollen wir nur leben, wovon Speis und Trank bezahlen?" Charlie schniefte hingebungsvoll.
"Du hast ja Recht, aber bitte nimm doch endlich die Armbrust weg." Dippwins Stimme überschlug sich fast, als er die Worte hervorpresste.
"Oh." Der vermeintliche Bäcker blickte auf die Waffe hinab, als sähe er sie zum ersten Mal. "Entschuldigung, Herr."
"Ja, schon gut", erleichtert entspannte sich Dippwin wieder etwas. "Also, was ist hier eigentlich los?"
"Also, das war so Herr...", noch ein Mal ging Charlie im Kopf durch, welche Informationen er dem Rekruten geben sollte und welche nicht. "Ich bin gerade aufgewacht, da hörte ich Geräusche aus der Backstube. Mein Schlafgemach liegt in der Kammer über uns müsst ihr wissen. Kornelius, dachte ich da bei mir, da wird doch nicht etwa jemand in deiner Backstube umherschleichen? Also bin ich aufgestanden und leise hinunter geschlichen. Und was glaubt ihr habe ich da gesehen, Herr?"
"Habe keine Idee, Kornelius."
"Das Fenster war aufgebrochen worden und beim Ofen nahm ich einen dunklen Schatten wahr, der sich über meine geheime Geldtruhe beugte." Der Bäcker deutete wieder auf die nicht gerade kleine Truhe beim Ofen. "Hat mir mein gesamtes Vermögen geklaut, der Hund!" Er wirkte aufrichtig empört.
"Ja, das hast du bereits erwähnt, aber was hast du gemacht, nachdem du den Einbrecher entdeckt hattest?"
"Ach ja richtig. Er hatte hier auf diesem Tisch seine Armbrust abgelegt und die habe ich mir dann geschnappt. Bin leise hier rüber geschlichen und habe sie einfach genommen." Triumphierend hielt er die gewaltige Armbrust noch einmal vor Dippwins Nase, der unwillkürlich einen Schritt zurückwich.
"Danach habe ich noch mal tief Luft geholt und dann den Mistkerl angeschrieen, er solle alles stehen und liegen lassen und sich ja nicht vom Fleck rühren."
"Und was hat er dann gemacht?"
"Das Gegenteil."
"Wie bitte?"
"Na er hat alles an sich gerissen und die Beine in die Hand genommen. Das einzige was er bei seiner Flucht aus dem Fenster vergessen hat, war sein Brecheisen. Es liegt da unter dem Sims." Enttäuscht zuckte der Bäcker mit den Schultern. "Habe mich einfach nicht getraut zu schießen, Herr."
Dippwin begann sich in der Backstube näher umzusehen. Als erstes musterte er die geheime Geldtruhe, die sich mit einer Breite von drei Fuß und einer Höhe und Tiefe von etwa zwei Fuß dezent neben dem heißen Ofen versteckte. Offensichtlich hatte Kornelius der Bäcker eine recht eigene Vorstellung von Geheimhaltung. Oder gehörte dies etwa schon zu den Spuren von denen der Hauptmann vorhin gesprochen hatte?
"Sag mal Kornelius. In der Truhe liegt ja noch lauter Papier?" Dippwin war vor die Kiste getreten und spähte in deren Inhalt.
"Das sind meine Rezepte. Alle noch von Großväterchen und die Grundlage meines Handwerks."
"Und zusätzlich war dein gesamtes Vermögen in der Truhe?"
"Na ja... also eigentlich nicht das ganze." Charlie musterte sein Gegenüber unauffällig. Konnte es sein, dass dieser Anfänger gerade eine Spur gefunden hatte?
"Wie viel Geld war es denn dann, Kornelius?"
"Nur die Einnahmen vom Vortag. Mein Bursche bringt das eingenommene Geld am nächsten Morgen immer zur Bank, so dass nächtens nur die Einnahmen eines Tages hier sind." Schuldbewusst blickte der Bäcker zu Boden.
Aus den Reihen der Zuschauer hörte man empörtes Gemurmel. So eine Unverschämtheit. Das Opfer in ihrem Stück hatte soeben die Gunst des Publikums verloren. Dippwin wanderte unterdessen weiter in der Backstube umher, blickte hier einmal in einen Korb und dort unter einen Tisch. Sein Vorgehen wirkte ungeplant und eher zufällig. Beim Fenster blieb er kurz stehen und musterte eine Weile das dort liegende Brecheisen. Anschließend setzte er seine Besichtigung der Bäckerei fort, betrachte interessiert das Interieur und benahm sich insgesamt ein bisschen wie in einer Kunstausstellung.
Das Publikum begann sich ein wenig zu langweilen und vereinzelt wurden Unterhaltungen begonnen. Es war immer das Gleiche, im zweiten Akt plätscherte die Handlung nur seicht vor sich hin.

***


MeckDwarf hatte sich zu Irina gesellt und beobachte die Vorstellung. Zunächst hatten sich seine beiden Opfer ganz gut geschlagen und den rebellierenden Pöbel, - in Form seiner drei Gefreiten -, einfach kaltgestellt. Dieser Verdienst kam vor allem dem Fräulein zugute, die auch jetzt noch einer Windmühle gleich vor der Bäckerei stand und alle eventuellen Schaulustigen auf gebührenden Abstand hielt.
Etwas anders sah die Sache mit diesem Bendolch aus. Die Frage nach der Truhe und dem tatsächlich verschwundenen Geld hatte MeckDwarf überrascht. Zwar war diese 'Spur' nicht besonders schwer zu sehen, aber um sie auch als solche zu erkennen, musste man die Aussagen des Opfers in Frage stellen und dazu gehörte eine gewisse Erfahrung. Ein durchaus vielversprechender Start also.
Aber seitdem ging es stetig bergab mit Bendolchs Leistung. Nicht nur, dass er bis jetzt keine weiteren Indizien sichern konnte. Nein, vielmehr zerstörte er sie auch systematisch, genauso wie der Hauptmann es prophezeit hatte.
Durch die Völkerwanderung, die der Rekrut in der Backstube veranstaltete, hatte er inzwischen alle Fußabdrücke verwischt. Es hatte Charlie und seine Helfer einige Stunden gekostet, sie alle im feinen Mehl auf dem Boden zu platzieren. Hätte Bendolch darauf geachtet, wäre im vielleicht aufgefallen, dass es nur eine Sorte von Fußspuren gab.
Als der junge Mann vor dem Fenster stehen geblieben war, hatte MeckDwarf dann noch einmal Hoffnung geschöpft. Es war nicht besonders schwer zu erkennen, dass das Fenster von innen aufgehebelt worden war. Aber offensichtlich interessierte Bendolch auch das nicht. Zumindest hatte er das Brecheisen bis jetzt nicht angefasst. Somit waren wenigstens die Fingerabdrücke für ihn noch nicht verloren. Würde er diese untersuchen lassen, so würden sich auch hier nur die eindeutigen Spuren des Hauptgefreiten Charlie Holm finden lassen.
MeckDwarf hatte noch mehr Spuren auf der provisorischen Bühne verstecken lassen und alle schrieen sie mit lauter Stimme dieselbe Botschaft: "Der Bäcker war es! Es hat nie einen Einbrecher gegeben!"
Es war den Anfängern gegenüber vielleicht nicht ganz fair, sie mit einem solchen Fall zu konfrontieren, aber seit einige Gilden einem in Not geratenen Bruder helfend zur Seite standen, gab es solche Betrugsfälle immer wieder.
Doch Bendolch war scheinbar selbst zu einfältig die simpelsten Indizien zu erkennen. Warum hatte der Bäcker seine Tracht an, wenn er doch angeblich gerade erst aufgestanden war? Wie konnte es sein, dass der Ofen schon längst eingeheizt war? Wenigstens diese offensichtlichen Lügen hätte er bemerken müssen.
Zu guter Letzt, hing über besagter Truhe auch noch eine Erinnerungsurkunde an die 'Schöne Zeit im Infanterieregiment 210 - Leichte Sturmschwadron.' Darunter prangte die Ikonographie einer Gruppe Soldaten. In ihrer Mitte stand Schütze Kornelius, ganz ohne Bäckermütze aber dafür mit fertig geladener Armbrust und einem breiten Grinsen.
Nein, Rekrut Dippwin Bendolch war gescheitert und damit das Experiment geglückt. Als nächstes würde der Hauptmann seinem Probanden stellvertretend für alle Rekruten die Leviten lesen. Die Lehrstunde in Spurensicherung konnte beginnen.

***


"Also gut Bendolch!" bei MeckDwarfs donnernder Stimme zuckten im Publikum die Rekruten mit schwächeren Nerven zusammen. "Was konntest du denn bis jetzt ermitteln? Wo sind die unzähligen Spuren, die du für uns gesichert hast?" Ein boshaftes Lächeln umspielte die Lippen des Hauptmanns als er wieder nach vorne zur Bühne marschierte.
Dippwin unterbrach seine Besichtigung des Tatortes und kam zum vorderen Rand der erhöhten Bühne. Aus einem halben Meter Höhe blickte er abwartend dem Hauptmann entgegen.
"Komm da runter, wenn ich mit dir spreche", blökte dieser ihn an. "Du glaubst doch nicht etwa, ich würde zu dir aufsehen während du mir deine Ergebnisse meldest?"
Pflichtbewusst sprang der Rekrut vom Bühnenrand und kam neben MeckDwarf zum Stehen. Trotzdem überragte er den Offizier immer noch um einen guten Kopf. Schuldbewusst ging er etwas in die Knie, was von MeckDwarf mit einem zufriedenen Nicken zur Kenntnis genommen wurde.
Inzwischen fühlte sich auch Lilli von ihrem Dienst als Absperrposten entbunden und gesellte sich zu ihnen. Das Ensemble der Schauspieler machte es sich auf den Tischen in der Backstube gemütlich, ließ die Beine baumeln und beobachtete den Hauptmann. Auch im Publikum kehrte wieder Ruhe ein. Offenbar hatte man den langweiligen Teil der Vorstellung überstanden und näherte sich jetzt rasant dem Höhepunkt des Dramas.
"Rapport Bendolch! Ich höre", forderte der Abteilungsleiter von SUSI.
"Jawohl Sir. Wenn sie erlauben Sir, ich hätte da noch zwei Fragen."
"Na gut, soviel Zeit soll schon sein. Also?" MeckDwarf wirkte etwas ungeduldig, aber er wollte sich später auf keinen Fall vorwerfen lassen, er hätte dem Rekruten keine Chance gegeben.
"Ich habe mich gefragt, ob dass Brecheisen das dort beim Fenster liegt von 'Hammerson & Partner' oder doch ein Produkt von 'Burlichs Eisenwarenhandlung' ist."
Verständnislos starrte der Hauptmann sein Gegenüber an. Was versprach sich der Kerl den von dieser Information? "Von... 'Burlichs Eisenwarenhandlung'." Seine Antwort klang eher wie eine Frage und MeckDwarf suchte Bestätigung in Dippwins Mimik.
Dieser nickte nur konzentriert als habe er von Anfang an mit dieser Antwort gerechnet. Die Augen halb geschlossen hing er seinen Gedanken nach und schien den Hauptmann für den Augenblick zu vergessen.
"Die zweite Frage Bendolch", weckte ihn MeckDwarf aus seinen Überlegungen.
"Natürlich, Sir... Es wäre noch gut zu wissen, in welcher Strasse die Bäckerei liegt, Sir."
"Was?" MeckDwarf drohte langsam die Fassung zu verlieren. Er hatte ja damit gerechnet, dass sich die Auszubildenden bei dieser Übung nicht mit Ruhm bekleckern würden, aber dieser Kauz würde wohl gleich auch noch die Farbe von Charlies Unterwäsche überprüfen wollen.
"Na von mir aus liegt sie in der Freudenpflastergasse, wenn's genehm ist?" antwortete er mürrisch.
Wieder dieses nachdenkliche Gesicht. Als wenn der Hanswurst von hier bis an die nächste Ecke hätte denken können. Der Hauptmann entwickelte langsam eine echte Abneigung gegen diesen Bendolch.
"Wäre es dem Herrn denn nun vielleicht recht, uns seine hoch geschätzten Ermittlungsergebnisse mitzuteilen?" MeckDwarfs Stimme troff nur so vor Sarkasmus.
Einen Moment zögerte Dippwin noch, während sein Verstand auf Hochtouren arbeitete. Dann schließlich sah er dem Offizier fest in dieAugen. "Ja Sir, ich glaube das kann ich."
"Na willst du dann wohl endlich mit der Sprache rausrücken oder muss ich erst handgreiflich werden?"
Dutzende erwartungsvolle Blicke richteten sich auf Dippwin. Stille senkte sich über den Saal. Die Spannung war greifbar. Nur in einer der letzten Reihen knisterte jemand mit dem Papier seiner Lakritzbonbontüte. Ein leises Klatschen und unterdrücktes Stöhnen deutete darauf hin, dass dem Rüpel von seinem Nachbarn unverzüglich die Bedeutung spannungsgeladener Atmosphäre erklärt wurde.
"Sir, hiermit spreche ich die vorläufige Festnahme gegenüber Kornelius dem Bäcker aus, aufgrund des Verdachts auf Steuerhinterziehung in mehreren...", weiter kam Dippwin nicht. Seine Stimme ging unter in dem Johlen des begeisterten Publikums. So etwas war ganz nach ihrem Geschmack, - eine unerwartete Wendung auf dem Höhepunkt der Handlung.
Charlie sprang erbost vom Tisch und richtete zornesrot seine Armbrust zunächst auf Bendolch, dann auf die Rekruten im Allgemeinen und schließlich wieder auf den vermaledeiten Wächter, der glaubte ihn verhaften zu können. Er hatte den albernen Bäcker gespielt, er hatte sich zum Clown gemacht, er hatte untätig zusehen müssen, wie dieser Dilettant all seine schönen Spuren und Hinweise übersah und jetzt sollte er plötzlich festgenommen werden? Nicht mit ihm!
Fast zeitgleich sprangen die drei Gefreiten auf, um ihren rasenden Kameraden zu beruhigen. Lilli Baum stürzte sich schützend vor Dippwin und verwandelte sich dabei wieder in die wogende Weide, während Oberleutnant Lanfear nach vorne geeilt kam, um den verzweifelten MeckDwarf zu unterstützen.

***


Nach einigen hektischen Minuten hatte sich die Situation wieder etwas beruhigt und Irina wandte sich an Dippwin. "Also Bendolch, wie kommst du zu dieser... etwas unerwarteten Entscheidung?"
In einem Halbkreis standen alle Beteiligten um den Rekruten und erwarteten seine Erklärung. Charlie war vorsorglich von Olga-Maria und Rabe in die Mitte genommen und seine Armbrust in sicherer Entfernung auf einen Tisch in der Backstube gelegt worden.
"Aber es ist doch ganz offensichtlich Ma'am", wunderte sich Dippwin. "Dem Opfer war eine bestimmte Menge Geld entwendet worden, so wie er es selbst geschildert hat. In der Truhe befanden sich aber nur die Einnahmen eines Tages.
In den Regalen der Bäckerei lagern jetzt am frühen Morgen 34 frisch gebackene Brote und etwa 160 Brötchen, was wahrscheinlich genau der Menge entspricht, die der Bäcker heute zu verkaufen gedachte. Ich glaube nicht, dass Kornelius' Absatz stark schwanken dürfte, also hat er gestern vermutlich ähnliche Verkaufszahlen gehabt, oder?"
Die beiden Offiziere nickten unsicher, ohne zu wissen worauf Bendolch wohl hinaus wollte.
"Nun, die Bäckerei von Kornelius liegt nach Aussage von Zeuge A", Dippwin deutete auf den verdutzten Hauptmann, "in der Freudenpflastergasse, also mitten in den Schatten. Dort bekommt man für ein Brötchen höchstens 6 Cent und für ein Brot nicht mehr als 23. Macht zusammen", für einen Moment schlossen sich seine Augen, "genau 17 Dollar und 42 Cent. Dies dürfte ziemlich genau der Summe entsprechen, die Kornelius gestohlen wurde." Dippwin blickte abwartend in die Runde.
"Ja... aber was hat das alles mit dem Verbrechen zu tun, Bendolch?" fragte MeckDwarf ungeduldig. "Ich habe noch nicht einen Grund gehört, der eine Festnahme rechtfertigen würde."
"Da kommt das Brecheisen ins Spiel, Sir" antwortete Dippwin mit fester Überzeugung. "Der Dieb hat auf seiner Flucht die Armbrust und das Brecheisen zurückgelassen. Zwar wurde ihm die Armbrust von Kornelius in gewisser Weise entwendet und vielleicht hat er das Brecheisen auch nur vergessen, aber bei vorliegendem Fall kann man wohl davon ausgehen, dass er die Sachen nicht wiederhaben will und deshalb das Eigentum an den Gegenständen, - in beiderseitigem Einverständnis zwischen Kornelius und dem Einbrecher -, auf den Bäcker übergegangen ist."
Gebannt hingen Dippwins Zuhörer an seinen Lippen. Alles was er sagte klang irgendwie logisch, es machte nur einfach keinen Sinn.
"Eine handelsübliche Armbrust ist auf dem Hier-gibt’s-alles-Platz für etwa 12 Dollar zu bekommen. Bei dem Brecheisen musste ich aber erst ermitteln, ob es sich um die einfache Ausführung für 4 Dollar 50 Cent, wie sie bei 'Hammerson & Partner' verkauft wird, oder um eine Spezialanfertigung, - gehärtet & rostfrei -, von 'Burlichs Eisenwarenhandlung' für 8 Dollar 75 Cent handelte. Hier hat wiederum Zeuge A", MeckDwarf trafen die ärgerlichen Blicke seiner Kollegen, "darauf hingewiesen, dass wir es mit einem exklusiven Produkt aus dem Hause 'Burlich' zu tun haben."
Langsam dämmerte dem Hauptmann worauf dieser Wahnsinnige hinaus wollte, aber das konnte doch alles unmöglich sein Ernst sein?
"Wenn man also die Gewinne und Verluste des heutigen Morgens gegeneinander aufwiegt, hat Kornelius ein Plus von wenigstens 3 Dollar 33 Cent gemacht. Ich denke man kann bei dem Einbruch aus Sicht des Bäckers weder von selbstständiger Arbeit, noch von Zinserträgen sprechen. Aus diesem Grund muss er Vermögenssteuern für die 3 Dollar 33 Cent entrichten. Im Rahmen meiner Ermittlungen hat er aber nicht ein einziges Mal darauf hingewiesen, dass er dies noch zu tun beabsichtigte. Vermutlich glaubte er, ich würde seine dunklen Machenschaften nicht bemerken. Mir blieb letztlich keine andere Wahl als die vorläufige Festnahme auszusprechen."
Dezenter Applaus aus dem Kreise der Zuschauer belohnte die Bemühungen dieses fleißigen Rekruten. Seine Ausführungen klangen logisch, die Schlussfolgerungen konsequent. Wenn es nach dem Publikum gegangen wäre, hätte man den Bäcker an den Pranger gestellt und den gemütlichen Teil des Tages in einer der zahlreichen Schänken Ankh-Morporks eingeläutet. Für heute hatten sie eindeutig genug gelernt.
Im Kreise der Ausbilder herrschte dagegen peinlich berührtes Schweigen. Bendolch musste ganz klar den Verstand verloren haben. Man sollte besser vorsichtig mit ihm umgehen, schließlich wusste man nie so genau wie ein Verrückter reagieren würde. Anschreien war da sicherlich eine der denkbar schlechtesten Lösungen.
"Wegen 3 Dollar 33 Cent." Irinas Stimme war sehr leise. "Du willst ihn wegen 3 Dollar und 33 Cent festnehmen? Was würdest du mit ihm anstellen, wenn er ein Pferd gestohlen hätte?"
"Ähm...", Dippwin wirkte etwas verunsichert, "eigentlich geht es ja nur um 46 oder 47 Cent, weil doch der Steuersatz im Moment lediglich bei 14 Prozent liegt."
MeckDwarf stöhnte laut auf. "Du Wahnsinniger!" brüllte er Dippwin an. "Du tappst wie ein Blinder über den Tatort, findest keinen einzigen Hinweis der das Verbrechen betrifft und willst jetzt plötzlich meinen besten Spurensicherer verhaften?"
"Bäcker."
"Was?"
"Ich wollte den Bäcker festnehmen, keinen Spurensicherer. Ich..."
"Ja bist du denn von allen guten Geistern verlassen?" MeckDwarfs Gesicht war rot angelaufen und er schien sich jeden Augenblick auf den unseligen Wicht stürzen zu wollen. "Du belehrst uns hier über die Preise von Brötchen in den Schatten und Werkzeugen bei 'Burlich' und hast dabei doch nicht ein Quäntchen Gespür für den eigentlichen Fall entwickelt."
Von der Seite trat Charlie an seinen Chef heran und versuchte vorsichtig dessen Aufmerksamkeit zu erregen. Er hatte inzwischen seine alberne Mütze abgenommen und wirkte sehr konzentriert. Ihm war in den letzten Minuten ein beunruhigender Gedanke durch den Kopf gegangen. Der Hauptmann war jedoch viel zu sehr in Rage, als dass er den Hauptgefreiten hätte bemerken können. "Wenn du in meiner Abteilung wärst, würdest du den ganzen Tag Akten sortieren! Dich kann man ja nicht... ach was sage ich da? Dich darf man gar nicht auf die Menschheit loslassen!"
Charlie zupfte indessen immer stärker am Ärmel des tobenden Offiziers.
"Was willst du denn?" herrschte dieser ihn an.
Dezent beugte sich der Hauptgefreite zu seinem Vorgesetzten herab. "Ich glaube es gibt da ein kleines Problem, Chef", teilte er MeckDwarf halblaut mit.
"Bitte?" entgegnete der Hauptmann immer noch außer sich.
"Wenn wir für einen Moment einmal vergessen, dass dieser Bendolch alle tatsächlichen Spuren übersehen hat, könnte es dann sein, dass eine Festnahme in einer ähnlichen Situation aufgrund seiner Argumentationskette zulässig wäre?"
Sowohl MeckDwarf als auch Irina, die das leise Gespräch mit angehört hatte, blieb eine Antwort im Halse stecken. Stattdessen starrten sie mit offenem Mund Charlie an und überlegten, ob jetzt auch er verrückt geworden war.
Im Publikum wurde es inzwischen wieder unruhig. Man hatte das Finale gesehen. Die Vorstellung war in Ordnung wenngleich auch nicht überwältigend. Aber nun war die Show vorbei und es wurde doch langsam Zeit die Versammlung aufzulösen.
"Ich meine", setzte Charlie seinen Gedanken fort, "ist es denkbar, Gesetze und Vorschriften wirklich so zu verdrehen, dass es in den Bereich des Möglichen rückt, einen Unschuldigen oder vielleicht sogar das Opfer eines Verbrechens mit dubiosen Vorwürfen zu konfrontieren und ihn deshalb hinter Gitter zu bringen?"
Die drei blickten sich stumm an, während sie die Konsequenzen dieser Vermutung überdachten. Jedem von ihnen geisterten dabei äußerst unangenehme Bilder durch den Kopf.
"Charlie", wendete sich Irina schließlich an den Hauptgefreiten, "lauf nach oben zu den SEALS und melde dich bei Stabsspieß Atera. Sie soll sofort hier runter kommen und einen ihrer Rechtsexperten mitbringen."
"Sofort, Ma'am!" Charlie nahm kurz Grundstellung ein, drehte sich dann um und lief los.
"Und Charlie...", rief MeckDwarf ihm hinterher.
"Ja, Sir?"
"Beeilung!"

***


Eine halbe Stunde später hatte Dippwin seine Ermittlungsergebnisse in Gegenwart von Stabsspieß Atera und einem gewissen Obergefreiten Träumer noch einmal wiederholt. Er klang inzwischen nicht mehr ganz so überzeugt von der Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen. Immerhin beobachteten ihn die durchdringenden Blicke von drei Abteilungsleitern, - allesamt Veteranen der Wache -, und die von fünf weiteren Mannschaftsdienstgraden.
Für Dippwin bedeutete dies mehr Aufmerksamkeit als ihm in all den Jahren bei den Alchimisten zuteil geworden war. Er konnte im Moment noch nicht wirklich beurteilen, ob er das für eine gute oder eher negative Entwicklung halten sollte. Seine bisherigen Erfahrungen in den Reihen der Wächter ließen ihn aber zunächst das Schlimmste befürchten.
Mit Atera begegnete ihm außerdem erstmals einer der wenigen Zombies der Wache. Sofort fiel ihm das von Nähten überzogene Gesicht auf, ihr rechter Arm, der in einem Stumpf endete und mit einem provisorischen Haken versehen war, und eine Aura kalter Grabesluft, die sie wie eine zweite Haut zu tragen schien. In ihrer Nähe fröstelte Dippwin und er wagte es nicht, sie weiter zu betrachten. Der zurückhaltende Rechtsexperte, den sie mitgebracht hatte, ging in ihrer Gegenwart hingegen fast unter. Schüchtern, blass und mager stand der Obergefreite einen halben Schritt hinter seiner Chefin und lauschte unauffällig den Ausführungen des Rekruten. Dies sollte sich erst ändern, als Dippwin seinen Bericht beendet hatte.
Unerwartet wurde Obergefreiter Träumer zum neuen Zentrum des Interesses.
"Also Träumer, was sagst du zu diesen abenteuerlichen Interpretationen?" forderte MeckDwarf ungeduldig von dem jungen Mann.
"Ich weiß nicht, Sir. Grundsätzlich ist kein logischer Fehler in seiner Argumentationskette zu erkennen. Aber insgesamt sträuben sich mir die Nackenhaare, wenn ich mir seine letztendliche Schlussfolgerung anhöre", antwortete er zögerlich.
"Das geht uns allen so, Obergefreiter", sagte Irina. "Deshalb haben wir ja auch dich holen lassen, damit du uns sagst, ob man Recht und Gesetz wirklich so verdrehen darf."
"Nun ja... ich denke er müsste dem säumigen Steuerzahler vielleicht zunächst eine Frist setzen, binnen derer er den fehlenden Betrag entrichten könnte. Erst wenn er dann noch nicht gezahlt hat, dann..." Noch während Träumer antwortete durchforstete er im Kopf die Richtlinien, Vorschriften und Durchführungsbestimmungen die er irgendwann einmal in Bezug auf Steuerpflicht [7] gelesen hatte.
"Ja?" fragten Atera und Irina fast gleichzeitig.
"... dann könnte er ihn festnehmen." Träumer schockierten seine eigenen Worte.
"Wegen 3 Dollar 33Cent?" donnerte MeckDwarf. Wieder war er kurz davor die Contenance zu verlieren.
"Eigentlich ja nur 47 Cent, Sir", merkte der Rechtsexperte verzweifelt an.
"Bei allen Göttern, er will das Opfer verhaften! Der Täter ist ihm dabei völlig egal."
"Ja, aber der Bäcker war doch der Täter, oder Sir?" meldete sich Rabe Raben zu Wort.
"Aber das weiß er doch gar nicht. Er hat doch nicht einen Beweis dafür gesichert", antwortete Irina für den plötzlich sprachlosen Abteilungsleiter von SUSI. Jetzt fielen ihm schon seine eigenen Gefreiten in den Rücken.
"Vielleicht hat er ja instinktiv gespürt, dass der Bäcker der eigentliche Verbrecher war?" überlegte Holm laut.
"Hauptgefreiter Holm, wenn du nicht auf der Stelle den Mund hältst, werde ich dich zwingen deine eigene Bäckermütze zu essen!" fuhr MeckDwarf seinem Spurensicherer über den Mund.
Eine wilde Diskussion entbrannte, in der sich Dippwin irgendwie überflüssig vorkam. Seine Vorgesetzten waren in eine Thematik vertieft, die wohl dem Anschein nach auch nur von ihnen begriffen und besprochen werden konnte, seine Gegenwart war dazu nicht mehr erforderlich. Er selbst wurde jedenfalls seit einiger Zeit keines Blickes mehr gewürdigt. Der Umstand gab ihm jedoch die Möglichkeit einer Idee nachzugehen, die ihm schon eine ganze Weile im Kopf herumging. Unauffällig stahl er sich aus dem Kreis der Streitenden und begab sich zurück in die Bäckerei. Charlies Armbrust, die immer noch fertig geladen auf einem der Tisch lag, lächelte ihn verführerisch an.
"So kommen wir hier nicht weiter", versuchte Atera die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen. "Die Frage die sich uns stellt ist doch, ob es sich um die verrückten Ideen eines einzelnen Rekruten handelt oder eine reale und gefährliche Möglichkeit, das Recht zu manipulieren."
"Wir haben schon häufig erlebt", erwiderte Träumer, "wie Herr Schräg von der Anwaltsgilde seine Mandanten mit den unglaublichsten Ausflüchten vor einer Verurteilung gerettet hat. So neu ist das Problem also gar nicht, Ma'am."
"Ja schon... aber auf so offensichtliche Weise? Wenn das Beispiel Schule macht müssten wir sehr schnell alle rechtschaffenen Bürger der Stadt inhaftieren." Die Bemerkung von Oberleutnant Lanfear ließ die übrigen Zuhörer einen Moment innehalten.
Langsam weiteten sich die Augen von Charlie Holm. Er hatte eine Vision, die ihn mit Schrecken erfüllte. "Stellt euch vor was uns blühen würde, wenn dieser Bendolch Herrn Schräg in die Hände fällt. Was würde der für einen Anwalt aus ihm machen?"
Das Bild formte sich in ihren Köpfen und sie alle schauderten ob der Vorstellung. Jeder von ihnen hatte seine eigenen Erfahrungen mit Herrn Schräg und seiner Gilde gemacht und keiner konnte behaupten, es wären besonders angenehme gewesen.
"Das darf nicht passieren!" Irinas Stimme klang bestimmt. "Ich werde ihn schon so zurecht biegen, dass er auf keine dummen Gedanken kommt. Apropos Bendolch... wo ist er eigentlich."
In diesem Augenblick hörte man das sanfte Klacken einer Armbrust und sofort darauf das deutlich lautere Scheppern von Metall.
Dippwin hatte sorgfältig seinen verbeulten Helm auf dem Tisch platziert und stattdessen die stattliche Armbrust an sich genommen. Ein Loch würde reichen, hatte Fliegweit gesagt. Wenn er ein Loch hätte, wäre er richtig kaputt.
Es war eine starke Armbrust. Sie war größer und schwerer als das Standardmodell der Wächter. Vermutlich war sie sogar teurer als 12 Dollar, aber das spielte für den Moment keine Rolle. Wichtig war nur, dass ihre Durchschlagskraft ausreichen würde, den Helm zu durchbohren. Ein kleines Loch würde ja schon reichen.
Dippwin war sicher kein guter Schütze. Als ehemaliger Alchimist brachte er allem, was in irgendeiner Weise körperlichen Schaden verursachen konnte, gehörigen Respekt entgegen und blieb lieber auf sicherem Abstand. Aber aus nur zwei Meter Entfernung konnte selbst er ein Ziel nicht verfehlen. Nachdem er mit zugekniffenen Augen den Abzug betätigt hatte und der Bolzen scheppernd im Helm einschlug, begann dieser auf dem Tisch zu kreiseln.
Gespannt wartete Dippwin auf das Ergebnis und beugte sich über den Tisch. Erst nach mehreren Umdrehungen verlangsamte sich die trudelnde Fahrt der eisernen Kopfbedeckung, bis sie schließlich ganz zum Erliegen kam. Durch zwei kreisrunde Löcher konnte Dippwin auf der anderen Seite des Helms seine Ausbilderin sehen. "Es hat funktioniert!" frohlockte er.
"R EKRUT D IPPWIN D AMO F ELABRO B ENDOLCH!" fauchte Oberleutnant Lanfear. "Du Schande meiner Abteilung! Kann man dich denn keine Sekunde aus den Augen lassen?" Mit wenigen Schritten war sie auf Bendolch zugestürmt und baute sich jetzt bedrohlich vor ihm auf. Dippwin hatte instinktiv Grundstellung eingenommen, aber nichts in der Welt konnte ihn jetzt noch vor dem lodernden Zorn der Abteilungsleiterin schützen.
Während sich Irinas Wut in ungeahnte Höhen steigerte, legte MeckDwarf selig lächelnd seinen Arm um Charlie. "Siehst du Charlie, endlich kriegt der Irre was er verdient. Jetzt bekommen auch wir noch unsere Vorführung."
Charlie hörte seinem Chef kaum zu. Stattdessen kämpfte er gegen die Tränen an, die sich seit wenigen Sekunden in seinen Augen sammelten.
"Charlie? Ist alles in Ordnung?" Prüfend betrachtete der Hauptmann seinen Spurensicherer.
"Aaah...", drang es leise aus dem jungen Mann.
Erst als MeckDwarf an seinem Hauptgefreiten herabsah, erkannte er den Bolzen, der Charlie mehrere Finger tief in der linken Rundung des verlängerten Rückens steckte.

***


Einige Tage später saß Kommandeur Ohnedurst im Kreise seiner Abteilungsleiter bei einer der wöchentlichen Besprechungen. Man trug ihm die Ergebnisse zahlreicher Ermittlungen vor, langweilte ihn mit bürokratischem Kleinkram und erörterte die Lage, sowie mögliche Vorhaben der einzelnen Abteilungen.
Ein kleiner aber wirklich wichtiger Tagesordnungspunkt war die Lehrvorführung, die SUSI in seinem Auftrag durchgeführt hatte. War es gelungen die Rekruten hinreichend für das schwierige Thema der Tatort- und Spurensicherung zu sensibilisieren? Aufmerksam hörte er sich den Bericht von MeckDwarf an. Der sonst eher missmutige Hauptmann wirkte jedoch seltsam zurückhaltend, fast schon ein wenig verlegen. Schließlich kam das Gespräch auf einen gewissen Dippwin Bendolch zu sprechen. Oberleutnant Lanfear eilte dem Hauptmann zu Hilfe und steuerte ihrerseits einige interessante Details über diesen Bendolch bei.
Rascaal hörte sich den Vortrag seiner beiden Offiziere bis zum Ende an ohne die beiden zu unterbrechen. Der Bericht fiel ihnen scheinbar auch so schon schwer genug.
"Wie geht es Charlie?" fragte er nachdem MeckDwarf und Lanfear geendet hatten.
"Nicht weiter schlimm, Sir", antwortete der Abteilungsleiter von SUSI. "War nur eine Fleischwunde. In ein paar Tagen ist er wieder auf den Beinen. In der Zwischenzeit freut er sich über ein paar Tage im Bett... auch wenn er nur auf dem Bauch liegen kann, Sir."
Rascaal nickte bedächtig und verkniff sich ein Lächeln. Eine Weile schien er zu überlegen, dann teilte er seine Entscheidung mit. "Bendolch bleibt. Wir werden ihn wegen dem Vorfall nicht gleich auf die Straße setzen. Oberleutnant Lanfear wird seine Grundausbildung unter strengster Beobachtung fortsetzen. Die Befürchtung von Charlie Holm, Bendolch könnte in die Hände der Anwaltsgilde fallen, ist nicht aus der Luft gegriffen. Dies muss unter allen Umständen verhindert werden. Über eine Disziplinarstrafe von Rekrut Bendolch wird gesondert entschieden. Mehr gibt es zu dem Punkt nicht zu sagen."
Die Besprechung ging weiter, Rascaal hörte jedoch nur noch mit einem Ohr zu. Was war dieser Bendolch für eine Sorte Mensch? Auf welche Weise funktionierte sein Kopf? Er glaubte nicht etwa wie MeckDwarf, dass der Rekrut ein verrückter Spinner war. Dafür hatten seine Gedankengänge einfach zu sehr Methode. In gewisser Weise war seine Argumentation vielleicht sogar brillant. Aber gleichzeitig fehlte ihm auch eine Orientierung, ein Rechtsbewusstsein. Besaß er überhaupt die Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden? Rascaal überlegte weiter. Konnte es sein, dass Bendolch einen genialen Verstand besaß, dass ihm aber niemals jemand den Unterschied... nie die Bedeutung von Gut und Böse erklärt hatte? War es möglich, dass Dippwin an einem Scheideweg in seinem Leben stand, vielleicht sogar schon seit Jahren, und sich noch nicht entschieden hatte in welche Richtung sein Weg gehen sollte, ob ins Licht oder in die Dunkelheit? Vielleicht nur, weil ihm gar nicht klar war, dass er an diesem Scheideweg stand?
Nein, er durfte Bendolch nicht aus der Wache werfen lassen. Hier konnte er ihn formen, mit der Zeit unter Umständen sogar zu einem guten Wächter. Da draußen, außerhalb von Rascaals Wirkungsbereich, würde er den Einflüssen der Stadt ausgeliefert sein und das konnte kein gutes Ende nehmen.
Rascaal würde Dippwin Bendolch nicht den Wölfen der Stadt zum Fraß vorwerfen. Er würde für seine Ausbildung sorgen und ihn erziehen. Er würde ihm in der Wache eine neue Heimat geben und ihn auf seinem schwierigen Weg behüten. Genau so, wie er alle seine Wächter behütete.


[1] Eine tragische Geschichte, in der Dippwin quasi vollkommen unschuldig zu einer unbedeutenden baulichen Veränderung des Gildenhauses beigetragen hatte. Siehe 'Charakterisierung'.

[2] In der Regel ein umgeworfener Tisch oder der Rücken eines überraschten Kollegen.

[3] Dies hatte mit den antrainierten Sprinterqualitäten aller Alchimisten zu tun, auf die bereits eingegangen wurde. Einer unbewiesenen Theorie zufolge vermochte ein Alchimist für einen infinitesimal kurzen Moment die Geschwindigkeit seiner Gedanken in physische Bewegungen umzuwandeln. Je nach vorhandener Intelligenz konnte dies zu erstaunlichen Leistungen führen.

[4] Tatsächlich versuchte jeder, nur nicht der Letzte zu sein, denn nur den beißen bekanntlich die Hunde. Für das entstehende Chaos spielte dieser Umstand aber keine nennenswerte Rolle.

[5] Eine Fähigkeit, die allen Ausbildern zu Eigen ist. Bei entsprechender Meisterschaft war es einem Drill-Feldwebel sogar möglich, einen schwer erziehbaren Rotzbengel, der bereits vier Kindermädchen in die Flucht geschlagen und seine eigene Mutter zum Püschologen getrieben hatte, in nur 7 Sekunden zum Weinen zu bringen. Die Zeit ließ sich auf 4 Sekunden reduzieren, wenn der Feldwebel 'Unartikuliertes Anschreien Ohne Echten Inhalt' als zusätzliche Maßnahme einsetzte.

[6] Der Mythos der knisternden Spannung war ein weit verbreitetes Missverständnis. Tatsächlich knisterte Spannung überhaupt nicht. Sie zeichnete sich vielmehr durch eine besonders laute und aggressive Stille aus. Man sprach in diesem Zusammenhang auch von spannungsgeladener Atmosphäre. Ein eventuelles Knistern war darin jedoch besonders gut zu hören. Geschah dies am falschen Ort, - zum Beispiel in einem Theater -, und zur falschen Zeit, - sagen wir kurz bevor der Protagonist seinen Gegenspieler erstechen konnte -, dann entlud sich die Spannung in Form der Aggression, die bis dahin in der Stille gespeichert war. So funktionierten Naturgesetze... und sie galten immer!

[7] Die Anwaltsgilde hatte bereits kurz nach ihrer Gründung erwirkt, dass es kein eigenes Gesetzbuch mit dem Namen 'Steuerrecht' geben durfte. Schließlich hatte kein Bürger Ankh-Morporks das Recht Steuern zu zahlen. Es war seine verdammte Pflicht!




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Feedback:

Von Robin Picardo

16.11.2005 14:24

Erster!!! ;)
Na was soll man da anderes sagen als herzlichen Glückwunsch!!!
Super Mission!
Alles richtig gemacht ;)!
LG Robs

Von Cim B�rstenkinn

16.11.2005 14:48

Ja, das war so eine Situation.
Ich hab zweimal nachgesehen, ob es sich da nicht doch um den Zweitcharakter eines Offiziers handelt ;)

Du verstehst wunderbar Deinen Charakter zu beschreiben, mit Geschichte und Farbe zu versehen.
Einzig gefährdet sehe ich Dich, dass Du ihn mit zuvielen "Features" versehen hast und noch wirst. Aber das beurteile ich erst wirklich bei der nächsten Single :)

Gratuliere zu der tollen Leistung!!!!

lg Cim.

Von Tussnelda von Grantick

16.11.2005 19:34

Ich kann mich nur anschliessen. Auch ich konnte nicht glauben, dass das Deine erste Mission ist. Herzlichen Glückwunsch!

Von Ophelia Ziegenberger

16.11.2005 20:29

Lob: Du hast mit deiner Geschichte eine ganz außergewöhnlich gute Einführung deines Hauptcharakters geschrieben. Nicht nur, dass die ungewöhnlichen Züge der Figur deutlich wurden. (Sie ist zudem auch erfreulicherweise etwas älter, als der typische Neueinsteiger - von Vampiren einmal abgesehen.) Auch der Spannungsbogen anhand des "Theaterstückes" war wunderbar nachzuvollziehen. Was aber besonders positiv auffiel: dass Du in den Beschreibungen und den Dialogen das Kunststück gemeistert hast, die Charaktere deiner Kollegen dermaßen stilsicher darzustellen, dass für mich keine Abweichungen von deren Vorgaben erkennbar waren. Etwas, das ich von Seiten eines Neulings erst recht beachtlich finde!

Kritik: ---

Von Lilli Baum

16.11.2005 21:48

Sag mal, weißt du eigentlich, wie frustrierend das ist, wenn ein Mitekrut so eine verdammt gute Single schreibt? :cry:
Ich darf zwar noch nicht voten, aber deine Single gefiel mir ausnehmend gut (und das nicht nur, weil du meinen Charakter mit eingebaut hast (naja eigentlich schon..( ich bin halt auch nur ein Mensc... Baum))). Es war klasse, wie du die ganzen Mitwächter beschrieben hast, überhaupt die ganze Idee mit der Vorführung. Ein perfekter Aufhänger. :daumenhoch:
Aber ich will auch was bemängeln: Der Titel... Der war irgendwie ein bißchen lahm.... (deswegen hatte ich die Single auch heute erst gelesen... :scheinheilig: ) Titel finden ist schwer, aber jemand von deinem Format findet bestimmt noch bessere Titel.
Ja, und ich bin auch der Meinung, du hast in Punkto Fähigkeiten deines Charakters ein wenig zu dick aufgetragen... Es geht mir eigentlich nicht so sehr um die Fähigkeiten an sich, aber den Trubel den du dann darum hast inszenieren lassen... Dadurch schlitterst du mir zu sehr in Richtung einer Mary Sue ab (ich hoffe du kannst mit diesem Begriff etwas anfangen... wenn nicht, es findet sich sicher wer, der ihn erklären kann 8) )

Nichts desto trotz habe ich mich beim Lesen deiner Single sehr amüsiert, und bin schon sehr auf deine nächste gespannt.


Zum Schluss aber noch eine Frage an die anderen hier: Jemand meinte ja, dass es ganz angenehm ist, dass er älter als der durchschnittliche Rekrut ist... aber kommt mir das nur so vor, oder gibt ein Großteil der Leute ihrem Charakter das selbe Alter wie sich selbst? Zumindest jetzt auf Menschenspieler bezogen... Ich habe bei ein paar Leuten nachgeschaut, und bei denen war es so... auch bei unserem werten Dippwin... kein Wunder, dass sein Charakter älter ist als die anderen, er ist es ja auch :wink:

Von Ophelia Ziegenberger

16.11.2005 22:26

[quote:9285f43f5d="Lilli Baum"]...Jemand meinte ja, dass es ganz angenehm ist, dass er älter als der durchschnittliche Rekrut ist... aber kommt mir das nur so vor, oder gibt ein Großteil der Leute ihrem Charakter das selbe Alter wie sich selbst?...[/quote:9285f43f5d]

Also der 'Jemand' war ja ich. Und das mit dem identischen Alter wird sicherlich stimmen. Auch Ophelia ist noch sehr nah an mir dran, altersmäßig. Das hing damit zusammen, dass sie mein erster geschaffener Charakter war, mit dem ich wirklich "arbeiten" wollte und ich mich eben eher in eine Lage versetzen kann, die ich schon erlebte, als in eine, die ich mir gänzlich ausdenken müsste. Und da ich mir in Geschichten schon das ganze Drumherum zusammenspinne, wollte ich zumindest einen vertrauten Ausgangspunkt haben. Dippwins Alter fiel mir einfach angenehm auf, mehr nicht.

:wink:

Von Lilli Baum

16.11.2005 22:37

Und mir fiel auf, dass auch Dippwins reales Alter an dem Alter dran ist, dass er seinen Charakter gegeben hat... ich glaube, das machen alle, um sich leichter in ihren Charakter einzufinden :D

Von Romulus von Grauhaar

17.11.2005 00:24

Hinzu kommt auch mittlerweile dass manche ihre Charaktere mittlerweile auf einem Scheibewnelt-LARP verkörpert haben, wodurch manche, die eine große Altersdiskrepanz dort haben, es deutlich schwerer haben, ihn darzustellen.

Zur Single: Hab sie leider aus zeitlichen Gründen bisher nicht lesen können, aber nach dem, was ich hier so lese, wird sich das schleunigst ändern ;)

Von Rabe Raben

17.11.2005 10:54

Da schließ ich mich Rom an. Ich konnte nur den Anfang lesen (und schon da fragte auch ich mich ob Dipwin nicht doch ein Zweitcharakter ist), aber ich hol das nach und die nächste les ich dann wenn ich sie auch noch bewerten kann.
Weiter so und Glückwunsch zum Ribbon :daumenhoch:

@Lilli: Nicht traurig sein :wink: , so was sollte doch nur noch mehr anspornen.

Von Tussnelda von Grantick

17.11.2005 11:17

[quote:bdf3f9e71c="Lilli Baum"]Und mir fiel auf, dass auch Dippwins reales Alter an dem Alter dran ist, dass er seinen Charakter gegeben hat... ich glaube, das machen alle, um sich leichter in ihren Charakter einzufinden :D[/quote:bdf3f9e71c]

Ich hab für meinen Char das Alter gewählt, dass mir erzählerisch passend erschien. Meine Figur ist in ihrer Art mit 19 glaubwürdiger, als wäre sie schon 25 (ja, demnächst steht mir das Vierteljahrhundert bevor).

Von Ophelia Ziegenberger

17.11.2005 19:43

OffTopicOderSo *g* Tschuldigung aber ich kanns mir grad nicht verkneifen darauf einzugehen... darf problemlos gelöscht werden. :wink:

[quote:5fd9d53bd8="Tussnelda von Grantick"]...ja, demnächst steht mir das Vierteljahrhundert bevor...[/quote:5fd9d53bd8]

:D Nicht traurig sein, Tussi... selbst danach gehts noch etwas weiter. Ich sprech aus eigener Erfahrung. *zuzwinker*

Von Kanndra

18.11.2005 14:52

All dem kann ich auch nichts mehr hinzufügen, ausser: Ich freue mich schon auf deine nächste Single (mit Kanndras Auftritt :) ).

Von Dippwin Damo Felabro Bendolch

18.11.2005 21:49

Also... da muss ich ja erstmal vielen Dank an alle sagen, die sich die Mühe gemacht haben, mir ein Feedback zu geben: Danke! *UntertänigsteVerbeugung*

An alle die sich die Mühe gemacht haben, meine Geschichte zu lesen, spreche ich einen noch vieeel größeren Dank aus, da alleine der Mut, eine Rekrutensingle zu lesen, ja schon honoriert werden muss. *NochVielTiefereUntertänigeVerbeugung*

An all diejenigen, die mir eine Bewertung gegeben haben... ich bin gerührt und tief bewegt: DANKE! *UntertänigstesAufDemBodenKriechen*

Insbesondere beruhigt mich, dass ich immer noch keine IA-Ermittlung gegen mich laufen habe, obwohl ich Charlie angeschossen habe :scheinheilig: (Sorry, Charlie) Ich hoffe, dass ich euch mit der nächsten Story auch wieder einigermaßen unterhalten kann... obwohl die ein wenig gruseliger / thrilliger ausfallen soll. Ach ja.. und für alle die es interessiert:

+++ 'Und er erkannte das Böse' - Seite 15 (von 35?) +++

Mein erster Story-Ticker :D (Ich hoffe der Name ist besser, Lilli?!)

Von Dippwin Damo Felabro Bendolch

18.11.2005 21:53

[quote:808c45c928="Lilli Baum"]Dadurch schlitterst du mir zu sehr in Richtung einer Mary Sue ab (ich hoffe du kannst mit diesem Begriff etwas anfangen... wenn nicht, es findet sich sicher wer, der ihn erklären kann 8) )[/quote:808c45c928]

Ach ja... den hatte ich ja auch noch: Nein, ich kann mit Mary Sue leider nichts anfangen und befürchte eine Bildungslücke :(
Suche jemanden der mich erleuchtet...

Von Harry

18.11.2005 22:24

http://en.wikipedia.org/wiki/Mary_Sue

Aber die Gefahr sehe ich nicht, dafür hast Du doch zu viele Schwächen, wie es sich für einen guten Charakter gehört :-)

Und was den Schuss angeht: Charlie hast Du mit Deinen wunderbar logischen Schlussfolgerungen viel zu sehr von Dir eingenommen, als dass ich Dir deshalb IA auf den Hals hetzen würde.

Von Tussnelda von Grantick

19.11.2005 12:58

hm... ich kannte die Mary Sue auch nicht. Gibt es den LInk vielleicht *hüstel* auf Deutsch? (auf der deutschen Wikipedia fand ich ihn nicht)

Von Dippwin Damo Felabro Bendolch

19.11.2005 16:48

[url]http://de.wikipedia.org/wiki/Fan-Fiction[/url]

Über den Link erfährst du das Nötigste in deutsch.
Ich habe jetzt auch brav nachgelesen und fühl mich gleich viel schlauer :)

Von Lilli Baum

19.11.2005 19:34

Ja, der Titel klingt schon besser, Dipwin...
Naja, das Wiki erklärt schon recht ordentlich, was eine Mary Sue ist, aber es existieren noch mehr Facetten... vielleicht mache ich mir mal die Mühe alle aufzuzählen. (Oder ich nehme die Thematik in einer Single fachgerecht auf's Korn.)

Aber ich finde es cool von dir Dippwin, das du gleich im Internet recherschiert hast :daumenhoch:

Von Tussnelda von Grantick

20.11.2005 13:08

[quote="Lilli Baum"]Ja, der Titel klingt schon besser, Dipwin...
Naja, das Wiki erklärt schon recht ordentlich, was eine Mary Sue ist, aber es existieren noch mehr Facetten... vielleicht mache ich mir mal die Mühe alle aufzuzählen. (Oder ich nehme die Thematik in einer Single fachgerecht auf's Korn.)
[quote]

Das würde ich sehr befürworten!

Von Rea Dubiata

20.11.2005 13:30

Zum Thema Mary Sue
[url]http://piratemonkeysinc.com/ms1.htm[/url]

Von Lilli Baum

20.11.2005 14:19

Kannte ich schon *ggg* Ich bin in einem Mary Sue Zirkel auf Animexx, da tauchte das schon ein paar Tage nach der Gründung auf.

Da fällt mir ein, in einem anderen Zirkel (Mit dem Namen "Scheibenwelt-Fans) hat jemand einen Link zu dem hier gepostet:
http://www.cheerycomic.co.uk/
Wird euch gefallen, auch wenn es eher minimalistisch gezeichnet ist ^-~

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