Ein seltsamer Todesfall in der Bäckergilde sorgt für Ermittlungen seitens der D.O.G.
Dafür vergebene Note: 10
"Wenn das Leben eine Laufbahn ist, so sind wir alle auf der Flucht vor dem, was hinter uns liegt. Dann sind die Selbstmörder die, welche sich umdrehten, um herauszufinden, vor was sie flohen. Und bisher lief noch keiner weiter"
Melefon zerknüllte das Zettelchen, auf dem der Text geschrieben stand, und warf noch einen letzten Blick hinunter, auf die sich kaum verändernde Oberfläche des Ankh. Seine Fingerknöcheln drangen weis unter seiner Haut hervor, als er die Fäuste ballte, und daran dachte, welchen unappetitlichen Anblick es geben würde, wenn er sprang. Wenn ihn der Sturz nicht töten würde, so zumindest das faulige Etwas, das im Ankh schwamm.
Unweit von ihm, aber für Melefon nicht sichtbar, saß ein kleiner Gnom auf einem Hausdach, welcher seufzte und sich abwandte, als der Mann schließlich seinen Fall in die Tiefe antrat, um den Aufprall nicht sehen zu müssen.
Neflie machte die Augen auf, und wünschte, er wäre in Klatsch. Oder weit weg in einem der kleinen Königreiche der Sto Ebene. Oder in Überwald. Überall, nur nicht hier, in dem Büro seines Abteilungsleiters, alleine mit diesem und seiner Topfpflanze.
Als ob die fleischfressende Pflanze Gedanken lesen konnte, öffnete die sie Pflanze kurz eines ihrer Blätter, und der kleine Gnom konnte schon fast das gierige Kichern hören, auch wenn der Raum sonst beängstigend still war.
"Gefreiter Neflie, schön dich zu sehen", begann Hauptmann Robin Picardo
[1], und ein sanftes Lächeln, das im Entferntesten an das hämische Grinsen einer Raubkatze erinnerte, kurz bevor sie ihre Beute erlegte, huschte über sein Gesicht.
"Söhr, sie ließen mich rufen, Söhr!", sagte der Gnom, und salutierte zackig.
"Jaja, ich weis. Sonst wärst du wohl kaum hier. Ich las den Einsatzbericht von Sayiana, und muss sagen, dass du gute Fortschritte machst. Was mich ein wenig verwundert ist, das bisher kein einziger... wirklich herausfordernder Fall von dir mitbearbeitet wurde. Ist das nicht so?"
Ein verlegenes Lächeln huschte über das Gesicht des Gnoms, das schnellstens wieder verschwand, um Platz für die Angstblässe zu machen, als die Pflanze ein schmatzendes Geräusch von sich gab.
"Aber Söhr, ich bin noch in Ausbildung, im Normalfall sollte man da keine großen Fälle mitbearbeiten, oder?"
Der Abteilungsleiter, der Neflies Antwort nicht abgewartet hatte, zog einen kleine Stoß Papiere aus seinem Schreibtisch hervor, und begann daraus zu lesen:
"Beobachtung einer leerstehenden Lagerhalle, von der sehr wage Gerüchte ausgingen, das jemand darin Tätigkeiten verrichten würde, beobachten der Diebesgilde, um die genauen Studentenzahlen für das Archiv herauszufinden, observieren einer Hausfrau in der Gilde der Herrenausstatter, die meinte, sie könnte mit einem Nudelholz die gesamte Wache abreißen. Alles sehr spannende und anspruchsvolle Aufgaben, die dir sicherlich weiterhelfen werden, wenn du mal nicht mehr in der Ausbildung bist."
Neflie zuckte zusammen, und rang sich zu einem leisen "Ja, Söhr", durch, wobei er noch immer die fleischfressende Pflanze aus dem Augenwinkel betrachtete, und er glaubte für kurze Zeit sie grinsen zu sehen.
"Ich bin bereit, deine Ausbildung als beendet anzusehen, wenn du einen etwas wichtigeren Fall erledigst. Und passend dazu habe ich auch eine Aufgabe, die als wichtig genug dafür zählt. Du wirst mit der Obergefreiten Kleinaxt einen Fall in der Bäckergilde übernehmen, Goldie wird dich auf dem Weg dorthin einweisen. Viel Glück."
Der kleine Gnom salutierte noch ein Mal zackig, und verließ dann stark darüber nachdenkend, wann die nächste Kutsche nach Überwald ging, den Raum.
"Wenn das Leben eine Laufbahn ist...", schrieb Melefon mit schwarzer Tinte auf ein Blatt, und genoss die Stille seinen Büros, dessen Wände die einzigen in diesem Gebäude waren, die nicht einer Waffenkammer für Zwergenbrotkämpfer ähnelte. Anstatt von steinhartem Gebäck wurde die Wand von Jagdtrophäen eingenommen, und es gab dem Raum einen sehr unheimlichen Hauch, genauso wie der dunkle Kamin, und das Bücherregal, das eine Reihe von schwarzen Büchern enthielt. Er wusste, dass er auf dem richtigen Weg war; es gab keinen anderen Weg für ihn und die paar anderen, die bereit waren der Wahrheit ins Auge zu sehen.
"Und warum bat uns der Anführer der Bäckergilde um Hilfe?", fragte Neflie, und streckte sich ein wenig auf Goldies Schulter, die er mit den Eichhörnchen der beiden Wächter teilte.
"Es gab einen Mord, und wir sollen sehen was wir tun können."
"Ist das nicht eher ein Fall für SUSI?"
"Wir sind hier zuständig für die Gilden, und wir geben einen Fall nur ab, wenn es notwendig ist, nicht früher."
"Gut zu wissen", beendete der Gnom die Unterhaltung, und widmete seine Aufmerksamkeit wieder dem Stadtbild, das leicht schaukelnd an ihm vorüber zog.
Das Gebäude der Bäckergilde war ein beeindruckendes Gebilde, welches Großteils aus rauchenden Schornsteinen und schmierigen Fenstern bestand. Das Dach sah so aus, als könne es der ganzen Assassinengilde als Unterschlupf dienen, und je näher man dem Haus kam, desto mehr drang einem der Geruch frischen Brots in allen Farben, Formen und Größen in die Nase.
Während Neflie noch beeindruckt dieses Gebäude musterte, klopfte Goldie schon an der Tür.
Nach einigen Minuten öffnete sich die Tür einen Spalt, und das Gesicht eines Zwerges, der scheinbar Großteils aus seinem Bart zu bestehen schien, erschien im Türrahmen.
"Seid ihr die Wächter, die hierher kommen sollten?", fragte der Türsteher.
Während der Gnom noch darüber nachdachte, welchen Sinn eine solche Frage hatte, antwortete die Goldie schon:
"Ja, die sind wir. Dürfen wir reinkommen?"
Mit einem erfreuten Lächeln nickte der Zwerg:
"Ihr werdet bereits erwartet"
"Wie heißt du?", wollte Neflie wissen, der nach wie vor auf der Schulter von Goldie saß, die gerade von dem Zwerg durch das Gebäude der Bäckergilde, vorbei an größeren und kleineren Öfen, in denen meist ein Feuer brannte und ein Student beschäftigte, der gerade versuchte die in den ersten zwei Jahren gelehrte Theorie in die Praxis umzusetzen, geführt wurde.
"Mein Name ist Modar Krustenknacker, ich bin im dritten Jahr hier. Wirklich schade was mit Setec geschah... er war Jahrgangsbester, keiner konnte Kaisersemmeln so backen wie er", erwiderte der Student, und blieb abrupt vor einer Tür stehen.
"Hier ist das Zimmer von unserem Gildenoberhaupt. Ich werde hier warten, wenn ihr wollt"
"Hast du denn keinen Unterricht hier?", wollte Neflie wissen.
"Eigentlich schon ich arbeitete mit Setec an einem größeren Projekt, welches sich aber nun unweigerlich verzögern wird. Außerdem wurde ich angewiesen euch in der Zwischenzeit ein wenig herumzuführen."
Die beiden Wächter nickten synchron, und Goldie öffnete die Tür.
Vor ihnen erstreckte sich ein an sich großer Raum, dessen Platz großteils von einem großen Backofen, der anscheinend seit Jahren nicht mehr benutzt worden war, einem Bücherregal, in dem bedeutende Titel wie "Die Macht der Brezel" standen , und dem Gildenoberhaupt selbst, Herrn Rundlich, eine Person von unglaublicher Körperfülle, eingenommen wurde.
Die Wände wurden großteils von Urkunden für "Das beste Brezel auf dieser Seite der Scheibenwelt" verziert, unter die sich auch hier und da die eine oder andere Medaille schlich..
Neben dem Gildenleiter stand ein etwas kleinerer Mann, der einen Stapel von Papieren in der Hand hielt, und dessen kühler Blick seinen Posten als Verwalter verriet.
"Ah, die Wache, der Arm des Gesetzes, schön euch hier zu sehen", begann Herr Rundlich," Wir hatten hier in letzter Zeit bedauerliche Zwischenfälle, und hoffen, das sie uns vielleicht helfen können."
"Zunächst wäre es ein mal gut zu wissen, was genau vorfiel", antwortet Goldie kühl.
"Jemand einen unserer besten Schüler in einem Backofen gebacken. Mein Name ist übrigens Melefon Skonto, ich bin der Leiter der Administration hier", sagt der Verwalter ohne sichtbare Emotion, und warf danach einen fragenden Blick zu den beiden Eichhörnchen auf der Schulter der Zwergin.
"Das sind wichtige Helfer bei der Jagd auf das Verbrechen", antwortete Neflie schnell, und bevor seine Wächter Kollegin etwas einwerfen konnte, die gerade von ihrem Eichhörnchen ins Ohr gebissen wurde, fuhr der Gildenobere fort:
"Keiner konnte so gut Kaisersemmeln backen wie er. Wir haben Sorge darum, dass unsere Studenten in Gefahr sind, und nichts liegt uns mehr am Herzen als unsere angehenden Bäckermeister", bestätigte der Administrationsleiter, und fuhr dann fort,
"Also beginnt ihr am Besten gleich mit eurer Arbeit. Modar wird euch zu der Leiche... zu den Überresten von Setec führen, und ihr habt alle Vollmachten, euch in diesem Gildengebäude frei zu bewegen, und Leute zu befragen. Viel Erfolg."
"Er ist ein schlechter Heuchler", stellte Neflie leise fest, als die beiden Wächter ein Mal mehr durch das Labyrinth an Backöfen geführt wurden.
"Das steht fest. Aber er wirkt nicht sehr bösartig", erwiderte Goldie halb anwesend, als sie versuchte dem Bäckerlehrling zu folgen.
"Wir sind da", unterbrach Modar die leise Unterhaltung der beiden Wächter, und deutete auf einen großen Ofen am Ende der Halle. Der Bereich um diesen gewaltigen Brotofen war nahezu menschenleer, nur zwei Lehrer standen um die verkohlten Überreste des Schülers.
"Wir haben bei ihm nichts von Interesse gefunden", sagte einer der beiden, als Goldie hinzutrat.
"Was nach dem Backen nicht weiter verwunderlich ist. Ich kenne nichts, das solche Temperaturen aushalten würde", vervollständigte der zweite den Satz.
Neflie sprang von der Schulter seiner zwergischen Kollegin, und begann langsam die Überreste zu durchsuchen, während Goldie fragte:
"Hatte der Schüler irgendwelche Feinde hier, die dafür verantwortlich sein könnten?"
Die beiden Professoren schüttelten gleichzeitig den Kopf, und einer von ihnen sagte:
"Er war überall sehr beliebt, weil er so zurückhaltend war, und da es hier so gut wie keinen Konkurrenzneid gibt, gibt es auch keine verdächtigen Schüler."
Es gehörte nicht zu den angenehmsten Dingen der Welt, die verkohlten Überreste eines Menschen nach Gegenständen zu durchsuchen, befand Neflie. Und es wurde noch unangenehmer, wenn man auch noch etwas, das einem weiterhilft, finden sollte.
Ein plötzliches Glitzern erregte die Aufmerksamkeit des kleinen Gnoms, allerdings nicht bei der Leiche selbst, sondern auf einer kleinen Ablage neben dem Brotofen. Nachdem er sich vergewissert hatte, das Goldie sich gerade mit den Professoren unterhielt, ging der Gnom dem Glitzern entgegen, welches sich als kleines, silbern glänzendes Amulett herausstellte. Auf ihm war eine Schlange abgebildet, die auf groteske Weise mit einem anderen Reptil, dessen Identifikation dem Gnom nicht möglich war, verknotet war. Was Neflie aber weitaus mehr faszinierte, war der Ankh Morpork Dollar daneben. So unauffällig wie möglich lies er das Geldstück hinter seinem Gewand verschwinden..
"Danke für ihre Hilfe, wir hoffen dass wir das Verbrechen bald aufklären können", beendete Goldie gerade das Gespräch, als der kleine Gnom auf ihre Schulter sprang.
Die beiden Lehrer nickten, und widmeten sich wieder der Leiche, als die Wächter wieder gingen.
"Hast du etwas gefunden? Irgendwelche Spuren die auf Gewalt hinweisen?", fragte die Zwergin.
"Ich habe nichts gefunden, aber das hilft uns auch nur insofern weiter, das wir wissen, dass er noch alle Körperteile hatte, als er hineingelegt wurde."
"Es gibt in diesem Gebäude angeblich niemanden mit einem Motiv einen Schüler umbringen zu wollen, aber es hat auch niemand das Gebäude nach dem Zeitpunkt der Tat verlassen", sagte Goldie, und dachte kurz nach,
"Und du hast wirklich nichts gefunden?".
"Nicht bei der Leiche selbst, aber in der Nähe lag ein seltsames Amulett. Schien aber nicht weiter interessant zu sein."
Goldie hob eine Augenbraue:
"Du hast etwas gesehen, das relativ sicher dem Verbrannten gehörte, und du hältst es nicht für wichtig?"
Der kleine Gnom zuckte nur mit der Schulter:
"Ich kenne diese Amulette aus den Büchern über Gildengeschichte, angeblich gab es vor langer Zeit ein mal eine geheime Organisation, die dieses Symbol verwendet hatte."
"Was für eine Organisation", wollte die Zwergin wissen.
"Ist nicht bekannt. Sie verschwand dadurch, dass alle Mitglieder Selbstmord begingen. Mehr haben sie anscheinend nicht erreicht."
"Das steht in den Büchern über Gildengeschichte?"
Neflie überlegte kurz, und sagte:
"Es stand bei der Assassinengilde, da dieser Geheimbund einen Auftrag auf sich selbst gegeben hatte, und es somit zu den größten Masseninhumierungen in der Geschichte zählt."
"Wie groß war dieser Geheimbund damals?"
"Man schätzte auf 500 aktivere Mitglieder."
"..., so sind wir alle auf der Flucht...", erweiterte Melefon seinen Satz, und seufzte schwer, als ihm einfiel, dass es wahrscheinlich nicht leicht werden würde. Sie waren zwar sehr stark im Willen, aber er würde ihnen doch helfen müssen, wenn sie ihr Ziel erreichen wollte. Der Verwalter der Bäckergilde lehnte sich in seinem Sessel zurück, und tauchte seine Feder erneut in die schwarze Tinte, um weiterzuschreiben.
"Was sollen wir jetzt machen?", fragte Neflie, und lehnte sich einigermaßen erschöpft an Goldies Helm.
"Du könntest endlich Mal von meiner Schulter herunterkommen, ich mag es nicht wenn auf meiner Schulter insgesamt zwei Eichhörnchen und ein Gnom sitzen", erwiderte die Zwergin, und schüttelte sich ein wenig, was der Gnom als Anlass nahm, seine erhöhte Aussichtposition schnellstens zu verlassen.
"Wir sollte eine Nachricht schreiben, dass wir hier Hilfe brauchen", sagte Neflie, und sah Goldie auffordernd an.
"Wir schreiben gar nichts, bis wir uns nicht sicher sind was hier vorgeht."
Neflie seufzte resignierend, und fragte:
"Sie haben uns hier ein Büro bereitgestellt, sie wollen anscheinend dass wir hier länger bleiben. Es wäre sinnvoller, wenn wir die anderen auch fragen, ob sie kommen oder ihnen wenigstens eine Nachricht mit unserem derzeitigen Stand zu schicken", sagte der Gnom, und lehnte sich zurück.
"Habe ich bereits gemacht. Ich nehme an du hast eine Brieftaube dabei?", fragte die zwergische Wächterin, und sie schien es ernst zu meinen.
"Bist du sehr beleidigt, wenn ich "Nein" sage? Ich trage nur selten Dinger mit mir herum, die doppelt so groß sind wie ich, und mich jederzeit als Nahrung zu sich nehmen könnten, wenn man nicht aufpasst."
"Das ist schlecht. Findet dein Eichhörnchen zurück zur Boucherie Rouge?"
Neflie sah zu Goldies Schulter, wo sein Eichhörnchen, das er Sallien getauft hatte, gerade von Teufel, dem Eichhörnchen der Zwergin, verfolgt wurde.
"Ich denke schon."
Nachdem das Eichhörnchen verschwunden war, fuhr die Wächterin fort:
"Wir werden uns aufteilen. Ich bitte dich, dass du dich heimlich in dem Büro des Verwalters umsiehst, während ich mich wieder ein wenig umhöre."
Neflie nickte, als plötzlich die Tür aufging, und ein Schüler des dritten Semesters in den Raum trat.
"Ihr sollt sofort mitkommen, man hat Modar gerade in einem der Rauchfänge gefunden."
"...vor dem, was hinter uns liegt. Dann sind die Selbstmörder die...", kratzte Melefon mit der Feder auf das Papier, und seine Gedanken schweiften weit weg von diesem Gebäude, zu seiner Mutter in der Sto Ebene. Damals war es ihm ganz leicht gefallen sie zu verlassen, und sein Glück in der Stadt zu suchen. Er hatte seine Vergangenheit verdrängt, er hatte es nicht ein Mal geschafft zu ihrem Begräbnis zu kommen. Für seine ehemaligen Freunde dort war er schon lange tot, auch für seine damalige Geliebte. Bilder von ihr, und seinen glücklicheren Momenten flogen an seinem inneren Auge vorbei, und waren dann wieder verschwunden, so schnell sie erschienen waren. Melefon schüttelte leicht verärgert über sich selbst den Kopf, und setzte an, um weiterzuschreiben.
"Wie haben sie ihn gefunden?", fragte Neflie, der sich gerade durch eine Reinigungsluke ein wenig in den Rauchfang lehnte, und dem eine Brise stickig heißer Luft entgegenwehte. Es war der Schacht zu dem großen Brotofen, und er war auch dementsprechend groß. Unten konnte der Gnom noch das schwache Glimmen der Glut sehen, welche schon dem ersten Studenten zum Verhängnis wurde.
"Der Abzug war verstopft. So wie es aussieht wurde er von einer Reinigungsöffnung weiter oben hineingestoßen, und blieb danach hier in einer der Engstelle stecken. Wenn er nicht an dem Rauch gestorben ist, dann ist er an der Hitze gestorben", sagte Herr Skonto, der sich hier eingefunden hatte, in einem kühlen Tonfall.
"Müssen wir davon ausgehen, dass er hineingestoßen wurde?", fragte Neflie ein wenig verwirrt.
"Ich nehme nicht an, dass jemand diesen Tod freiwillig gewählt hätte. Er muss sehr grausam gewesen sein"
Neflie nickte, und wandte sich dann Goldie zu, welche gerade die leicht angebrannte Leiche des Schülers, der sie noch vor drei Stunden durch dieses Haus geführt hatte, untersuchte.
"Keine Spuren von Gewalt, die Schürfwunden kommen wahrscheinlich vom Sturz. Das einzig interessante ist, das er anscheinend einen Zettel in der Hand hielt, als er stürzte, zumindest hatte er die Faust um etwas geballt, von dem nur noch ein Stückchen Papier über ist", lies die Zwergin vernehmen.
"Bringt Sie das weiter?", fragte Herr Skonto und man konnte den leicht bösartigen Unterton in seiner Stimme kaum überhören.
"Nicht wirklich", seufzte Goldie, "Aber wir geben unser Bestes."
"Ich hoffe sie bemühen sich ein wenig, es ist ganz schön viel Arbeit, Briefe an die Familien der Toten zu schreiben", sagte der Verwalter, drehte sich um, und ging.
"Ich werde mich jetzt noch ein wenig umhören. Gefreiter Neflie, geh zurück zur Boucherie Rouge und erstatte Bericht über unsere derzeitige Lage", sagte die Zwergin laut genug, dass es der gehende noch hörte, und zwinkerte dem Gnom zu. Neflie nickt nur kurz, und ging unauffällig, was ihm nicht besonders schwer fiel bei der Körpergröße von ganzen vier Zoll.
Herr Skonto ging nicht besonders schnell, und das gab dem Wächter Zeit, ihn ein wenig zu studieren. Überall wo der Verwalter hinkam, schienen ihm die Studenten Respekt zu zollen. Oder sie wollten ihm auch einfach nicht im Weg stehen.
"... welche sich umdrehten, um herauszufinden, vor was sie flohen. Und bisher lief noch keiner weiter" schrieb Melefon weiter, und starrte nachdenklich auf seine Trophäen gegenüber von ihm. Es war ein beängstigendes Gefühl, wenn der eigene Blick durch etliche von Toten erwidert wurde. All die Tiere hatte er selbst geschossen. Viele Dinge hatte er bewirkt, wahrscheinlich schon hunderte Tiere mussten wegen ihm sterben. Wenn er starb, verlor das Leben von denen ihren Sinn. Jedes Mal wenn sich jemand um ihn kümmerte, mit ihm sprach, oder ihn auch nur ansah... sein Tod würde all diese Taten zu sinnlosen Taten werden lassen. Dinge, die nicht hätten geschehen müssen, denn er würde sowieso sterben. Ein weiteres Mal schüttelte er den Kopf, betrachtete den Zettel und befand ihn als gut, woraufhin er einige weitere Exemplare davon anfertigte.
Ein Gefühl des Grauens schüttelte Neflie durch, als er von seiner Aussichtsposition das Zimmer betrachtete. Es wirkte weniger wie ein Büro, als eine Leichenhalle für verstorbene Tiere, und roch auch dementsprechend. Es war nicht so schwer gewesen, die Regale mit den seltsamen Schüsseln hochzuklettern, über einen Dachbalken zu dem Regal mit den Bücher zu gelangen, und dann von dort aus in den weit aufgerissenen Mund des Bärenkopfes zu springen. Aber es hatte ihn sehr viel Überwindung gekostet. Gut zwei Meter unter ihm stand der Schreibtisch, an dem der Verwalter gerade saß, und... Verwaltete. Er nahm Papiere, schrieb etwas in seinen Block, schrieb etwas auf andere Papiere ab, setzte hier und da seine Unterschrift darunter. Neben ihm brannten in einer Schale einige Kräuter und verbreiteten einen angenehmen Duft in dem Raum. Mit der Zeit fühlte sich der kleine Gnom plötzlich immer schläfriger...
Als Neflie die Augen öffnete, war seine erste Aktion, dass er laut schrie. Vor ihm schwebte eine Flugente in der Luft, die ihn aus toten Augen heraus betrachtete, und dann ihren Schnabel aufriss. Die Ente verschwand, und plötzlich begann der Bärenkopf, in dem sich Neflie aufhielt, sein Maul zu schließen. Der Gnom schrie erneut, sprang aus dem Rachen, und trat seinen Fall zwei Meter hinunter auf den harten Holzboden des Büros an.
Der Geruch in diesem Raum, eine Mischung aus totem Tier, Tier das gerade auf dem besten Weg ist tot zu werden, und exotischen Kräutern wallte zwischen den Schülern und Herrn Skonto hin und her. Es waren rund zwölf Studenten der Bäckergilde, die sich hier versammelt hatte, und sie alle hingen an den Lippen des Verwalters, als er sprach:
"Die Zeit ist gekommen. Wir wissen, dass wir der Wahrheit entgegensehen werden, denn wir sind auf dem richtigen Pfad."
Danach gab er jedem anwesenden Schüler ein Amulett und einen Zettel, und die Ansammlung zerstreute sich.
Ein unangenehmes Rütteln weckte Neflie aus der gnädigen Ohnmacht, die ihn nach der Landung eingehüllt hatte, und ein stechender Schmerz fuhr in seinen Kopf.
"Wo ist Skonto?", wollte Goldie wissen.
"Ich weis es nicht... Es waren überall Tiere, und Enten, und es war grauenhaft", stöhnte der Gnom, und setzt sich vorsichtig auf.
"Da sollst du ein Mal etwas Sinnvolles machen, und dann...", fluchte Goldie, aber Neflie war mit seinen Gedanken bei dem seltsamen Geruch, der sich in der Zwischenzeit verzogen hatte.
"Was ist den geschehen?", wollte der kleine Wächter wissen.
"Unser werter Herr Skonto hat, während du geschlafen hast, versucht, einen Schüler mit einem Messer umzubringen und ist jetzt spurlos verschwunden, während du geschlafen hast".
"Warum hat er das gemacht?", fragte Neflie. Goldie nickte einem der beiden Studenten zu, welcher daraufhin sagte:
"Es gab hier eine Art Geheimbund. Herr Skonto war der spirituelle Anführer einer kleinen Gruppe von Schülern, deren Ziel es ist sich selbst umzubringen. Das hat er ihnen zumindest eingeredet, und er wollte uns dabei angeblich helfen"
"Woher weist du das", fragte der kleine Gnom.
"Ich war einer aus seiner Gruppe."
Neflie nickte, und sagt dann zu Goldie:
"Was jetzt?"
"Wir werden ihn finden, und ihn dafür zur Rechenschaft ziehen was er tat", sprach die Zwergin zielsicher, und verließ eilig den Raum.
Die Suche dauerte nun schon zwei Stunden, und trotz des Schlafes im Büro des Verwalters wurde Neflie schön langsam müde. Das langsame Licht der Abendsonne glitt mit der Trägheit eines alten Sirups über die Stadt, und tauchte die Brücke, die der Gnom vom Dach eines Hauses aus betrachtete, in eine angenehme, friedliche Atmosphäre. Plötzlich sah der Wächter, wie Herr Skonto über die Brücke ging. Neflie stand vor der Wahl, den anderen mitzuteilen, wo der Verdächtige sich befand. Oder er wartete ab, was geschehe.
Er wählte das Zweite.
Hie und da fragte sich Neflie, warum er dieses Büro, das man ihm zugewiesen hatte, so mochte. Es war ein kalter Raum, der mit gelben Fließen ausgelegt war, denen noch immer, selbst nach etlichen Versuchen des Reinigens ein schlechter Geruch anhing. Aber an Tagen wie diesen wusste er es wieder, als er erschöpft über die kleine Leiter hinauf zu seinem Schreibtisch kletterte, einen kurzen Bericht schrieb, den Ankh Morpork Dollar, den er mitgehen hatte lassen zu seinen anderen legte, und danach einfach in sein Bett fiel. Er mochte es, das sein Bett direkt in seinem Büro war, abgeschirmt von der Außenwelt durch ein großes Buch der Gildengeschichte.
Und der kleine Gnom träumte davon, dass sein Haufen an Münzen eines Tages größer sein würde als er selbst.
[1] Anmerkung des Erstkorrektors: Ja, das wäre der Dienstgrad der mir gebühren würde ;o) ;o) Ich glaube er wollte mich bestechen!
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