Tibor Khäinen hat GRUND endlich hinter sich gebracht und beginnt die Ausbildung zum Szenenkenner. (Einige Passagen werden Filmfans bekannt vorkommen)
Dafür vergebene Note: 12
Die Sonne ging auf und das Licht verteilte sich wie zähflüssiger Sirup über die Landschaft, kroch mühsam die Berge hinauf, um sich auf der anderen Seite, wie eine altersschwache Lawine ins Tal zu stürzen. Ein Spaziergänger hätte es mühelos überholen können oder wie die Icksianer sagen: es ist so langsam, wie ein einbeiniges Känguru mit einem Wombat im Beutel. Doch das ist Schwachsinn. Deshalb haben sich icksianische Sprichwörter auch nie etablieren können. Jedenfalls war der Anbruch des neuen Tages ein faszinierendes Naturschauspiel und im ganzen Multiversum sicher einzigartig, doch nicht für die Bewohner der Scheibenwelt, die dies jeden Tag erleben. Zumindest der Teil, der nicht vom Sonnenlicht getötet wird, für die ist es nur schmerzhaft. Natürlich gilt dies auch nicht für Wesen, die ihr ganzes Leben unter der Erde verbrachten oder sonst an einem finsteren Ort. Also für einen großen Teil der Scheibenbevölkerung war es ganz normal, natürlich auch für die Pflanzen, doch die fragt niemand. Außer Botaniker, aber die erwarten zumindest keine Antwort.
[1]Mit der Scheibe erwachte auch Ankh-Morpork und ging gleichzeitig ins Bett, rieb sich die Träume aus den Augen und setzte die Schlafbrille auf. Eigentlich schlief Ankh-Morpork nie, die Stadtbewohner machten lediglich Schichtwechsel. Die finsteren Gestalten der Nacht verzogen sich in ihre Unterschlüpfe und die unbescholtenen Bürger wälzten sich aus ihren Betten. Obwohl der 'unbescholtenen Bürger' nicht existiert, denn jeder ist ein Verbrecher, wenn man alle Gesetzesbrüche ahnden könnte. Dafür zuständig war die Stadtwache, die ebenfalls nie schlief. Die Nachtpatrouillen begrüßten oder verabschiedeten sich von der Frühschicht und die Frühschicht, nun die war einfach früh dran.
Für Einige zu früh.
***Tibor Khäinen betrat das Büro, der Abteilungsleiterin von SEALS. Vor ein paar Tagen war er zum Gefreiten befördert worden, was er mit den anderen beförderten Ex-Rekruten im Eimer gefeiert hatte, wo sich seine Mitwächterinnen Laiza und Magane fast in die Haare geraten waren.
"Guten Morgen M'äm, äh, ich meine Atera."
Er salutierte halbherzig, ihm saß noch der Vorabend in den Knochen, beziehungsweise kreiste noch eine geringe, aber ziemlich fiese Menge Bier in seiner Blutbahn. Was wahrscheinlich auch der Grund für seinen mordsmäßigen Kater war, denn seit einem Tag war er Szenenkenner in Ausbildung und auch dies war im Eimer heftig gefeiert worden.
"Morgen, Tibor", murmelte sie, schien ebenfalls ein wenig müde zu sein, obwohl sie nichts getrunken hatte, stöberte ein wenig in ihren Unterlagen und sah dann auf, "du wirst heute mit Ikari Gernetod unterwegs sein, er wird dir helfen, dich einarbeiten und zeigen, was alles so auf dich zukommen wird. Als Erstes wirst du sicher mal unauffällige Kleidung brauchen und den Rest erklärt dir dann Ikari. Du kennst ihn ja schon, von gestern Abend?"
Tibor hüstelte kurz. Er konnte sich an fast nichts erinnern.
"Ähm, M.. Atera, ich kann mich nur noch bis zum Igellied erinnern."
Atera schmunzelte.
"Ja und dann bist du auf den Tisch gesprungen und hast getanzt."
Daran konnte er sich auch nicht mehr erinnern. Tibor war einfach froh, dass er es wieder einmal alleine bis in sein Bett geschafft hatte.
Egal wie betrunken ich bin, nach Hause finde ich immer.
Er war ein bisschen stolz auf diese Eigenschaft.
"Soweit ich weiß, hat dich Laiza nach Hause begleitet, damit du in dein Bett fällst und nicht etwa in den Ankh, ich hoffe du trinkst nicht immer so viel", fügte die Abteilungsleiterin hinzu.
Was? Laiza hat mich nach Hause gebracht, Tibor kam in den Sinn, dass er am Morgen ohne Uniform aufgewacht war, nur mit der Unterwäsche bekleidet,
hat Laiza etwa....Er schaute verlegen auf seine Füße, als ihn ein harter Schlag auf den Rücken traf.
"
Guten Morgen Tib! Mäm."
Es war Ikari Gernetod und der Schlag, wohl als Schulterklopfen gedacht, doch bei einem fast zwei Meter großen und über hundert Kilo schwerem Zombie, lief das aufs Selbe hinaus. Er zwinkerte Atera zu. Doch sie schien es nicht zu bemerkten und wendete sich wieder ihrem Schreibkram zu.
Tibor drehte sich um und salutierte.
"Na, na, wir wollen doch nicht übertreiben. Weißt du, ein salutierender Szenenkenner ist nicht lange ein lebender Szenenkenner", meinte der lächelnde Zombie.
Tibor schien, als hätte Ikari das Wort 'lebender' ein wenig verächtlich ausgesprochen, obwohl er sich in Anwesenheit der beiden Zombies am totesten fühlte.
[2]"Komm, wir gehen in mein Büro, da liegen die ganzen Informationsmappen, Mileusstudien und auch ein Rassenverzeichniss."
Ikari führte ihn in sein Büro, indem die Akten wild gestapelt waren, aber anscheinend mit System.
"Nun, du kannst mal ein wenig in den Mappen und Akten wühlen, verschaff dir einen Überblick. Ich bin bald wieder da."
Mit diesen Worten verließ Korporal Gernetod das Büro und mit ihm auch sein Mundgeruch, allerdings brauchte der noch etwas länger. Tibor setzte sich hin und wünschte sich nichts sehnlicheres als Wasser, er hatte komischerweise einen sehr trockenen Hals.
Hey! Ich bin Gefreiter, nichts mehr mit GRUND. Mehr Sold. Sogar Spesen und ich darf, nein ich muss sogar ein wenig mit getrockneten Froschpillen handeln, das gehört ja zur Aufgabe von Szenenkennern, seine Stimmung stieg, mit diesen Gedanken griff sich Tibor erstmal eine Informationsmappe auf der ' wäiche & härtere Drogen - Schatten' stand und begann zu lesen, während von unten gedämpft die Geräusche der anderen Wächter zu ihm drangen.
wäiche & härtere Drogen - SchattenVerzeichnisAabartiges KrautHärkunft, Lancre.
Anwändung, getrocknete bletter in häissem wasser auflösigen trinken.
Wirkung, macht müd aber lustig.
Übärdosirigung, lässt bildär von Dähmonen sehigen.
Handel, keyn bekanntiger handel
ahzidMixtur verschidigen drogen.
Härställung, meist Schatten.
Anwändung, schluckigen. Wirkung: fisionen selbstspaltigung.
Übärdosirigung, ewyger püschologischer defäkt.
Handel, sehige Mappe ahzid.
alrauhn (Häxenkreut)Härkunft, Lancre.
Anwändung, wurzäl in häissem wasser auflösigen trinken.
Wirkung, errägung heiterigkäit fisionen.
Übärdosirigung, tobsucht dhämonenbildär tod.
Handel, Rupert Rotaug.
So ging das ganze weiter und weiter. Tibor kannte die meisten Kräuter und Mittelchen, weil er sie schon selber mal versucht oder verkauft hatte. Er musste ein bisschen lächeln bei der Vorstellung, wie Rupert Rotaug versuchte Alrauhn zu verkaufen. Er nahm ein wenig Gras, Dreck von der Strasse und ein wenig Tee und drehte das den Leuten als Lancre-Häxenbräu an.
Würde er wirklich Alrauhn verkaufen, hätten wir schon bald ein paar Schwierigkeiten mehr, kam ihn in den Sinn, als er zu F weiter blätterte.
Ffliegenpilz (narrenpilz)Härkunft, fast jediger Wald.
Anwändung, trockige pilze essen oder in wasser auflösigen.
Wirkung, fisionen.
Übärdosirigung,Tod.
Handel, keyn bekannter Handel.
froschpillen getrocknetgift fon klatschianischän baumfrosch - pillenföermig.
Härställung, Ankh-Morpork.
Anwändung, schluckigen.
Wirkung, beruhigend aufputschend leichtä fisionen senkiged-verrücktheiten.
Übärdosirigung, starke fisionen steigert-verrücktheiten.
Handel, Georg Dschi und Tikha (psoidonüm)
Tibor schloss die Mappe schnell. TiKha, so kannte man ihn als Gangmitglied in den Schatten. Auch er war verzeichnet. Aber sie kannten seine richtige Identität nicht. TiKha, alle in den Gangs kannten diesen Namen. Brauchst du 'spezielle' Kräutermischungen für deinen Tabak, TiKha. Einen Flug mit Froschpillen, TiKha. Nicht endende Kopfschmerzen, TiKha. Er war Anlaufstelle für alle Flüchtenden, zumindest die, die in ihre eigene Phantasie flüchten wollten.
Damals war Tibor drauf und dran gewesen, ein ganz Großer unter den Drogenhändler zu werden, doch dann passierte die Sache mit Schnief. Tibor wollte die Erinnerung verdrängen. Doch wie so oft, wenn er alleine war, erschien ihm das Bild von Schnief. Er hatte seinen Namen gehabt, weil ihm die ganze Zeit Rotz aus der Nase gelaufen war und er diesen dann...
Jedenfalls waren Schnief und Tibor ein unzertrennliches Räuberduo gewesen, zusammen hätten sie selbst den Göttern das Feuer klauen können. Doch das hatte ja schon jemand Anderes erledigt, sie beschränkten sich auf alles Übrige. Nicht einmal Niet und Nagelfestes war vor ihnen sicher. Doch dann, letzten Winter, in einer Seitengasse der Affenstrasse, fand Tibor Schnief. Erfroren. Starr. Tod. Wenn er doch nur ein wenig früher da gewesen wäre. An diesem Tag hatte Tibor auf dem Hiergibt'salles-Platz ein Stück Fleisch ergattert. Aus Egoismus briet er das Teil in einem Versteck unter der schlechten Brücke und kam zu spät. Tibor kehrte aus der Vergangenheit zurück.
Aber verdammt! Wer ist dieser Georg Dschi? Ich habe das Monopol auf getrocknete Froschpillen!! Hm, ich glaube, dem statte ich mal einen Besuch ab. Tibor war so versunken in seiner Lektüre und seinen Gedanken, dass er Ikari nicht bemerkte.
"Oh, du bist schon fleißig am Lesen, was ist es denn", der Korporal schaute über Tibor's Schultern, "aha, das Drogenverzeichnis? Was hast du sonst noch gelesen?"
Tibor schaute auf, er schaute hoch hinauf.
"Ähm, das ist alles, ich bin noch nicht so weit gekommen."
"Was? Ich war fast eine Stunde weg und du bist erst bei F?"
Tibor war das Ganze ein bisschen peinlich, aber er war nie zur Schule gegangen und hatte nur sehr wenig Bildung auf seinen Weg mitbekommen. Erst in der GRUND-Ausbildung hatte er das Lesen und Schreiben gelernt, aber er war in Beidem sehr langsam.
"Naja, ich... äh... lese alles sehr gründlich, Sör."
Ikari musterte den Neuling, der Korporal war ja inzwischen schon über 150 Jahre alt und hatte in dieser Zeit schon viel erlebt und viele Erfahrung gesammelt.
"Wie ich gehört habe, bist du in den Schatten aufgewachsen?", fragte er Tibor.
"Ja, Sör."
"In den Gangs nicht war? Und kein Sör mehr, bitte, einfach Ikari!"
"Ja, S..äh Ikari."
"In welcher denn?" Ikari kannte sie alle.
"Ich glaube, ich war in so ziemlich allen Gangs. Zuerst war ich in der wilden Klinge Gang, danach eine Zeit lang Mitglied der !Hackalleskleinfraktion,
[3] die Ungläubigen Gedärme, Ankhkrank ätzethera und schließlich landete ich bei den Tigers."
"Nun, das sah ich bereits, bist ja gezeichnet. Die Tigers gibt es allerdings nicht mehr, oder?" Dabei zog Ikari eine Augenbraue hoch.
Tibor hatte auf jeder Gesichtshälfte drei fette Narben, ein Überbleibsel des Aufnahmerituals der Tigers.
"Naja, Schyrquan, ihr Anführer ist zwar nicht mehr unter uns, aber es existieren immer noch ein paar Untergangs der Tigers. Die müssten jetzt aber alle schon ziemlich alt sein, ich war immerhin ihr jüngstes Mitglied."
"Nun, mir scheint, dass du dich sehr gut auskennst, aber du solltest dein Wissen wieder einmal auffrischen. Es gab lediglich eine Untergang der Tigers und die ist letztes Jahr in Form von Streifer Orange gestorben."
Ikari fischte eine Mappe hervor, auf der Tigers stand und reichte sie Tibor, der kurz rein blickte.
"Ich hatte während GRUND einfach nicht soviel Zeit für meine alten... Kumpanen", sagte Tibor und fügte rasch hinzu, "ich habe ja auch nichts mehr mit ihnen zu tun."
"Sicher", meinte Ikari nur und erklärte Tibor dann das Mappensystem.
"Siehst du, in diesem Schrank findest du alles über die Gangs, alphabetisch geordnet. Darüber sind die organisierten Banden von Ankh-Morpork eingereiht, auch alphabetisch. Rechts davon haben wir ein paar Schubladen, extra für bekannte lizenzlose Wiederholungstäter. Hier, der klaustrovobische Klaus, immer wieder gut für Informationen und verübt selbst viele Verbrechen. Wenn wir wieder mal einen Fall von unlizensiertem Verbrechen haben, nicht verzagen Klaus fragen", reimte der Korporal lächelnd, "ließ mal."
Tibor nahm die aufgeschlagene Mappe entgegen.
der klaustrovobische KlausOrt, Affenstrasse 13
Verbrechen, ul Diebstahl, ul Schmuggel, ul Einbruch, Zuhälterei
Informationsbeschaffung, leidiged an Platzangst, Freiheit gegen Information
Namsnich KarlOrt, Schatten, oft in der geflickten Trommel anzutreffigen
Verbrechen, ul Diebstahl, ul Einbruch.
Informationsbeschaffung, gegen warme Mahlzeit, Dach über Kopf sehr redselig
Tibor las noch ein wenig weiter, die meisten dieser kleinen Diebe kannte er gut. Er blätterte weiter zu R, suchte seinen besten Kunden und fand ihn:
Rotaug, RupertOrt, Pension junger Offlianer, Seilstrasse 13
Verbrechen, ul Diebstahl, Drogen-Missbrauch und -Handel
Informationsbeschaffung, mit seiner Mutter drohigen
Er musste lachen.
"Kennst du den?", fragte Ikari.
"Ja, der Rupert, kauft bei mir immer get...." Tibor verstummte. "Kaufte bei mir immer ein, während meiner Gangzeit, ich lernte auch mal seine Mutter Orphelia kennen. Sehr robuste Frau."
Tibor kam in den Sinn, wie ihn Orphelia mal an den Ohren bis zu Ruperts Bleibe gezogen hatte, um ihn von einem schlechten Trip zu befreien.
Ikari und Tibor verbrachten den Rest des Morgens mit Mappen studieren und der Korporal erklärte ihm wie man ebendiese erstellt und korrekt lagert.
***Zwei Wochen später am Fährenweg.
Zwei Typen ritten gemächlich die Strasse entlang. Sie trugen beide die gleiche Kleidung. Schwarze Hose, schwarzes Jackett und ein weißes Hemd. Es waren Tschuls und Vince. Vince war weiß und Tschuls war schwarz, seine Urururgrosseltern stammten aus dem Wiewunderland, aber das interessierte hier in Ankh-Morpork schon längst keinen mehr.
Sie waren mitten in einer Diskussion.
"OK, erzähl mir von den Kräuterkaffees", sprach Tschuls zu Vince.
"Was willst du wissen?", fragte Vince.
"Also, Marie Hanna's Kräutermischung ist in Ansterdeich legal?"
Vince verzog ein wenig sein Gesicht.
"Mhm, nicht hundert Prozentig legal, ich meine, du kannst nicht einfach ins Stadthaus laufen, dir eine 'spezielle' Zigarette drehen und dann drauf los rauchen. Das geht nicht. Es ist nur zu Hause oder an besonderen Orten erlaubt."
"Das sind dann diese Kräuterkaffees?"
"Genau und das geht so: es ist legal das Zeug zu kaufen, legal es zu besitzen und wenn du Inhaber eines solchen Kräuterkaffees bist, legal es zu verkaufen. Es ist legal das Zeug bei dir rum zutragen, obwohl das keine Rolle spielt, jetzt musst du gut zuhören, wenn dich die Wache anhält, darf sie dich nicht durchsuchen, verstößt gegen irgendein Persönlichkeitsgesetz."
"Das war's, ich verlasse Ankh-Morpork und gehe dahin, meine Güte", meinte Tschuls lachend.
Nach kurzem Weiterreiten begann Vince wieder zu sprechen.
"Weißt du was das Witzigste ist?"
"Was?"
"Das sind die kleinen Unterschiede. Ich meine, die haben da dieselben Sachen wie hier, nur ein wenig anders."
"Beispiele?"
"Nun, in Ansterdeich, kannst du dir im Theater ein Bier kaufen und ich meine nicht diese Pappbecher, ein richtiges Glas Bier. Weißt du wie die dort ein Hackbrötchen mit Käse nennen?"
"Sie nennen es nicht Hackbrötchen mit Käse?"
"Nein, die sagen Königliches mit Käse."
"Kööönigliches mit Käse. Die sind ja verrückt. Wie nennen die heiße Würstchen?"
"Weiß nicht, habe nie eins probiert, der Typ sah Schnapper zu ähnlich."
Beide mussten lachen.
"Aber ich habe gesehen, dass die keine rote Sauce auf die Würstchen tun."
"Was dann?"
"Mayonäääässe."
"Uch."
Vince schaute sich um.
"Sind wir hier richtig?"
"Ja", sagte Tschuls.
Sie stiegen von ihren Pferden ab, öffneten die Satteltaschen und packten je zehn kleine Messer ein.
"Armbrüste wären angesagt", murmelte Tschuls.
"Wie viele Typen sind denn da oben?", fragte Vince.
"Drei oder Vier."
"Unser Mann, wie hieß er noch, ach ja Mark, mitgezählt."
"Ich weiß nicht."
"Dann könnte es sein, dass da oben fünf Jungs auf uns warten."
"Schon möglich."
"Armbrüste wären angesagt", bemerkte Vince ebenfalls.
Sie betraten das Gebäude und stiegen die Treppen hoch und klopften an einer Türe, woraufhin ein sehr junger, nervöser Mark öffnete und dahinter stehen blieb. Ein anderer, ebenfalls junger Kerl saß am Tisch und aß etwas, der Dritte lag auf einer Couch.
Tschuls fragte in die Runde.
"Wie geht's euch Jungs?"
Keine Antwort.
"Was ist los, ich habe euch etwas gefragt?" Er funkelte den Typen am Tisch böse an.
"Ähm, wir sind ok", sprach dieser und wollte aufstehen, doch eine Geste von Tschuls ließ in verharren.
"Wisst ihr, wer wir sind?", fragte er weiter.
Der Typ am Tisch schüttelte den Kopf.
"Wir sind Kumpanen eures Geschäftspartners Marcello Wallaze. Ihr erinnert euch doch an Marcello Wallaze oder?"
Keine Antwort.
Tschuls fuhr fort.
"Ich rate mal ganz ins Blaue, du bist Barto?" Er zeigte dabei auf den am Tisch Sitzenden.
"Ja, ich bin Barto", antwortete Dieser.
"Dacht ich mir. Nun, Barto, du erinnerst dich doch an Marcello Wallaze?"
"Ja, ich äh erinnere mich." Er schien sehr nervös und blickte sich immer wieder um.
"Gut für dich. Wie es scheint, störe ich gerade beim Frühstück, was isst du da, Barto?" Wobei Tschuls es schaffte eine Drohung in den Namen Barto einzubauen.
"Hackbrötchen."
"Oh, Hackbrötchen! Sehr nahrhaft. Was für Hackbrötchen?"
"Hackbrötchen mit Käse."
"Nein, ich meine wo hast du das Hackbrötchen her? Aus Hargas Rippenstube, MacDonwalds NimundIss, Schnappers Bauchladen, woher?"
"Brötchenkönig", brachte Barto hervor.
"Oh, Brötchenkönig. Ich habe gehört, die machen gute Hackbrötchen, habe aber selber noch nie eins probiert. Wie schmecken die?"
"Sie.. sie sind gut." Barto schien immer nervöser.
"Darf ich mal probieren?"
Barto nickte Richtung Tisch. Tschuls schnappte sich eins, biss ein großes Stück ab, kaute genüsslich und meinte mit vollem Mund:
"Mmmmh, die find wirklich gut." Er schluckte den Bissen runter und fragte dann Vince. "Schon mal eins vom Brötchenkönig versucht?"
Vince schüttelte den Kopf.
"Musst du unbedingt mal nachholen. Ich? Ich kann nicht allzu oft gute Hackbrötchen essen, weil meine Freundin Vegetarierin ist, was mich auch zu so ner Art Vegetarier macht." Und dann zu Barto. "Weißt du wie man so ein Brötchen in Ansterdeich nennt?"
Barto schüttelte den Kopf.
"Sag's ihm Vince."
"Königliches mit Käse." Vince beobachtete die ganze Szene und hatte beide Hände in seinen Taschen, wo sich auch zwei Messer befanden.
Tschuls wischte sich die Hände am Tischtuch ab.
"Ihr wisst ja, wieso wir hier sind", und dann zu dem Kerl auf dem Sofa, "sag wie du heißt und dann noch meinem Kumpel Vince, wo das Zeug ist."
"Ich bin Roger und es ist unter dem Bett." Roger war ebenfalls nervös, traute sich jedoch nicht aufzustehen.
Vince ging zum Bett, bückte sich und zog eine schwarze Kiste hervor, öffnete die Klappe und fixierte den Inhalt.
"Sind wir glücklich?", fragte Tschuls.
Keine Antwort.
"Sind wir glücklich, Vince?"
Vince nickte leicht, während er immer noch den Inhalt fixierte.
"Oh, ja. Wir sind glücklich."
Dann begann Barto zu sprechen, er sprach nicht im üblichen Schatten Schargon, schien gebildet zu sein.
"Ähm, also, ich kenne den Namen von Vince, wie ist ihrer nochmal?"
Tschuls schaute ihn nur mitleidig an.
"Vergiss es Junge, aus dieser Scheiße kannst du dich nicht rausquasseln."
"Ich weiß, ich weiß, aber ich möchte nur sagen, wie leid uns die ganze Sache tut, wir hatten nur die besten Absichten für Marc..."
Tschuls warf ein Messer genau zwischen die Beine von Barto, er verletzte ihn nicht, aber die Klinge kratzte an einem Ort, wo Männer nicht wollen, dass Klingen kratzen. Barto schaute angsterfüllt zu Tschuls.
"Oh, habe ich dich unterbrochen, Entschuldigung. Fahr fort, du warst bei Irgendwas mit besten Absichten."
Doch Barto schwieg.
"Was ist denn los?" Jetzt wurde Tschuls richtig 'ironisch'. "Ach du warst fertig. Na, dann mach ich mal weiter, kannst du mir erklären wie Marcello Wallaze ausschaut?!"
Barto schwieg weiter.
Tschuls warf den Tisch um und kam ganz dicht an den Stuhl ran, auf dem Barto wie ein Gefangener saß. Er hatte ja immer noch ein Messer zwischen den Beinen.
"Verstehst du mich nicht? Aus was für einem Land kommst du?!!!"
[4]"Was?" Barto war außer sich vor Angst.
"Ich kenne kein Land das Was heißt, sprichst du unsere Sprache?!"
"Was?" Er war jetzt nahe an einem Herzinfarkt.
"Die Sprache von Ankh-Morpork, sprichst du sie?!!" Tschuls wurde immer lauter.
"...'a.", kam aus Bartos Mund.
Tschuls wurde wieder ein wenig leiser.
"Dann kannst du mir ja erklären, wie Marcello Wallaze ausschaut!"
"Was?"
Tschuls zog das Messer aus dem Stuhl und hielt es Barto an den Hals.
"Ich warne dich, ich warne dich doppelt, wenn du noch einmal Was? sagst, dann ist es aus, hast du mich verstanden?!"
"...'a." Bartos Verstand versuchte zu flüchten, fand jedoch keinen geeigneten Ausgang.
"Also erklär mir wie er aussieht." Tschuls entfernte das Messer ein wenig.
"...er ist groß..."
"Und weiter."
"... und f...", Barto wollte gerade 'fett' sagen, doch besann sich eines Besseren, "...und massiv."
"Sieht er aus wie ein Clown?"
"Was?"
Tschuls rammte das Messer in Bartos Hand, der jedoch nicht schrie, seine Stimmbänder hatten zu viel Angst, um zu schreien. Er schaute ungläubig auf Tschuls, als wäre alles nur ein böser Traum, doch solche Schmerzen kannte er aus keinem Traum. Dann meldete sich sein Verstand zurück und teilte ihm mit, es sei leider die Realität.
"Sieht er aus wie ein CLOWN?!", wiederholte Tschuls.
"Nein, natürlich nicht." Er zitterte jetzt am ganzen Leib.
"Wieso behandelt du ihn dann wie einen Clown?"
"Tu ich nich..."
Tschuls unterbrach ihn.
"Doch tust du Barto, das tust du. Schon mal das Buch 'Om' gelesen?"
Barto schüttelte wage den Kopf. Tschuls und Vince standen nun wieder bei der Türe und sahen Barto an. Tschuls fuhr fort.
"Nein? Also, es gibt da eine Passage die mir ganz passend erscheint. Etsekel 13/24:
Der Pfad der Gerechten
ist zu beiden Seiten gesäumt mit Freveleien der Selbstsüchtigen
und der Tyrannei böser Männer.
Gesegnet sei der, der im Namen der Barmherzigkeit
und des guten Willens
die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleitet.
Denn er ist der wahre Hüter seines Bruders
und der Retter der verlorenen Kinder.Und da steht weiter:
Ich will große Rachetaten an denen vollführen,
die da versuchen meine Brüder zu vergiften
und zu vernichten,
und mit Grimm werde ich sie strafen,
dass sie erfahren sollen: Ich sei Om,
wenn ich meine Rache an ihnen vollstreckt habe."
Nachdem Tschuls geendet hatte, warfen Beide zwei Messer auf Barto, mit solcher Wucht, dass er samt Stuhl umkippte. Er war auf der Stelle tot.
Plötzlich öffnete sich die Türe zum Badezimmer und ein weiterer junger Mann stürmte hervor. Er hielt in beiden Händen je eine Armbrust und schoss. Es waren gute Modelle, drei Bolzen auf einmal, sehr treffsicher. Er schrie dabei mit wutverzerrtem Gesicht.
"Stirbt, stirbt, stirbt!!!"
Nach einer Weile änderte sich sein Gesicht von wütend zu staunend und schließlich machte sich die Erkenntnis breit, er hatte nicht getroffen.
Tschuls und Vince schauten sich an und dann den vierten Mann.
Mit sechs Messern streckten sie ihn nieder. Roger sprang aus der Couch und hechtete durchs Fenster, was in Anbetracht der Tatsache, dass sie sich im sechsten Stock befanden, keine sehr gute Idee war. Landete unbequem auf dem Pflaster des Fährenwegs und machte kurz daraufhin Bekanntschaft mit dem Tod.
Die Beiden drehten sich um und betrachteten die Wand hinter ihnen. Sechs Bolzen steckten darin.
"Das ist ein Wunder, wir sind Zeugen eines Wunders geworden", staunte Tschuls nach einer Weile.
"Man kann auch ganz einfach von Glück sprechen", beschrieb Vince die Szene lapidar.
"Verdammt Vince, wie kannst du ein solches Wunder nicht erkennen. Bei Om. Sieh dir das an."
Vince ging zum Fenster und schaute nach Roger, während Tschuls die Bolzen betastete.
"Verdammt, das ist ein Zeichen von Om, Vince ein Zeichen, verstehst du?"
"Ja, ja, schon gut, komm wir verschwinden von hier, bald wird die Wache aufkreuzen und wir hätten zu viel zu erklären, da bräuchte es noch ein paar Wunder mehr." Vince packte die schwarze Kiste und zerrte Tschuls mit sich. Ganz verängstigt und dem Wahnsinn nahe, kauerte Mark immer noch hinter der Türe. Plötzlich kam Tschuls zurück.
"Hey! Mark, du hättest uns ruhig sagen können, das da noch einer mit Verdauungsstörungen in der Toilette wartet. Naja, was soll's. Hier hast du noch eine kleine Belohnung und kein Wort über die Sache, alles klar!"
Wobei er gar keine Frage stellte, es war mehr eine Feststellung. Dann drückte er Mark ein kleines Päckchen in die Hand und weg waren Tschuls und Vince.
***Am gleichen Tag, an einem anderen Ort.
Ein Mann rannte nackt durch die Strassen Ankh-Morporks. Am Abend oder in der Nacht wäre das kein Problem gewesen. Ein weiterer Betrunkener. Doch mitten am Tag und am Hiergibtsalles Platz, fiel ein nackter Mann, der dazu immer "Uhahahahahah, uhahahahah, alles rosa, zrkkk, ihr Wachholderbeerbüsche, uhahahahah" schrie, natürlich auf. Eigentlich war er gar nicht ganz Nackt, er trug noch eine Unterhose. Aber auf dem Kopf.
Zwei Wächter auf Streife versuchten den Mann festzunehmen, doch er entwischte ihnen immer wieder. Allerdings stellten sich die Wächter auch ein wenig dusslig an. Sie versuchten den Mann dingfest zu machen, ohne ihn dabei zu sehr anzuschauen. Es waren zwei junge Rekrutinnen, den Anblick von nackten Männern noch nicht so gewohnt.
Schließlich stand der Mann einfach nur noch da und betrachtete den Himmel. Sie legten ihm Handfesseln an und versuchten ihn zu überreden, mit der Unterhose seine Blösse zu bedecken. Doch er weigerte sich. Sie führten ihn dann nackt zu den Zellen im Wachhaus am Pseudopolisplatz.
***Zwei Wochen waren nun schon vergangen seit Tibor die Ausbildung zum Szenenkenner begonnen hatte. Dabei hatte er das Mappensystem in und auswendig gelernt. Abends bis zum Teil früh Morgens war er mit Korporal Gernetod durch die Strassen und Gassen von Ankh-Morpork gezogen, hatte dabei Kontakte geknüpft, Informationen aufgeschnappt und manchmal ein paar krumme Dinger durchgezogen, damit sie keinen Verdacht erregten. Der Job gefiel Tibor, sehr sogar. Man konnte die Zeit selber einplanen und selber entscheiden, was man als nächstes tun wollte. Nach GRUND eine Wohltat. Auch an den Mundgeruch von seinem Vorgesetzten hatte er sich inzwischen gewöhnt.
Tibor saß mit Ikari gerade im Büro der SK und studierte das Merkblatt für Informanten-kontaktieren, als es an der Türe klopfte. Es war ein trockenes Klopfen.
"Das ist bestimmt Tyriel", meinte Ikari zu Tibor und dann Richtung Türe, "herein!"
Eine fast zwei Meter große Mumie betrat das Büro. Einige Verbandsstückenden bewegten sich im Windhauch, als er salutierte.
Sind denn bei SEALS alle so groß, dachte sich Tibor, doch verdrängte diesen Gedanken sogleich. Denn durch seine bescheidene Höhe, blieb er unauffällig.
"Korporal, wir bräuchten Informationen. Wir haben da ein paar Jungs festgenommen, die alle unter dem gleichen Drogeneinfluss zu leiden scheinen, können aber beim besten Willen nicht sagen, um was es sich da handelt."
Endlich gibt's ein wenig Action, dachte sich Tibor, als er sich zusammen mit Ikari und der Mumie auf den Weg zu den Zellen machte.
"Wir haben alle vier in die gleiche Zelle gesteckt, sie scheinen nicht aggressiv zu sein, nur einfach sehr verwirrt."
"OK, wer hat sie festgenommen?", fragte Ikari die Mumie.
"Nun, drei sind dem normalen Streifedienst aufgefallen und einer, der da mit der Unterhose auf dem Kopf, haben ein paar Rekruten auf dem Hiergibt'salles-Platz gefasst."
"Und wo sind die anderen aufgeschnappt worden?"
"Den Ersten fand man auf der Ankh-Brücke, während er den Mond verfluchte. Der Zweite fiel auf, weil er im Apotheker Garten mit den Kräutern sprach, der Dritte spazierte von alleine hier hinein und wollte mit... wart einen kurzen Augenblick, hier steht's", Tyriel schaute auf sein Protokoll, "ah ja, mit Zworka dem Oberst von Banalia sprechen. Ich dachte er passt gut zu den anderen."
"Tibor? Könntest du mal die Mappe 'wäiche und härtere Drogen' holen?"
"Sicher, Korporal."
Tibor rannte los.
"Gut gedrillt was?", sagte Tyriel zu Ikari, lächelnd.
"Naja, muss sich das aber noch ein wenig abgewöhnen, lockerer werden."
Er musterte einen der Insassen und sprach dann zu ihm.
"Hey! Wie heißt du?"
Der Angesprochene drehte sich um.
"Rhmmkrz, Wachholderbeerbusch, rhmmdudeldu."
"Wacholderbeerbusch, warum trägst du deinen Unterhosen auf dem Kopf?"
Doch der Unterhosenaufdemkopfträger drehte sich um und sank wieder in seine eigene Welt zurück.
"Was habt ihr bei denen gefunden?"
Tyriel zeigte ihm die Gegenstände und auch in paar kleine weiße Filzstücke, auf denen ein lachendes Gesicht zu sehen war.
"Alle hatten die dabei, außer der Verrückte mit der Unterhose."
"Habt ihr die schon zur Analüse ins Labor geschickt?"
"Nein, ich dachte, du wüsstest vielleicht was das ist, dann könnten wir uns die Analüse sparen."
"Sowas habe ich noch nie gesehen."
In diesem Moment kam Tibor mit der geforderten Mappe zurück.
"Tibor? Weißt du was das ist?"
Ikari zeigte dem Gefreiten die Filzstücke.
"Ein Stück Filz. Oft findet man solche Teile in einer Schneiderei."
Tibor verstand nicht so genau, was man von ihm wollte. Ikari verdrehte die Augen, obwohl er dabei rechnen musste, dass ihm eins rauskullerte.
"Schau's dir genauer an."
Tibor betrachtete die Stücke genauer. Er sah lachende Gesichter darauf, als er sie befühlte, bemerkte er eine leichte Feuchtigkeit.
"Die sind in was getränkt worden?", stellte er fest.
"Nur in was?" Der Korporal packte ein paar davon ein. "Ich nehme die mal mit, was passiert jetzt mit den Gefangenen, Tyriel?"
"Naja, ein Püschologe von FROG ist angefordert worden, er wird die Spinner da drin genau unter die Lupe nehmen. Und wir lassen diese Stücke mal im Labor untersuchen."
Erst jetzt fielen dem Gefreiten Khäinen die Vier in den Zellen auf.
"Wieso trägt der da eine Unterhose auf dem Kopf?", wollte er wissen.
"Frag ihn doch einfach", erwiderte Tyriel trocken.
"He du?! Wieso trägst du eine Unterhose auf dem Kopf?"
"Uahhahahaha alles rosa, du wachholderbeerbusch, rkszszrsk!"
Tibor sah den Typ mitleidig an.
"Alles klar Junge, mach weiter so. Kopf hoch, alles geht vorbei."
"Hoffentlich", fügte Ikari hinzu.
"Übrigens hat RUM heute noch einen gewissen Mark fest genommen", sagte die Mumie.
"Was hat das mit diesen Fällen hier drin zu tun?", fragte Korporal Gernetod.
"Naja, man hat bei ihm auch diese Filzstücke gefunden."
"Ist er auch?" Tibor drehte mit dem Zeigefinger auf Höhe Stirn und pfiff dabei.
"Nein, er hat die Dinger nicht konsumiert, aber er ist noch ein wenig verstört. Man fand ihn in einer Wohnung am Fährenweg, zusammen mit zwei erstochenen Leichen und einer weiteren auf der Strasse."
"Auf der Strasse?", wunderte sich Ikari.
"Naja, ist wohl aus dem sechsten Stock runter gesprungen, kein schöner Anblick vermute ich."
"Fährenweg? Mark? Mark Vurchtfol?" Tibor schien was zu vermuten.
"Ja genau. Vurchtfol. So heißt er. Mark Vurchtfol."
"Und die anderen waren Roger Faul, Barto Bartlos und wahrscheinlich Dän die Doppelarmbrust, stimmt's?"
"Ja genau, kennst du die?" Tyriel schaute zu Tibor.
"Nicht gut, aber die versuchen immer wieder mal Fuß in den Drogenkreisen von Ankh-Morpork zu fassen."
"Wie es scheint, habe sie es diesmal geschafft. Wo ist dieser Mark?", wollte der Zombie von der Mumie wissen.
"Er ist auch hier, da in Zelle fünf."
"Schon verhört?"
"Ne, der spricht nicht, sitzt nur stumm da und weint ab und zu."
"Naja, wir sollten uns hier besser nicht zu lange sehen lassen. Obwohl... mir kommt da eine Idee."
Zehn Minuten später.
"Ich finde das nicht so toll, warum ausgerechnet ich?", klagte Tibor.
"Ach komm schon, das ist Ausbildung hautnah, sei ein Szenenkenner, das gehört dazu", meinte Ikari schmunzelnd.
"Find ich unfair. AU! Nicht so eng da hinten."
Tyriel zog Tibor gerade die Handfesseln ein wenig enger.
"Komm schon 'Gefangener', wenn du dich wehrst wird's nur noch schlimmer. He he." Auch die Mumie fand das Ganze witzig.
Korporal Gernetod's Idee, Tibor als Verbrecher in die Zelle zu Mark stecken, wurde ausgeführt.
Mit einem lauten Quietschen schloss sich die Zellentüre.
"He, das ist ungerecht! Was ist mit den Bürgerrechten? Ihr verdammten..." Tibor verstummte, als Tyriel mit dem Schlagstock gegen das Gitter schlug. Allerdings zwinkerte er dabei mit einem Auge und flüsterte so was wie,
gute Show, Tib.
"HEY! Wächter! Mach mir die Fesseln ab!"
"Stell dich ans Gitter! Umdrehen!" Die Mumie wartete, bis Tibor der Aufforderung folgte und schnitt ihm dann die Handfesseln auf.
Mark sah Tibor an und erkannte ihn.
"Mensch Tibor, was hast'e angestellt?" Mark wischte sich dabei verschämt ein paar Tränen weg.
"Naja, sie ham mich bei meinen Geschäften erwischt."
"Aber du bis' doch schon so lange dabei, wieso ers' jetzt?"
Tibor wollte bei ihm behutsam Informationen rauskitzeln, doch hier bot sich eine bessere Möglichkeit.
"Ja dämm. Irgend'Trottel zieht was Neues auf und die 'dammte Wache wuselt ganz schön rum. Nehmen jeden Hops, den sie irgendwie kenn'. So hat's auch mich erwischt. Und du, was haste angestellt, wieder mal mit deinen Kumpels ins Drogengeschäft eingestiegen?" Tibor sprach in seinem alten Straßenslang und lächelte dabei aufmunternd.
Mark konnte es nicht mehr zurück halten und begann wieder zu weinen.
"Hey Mann! Ganz ruhig, was'en los?"
"Alle TOT, alle tot, sie haben sie umgebracht, diese Schweine!", presste Mark hervor.
"Was heißt das, alle tot!?" Tibor spielte den Unwissenden.
"Barto, Roger, Dän, alle tot", brachte Mark zwischen ein paar Schluchzer hervor.
Tibor konnte ihm nachfühlen. Er wusste wie hart es war, die besten Kumpels zu verlieren.
"Scheiße! Tut mir Leid, Mann. Ich weiß wie es ist. Aber das die dämm Wache so hart durchgreift, hätt' ich nie gedacht."
"Es waren nicht die Wächter."
"Nicht? Mit wem hab ihr euch angelegt. Mit der 'dammten Diebesgilde?"
"Nein, auch nicht die Diebesgilde."
"Etwa mit der Kascha Noschtra
[5]?!"
"Nein, ich darf dir nichts sagen, sonst erwischt es mich auch."
"Hey Mark, schon vergessen
Einheit durch brüderliche Schlägerei[6], vielleicht gerate ich auch an diese 'dammten Typen und ich will noch nicht draufgehen. Verstehs'te?!"
"OK, OK. Ich kann dir nicht viel sagen, aber nur soviel: nimm dich vor Marcello Wallaze in acht. Am besten du hältst dich von all seinen Geschäften fern. Erzähl aber niemanden, dass du das von mir weißt."
"Schon klar, danke Mann, bist echt en Kumpel."
Tibor saß noch zwei Stunden in der Zelle, dann rief er das vereinbarte Zeichen.
"Hey Mumie. Habt ihr endlich meinen Anwalt erreicht?!"
"Du hast einen Anwalt?", fragte Mark erstaunt.
"Naja, alte Kontakte von den Tigers, solltest auch dir auch einen zulegen."
Mark nickte zustimmend. Bei den Tigers war alles möglich.
Tyriel schlurfte zu den Zellen, schloss Nummer fünf auf und zog Tibor hinaus.
"Hast noch mal Glück gehabt. Der Anwalt hat in irgendwelchen alten Akten gewühlt und uns einen Verfahrensfehler vorgeworfen. Du bist frei, aber wir behalten dich im Auge. Das nächste Mal bist du dran!", zischte die Mumie in Gegenwart von Mark zu Tibor und dann verließen beide den Zellentrakt.
Im Aufenthaltsraum wartete schon Ikari auf ihn.
"Hast du was herausgefunden?"
"Nicht viel. Aber anscheinend mischt ein 'dammter... oh Entschuldigung...", Tibor benutzte noch immer den Gassenslang, "...mischt ein Neuer im Geschäft mit. Marcello Wallaze."
"Noch nie gehört."
"Ich auch nicht, aber er ist für die Toten am Fährenweg verantwortlich."
"Nun, da braut sich was zusammen. Ich gehe ins Büro und sichte mal unsere Verbrecher-Mappen, vielleicht finde ich etwas. Tibor, du gehst am besten gleich mit diesen Filzstücken in das neue Labor von FROG und lässt die untersuchen. Sag den Laboranten, es sei dringend", trug ihm Ikari auf.
***Fünf Wochen zuvor.
Herr Filzig dämmerte immer mehr, dass sein Geschäft wohl keine Goldgrube war, wie ihm der Verkäufer versichert hatte. Er konnte sich noch genau an seine Worte erinnern.
Filz? Natürlich, das wird der Renner in Ankh-Morpork. Ich kenne da übrigens ein gutes Lokal, im Herzen der Stadt. Die Leute da, die stehen auf lustige Filzhüte und Filzwindspiele, die können gar nicht genug Filz haben. Herr Filzig nahm sein ganzes Erspartes, kaufte den Laden und machte sich samt seiner Frau auf den Weg in die große Metropole. Schon am ersten Tag waren sie ausgeraubt worden und eine Quittung besagte, dass das den Einbrechern sogar erlaubt sei. Er lernte das Gildensystem kennen. Als nächstes kamen die Steuereintreiber, die wüteten schlimmer als die Diebe. Er lernte die verschiedenen Gebühren der Verwaltung kennen. Neuzugangsbatzen, Eröffnungsschilling, Auswärtigenprozent und den Auslancrestammendenzehntel. Obwohl er sich sicher war, das der Lancrezehntel von den Beamten erfunden worden war.
Schließlich stellte er fest, was mit den Herzen der Stadt gemeint war. Die Schatten, er hatte seinen Laden am Honigweg, direkt in den Schatten. Niemand wollte da etwas von lustigen Filzhüten oder anderen Filzprodukten wissen. Aber geklaut wurde trotzdem. Mal mit, mal ohne Quittung.
"Weißt du Schatz, wir hätten in Lancre bleiben sollen. Da mochten alle meine Filzhüte und die Hexen hatten immer wieder mal Aufträge für mich. Hutausstopfen, Hutvergrößerungen, Filzflicke und so weiter. Doch diese igino...ignoratino... diese unwissenden Städter habe keine Ahnung von Qualitätsarbeit. Die Meisten tragen ja nicht mal irgendeine Kopfbedeckung."
Doch seine liebe, genügsame Frau, hatte sich schon längst an das Stadtleben gewöhnt. Sie mochte all die kulturellen Veranstaltungen, Teeklatschrunden und vor allem all die Geschäfte, mit ihren diversen Produkten. In jedem Laden, an dem sie vorbeikam, musste sie etwas kaufen. Ihre gemeinsame Wohnung platze aus allen Nähten und sein restliches Geld ging für irgendwelchen modernen Schnickschnack drauf. Sie hatten einen Weckdämon, einen Müllschluckdämon, einen Saftdämon, obwohl beide keinen Saft tranken, zu viele gefährliche Vitamine und einen Disorganizier, obwohl Filzig gar keine Termine hatte. In Gedanken, strich Filzig das genügsam weg. Lieb war seine Frau immer noch, doch genügsam, dass war mal.
'Filzigs filzige Filze' war dem Untergang geweiht. Bis zu diesem Tage.
"Klingelingelingdongdongherzlichwillkommenbeifilzigsfilzigefilze", machte der Türglockendämon.
Schon wieder ein Überfall!, dachte sich Filzig und rief aus dem Lager.
"Habt ihr die Plakette nicht gesehen, ich bezahle regelmäßig die Gildengebühr, ihr dürft hier nicht einbrechen."
Er watschelte in den Verkaufsraum. Zwei gut angezogene Typen, einer schwarz der andere weiß, standen im Laden.
"Guter Mann, wir wollen nichts klauen", erklärte der Schwarze.
"Was wollt ihr dann? Ihr seht nicht aus, als ob ihr Filzhüte tragen würdet." Filzig war immer noch skeptisch.
"Nein, Filzhüte tragen wir wirklich nicht."
"Wollt ihr etwa ein Filzwindspiel?"
"Nein auch kein Windspiel, als Erstes stellen wir uns mal vor, ich bin Tschuls Winnyfeld und das ist mein Partner Vince Wega."
"Und ich bin Fritz Filzig." Er war sich noch nicht sicher, was das Ganze zu bedeuten hatte, aber etwas Bedeutsames lag in der Luft.
"Nun, wir bräuchten spezielle, dünne Filzbögen, fünfzig auf fünfzig Zentimeter, hast du so was in deinem Laden?", fragte ihn Herr Wega.
Filzigs Miene hellte sich auf.
"Ihr braucht wirklich Filz? Wie viele von diesen Bögen braucht ihr dann?"
"Soviel wie du hast und wir könnten sicher auch noch anderweitig ins Geschäft kommen", sagte Tschuls mit einem Augenzwinkern Richtung Vince.
***Tibor war unterwegs in die Schinkengasse 31, wo sich das neue Labor von F.R.O.G befand.
Laiza wird bestimmt im Labor sein. Ich sollte sie endlich mal auf den Vorfall bei mir Zuhause ansprechen. Hat sie mich wirklich ausgezogen, ging ihm durch den Kopf, als er auf der Ponsbrücke von einem eisigen Wind erfasst wurde.
Oh beim Offler, Scheiss-Kälte!Er wollte sich schon seit geraumer Zeit einen neuen Mantel kaufen, doch der Sold reichte nur für Kleider aus Herr Sonnenscheins Gebrauchtwarenladen.
[7] Doch er schauderte nicht nur wegen der Kälte. Es war ihm immer noch ein wenig peinlich, dass ihn Laiza nach Hause begleitet hatte und anscheinend auch noch ausgezogen hatte. Er hatte sie noch nicht darauf angesprochen. Auch nicht als er ihr geholfen hatte, das Büro einzurichten.
Seit dem Ausstieg aus den Gassengangs, hatte Tibor nur noch Freunde aus der Wache, doch bei Laiza war sich Tibor nicht mehr so sicher, ob es nur Freundschaft war. Er verdrängte den Gedanken schnell und lief zügig durch die Glatte Gasse am Gildenhaus der Bettler vorbei, überquerte die Sirupminenstrasse und bog dann in die Schinkengasse ein. Er erreichte das Haus mit der Nummer 31. Er kannte das Labor bereits, denn ein paar Tage zuvor hatte er Laiza geholfen einige Sachen einzuräumen. Darum hielt er sich erst gar nicht mit dem Vordereingang auf, sondern betrat den Hinterhof durch das kleine Tor, das Laiza überhaupt nicht mehr abschloss und klopfte an eine unscheinbare Türe.
***Seit einer Woche herrschte reger Betrieb in Fritz Filzigs Geschäft.
"Noch dünner?" Fritz Filzig starrte ungläubig zu Tschuls.
"Ja, diese sind zu dick, die saugen zu viel auf."
"Dann brauche ich eine bessere Pressmaschine. Was wollt ihr damit aufsaugen?"
Tschuls blickte kurz auf.
Eigentlich sollte der Typ nicht so viele Fragen stellen!, dachte er, doch hielt sich an die Erklärung die Marcello verfasst hatte.
"Es ist ein Medikament. Verstehst du? Aber man kann es nur so einnehmen. Tropfen wären zu heikel."
Er dachte an die Experimente mit dem Zucker. Sie hatten das Elixier auf Zuckerwürfel geträufelt, doch die Dosierung erwies sich als sehr schwierig und es verflüchtigte sich zu schnell. Entweder man sprang Nackt und glücklich durch die Gegend oder nackt und verwirrt in den Ankh. Je nach Würfel. Bis ein Student in Ansterdeich meinte, man könnte es als Lutschbonbon anbieten. Die Herstellung von Bonbons war aber viel zu teuer
[7a] und irgendwann kam dann die Idee auf, man könnte das Zeug auf saugfähiges Material geben. Von da an war es kein weiter Weg mehr bis zu Filzigs Filze.
"Wo kriegt man eine solche Pressmaschine her?", fragte Vince Fritz Filzig.
"Nun, in der Strasse der schlauen Kunsthandwerker sollte sich sicher ein Zwerg finden, der solche Maschinen herstellt. Unsere haben wir aus Überwald importieren lassen."
"Wie teuer ist eine solche Maschine?"
"Ich habe meine seit zwanzig Jahren und immer noch nicht abbezahlt."
"Könnte man deine nicht irgendwie umbauen?" Tschuls dachte an ihr begrenztes Budget.
"Wahrscheinlich schon. Die Zwerge sind zu allem fähig."
"Und die Stanzmaschine kannst du so umfunktionieren, dass sie in die Filzbögen kleine quadratische Felder einstanzen kann?"
"Das sollte kein Problem sein, ich könnte euch sogar ein Muster in die Quadrate reinstanzen."
"Muster? Hm...Nun, gut. Mach das, wir suchen uns inzwischen einen Handwerker, über das Muster unterhalten wir uns noch."
Tschuls und Vince krempelten ihre Ärmel zurück, zogen ihre schwarzen Jacketts an und verließen den Laden.
Frieda Filzig ging zu ihrem Mann hinüber.
"Wieso tragen die immer Messer mit sich?", raunte sie ihm zu.
"Sind halt Mediziner", flüsterte Fritz zurück.
***Die Klappe von der Türe wurde auf die Seite geschoben.
"Ja? Oh Tibor, du bist es."
Laiza entriegelte die Türe und ließ Tibor hinein. Sie mussten mehrere Treppen hinuntersteigen und befanden sich schließlich in einen recht großen Raum und hauptsächlich unter der Strasse.
"Wie geht's?", fragte er sie.
"Gut, gut und selbst?"
"Och, kann nicht klagen, die Arbeit als Szenenkenner macht wirklich Spaß. Hast du dich schon eingelebt?"
"Ja, das Labor ist inzwischen fertig eingerichtet, wie du siehst?"
Tibor schaute sich um, überall standen Glasbehälter in den verschiedensten Formen und Farben. Komplizierte Vorrichtungen hielten ebendiese und er versuchte erst gar nicht zu verstehen, was für einen Zweck die hatten. In verschiedenen Behältern blubberten bunte Substanzen und es roch sehr stark nach Chemikalien.
"Tee? Kaffee?", bot Laiza ihm an.
"Nein danke. Ich bin im Auftrag der Wache hier. Wir haben vermutlich eine neue Droge gefunden, haben jedoch keine Ahnung, um was es sich da handelt. Und es ist sehr dringend."
"Ja, ja. Das sind alle Analysen."
"Schon klar, aber es ist wirklich dringend." Er sah sie dabei gequält an. "Sonst macht mir Ikari die Hölle heiß."
"Schon gut. Ich werde mich unverzüglich an die Arbeit machen."
"Wie lange wird's etwa dauern."
"Könnte schon zwei oder drei Tage brauchen", meinte sie.
"Oh. Schneller geht's nicht?"
"Sicher, wenn die Götter die Antwort flüstern."
"Und falls ein Nachtessen dabei raus springt?" Tibor versuchte es mit Bestechung.
"Zwei Tage."
"Ok." Er reichte Laiza die Filzstücken.
"Ähm...," Tibor's Ohren glühten rot, "...äh, da wäre noch eine andere Sache."
"Ja?"
"Äh, wegen der Beförderungsfeier."
"Ja? Was ist mit der Beförderungsfeier?" Laiza betrachtete amüsiert Tibors rote Ohren.
***Guldson Guldenson durchschritt pfeifend seine Werkstatt, strich liebevoll über seine gut geordneten Werkzeuge und setzte sich dann an die Werkbank. Er hatte seinen ersten Auftrag erhalten, dank seinem Vetter. Einige Walzen von der Druckmaschine der Ankh-Morpork Times mussten geschliffen werden.
Erst vor sechs Wochen war er in der Stadt angekommen und schon hatte er sein eigenes Geschäft. Guld Guldenson, sein Vater, wäre sicher stolz auf ihn gewesen, hätte er nicht gewollt, dass Guldson ebenfalls ein Klopfmann wird.
[9] Doch Guldson hatte nicht vor, sich in den sicheren Tod zu stürzen, denn die meisten Klopfmänner waren nur sehr kurze Zeit Klopfmänner.
Ganz am Anfang hatte er natürlich ein paar Schwierigkeiten gehabt. Zum Beispiel hatte ihm Geld gefehlt. Auch eine Wohnung besaß er nicht, bis er in einer Taverne von einem Menschen angesprochen worden war. Suchst du Arbeit, hatte der ihn gefragt und Guldson Guldenson nahm an. Wenn er gewusst hätte... Doch der Zwerg verdrängte den Gedanken und freute sich darüber, dass der besagte Mensch ihm eine Werkstatt finanzierte. So konnte er seiner Leidenschaft nachgehen. Rheparieren und härstellen von kompliziärten Geräten, wie ein Werbeschild an seinem Laden verkündete.
Er schmirgelte zufrieden an der Walze, als das Glöckchen der Eingangstüre klingelte. Er stand auf, ging lächelnd aus dem Bastelraum in den Thekenraum und erstarrte.
"Guten Tag Guldson, lange nicht gesehen. Wie geht's?"
"Ah-ha, gut. Bis jetzt. Was wollt ihr? Ich habe noch ein halbes Jahr, um meine Schulden zu bezahlen, das habt ihr mir versprochen!", sagte er sichtlich verärgert zu Tschuls und Vince, die da in ihren schwarzen Anzügen standen.
"Ganz ruhig. Können alte Freunde nicht einfach mal vorbeischauen? Wie wäre es mit einer freundlichen Begrüßung?" Tschuls gelassener Ton ließ erahnen, dass er schnell ziemlich ungemütlich werden konnte.
"Ehm, ja sicher. Herzlich willkommen", ließ sich der Zwerg ironisch vernehmen, "und jetzt, was wollt ihr?!"
"Wir hätten da einen Auftrag für dich."
"Nein! Nicht schon wieder! Ihr habt mir versprochen, dass ich so was nie mehr tun muss! Ich bin ein ehrbarer Zwerg!"
"Ach ja? Dann wirst du mit diesem Auftrag auch keine Schwierigkeiten haben. Wir brauchen dein technisches Geschick. Das hast du doch?" Tschuls ließ keinen Zweifel daran, dass er dieses Geschick besser haben sollte.
"In diesem Fall, um was geht es?"
"Komm mit", befahl Tschuls.
Tschuls, Vince und der misstrauische Zwerg verließen den Laden.
Klingeling***Zwei Tage nach der letzten Begegnung stand Tibor wieder bei Laiza im Labor.
"Nun, hier sind die Ergebnisse. Ziemliche Mixtur das Ganze. Ein paar Zutaten kennen wir nicht, aber hauptsächlich besteht es aus einer Substanz des Mutterkornpilzes. Die Idee mit den Filzen ist übrigens sehr gut. Es verdunstet fast nicht und ist somit lange haltbar. Sehr professionelle Arbeit. Wir wissen noch nicht viel über den Pilz. Aber bei Einnahmen dieser Drogen können ganz schön starke Fisionen auftreten", berichtete Laiza und fragte noch: "Hat das schon jemand versucht?"
"Ja und einer träg jetzt seit Tagen schon seine Unterhose auf dem Kopf."
Laiza lachte.
"Auf dem Kopf?"
"Ja und er nennt sich Wachholderbeerbusch. Ist aber nicht nur lustig diese Sache. Ein paar Typen mussten schon dran glauben."
Tibor zog dabei mit dem Zeigefinger über den Hals und verzog sein Gesicht.
"So schlimm?"
"Jup, Ermittlungen laufen. Bis jetzt haben wir nur einen Namen. Marcello Wallaze."
"Dann hast du ja schon deinen ersten richtigen Fall."
"Ja schon." Er schaute Laiza nicht direkt an.
Seit er wusste, dass Laiza ihn nach der Feier im Eimer nach Hause gebracht, ins Bett verfrachtet und ausgezogen hatte, schämte er sich ein wenig in ihrer Gegenwart.
"Jedenfalls, danke vielmals und wegen dem Nachtessen können wir uns ja mal nächste Woche oder so treffen."
"Sicher, ich freue mich", sagte sie.
Tibor nahm den Untersuchungsbericht und machte sich auf den Weg zum Pseudopolisplatz.
***"Das ging aber flott." Ikari las den Untersuchungsbericht von Laiza. Als er fertig war, schaute er auf.
"Tibor?"
"Ja?"
"Ich denke du bist schon weit genug, um in diesem Fall selber Ermittlungen anzustellen. Ich übertrage dir die Aufgabe, herauszufinden wer das herstellt und wo es verkauft wird. Aber erstatte mir immer Bericht und denke daran, du bist nicht alleine. Hol dir Hilfe, wenn du sie brauchst."
"Oh, Ok, Sö... äh Ikari."
"Ich denke, du beginnst am Besten mit ein paar Nachforschungen in der Drogenszene. Du kennst dich da ja gut aus. Ein paar gespendete Drinks in der Trommel, bringen oft die erwünschte Antwort." Er drückte ihm dabei eine kleinen Menge Ankh-Morpork Dollar in die Hände. "Aber nicht alles versaufen."
"Ich? Nein, sicher nicht."
Er begutachtete die vier Münzen in seiner Hand.
Ein paar Drinks? Ha! Zwei Dollar und fünfzig Cents reichen gerade mal für ein paar Becher lausiges Bier.[10], ging im durch den Kopf.
Am Abend dann saß Tibor unauffällig ohne Uniform, aber mit Kettenhemd unter der blassbraunen Kutte in der Trommel.
Es fiel ihm schwer, den ganzen Abend nur an einem Bier zu nippen, normalerweise stürzte er das Zeugs literweise runter. Er sah viele vertraute Gesichter. Als Rupert Rotaug die Spelunke betrat, hellte sich Tibors Miene auf.
"Rupert! Hier drüben." Er winkte ihn zu sich heran.
"Hallo TiKha. Wie geht's? Immer noch in der Wache?", begrüßte ihn Rupert mit seinem alten Namen.
Seine Froschpillen-Stammkunden wussten über die neue Tätigkeit bescheid.
"Ja. Is' ein Tschob. Lohn, Essen und so. Verstehs'te?"
"Sicher, alles klar", meinte der rotäugige Rupert, "aber du könntest dich öfters blicken lassen, brauche unbedingt wieder mal getrocknete Froschpillen."
"Wieviele?"
"Naja, soviel wie de'beihast. Und ein wenig Kräutermischungen würde auch gut tun."
"Wie geht's deiner Mutter?", fragte Tibor ganz unschuldig.
Rupert Rotaugs Augen sprangen fast aus ihren Höhlen.
"Ah-ha, der war gut", sprach er vorsichtig weiter, "also, hast du was dabei?"
Tibor schaute sich verstohlen um.
"Zwei für drei, sechs für acht, wie immer."
Er sah ein paar andere Wächter im Lokal sitzen, nickte ihnen zu und nahm dabei unauffällig acht AM$ in Empfang.
"Das is'en 'dammter herschebianischer Dong. Willst'e mich verarschen, is' nich' mal n'Cent wert?!", fuhr Tibor Rupert an.
"Oh, muss wohl versehentlich unter die anderen Münzen gerutscht sein."
Er gab Tibor einen Dollar und erhielt dafür sechs Froschpillen.
"Ähm, was ist mit dem Dong?"
"Was soll mit'em sein?", antwortete Tibor.
"Krieg ich den zurück?"
"Ich weiß nichts von nem Dong."
Rupert schaute Tibor vorwurfsvoll an, ließ es aber dann dabei bewenden. Beide nippten stumm an ihren Bierchen.
"Weisst'e wer Georg Dschi ist?", unterbrach Tibor das Schweigen.
"Georg wer?", tat Rupert überrascht, doch er war kein guter Schauspieler. Sein linkes Auge zwinkerte, wenn er log.
"Komm schon Rupi, Georg Dschi... was kannst'e mir über den sagen?"
"Kann nichts sagen, kenn ihn nicht." Dabei schluckte Rupert bereits seine erste Froschpille.
"Rupert. Soll ich deiner Mutter erzählen, dass du wieder bei mir warst?"
Jetzt musste es schnell gehen, denn wenn die Pillen erst mal wirkten, würde es zu spät sein, irgendwas rauszukriegen.
"Das würdest du doch nicht tun?" Dabei sah ihn Rupert entsetzt an.
"Hör mal Rupi, dieser 'dammte Dschi schadet meinem Geschäft. Was meinst du? Würd'ich in einer Notlage nicht alles versuchen?"
"Aber das nicht..."
"Mittelweg 14? Nicht wahr?"
"Okokok", dabei versuchte Rupert schneller zu sprechen als seine Augen rollten, "Dschi handelt seit etwa nem halben Jahr mit Froschpillen, ich habe bei ihm auch schon mal was gekauft. Tut mir Leid, aber du warst nicht immer zu Stelle. Ok? Ich glaube Dschi is' nicht sein richtiger Name. Das ist alles was ich weiß."
Dabei trank er nervös einen Schluck Bier.
"Komm schon Rupi. Von wo kommt der 'dammte Typ? Welche Gang? Und glaube mir, ich schrecke vor nichts zurück. Auch nicht vor Orphelia."
Der Name seiner Mutter ließ Rupert zusammenzucken.
"Ja, ja, schon gut. Er is' in keiner Gang. War glaub auch nie in einer. Kommt nicht von Anhk-Morpork. Is'en Auswärtiger, aber mehr weiß ich wirklich nicht."
Eigentlich war Tibor gar nicht hinter diesem Dschi her, er wollte mehr über diese neue Droge raus finden. Dazu musste er aber Rupert erst in Stimmung bringen. Ihm würde noch etwa zehn Minuten bleiben, dann wäre Rupert im Froschpillenreich.
"Danke Rupi. Hier hast'e noch was für deinen Bemühungen." Er schob ihm dabei ein Säckchen mit Mari Hannas Kräutermischung zu.
"Übrigens, hast'e schon die neue Droge probiert?", fragte Tibor ins Blaue.
"Meinst du Älästhe..." Rupert verstummte. "Äh, ich muss jetzt gehen. Ich hab nichts gesagt, du hast mich nicht gesehen."
Er stand auf, schaute sich nervös um und verdrückte sich so schnell, wie er eben gesprochen hatte.
Treffer! Älästhe, hmm...Tibor trank sein Bier und dann noch den Rest von Ruperts.
***"Perfekt!", rief Vince.
"Saubere Arbeit, Guldenson", lobte Tschuls den Zwerg.
"Naja, ich bin halt einer der Besten", meinte Guldson selbstsicher, "...äh, wegen der Bezahlung?"
Es wurde merklich kühler in der Werkstatt von Fritz Filzig.
"Wegen welcher Bezahlung?" Tschuls spielte den Unwissenden.
"Naja, ich habe vier Stunden geschuftet und Material im Wert von zehn Dollar verbraucht..."
"Melde dich bei Marcello", erwiderte Tschuls, was eher einer Drohung denn ein Angebot war.
"Äh...ok, alles klar", der Zwerg sammelte sein Werkzeug zusammen, "ich gehe dann."
Ein bisschen beleidigt verließ er den Laden.
"So, jetzt können wir endlich die Dro...", Vince unterbrach sich, "... das Medikament richtig herstellen."
Er hielt dabei einen sehr dünnen Filzbogen in der Hand. Zur gleichen Zeit brodelte einen stinkige, grünlich-braune Masse in einem großen Bottich im Lagerraum. Der Bottich wurde von einem Sumpfdrachen angefeuert.
"Was ist das für eine Medizin?", fragte Fritz Filzig, während er mit einem großen Stock die Masse bewegte.
Er war inzwischen ein wenig misstrauisch geworden. Als er gegenüber Vince mal geklagt hatte, dass er den Laden bald schließen müsse, wenn er nichts verkaufen würde, geschah Merkwürdiges. Einen Tag später rannten ihm zwielichtige Typen die Bude ein. Alle wollten Filzhüte, Filzwindspiele, Filzfinken und den ganzen Rest, den er anbot, kaufen. Er machte an einem Tag soviel Geld, wie im ganzen letzten Jahr zusammen. Doch die Leute schienen unter Zwang zu stehen. Ein übliches Verkaufsgespräch an diesen Tag verlief etwa in so:
"Willkommen bei Filzigs Filzige Filze, was kann ich für Sie tun?" Fritz hatte den Türglockendämon entfernt, weil er nicht mehr nachkam, so oft öffnete und schloss sich die Türe.
"Äh, ich will was auf Filz", antworteten die Meisten.
"Was denn genau?"
"Irgendwas, hier fünf Dollar."
"Aber was?"
Einige ließen Waffen aufblitzen.
"Nimm die fünf Dollar und gib mir Filz!"
"Ok, ok."
Und Fritz verkaufte alle Produkte an einem Tag. Da das Lager damit leer war, richteten Tschuls und Vince ihr Labor darin ein. Filzig kam das alles sehr verdächtig vor. Er fragte nochmals.
"Vince, was ist das für eine Medizin?"
"Ähm... es hilft gegen Langeweile. Genau, es kuriert Langeweile."
"Langeweile ist eine Krankheit?", fragte Fritz ungläubig weiter.
"Ähm, ja. Es handelt sich natürlich um sehr langweilige Langeweile. Sozusagen gefährliche Langeweile. So gefährlich, dass es ein Mittel dagegen braucht."
Obwohl es keine Erklärung war, ließ Vince keinen Zweifel daran, dass es halt doch eine war. Filzig zuckte mit den Schultern und rührte weiter.
"Wechsle mal den Drachen, nimm den Drachen Nummer fünf, Frau Filzig", trug ihr Tschuls auf.
Sie nahm den Drachen und brachte ihn in seinen Käfig. Es hatte fünf Käfige. Sie begriff nicht genau, wieso es wichtig war, welcher Drache verwendet wurde. Die beiden Mediziner hatten ihr gesagt, die Nummern bedeuteten die Stärke der Flammen. Aber sie beklagte sich nicht, die volle Kasse ihres Ladens hatte sie schweigsam gemacht.
Schließlich wurde eine gläserne Kuppel, die am gebogenen Ende immer dünner wurde und in einem weiteren Glasbehälter endete, über den Bottich gestülpt. Dann wurden alle Drachen zur gleichen Zeit unter den Bottich gestellt und der Dampf, der dabei entstand verwandelte sich wunderbarerweise, im Glasbehälter, wieder zu Flüssigkeit, die ein wenig klarer schien als die im Bottich. Dann wurde der Bottich geleert, gesäubert, mit der klareren Flüssigkeit gefüllt und die ganze Prozedur begann erneut. Nach etwa fünf solcher Durchgänge, war das Mittel total klar, wie frisches Wasser. Tschuls roch daran und hielt es den Filzigs hin. Es war geruchlos.
"Aber... wie geht das? Wieso hat es keinen Geruch?"
"Nun, die Pilze, die wir da eingekocht haben, heißen Mutterkornpilze und haben einen ganz bestimmten Wirkstoff. Mittels der Däschtilation, wie der Vorgang heißt, gewinnen wir die Essänz", erklärte ihnen Vince, doch die Beiden verstanden nichts.
"Und das bisschen da, ist alles, was aus zwanzig Kilo Pilzen wird?", fragte Frieda.
"Naja, es ist immerhin ein Viertelliter. Das reicht für dreißig Bögen. Das Mittel ist sehr stark. In dieser Reinform würde es einen glatt töten oder Gehirne zu Brei werden lassen", dabei lächelte Vince, "jetzt mischen wir's noch mit ein wenig Zucker und dann geht's ab auf die Filze."
Gesagt getan, nach zwei Tagen Arbeit, lagen sechzig getränkte Filzbögen im Lagerraum.
"Und jetzt verkauft ihr das an die Ärzte und Apothäken?", meinte Fritz am dritten Tag.
"Äh, genau. Doch um den Verkauf musst du dich nicht kümmern. Wir übernehmen das. Du wirst deinen Lohn schon bald bekommen."
Fritz Filzig bemerkte das diabolische Grinsen von Vince nicht, was er aber besser getan hätte. Zumindest beim Wein, der ihm und seiner Frau angeboten wurde, wäre er besser misstrauischer gewesen.
***Tibor saß in seinem Büro am Pseudopolisplatz und las zum zehnten Mal die Akte mit den unlizensierten Wiederholungstätern von Ankh-Morpork. Er hatte die meisten darin beschriebenen Leute schon kontaktiert. Doch alles, was er bis jetzt in Erfahrung bringen konnte, war, dass die neue Droge Älästhe hieß und niemand so richtig darüber sprechen wollte. Immerhin hatte er rausbekommen wo sich Georg Dschi aufhielt und was viel interessanter war, dass ebendieser Georg anscheinend was mit Älästhe zu tun hatte. Wie ihm Karl Namsnicht bei einer warmen Mahlzeit versichert hatte. Das Verzeichnis der unlizensierten Verbrecher barg sehr nützliche Informationen.
Dschi muss ich wohl mal besuchen. Und nachhaken, wo ich diesen Marcello Wallaze finden kann.Ein trockenes Klopfen, das nur von Tyriel stammen konnte, weckte ihn aus seinen Überlegungen.
"Komm rein, Tyriel."
Die Mumie betrat das Büro.
"Woher hast du gewusst, dass ich es bin?"
"Nun, an deiner Art zu Klopfen und um ganz ehrlich zu sein; ein Stück Verband schob sich unter der Türe durch."
"Ikari meinte, du seist jetzt mit dem Fall betraut?"
"Stimmt. Was gibt's? Neuigkeiten über die Gefangenen?"
"Ja. Der Püschologe hat nichts Besonderes, außer totaler Verrücktheit festgestellt, doch bei Dreien gingen die Sümptome zurück und wir ließen sie nach einer Befragung wieder frei. Allerdings konnte sie sich an nichts erinnern. Der Typ mit der Unterhose haben wir in das Heim Kreuzschädel eingeliefert."
"Was ist mit Mark?"
"Irgendjemand hat ihm wohl geraten, sich an einen Anwalt zu wenden und seine Mutter beauftragte einen. Sie haben ihn rausgeholt und jetzt ist er verschwunden."
Mist!Tibor ließ sich jedoch nichts anmerken.
"Übrigens sind zwei neue Fälle hinzugekommen, die sich ähnlich wie die Anderen verhalten", sprach Tyriel weiter.
"Schon befragt?"
"Hm, das war nicht möglich, der Mann und die Frau sind von der Fähigkeit zu sprechen, weiter entfernt als ein ungeborenes Kind im Mutterleib. Sind viel schlimmer dran als die Anderen."
"Danke Tyriel. Haltest du mich auf dem Laufenden?"
"Sicher doch."
Tyriel verließ das Büro.
***Rotes Licht schien gedämpft durch die Bar. Ein paar ältere Herren saßen nah an einer Bühne, auf der eine exotische Tänzerin einen exotischen Tanz vollführte. Allerdings interessierten sich die Männer nicht so sehr für den exotischen Tanz, mehr für die nackten exotischen Brüste.
Vince und Tschuls saßen weiter hinten und hörten einem massiven Typ zu.
"Also, das hat ja alles prima geklappt, Kumpanen. Lob, Lob. Was ist mit dem Ladenbesitzer?"
"Wir haben ihm und seiner Frau zehn Milliliter reines Älästhe verabreicht, die sollten keine Schwierigkeiten mehr machen", antwortete Tschuls.
"Sehr gut. Was ist mit dem Studenten, der wir beauftragten, das Zeugs an den Mann zu bringen?"
"Ist ne traurige Geschichte. Er hatte die Formel herausgefunden und das Älästhe selber hergestellt, doch er weilt nicht mehr unter uns", erzählte Vince.
"Schade. Viel versprechender Junge. Wem sollen wir jetzt den Handel übergeben?"
"Wir haben uns gedacht, zuerst die Süchtigen in den Schatten zu beliefern. Da tauchen zwei Namen auf; TiKha und Georg Dschi. TiKha ist nicht auffindbar", Tschuls winkte mit der Hand und ein nichts sagender Typ setzte sich zu ihnen, "das ist Dschi. Ist erst seit einem Jahr in der Stadt. Er würde den Verkauf übernehmen."
Georg Dschi versuchte sich schon in vielen Bereichen. Einbruch, Diebstahl, Zuhälterei, aber im Drogengeschäft sah er seine Zukunft. Als er noch in Sto-Lat gewohnt hatte, hätte er sich nie gedacht, jemals gegen das Gesetz zu verstoßen. Er wollte Musiker werden, Musik mit Steinen drin spielen und berühmt werden. Doch nach einer Woche in Ankh-Morpork war er bereits in so viele dreckige Geschichten verwickelt, dass er gar nicht mehr anders konnte, als auf der Verbrecherkariere weiter zu machen. Jetzt saß er einem Riesen gegenüber. Wahrscheinlich zwei Meter groß und ebenso breit. Ein vernarbtes Gesicht mit harten Augen sprach zu ihm.
"Willst du ein Kumpane sein, Georg?"
"Sicher wieso nicht. Wer bist du eigentlich?", fragte er frech.
Die harten Augen funkelten böse.
"Mein Name ist nicht wichtig. Aber du solltest wissen, dass ein Nicken von mir genügt und meine beiden Kumpanen hier verarbeiten dich zu Hundefutter."
"Oh, ok, alles klar."
"Wieso sollte ich dich zu meinen Kumpanen machen, Georg?"
"Naja, wie ich hörte, wollt ihr was Neues aufziehen. So ne Art Wunderdroge, nicht wahr? Und da dachte ich mir, he Dschi, immerhin belieferst du seit einem halben Jahr die Leute mit Froschpillen, wieso nicht mal was Größeres. Ich habe ja bereits diesen ominösen TiKha von der Strasse verdrängt, nicht wahr. Deshalb bin ich genau der richtige Mann fürs große Geschäft, nicht wahr. Wenn du verstehst was ich meine."
"Quasselt der immer so viel?" Marcello richtete die Frage an Tschuls und Vince. Die zuckten nur mit den Schultern.
"Also, Dschi... Erstens, ziehen wir hier das Geschäft auf und beteiligen dich, damit alles klar ist. Am Anfang wirst du fast nichts verdienen, weil wir viel investiert haben in das Geschäft. Mit der Zeit kannst du deinen eigenen Verkaufsring aufbauen und selber gut verdienen, aber solange bist du unser Kumpan. Ok?"
"Ok, ok, schon gut. Ich weiß wo ich stehe."
"Das ist gut. Tschuls und Vince werden dich zur gegebenen Zeit informieren."
Nach einer Weile des Schweigens.
"Dschi du kannst dich jetzt entfernen", befahl der Riese.
"Aha, ok, äh, danke?"
Georg wurde von Vince hinausbegleitet.
***Nebel wogte durch die nächtlichen Strassen von Ankh-Morpork. Inzwischen waren in den Schatten mehr Waffen unterwegs als Menschen. Hin und Wieder durchbrachen Schreien die Stille. In ein paar Tavernen brannte noch Licht und gedämpfter Lärm drang aus den offenen Fenstern. Eine Gestalt huschte aus einer dunklen Ecke in die Andere. Sie trug einen unauffälligen braunen Mantel und eine braune Ledertasche bei sich.
Rupert Rotaug dagegen schlich nicht, er lief gehetzt durch die Schätzchengasse und schaute sich dabei immer wieder um. Er hatte das Gefühl, verfolgt zu werden. Doch ein innerer Zwang überschattete seine Vorsicht. Plötzlich blieb er stehen und wartete fünf Minuten. Eine kleine Gestalt näherte sich ihm durch den Nebel.
"Dschi? Bist du das?", fragte Rupert in den Nebel.
"Psst. Nicht so laut. Ja ich bin es. Was willst du?"
"Naja, die Froschpillen sind mir ausgegangen."
"So, so. Nun, du kennst ja meine Preise, nicht wahr."
"Acht, ich brauche Acht. Ich habe genug Geld, neun Dollar, wie immer."
"Nun, wie es ausschaut brauchst du die Pillen dringend, nicht wahr?"
"Ja, ja."
"In diesem Fall können wir von einem Notfall sprechen, nicht wahr?"
"...?"
"Du bekommst Sieben für Zehn."
Tibor, der in einem Schatten lauerte, nachdem er Rupert gefolgt war, hätte sich fast verschluckt.
So ein gemeiner Hund! Rupert ist zwar ein elender Süchtiger, aber ihn so auszunehmen, grenzt schon sehr an Sadismus!, dachte er sich.
"Was? Das ist ja Wucher!", rief Rupert aus.
"Du kannst sie dir ja auch woanders besorgen, nicht wahr." Dschi wusste genau, dass Rupert nur zu ihm kam, wenn er sein Zeugs nirgends anders beschaffen konnte.
"Nein, nein, ist schon gut. Hier ist das Geld." Er kramte die zehn Ankh-Morpork Dollar hervor.
Dschi gab ihm die Froschpillen.
"Bis bald Rupert. Freut mich mit dir Geschäfte zu machen, nicht wahr."
"Sicher...", murmelte Rupert und verschwand in einer Seitengasse.
Dschi zählte zufrieden sein Geld, als er plötzlich ein Messer an seiner Kehle spürte.
"...?" Ihm blieben die Worte im Hals stecken.
Eine fiese Stimme sprach zu ihm.
"Hallo Dschi, eine falsche Bewegung und
Dschi-ng dein Hals bekommt ein neues Muster." Tibor kratze ein wenig mit dem Messer an Dschi's Gurgel. "
Nicht wahr?", fügte er sarkastisch hinzu.
"Wer... wer bist du und was willst du?", fragte Dschi mit zittriger Stimme.
"Ich bin dein schlimmster Albtraum oder dein bester Freund, was wählst du?"
"Freund?", krächzte Dschi, dessen Stimme nicht mehr so recht mitmachte.
"Gut, wenn'de willst, dass ich dein 'dammter Freund bleibe, ziehst'e ganz langsam deinen Gürtel ab, ok? Aber wirklich langsam!"
Georg versuchte zu nicken, dabei wurde er wieder an das Messer erinnert. Er öffnete langsam die Schnalle seines Gürtels und mit einem leisen Scheppern ging der samt dem daran befestigtem Schwert zu Boden, gefolgt von seinen Hosen.
"Dumme Situation,
nicht wahr?"
"Ich... ich habe Geld, willst du Geld? Drogen? Alles in meiner Tasche. Du kannst es haben, aber lass mich am Leben, bitte!", flehte Georg.
"Ha! Dummerchen, ich will dein 'dammtes Geld nicht. Hast'e eine Ahnung, wer ich sein könnte?"
"N..ein."
"Ich bin TiKha, schon mal gehört?"
Diesmal blieb Dschi stumm.
"Ich nehmen an, dein Schweigen bedeutet ein Ja. Also, ich könnte dich jetzt einfach töten, dann wären alle Probleme gelöst, denn du bist mein 'dammtes Problem, verstehst'e?" Mit Tibors Stimme hätte man Seide schneiden können.
Dschi's Erhaltungstrieb schaltete sich ein.
"Hör zu, TiKah. Es... es tut mir Leid, ich wollte dich nicht verdrängen, aber irgendwie muss man ja Überleben, nicht..." Er wollte gerade 'nicht wahr' sagen, ließ es aber bleiben.
"Da hast'e aber eine sehr dumme Art des Überlebens ausgesucht. Man mischt sich nicht in fremdes Geschäft ein. Zumindest nicht, wenn man seine verdammten Gegner nicht kennt. Jetzt siehst'e, wo das hinführt. Aber ich denke, wir finden sicher einen Kompromiss?"
"...'a."
"Gut. Ich sehe, du bist ein weiser Mann. Also, leider ist dein Verkauf von Froschpillen nicht mein einziges Problem, dass ich zurzeit habe. Weisst'e, jemand verkauft seit Neustem Älästhe und vermiest mir damit mein Geschäft. Wenn ich diese 'dammte Ratte in die Finger kriegen, der kann was erleben! Da fällt mir ein, handelst du nicht auch mit Älästhe?"
Dschi versteifte sich.
"Hörzuichkannalleserklären..." Dschi hätte locker das Hundertmetersprechen-Rennen gewonnen, wenn ein Solches statt gefunden hätte.
"Da bin ich aber gespannt." Tibor drückte ein wenig fester mit dem Messer zu.
"Es stimmt, ich verkaufe das Zeugs, aber wenn du mich umbringst, wird's einfach ein anderer verkaufen. Die Typen, die dahinter stecken, kennen kein Pardon. Sie wollen in Ankh-Morpork groß mitmischen. Du findest sie in der 'obänohne' Bar zum Roten Blüsch beim Perlendock. Bitte, bitte tu mir nichts."
"Hm, die kleine Ratte verrät das Nest, aber den Namen nicht, was soll ich davon halten?"
"Was?!"
"Gib mir Namen! Ratte!"
"Ich... aber... die werden mich töten!"
"Ach ja? Und ich? Was werde ich wohl tun? Logik ist nicht so dein Ding?"
"Äh", Dschi überlegte einen Moment und kam zum Schluss, dass es nicht mehr Schlimmer kommen konnte, "...Tschuls Vinnyfeld, Vince Wega und ein fetter Riese. Aber seinen Namen kenne ich nicht."
"Und wo stellen sie das 'dammte Zeugs her?"
"Weiß ich nicht, glaub mir bitte, ich weiß es wirklich nicht."
"Hm. Also, hör mir gut zu. Du wirst weiterhin Älästhe verkaufen und so tun, als wäre nichts passiert. Ich meine kein Wort von diesem kleinen Vorfall hier, ist das klar?!"
"...'a."
"Von Zeit zu Zeit werde ich dich besuchen und du wirst mir mehr Informationen beschaffen, ist das klar?!"
"...'a."
"Eins ist sicher, ich finde dich. Wenn du mich verpfeifst, finde ich dich, bevor jemand anderes mich findet. Das ist dir hoffentlich auch klar?!"
"...'a."
"Sehr gut. Du kannst weiterhin mit getrockneten Froschpillen handeln, aber wenn ich höre, dass du Rupert wieder so schamlos ausnimmst, dann finde ich dich ebenfalls, hast du mich verstanden?!"
"...'a."
"Gut, ich sehe, wir verstehen uns. Ich werde jetzt ganz vorsichtig das Messer von deinem Hals entfernen und dann bleibst du noch eine Weile so stehen."
Dschi nickte vorsichtig mit dem Kopf. Tibor zog das Messer weg und verschwand in einem Schatten.
Nach ein paar Minuten, atmete Georg tief ein und aus.
"Scheiße!", brachte er hervor, zog sich die Hosen hoch und verdrückte sich beschämt.
***Tibor schlich schnell aus der Schätzchengasse weg. Weiter hinten traf er sich mit Ikari, der alles beobachtet hatte und ihm im Falle des Falles Rückendeckung geboten hätte. Tibor berichtete ihm, was er in Erfahrung bringen konnte.
"Gute Arbeit Tib. Ein bisschen brutal, aber äffektif. RUM wird sich über die Informationen freuen. Was hättest du getan, wenn er sich gewehrt hätte?"
"Ich glaube in diesem Fall, wäre ich weggerannt. Ich wollte ihn nicht verletzten, nur einen kleinen Schrecken einjagen."
"Die Taktik ist aufgegangen. Ich hatte am Anfang ein paar Zweifel. Ich weiß, dass du TiKha bist."
Tibor schluckte.
"Wirklich?"
"Natürlich, ich wäre ein ziemlich erbärmlicher Szenenkenner, wenn solche Sachen nicht wüßte."
"Oh. Muss ich jetzt mit irgendwelchen Konsequenzen rechnen?"
"Nein, TiKha ist eine ziemlich gute Tarnung, aber verkauf nur soviel wie nötig."
"Sicher."
Sie gingen zurück zum Wachhaus am Pseudopolisplatz.
"Ok, Tibor. Du schreibst am Besten gleich eine neue Mappe zu Älästhe."
"Geht klar, Ikari."
Tibor machte sich ans Werk. Langsam schrieb er auf, was er wusste.
ÄlästheMixtur, hauptsubstanz essänz des Mutterkornpilzes
Härställung, wahrscheinlich Ankh-Morpork
Anwändung, filzstückchen auf zunge lägen, warten
Wirkung, starke fisionen
Übärdosirigung, lässt bildär von Dähmonen sehen, Verrücktheit, Sprachverlust
Handel, Georg Dschi, Tschuls Vinnyfeld, Vince Wega, Marcello Wallaze.
Ikari Gernetod las den Bericht.
"Ok, das ist gut. Wir werden die ganzen Informationen RUM zukommen lassen. Mal sehen, was die damit anfangen können. Aber ich denke, wir werden von den Herren Wallaze, Vinnyfeld und Wega sicherlich noch hören."
"Ja, das glaube ich auch", meinte Tibor, "Sö.. äh Ikari, es ist schon spät, beziehungsweise früh, ich gehe dann schon mal nach Hause."
"Ok, geht klar."
"Da wäre noch was. Für die schnelle Analüse musste ich die Laborantin von FROG mit einem Nachtessen bestechen. Kann ich das über die Spesen laufen lassen?"
Ikari zog eine Augenbraue hoch und hielt sie sogleich fest, weil sie sich von seinem Gesicht lösen wollte.
"Das bedeute wohl Nein. Naja, bis heute Abend", verabschiedete sich Tibor und ging nach Hause um noch ein paar Stunden zu schlafen, bevor ihm eine weitere Nacht in den Strassen Ankh-Morporks erwartete.
[1] Naja, die Verrückten unter ihnen schon und die noch Verrückteren hörten auch was. Doch sie sind ein verschwindend kleiner Teil Statistik.
[2] Tibor war sich nicht sicher, ob man tot noch steigern konnte.
[3] Wobei das Ausrufezeichen vor dem Namen einfach Achtung Gefahr bedeutet.
[4] Drei Ausrufezeichen sind gar kein gutes Zeichen.
[5] Kascha Noschtra war eine der ältesten Verbrecherringe von Ankh-Morpork, sie existierten schon bevor die Gilden eingeführt wurden und waren noch heute sehr einflussreich.
[6] Das war der Code der !Hackalleskleinfraktion.
[7] Herr Sonnenschein's Kleider waren nicht aus zweiter Hand, nein, die Kleider waren schon durch so viele Hände gegangen und so oft verändert worden, dass ein Hemd früher mal eine Hose war, bevor sie zum Pullover umgewandelt wurde und jetzt als Socke diente.
[7a] Vor allem möchten eingefleischte Drogensüchtige, keine Bonbons lutschen. Fühlen sich irgendwie dämlich dabei oder so.
[9] Klopfmann: spürt Grubengas auf und versucht aus sicherer Entfernung dieses zum explodieren zu bringen. Aus "der fünfte Elefant".
[10] Lausiges Bier: Hopfen-Malzgetränk mit Alkohol, sehr beliebt nicht des Geschmackes sonder seines geringen Preises wegen.
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