Bei Anruf Mord

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von Obergefreiter Pyronekdan (RUM)
Online seit 11. 11. 2003
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Pyronekdan hat seine Teledämonen mit den Nachrichtentürmen verbunden. Aber wird ihm das wirklich dabei helfen, eine Mordserie aufzudecken?

Dafür vergebene Note: 9

DING DING DING DING DING DING!
"Jetzt zugreifen beim Fleischer Schlachtgut!", verkündete Woakie, und riß Pyronekdan damit aus dem Schlaf. Er rieb sich den Schlaf aus den Augen, und stand langsam auf.
"Ich glaube, es war ein Fehler, Toakie mit HEX zu verbinden, um so immer mit den Nachrichtentürmen verbunden zu sein", sagte er gerade so laut, daß sein Teledämon es hören konnte. "Wieso kann er nicht wichtige von unwichtigen Nachrichten unterscheiden?"
Immerhin war er dadurch wach geworden. Wenn auch wieder einmal viel zu spät. Und obwohl Woakie ihn heute schon mitten in der Nacht geweckt hatte, um zu verkünden, daß jetzt an der Zeit sei die Trommel zu besuchen, nahm der Zauberer seinen Teledämonen mit zur Wache. Vielleicht gab es ja doch einmal eine wichtige Nachricht, an die er so schneller herankam. Da er wieder einmal zu spät dran war, waren die Straßen schon ziemlich voll, was ihm noch mehr Zeit kostete.

Schließlich betrat Pyronekdan die Wache.
"Hallo Mefarina", begrüßte der Zauberer die Gefreite, die heute wieder einmal Tresendienst hatte. "Was gibt es neues?"
"Hallo, und Herzlichen Glückwunsch zur Beförderung", erwiderte diese.
"Tricia McMillan ist von ihrem Urlaub zurück. Und Du sollst sofort in Rinas
Büro kommen. Die beiden warten schon auf dich."
"Dann werde ich mich lieber beeilen", meinte der Obergefreite, und ging schnell zu dem Büro.
"Ich glaube, das hättest du etwas früher machen sollen, Pyro", rief Mefarina ihm noch nach.

Als Pyronekdan an die Tür klopfte, hörte er ein zweistimmiges ungeduldiges "Herein".
Die beiden weiblichen Offiziere warteten schon eine Weile auf den Informantenkontakter.
"Da bist du ja endlich", sagte Irina vorwurfsvoll. "Wieso kannst du nicht einmal pünktlich sein?"
"Wenn ich gewußt hätte, das Tricia wieder da ist, wäre ich bestimmt früher gekommen", entschuldigte er sich, und hoffte, daß wenigsten diese dadurch besänftigt wurde.
"Hallo Pyro", begrüßte sie ihn. "Das hört sich ja so an, als ob du mich vermißt hättest."
"Ja, es ist schön, daß Du wieder hier bist", bestätigte er.
"Können wir dann jetzt endlich zum Geschäftlichen kommen", drängte Irina. "Wir haben nämlich eine neue Aufgabe für dich. Wie du weißt, haben wir derzeit immer noch keinen Verbindungswächter, und weil dieser Job deinem sehr ähnlich ist, wirst du diese Aufgabe vorläufig mit übernehmen."
Noch mehr Arbeit, dachte Pyronekdan bei sich. Als ob ich nicht schon so genug zu tun hätte.
"Von der reichen Familie von Marmorstein sind zwei Mitglieder ermordet worden", fuhr Tricia fort. "Einer in der letzten Nacht, der andere heute Morgen. Deshalb werde ich dort verdeckt ermitteln, um weitere Morde zuverhindern, und den Täter zu ermitteln."
"Warum finde die Ermittlung verdeckt statt?", wollte Pyronekdan wissen.
"Die Toten wurden nicht im Haus ermordet. Die restlichen Mitglieder der Familie behaupten, es waren unlizensierte Raubmörder. Und da die Familie sehr einflußreich ist, können wir nicht einfach alle verhören", erklärte Irina, als sie plötzlich unterbrochen wurde.
DING DING DING DING DING DING!
Pyronekdan holte den kleinen schwarzen Kasten aus seiner Jackentasche.
"Nicht jetzt!", versuchte er Woakie zur Ruhe zu bringen, der wieder einmal seine Glocke betätigte.
"Wieso hast du den denn mitgenommen!", wollte Tricia wissen. "Und wer hat den anderen, den ich dir vor meinem Urlaub zurückgegeben hatte?"
"Ponder Stibbons hat Toakie mit HEX verbunden, womit er auch Zugang zu den Nachrichtentürmen hat", erklärte der Zauberer. "Ich hoffe so schneller an wichtige Informationen zu kommen."
"Ich wußte nicht, daß die Teledämonen auch lesen können", meinte Tricia.
"Können sie auch nicht. Ein Rabe liest ihm die Ausdrucke von HEX vor, und gibt seine Antwort auf der Tastatur ein, indem er auf die Tasten springt."
"Sehr beeindruckend", meint Tricia.
"Ich wußte, daß die Teledämonen noch einmal nützlich sein würden", sagte Pyronekdan.
"Ich meinte damit die Leistung des Raben!", berichtigte Tricia. "Den Teledämonen traue ich immer noch nicht weiter, als ich sie werfen kann![1]"
Daraufhin wurde Woakie plötzlich viel ruhiger.
"Was haben die beiden denn zu melden?", wollte Irina nun wissen. "Vielleicht ist es ja wirklich wichtig. Und vor allem können wir danach endlich wieder den Einsatz besprechen."
"Heute bei der Näherinnen-Gilde: Zwei zum Preis von einer!", meldete Woakie.
"Wenn du deinen neuen Rang behalten willst, solltest du deine Teledämonen besser instruieren", meinte Tricia zu Pyronekdan, nachdem sie eine halbe Stunden später Irinas Büro verließen.
"Ich werde es versuchen", erwiderte dieser, und behielt lieber für sich, daß er absolut nichts dagegen hätte Hauptgefreiter zu werden.
"Übrigens. War der Kasten von Woakie früher nicht braun?"
"Ich habe in schwarz angestrichen, weil das besser zu einem Zauberer passt."
"Und die Farbe stinkt erbärmlich", beschwerte sich Woakie.
"Ich hörte, daß du mit dem neuen Rekruten Bitumen befreundet bist", führte Tricia das Gespräch fort.
"Ja, ich habe den Troll zur Wache gebracht.[2]"
"Und wie macht er sich? Wie ich hörte ist er etwas wortkarg."
"Bitumen kann leider nur 'Ja' und 'Nein' sagen, was ein gewisses Problem darstellt. Heute soll er sich übrigens um Frau Willichnicht kümmern."
"Damit dürfte sein Vokabular noch einmal um 50 Prozent verkleinert werden", meinte Tricia.
Als sie die Wache verließen, war Frau Willichnicht gerade gekommen, und sie konnten einen Teil des Gespräches verfolgen:

"Haben sie etwas Zeit für mich? Ich möchte mich nämlich beschweren!"
"Ja"
"Die Eselkarren sind viel lauter als früher!"
"Ja"
"Das liegt bestimmt an den vielen Schlaglöchern in meiner Straße!"
"Ja"
"Irgendwann breche ich mir deshalb noch mal die Füße!"
"Ja"
"Ich kann auch nicht einmal mehr hören, was meine Nachbarn sagen!"
"Ja"
"Vor allem die Frau Möchtegern vom ersten Stock, die immer Lügen über mich verbreitet!"
"Ja"
"Sie erzählt nämlich jedem, daß ich allen auf die Nerven gehe!"
"Ja"
...

"Frau Willichnicht ist heute aber spät dran", stellte Pyronekdan fest.
"Nicht nur sie", meinte Tricia, und sah den Zauberer scharf an.
"Na wenigsten scheint Frau Willichnicht sich endlich mal wieder richtig aussprechen zu können", meinte dieser, um auf ein angenehmeres Thema zu wechseln.
"Ja, da haben sich wirklich zwei gefunden", meinte Tricia grinsend, als sie sich von der Wache entfernten.
"Wie willst du bei der Familie ermitteln?", fragte der Zauberer die verdeckte Ermittlerin.
"Ich werde die Stelle des Zimmermädchen übernehmen", erklärte sie. "Die ist gerade frei geworden."
"Was genau meinst du unter frei geworden?", fragte Pyronekdan besorgt [3].
"Keine Angst, sie ist nicht ermordet worden, wenn du das meinst. Sie hat nach dem zweiten Mord gekündigt. Da das Oberhaupt der Familie Marmorstein vor kurzem gestorben ist, vermute ich, daß einer der anderen, der noch nicht an der Reihe ist, sein Erbe antreten will. Vermutlich sind also nur Familienmitglieder gefährdet."
"Dann kann ich nur hoffen, daß zu der Stelle kein Familienanschluß gehört. Wie wirst du mit mir Kontakt aufnehmen?"
"Nachrichten an mich kannst du der Gemüsefrau geben. Frau Leeb bringt jeden Tag frisches Gemüse ins Haus."
"Gibst du ihr auch deine Nachrichten an Wache?"
"Nein, das wäre zu auffällig. Ich verstecke die Nachrichten im Müll."
"Soll ich den etwa jeden Tag durchsuchen?"
"Ja. Such nach braunen zerknüllten Blättern. Viel Spaß dabei!"
"Danke! Und wie lange wirst du für die Ermittlungen brauchen?"
"Maximal so lange, bis nur noch einer von der Familie übrig ist."
"Wie viele Mitglieder hat sie denn?"
"Ursprünglich waren es zehn."
"Dann sind jetzt also noch zwei mal vier übrig?"
"Hoffentlich. Falls es nicht schon zu weiteren Morden gekommen ist."
Als sie das große Haus der Familie von Marmorstein erreichten, verabschiedeten sich die beiden Wächter voneinander, und wünschten sich viel Erfolg.
Dann begann Tricia mit den Ermittlungen, und Pyronekdan ging zurück zur Wache. Als er an einem Laden vorbeikam, der kleine Glocken verkaufte, hatte er eine Idee.
Etwas später war er zurück am Pseudopolisplatz.
In der Eingangshalle der Wache war Frau Willichnicht immer noch im Gespräch mit Bitumen:

...
"Finden sie nicht auch, daß alles immer teurer wird?"
"Ja"
"Dagegen sollte man wirklich etwas unternehmen!"
"Ja"
"Mit einem Dollar kann man ja nicht einmal mehr einen Tag über die Runden kommen!"
"Ja"
"Ich habe heute allein einen halben Dollar für Fleisch bezahlt!"
"Ja"
"Und selbst bei Frau Leeb, der Gemüsefrau, zahle ich mehr als früher!"
"Ja"
...

Beim Kaffeedämonen traf Pyronekdan dann auf die Abteilungsleiterin.
"Es hat zwei weiter Morde bei den von Marmorsteins gegeben!", sagte sie. "Und das vor den Augen der Wache."
"Hier am Pseudopolisplatz?", fragte der Zauberer.
"Nein, in der Nähe des Boucherie Rouge. SUSI ist schon unterwegs, um die Spuren zu sichern."
"Wie sind sie getötet worden?"
"Beide Opfer wurden mit einem Messer von hinten erstochen. Wie bei den anderen Morden am Ende der Kurzen Straße und in der Fleischergasse."
"DONG DONG DONG DONG DONG DONG!"
"Was ist das denn schon wieder?", fragte Irina.
"Das ist nur Woakie", erklärte der Zauberer. "Ich habe ihm eine leisere Glocke gegeben."
"Hättest du sie ihm nicht ganz weg nehmen können? Was hat er denn diesmal zu vermelden? Ein Sonderangebot von Schnapper?"
"Besuchen sie Dietrich Schlüsselbart in der Straße schlauer Kunsthandwerker!", sagte Woakie statt dessen.
"Oh, ich habe noch etwas in der Stadt zu besorgen", fiel Irina daraufhin plötzlich ein, und versuchte so zu tun, als habe das nichts mit der Nachricht zu tun. "Schreib du doch bitte eine Nachricht über den Doppelmord für Tricia, und übergib sie der Gemüsefrau. Wenn du dich beeilst, bekommt sie sie noch heute."
Dann verließen beide die Wache.

...
"Und die Jugend von heute!"
"Ja"
"Die nimmt überhaupt keine Rücksicht mehr auf ältere Damen!"
"Ja"
"Auf dem Weg hierher wäre ich fast umgerannt worden!"
"Ja"
"Ich mußte ihn mit meinem Schirm aufhalten, damit er sich bei mir entschuldigt!"
"Ja"
"Und dann wagt er es auch noch mir zu sagen, ich wäre Schuld daran, daß er hingefallen sei!"
"Ja"
...

Hört sich an, als habe Bitumen seine Lebensaufgabe gefunden, dachte sich Pyronekdan auf dem Weg zu Frau Leeb.
"Hallo, Herr Zauberer! Was darf es denn heute sein?", begrüßte sie ihren Stammkunden.
"Guten Tag, Frau Leeb! Ich nehme drei Brötchen mit Wurst, und eins mit Käse", antwortete er, und suchte etwas Kleingeld heraus. "Wie ich höre, beliefern sie auch die von Marmorsteins."
"Ja, ich bin gerade auf dem Weg dort hin."
"Würden sie bitte diese Nachricht unauffällig mit ausliefern?", fragte er sie leise, und gab ihr einen Zettel und reichlich Trinkgeld.
"Natürlich", sagte sie lächelnd. "Haben sie sonst noch einen Wunsch?"
"Nein, aber an ihrer Stelle würde ich bei den von Marmorsteins heute keine neuen Witze erzählen."
Dann ging er ebenfalls zu dem Haus, um dort den Abfall zu durchsuchen.
Er ließ er sich allerdings die Brötchen schmecken.

Die Menge des Abfalls scheint ja mit der Menge des Geldes zu steigen, überlegte Pyronekdan, als der die großen Müllbehälter sah, die auf die Abholung der Firma König warteten. Vielleicht sollte er Rib mal einen Tip geben, wo er sich richtig satt essen konnte. Zwischen zahlreichen, teilweise übelriechenden Unrat fand er dann tatsächlich einen brauen zerknüllten Zettel, und faltete ihn auseinander:


Ich bin dem Täter auf der Spur.
Vom Haus aus werden Signale zum nächsten Nachrichtenturm geschickt. Vermutlich erfährt ein Komplize auf diese Weise, wo er die Opfer findet, ohne sie verfolgen zu müssen. Ich weiß aber noch nicht, wer sie sendet.

Tricia


Schnell machte er sich mit der Nachricht auf den Weg zurück zur Wache, und rannte dabei fast einen Bettler über den Haufen, der mißtrauisch sein Tun beobachtet hatte. Das wird Rina aber freuen dachte er sich dabei. Er kam allerdings wieder einmal zu spät: Der Mörder saß schon in einer Zelle, als er die Wache betrat.
"Glück muß man haben", meinte Irina zu dem Zauberer, und spielte dabei zufrieden mit ihrem neuen Satz Dietriche. "Ich habe ihn zufällig erwischt, als er vor einem Geschäft zuschlagen wollte."
"Hat das Opfer überlebt?"
"Ja, und FROG verhaftet gerade den Auftraggeber aus der Familie, und bringt Tricia zurück."
"Dann ist ihre Nachricht ja nicht mehr wichtig", meinte Pyronekdan, und warf den Zettel weg. "Schade, daß ich nichts zur Lösung des Falls beitragen konnte."
"Vielleicht das nächste mal. Und bringe mir ja diese Nutzlosen Teledämonen nicht mehr mit!"
"Eine Frage habe ich aber noch?", meinte der Zauberer.
"Welche denn?"
"Wer sagt Frau Willichnicht, daß Bitumen jetzt Feierabend hat?"

[1] was sie wörtlich meinte!

[2] siehe "Die Andere Seite"

[3] Da er Tricia schon lange vor der Wache in der Unsichtbaren Universität kennengelernt hatte, war sie für ihn mehr, als eine Vorgesetzte




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