Die toten Augen von Morpork

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von Obergefreite Kanndra (FROG)
Online seit 24. 05. 2003
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 Außerdem kommen vor: Humph MeckDwarfTricia McMillan

Eine Mordserie erschüttert Ankh-Morpork. Warum haben alle Opfer einen Zettel mit Blindenschriftzeichen bei sich? Und dann ist da noch Kanndras neue Nachbarin ...

Dafür vergebene Note: 12

Frei nach Edgar Wallace

1. Tag: Mit Musik geht alles besser


Stilles Wasser 7a, gegen 11 Uhr [1]
Das Zimmer sah wüst aus. Überall waren achtlos beiseite geworfene Kleidungsstücke verstreut. Auf dem kleinen, wackeligen Tisch, der zusammen mit dem einfachen Bett, dem Stuhl, dem Waschtisch mit Spiegel und dem Schrank die Einrichtung bildete, lag ein angefangener Brief:
Liebe Mama, ich bin froh, dass ich wieder in dieser Realität bin. Einige meiner Kollegen und ich wahren nämlich von einer bösen Voodoo-Priesterin verzaubert worden... [2]
Die junge Frau betrachtete sich kritisch im Spiegel, während durch das gekippte Fenster ein verführerischer Duft nach Pizza hereinzog. Der Frühling war langsam in Ankh-Morpork eingezogen, auch wenn die Abende häufig noch nebelig waren.
"Ich muss dringend etwas abnehmen. Aber wie soll das gehen, wenn es immer so lecker riecht", seufzte Kanndra. "Ich sollte Jovanni wegen Geruchsbelästigung und Verführung Hungriger verhaften", dachte sie im Scherz. Dann gähnte sie ausgiebig, denn ihre Beförderungsfeier im Eimer hatte doch etwas länger gedauert als geplant.
Plötzlich flog die Tür auf und hereinspaziert kam eine blonde Schönheit mit Beinen, die Kanndra bis ans Kinn zu reichen schienen. Sie war der Typ Frau, dessen Anblick Männergehirne in Schmelzkäse verwandelt, der sich anschließend auf den Weg in andere Körperregionen begibt. Der Blick in ihr Gesicht machte es auch nicht besser. Große, blaue Augen schauten die Wächterin über einer Stupsnase und einem Schmollmund offen an.
"Tag auch, ich bin deine neue Nachbarin. Wohne da drüben in dem Zimmer", sie zeigte mit dem Daumen über ihre Schulter, "heiße übrigens Tania."
Die überraschte Obergefreite raffte schnell ein Handtuch über ihre Blöße.
"Ähh.. ja...hallo. Kannst du nicht anklopfen?"
Die Blonde winkte ab.
"Mach dir nichts draus, habe ich alles schon mal gesehen. Wenn auch nicht in so einem süßen Schoko-Ton."
Amüsiert blickte sie sich im Zimmer um und hob mit spitzen Fingern eine von Kanndras Blusen in die Höhe.
"Schätze, wir beiden sollten mal zusammen schoppen gehen."
Während die Wächterin in ihre Uniform schlüpfte, da sie gleich zum Dienst musste, wühlte Tania sich ungeniert weiter durch die umherliegenden Sachen, nur unterbrochen von einem gelegentlichen : "Würdest Du das bitte liegen lassen?" von Kanndras Seite.
"Was ist das denn? Spielst Du noch mit Puppen?" Tania ließ eine Voodoo-Puppe an einem Arm herabbaumeln und schleuderte sie herum.
"Finger weg!" Die Voodoo-Priesterin hechtete auf die Puppe zu und riss sie aus Tanias Händen. "Ich will nicht, das du noch jemanden verletzt."[3]

Pseudopolisplatz, 11.30 Uhr
Humph MeckDwarf klopfte verärgert mit den Fingern auf den Türrahmen des gerichtmedizinischen Labors, als Jack Narrator gemütlich um die Ecke geschlendert kam.
"Wir waren vor zehn Minuten verabredet!"
"Es gibt eben auch noch andere Probleme, die meine Aufmerksamkeit fordern."
"Wie der Kaffeedämon, wie ich sehe", gab der RUM-Leiter säuerlich zurück.
Jack schloss wortlos das Labor auf, ging zu dem Metalltisch herüber und zog ein Laken von der sich darauf befindlichen Leiche.
"Also. Die Todesursache ist eindeutig der eingeschlagene Schädel, wie es zweifellos auch Ihnen aufgefallen sein dürfte, ...Ssir."
"Was soll denn der ironische Ton? Natürlich war mir das aufgefallen. Weiter, Gefreiter."
"Da nimmt dich anscheinend einer nicht ganz ernst" , kicherte Murphy.
Geräuschvoll schlürfte Jack von deinem Kaffee. "Wir konnten Steinreste in der Wunde feststellen. Sie stammen ebenfalls eindeutig von dem Dachziegel, der den Kerl hier getroffen hat."
"Waren noch andere Verletzungen feststellbar?"
"Nein, keine. Wolfshügel ist außerdem kerngesund, abgesehen davon, dass er tot ist."
"Also wieder kein Hinweis auf ein Fremdverschulden?"
Der Gerichtsmediziner in Ausbildung zuckte die Schultern. "Von unserer Seite nicht. Alles andere ist ihre Aufgabe."
"Danke vielmals, ich kenne meine Arbeit. Schließlich bin ich ein schon bisschen länger dabei als du."
In Gedanken versunken ging Humph zurück zu seinem Büro und nickte geistesabwesend Kanndra zu, die ihm auf dem Flur begegnete. Auf dem fraglichen Dach hatten sie ebenfalls keine Spuren gefunden, die darauf schließen ließen, dass jemand etwa den Ziegel geworfen hatte. Gut, ein Assassine war darauf trainiert, keine Spuren zu hinterlassen. Aber wo war dann die Quittung? Abgesehen davon, dass es eine sehr ineffektive Methode war, jemanden zu inhumieren. Es war einfach nicht deren Stil. Statt dessen sah wieder mal alles nach einem Unfall aus, alles bis auf diesen merkwürdigen Zettel. Wie bei den letzten beiden Todesfällen...

Traumirnichtüberdenweg 13, um die gleiche Zeit
"Herr Zlibowitz! Es freut mich, Sie einmal wieder in Ankh-Morpork begrüßen zu dürfen. Was ist denn Ihr Anliegen?" Der joviale Geschäftsmann mit den seriösen grauen Schläfen schüttelte dem ältlichen, kleinen Mann, der soeben sein Büro betreten hatte, die Hand.
"Wissen Sie, es geht um meine Lebens-fähr-sicher-ung, die ich bei Ihnen abgeschlossen habe. Ich möchte den Begünstigten ändern. Vor einem Monat habe ich erfahren, das ein ähem, kleiner Seitensprung nicht ohne Folgen geblieben ist. Kurz gesagt, ich bin Vater geworden." Die Augen des kleinen Mannes leuchteten vor Stolz.
"Und das Kind soll jetzt im Falle Ihres Ablebens, das hoffentlich noch auf sich warten lässt", der Fähr-Sicherer ließ ein kurzes, trockenes Bellen hören, das wohl ein Lachen darstellen sollte, "das Geld aus der Fähr-Sicher-ung erhalten?" Aus irgendeinem Grund schien ihm das zu missfallen.
"Sehr richtig, Herr Bündnis. Ich ähem, möchte ihr, es ist übrigens ein Mädchen, nichts vererben, weil meine Frau sonst davon erfahren würde. Und von der Fähr-Sicher-ung weiß sie nichts." Herr Zlibowitz wirkte etwas verlegen.
Wilhelm Bündnis fuhr mit seinen Händen fahrig über seinen penibel aufgeräumten Schreibtisch aus Hamanigo-Holz [4]. Sein Blick streifte durch das große, geschmackvoll eingerichtete Büro und blieb kurz am Fenster hängen, bevor er sich wieder seinem Besucher zuwandte. Er schien zu einem Entschluss gekommen zu sein.
"Ja, das wird allerdings ein wenig dauern. Die Formalitäten, sie wissen schon. Ich möchte Sie bitten, noch ein paar Tage in der Stadt zu bleiben. Sie haben doch hoffentlich eine angenehme Unterkunft?"
"Ja, danke. Ich wohne bei Frau Kosmopolit. Außerdem hatte ich sowieso vor, noch ein wenig
Urlaub zu machen."
"Gut. Sehr gut. Lassen Sie sich von meinem Sekretär einen Termin geben."

Pseudopolisplatz, 17.00 Uhr
Schnell ließ Kanndra die rosa Seiten des Romans "Spiel der Gefühle" von Barbara Kartenhand unter einer Akte und das feuchte Taschentuch in ihrem Ärmel verschwinden, als es an ihrer Bürotür klopfte. Araghast kam hereingeschlendert und ließ sich auf den zweiten Stuhl fallen.
"Hattest du auch so einen langweiligen Tag? Also die püschischen Probleme scheinen heute Ferien zu machen."
Die Späherin nickte und zeigte auf ein unfertiges Schriftstück.
"Bis auf den Bericht über die Fleuropes", schniefte sie.
"Sag mal, hast du geweint?", stirnrunzelnd musterte der Püschologe seine Kollegin.
"Nein. Mir ist nur etwas ins Auge geflogen, schon gut."
Bregs zuckte die Schultern und holte verschwörerisch ein Kästchen aus der Tasche.
"Meinst du, Leonata mag diese Sorte?"
Er hielt der Späherin eine Packung Pralinen unter die Nase. "Ich habe nachher noch eine Verabredung mit ihr."
Schroff wandte sich Kanndra wieder ihrer Arbeit zu.
"Tut mir leid, ich habe noch zu tun."
Erstaunt stand Araghast auf.
"Gut, dann sag allen Püschopathen, das ich Feierabend habe. Bis bald."

Irgendwo in Ankh-Morpork, 19.00 Uhr
Silikat grinste befriedigt. Die verschiedenen Glocken der Stadt hatten eben sieben mal geschlagen, es war also fast dunkel. Außerdem konnte er den Nebel spüren. Wie ein feuchter Schleier lag er auf seinem Gesicht. Die Sehenden waren im Nebel immer so hilflos, und die Dunkelheit tat ihr Übriges dazu. Sie verließen sich eben zu sehr auf ihre Augen.
Dieser machte ihm seine Aufgabe noch leichter. Quietschende Schuhe näherten sich zögernd von links. Dasselbe Quietschen, das er schon fast den ganzen Tag verfolgt hatte. Als es vor seinem Versteck angekommen war, griff er zu. Ein Versuch zu Schreien, der schnell von seiner tastenden Hand abgewürgt wurde. Er orientierte sich an den Pferdegeräuschen, fand die Tür der Kutsche und warf sein Opfer hinein. Der automatische Riegel, der von dem Kutscher bedient wurde, schnappte ein und die unauffällige, schalldicht gepolsterte Kutsche fuhr davon.
"Boss wird sehen, ob richtiger Mann. Ich mich schon freuen auf Konzert", dachte der blinde Troll.
Der Boss war der einzige Mensch, von dem Silikat sich etwas sagen ließ. Denn dieser versorgte ihn mit Platte, das beste Mittel, um seine rasenden Kopfschmerzen erträglich zu machen. Eine seit seiner Geburt vorhandene Deformation seines Siliziumgehirns war schuld an den Schmerzen und daran, dass er blind war. Seine Eltern waren schon recht alt gewesen, als Silikat auf die Welt kam und hatten sich bald in die Berge zurückgezogen, um endlich in Ruhe nachdenken zu können. Er blieb allein in Ankh-Morpork zurück und schlug sich seitdem auf den Strassen der Stadt durchs Leben. All das hatte wohl dazu geführt, dass der Troll ungefähr so ein liebenswürdiges Wesen hatte wie eine Bulldogge mit Zahnschmerzen.

Stilles Wasser 7a, um die gleiche Zeit
"Verdammt, sie hat ein Holzbein ", dachte Kanndra, "was findet er nur an einer Frau mit einem Holzbein? Und sie ist ja ach so schlau, beschäftigt sich mit Mathematik", machte sie ihrem Ärger über die neue Liebe Araghasts wahrscheinlich zum tausendsten Mal Luft.[5].
Großzügig übersah sie dabei, dass sie selbst sich in einen Mann verliebt hatte, der ebenfalls körperlich nicht ganz vollständig war.
"Mein Hintern ist zu dick. Das ist es. Warum hätte er mich sonst nach den Pralinen gefragt? Anscheinend glaubt er, dass ich mich damit auskenne." Unglücklich drehte sie sich, um einen Blick auf ihr angeblich so dickes Hinterteil zu erhaschen. "Ich muss unbedingt eine Diät machen."
Frustriert griff sie zu der Tafel Lancre-Schokolade und schmiss sich auf ihr Bett, wo sie begann, die Schokolade in sich hineinzustopfen.
"'Nabend Kanndra", ertönte es von der Tür her, "tut mir leid, wenn ich dir irgendwie auf den Schlips getreten bin."
"Mhmm."
Tania warf nur einen Blick auf die traurig vor sich hin kauende Späherin und nickte wissend.
"Liebeskummer? Nichts als Ärger mit den Kerlen, was? Es ist doch ein Kerl, oder?"
Die Wächterin nickte unglücklich.
"Schade."
Kanndra fragte sich, was sie damit meinte. Außerdem konnte sie sich nicht vorstellen, dass Tania schon viel Erfahrung mit Liebeskummer gemacht hatte. Wahrscheinlich war eher sie es, die reihenweise gebrochene Herzen zurückließ. Aber im Augenblick war sie dankbar für die Anteilnahme. Die blonde Frau nahm sie tröstend in den Arm.
"Ach komm, das wird schon wieder. Du brauchst nur das richtige Outfit und er kommt zu dir zurückgekrochen."
"Dafür besteht noch nicht mal die Chance von eins zu einer Million", dachte Kanndra. Was sie betraf, war Bregs nicht nur auf einem Auge blind.
Trotzdem wirkte die Aussicht tröstend. Sie setzte sich auf, wischte die Tränen aus den Augenwinkeln und warf die Schokolade auf den Tisch.
"Danke, jetzt geht es mir schon besser", lächelte Kanndra ihre Nachbarin an.
"Siehst du, von so ein bisschen Liebeskummer darf man sich den Tag nicht vermiesen lassen."
"Und was hast du noch so vor?"
Plötzlich wirkte Tania nicht mehr so selbstbewusst, sondern nervös und unsicher.
"Ich treffe morgen meinen Vater..."
Der Obergefreiten stand deutlich ein "Na und?" ins Gesicht geschrieben.
"Ich treffe ihn zum ersten Mal. Meine Mutter hat ihm damals nicht gesagt, dass sie schwanger ist. Er... ist verheiratet."
"Ob ihr Vater von ihr wusste?", fragte die Halbdämonin sich unwillkürlich. Eigentlich war es ihr egal. Sie wollte jedenfalls nichts von ihm wissen.
Tania drehte ein Stück Papier in den Händen. "Meinst du, er wird mich mögen? Und ob ich ihn wohl mag?"
"Da fragst du eindeutig die Falsche. Ich... kenne meinen Vater auch nicht." Mehr brauchte Tania ja nicht zu wissen, wenigstens solange sie sich noch nicht besser kannten.
"Er hat mir eine Ikonographie von sich geschickt. Ist er nicht gutaussehend?"
Kanndra schaute das Bild an und sah einen in jeder Hinsicht durchschnittlich aussehenden, ältlichen Mann, dessen auffälligstes Merkmal eine Narbe quer durch seine linke Augenbraue darstellte.
"Ja, sieht nett aus."

Heimlichweiter-Straße 24, etwas später
Die Einrichtung des Blindenheims in der Heimlichweiter-Straße war einfach und sparsam. Zu viele Möbel bedeuteten zu viele Hindernisse. Das einzige, was in dem Speisesaal als erstes ins Auge fiel, war die Orgel an der Stirnseite. Der Heimleiter, Ignatius Köder, war zudem auf Spenden angewiesen, die nicht sehr reichlich flossen. Er selbst war ein Priester, der die Arbeit "Om zuliebe" und unentgeltlich tat. Köder war ein großer, schlaksiger Mann, dessen blondes Haar schon grau zu werden begann. Auf seinem hageren, freundlichen Gesicht schien ein ständig amüsierter Ausdruck zu liegen.
Sie waren gerade beim Abendessen. Über dem Gemurmel der Blinden und dem Besteckgeklapper war das Geräusch nur schwach zu vernehmen, doch Ignatius glaubte, eine Kutsche gehört zu haben. Horchend hob er den Kopf, doch dann begann Amalie, die Köchin, lautstark das Geschirr einzusammeln. Achselzuckend verkündete er: "In ein paar Minuten werde ich zurücksein und dann wie jeden Abend zur Erbauung etwas auf der Orgel spielen."
Diese Konzerte waren das einzige Vergnügen, dass er sich gönnte.

Die Klänge der Orgel hallten durch das Haus. Sie würden jedes Geräusch ersticken, das aus dem Keller dringen mochte. Außerdem waren sie das Zeichen für Silikat, zu beginnen. Er hob den mit Ankhschlamm gefüllten Eimer so an, als wäre er ein Leichtgewicht. Für den auf einen Tisch gefesselten Zlibowitz sah es so aus, als wollte der Troll ihn damit erschlagen. Seine Augen weiteten sich und er setzte trotz des Knebels zu einem Schrei an. Doch Silikat ließ den Eimer nur dicht neben dem Kopf seines Opfers auf den Tisch plumpsen. Währenddessen fuhren die rauen Hände des Anderen ihm übers Gesicht und entfernten dann den Knebel. Zlibowitz schnappte nach Luft.
"Hilfe! Was wollen Sie von..."
Sein Protestschrei wurde von einer Ladung Ankhschlamm erstickt. Und die Orgel spielte...

"Er ist tot", in Alfons Stimme schwang Bedauern und Angst. Er hoffte nur, das Silikat nicht merkte, dass das Bedauern langsam die Angst besiegte. Der Troll hatte ihn schon bei den vorigen Morden gezwungen, ihm zu helfen. Und sollte ihm der Verdacht kommen, dass Alfons "die Blindschleiche" Schlängel nicht mehr mitspielen wollte, würde er nicht zögern, ihn ebenfalls zu beseitigen, trotz ihrer langen Bekanntschaft. Als ehemaliger Bettler hatte die Blindschleiche den jungen Troll auf der Straße kennen gelernt und unter seine Fittiche genommen. Trotz seines Wesen hatte er ihn in sein Herz geschlossen. Im Laufe der Zeit hatte Silikat ihn immer wieder in seine Verbrechen verwickelt, doch dann hatte Alfons sich zu Om bekehren lassen und war in das Heim gezogen. Dort dachte er, wäre er sicher vor seinem Schützling. Vor ein paar Wochen war der Troll jedoch plötzlich in dem Heim aufgetaucht und wie selbstverständlich fing alles von vorne an.
Mit Schaudern erinnerte der Blinde sich an das Geräusch, das der brechende Schädel dieses armen Mannes verursacht hatte. Und dann der Einbruch in die Pension, um den Ertränkten in der Badewanne unterzubringen oder der Stoß vor die heranrasende Kutsche... Aber das war noch nicht mal das Schlimmste. Schlängel könnte schwören, dass er die Toten hören konnte. Sie stellten mit gleichgültiger Stimme Fragen wie: "Und was passiert jetzt?" oder wie in diesem Fall "Umm maf mafföh fef?". Der ehemalige Bettler fragte sich, ob es das große Skelett mit der Sense wirklich gab. Und wenn ja, würde er es dann sehen können?
Heimlich steckte Alfons der Leiche schnell einen Zettel in die Westentasche, auf dem er vorher hastig einige Blindenschriftzeichen eingeprägt hatte. Mehr traute er sich nicht zu tun. Noch nicht.

2. Tag: Hauptsache gut fähr-sichert


Pseudopolisplatz, 12.30 Uhr
Nach einem erneuten Disput mit dem Kaffeedämonen ließ sich Kanndra auf den Stuhl im Aufenthaltsraum der Wache fallen und brütete vor sich hin.
Valdimier und Will Paßdochauf versuchten, ein Gespräch in Gang zu bringen, doch sie scheiterten an der schlechten Laune der Späherin. In letzter Zeit war die Obergefreite oft unglücklich und zog sich in ihr Schneckenhaus zurück. Genauer gesagt, seit Araghast sich verliebt hatte. In eine andere. Als Carisa zu der Gruppe stieß, wendete sich Valdimier deshalb erleichtert der Wasserspeierin zu.
"Hallo, Carisa! Wie geht's?"
Doch die RUM-Ermittlerin sah auch nicht gerade fröhlich aus. Mit Schwung knallte sie eine Akte auf den Tisch, so dass eine Ikonographie daraus hervorschoss. Kanndra hob sie vom Boden auf und sah sie sich an. Eine nicht sehr appetitliche, männliche Leiche, notdürftig vom Dreck gesäubert und bläulich angelaufen, war darauf abgebildet.
"Unser neuer Fall macht uns echt zu schaffen", Carisa deutete auf die Akte, "heute nacht haben wir schon die vierte Leiche im letzten Monat gefunden. Immer sah es aus wie ein Unfall, doch alle Opfer hatten einen mysteriösen Zettel bei sich."
"Was steht denn auf den Zetteln?", die Kommunikations-Expertin pustete in ihr Essen.
"Nichts. Das ist es ja. Nun ja, nichts, das man lesen kann. Es sind nur Vertiefungen eingedrückt. DOG behauptet, es handele sich um eine Geheimschrift der blinden Bettler. Thymian hat schließlich ermittelt, das es nur ein Wort ist und MORD bedeutet."
"Diese Leiche sieht aber sehr dreckig aus. Im Ankh erstickt?", Kanndra legte die Stirn in Falten. Irgendwie kam ihr der Mann bekannt vor. Deutlich stach die Narbe in seiner Augenbraue weiß aus dem Dreck hervor.
"Ja, wir hatten Glück, dass wir ihn überhaupt gefunden haben. Die Leiche war nur halb eingesunken. Andererseits, wenn es wie ein Unfall wirken sollte, wollte der Täter vielleicht auch, dass wir sie finden."
"Ist dir nicht gut, Kanndra?", fragte Val nach einem Blick auf die Späherin.
"Doch, doch. Wisst ihr schon, wie der Mann heißt?"
"Nein, er ist noch nicht identifiziert. Er war wohl nicht aus der Stadt."
"Kann ich mir die Ikonographie einmal ausleihen, Carisa?"
"Ich weiß nicht, wenn Humph das merkt..."
"Ich gebe sie dir morgen wieder, versprochen."
"Was willst du denn damit?", wunderte sich Will.
Kanndra kaute auf ihrer Lippe. "Was? Achso, ich muss da was abklären. Könnte eventuell wichtig sein für euren Fall."
"Na gut. Aber pass darauf auf. Ich muss weiter, man sieht sich", die Wasserspeierin sah sich vorsichtshalber um, ob ihr Abteilungsleiter in der Nähe war und verschwand dann durch das Fenster.
"Sie hat recht, Mittagspause beendet. Auf mich wartet noch jede Menge Arbeit. Und ich muss Schusi noch füttern", verabschiedete sich der Vampir ebenfalls.

Stilles Wasser 7a, zwanzig Minuten später
Es war das erste Mal, dass sie die schlechte Nachricht überbringen musste. Aber vielleicht hatte sie sich auch geirrt. Vor der Tür ihrer Nachbarin angekommen, nahm Kanndra ihren Mut zusammen und klopfte mit pochendem Herzen zaghaft an.
"Herein", schallte es von innen und die Obergefreite öffnete die Tür und trat ein.
Was sie sah, überraschte sie. Von der verblichenen Tapete abgesehen, die auch ihr eigenes Zimmer zierte, war die Einrichtung eine Orgie in Lila. Lila Vorhänge, lila Kissen, lila Bettwäsche, ein lila Sofa und sogar lila Spitze um die Kante des Nachttischchens. Irgendwie hatte sie Tania anders eingeschätzt.
"Hast du deinen Vater getroffen?", fühlte Kanndra vorsichtig vor.
"Nein", Tania ließ die Schultern hängen und nestelte an einem Taschentuch. Jetzt sah die Obergefreite auch, dass sie geweint hatte. "Er ist nicht gekommen. Wahrscheinlich hat er doch kein Interesse an mir. Das mit der Lebens-fähr-Sicher-ung stimmt bestimmt auch nicht."
Die Halbdämonin atmete tief durch.
"Dann habe ich vielleicht eine schlechte Nachricht für dich." Sie zog die Ikonographie aus der Tasche und reichte sie Tania, "tut mir leid, das wird jetzt kein schöner Anblick. Könnte das dein Vater sein?"
Tania wischte sich über die Augen, schniefte noch einmal und sah sich dann die Ikonographie an. Nach einem kurzen Blick holte sie ihre heraus und hielt beide vergleichend nebeneinander.
"Ja, sieht so aus, als wäre er es. Sicher kann ich mir natürlich nicht sein. Ich kenne ihn im Grunde ja auch nicht besser als du."
Kanndra nickte und bewunderte im Stillen Tanias Haltung.
"Besser wir gehen zur Wache und informieren meine Kollegen. Was hast du eigentlich eben mit der Fähr-Sicher-ung gemeint?"
"Mein Vater hat mir geschrieben, dass er seine Lebens-fähr-sicher-ung auf mich überschreiben wollte. Aber das Geld ist mir nicht wichtig", antwortete Tania verlegen.

Pseudopolisplatz, 13.30 Uhr
Humph blätterte durch die Akte und nickte.
"Ja, alle drei Opfer waren kurz vor ihrem Tod bei Bündnis-Fähr-sicher-ungen. Einer hatte den Termin in seinem Disorganizer festgehalten. Über die anderen beiden hat uns der Sekretär
Auskunft erteilt. Alle drei stammten nicht aus Ankh-Morpork, sondern waren Besucher der Stadt. Das sind aber auch schon die einzigen Gemeinsamkeiten." Er runzelte die Stirn und ließ seinen Blick über ein weiteres Blatt schweifen.
"Hier ist die Aussage von Wilhelm Bündnis. Mhmm, gibt nicht viel her. Nur das Übliche. Behauptet, es wäre eben eine beliebte Fähr-sicher-ung und alles nur Zufall. Ah, das ist interessant."
"Was denn?", fragte Kanndra, die Tania zur Wache gebracht hatte, damit sie ihre Aussage machte und jetzt im Büro des RUM-Abteilungsleiters saß. Tania hatte darum gebeten, die Leiche sehen zu dürfen und war auf dem Weg zu SUSI.
"Er hat sich standhaft geweigert, die Begünstigten der Fähr-sicher-ungen zu nennen. Mir ist das ein wenig zuviel Zufall", er überlegte kurz. "Ich könnte eine Späherin gebrauchen."
"Wofür, Sir?"
"Ich will, das du die Unterlagen über diese Fähr-sicher-ungen beschaffst. Keine Sorge, ich regle das schon mit Veni."

Traumirnichtüberdenweg 13, 14.00 Uhr
Tania blickte an der schmalen Fassade des Gebäudes hoch und schüttelte ihre blonde Mähne.
"Diese Kanndra ist ja ganz nett, aber ich verlasse mich eben nicht gerne auf andere", dachte sie. Sie würde schon rausfinden, wer ihren Vater umgebracht hatte und irgendwo musste sie ja anfangen. Entschlossen schritt sie die wenigen Stufen bis zum Fähr-sicher-ungsbüro hinauf und öffnete die Tür.
"Ja, bitte?" Ein kleiner, drahtiger Mann mit einem Karpfengesicht blickte sie kurzsichtig an. Auf dem Schild auf seinem Tisch stand "Karl Blinkski". Seine Brille rutschte von seiner Stirn zurück auf die Nase und sein Gesichtsausdruck änderte sich in dümmlich.
"K-kann ich Ihnen helfen?", stotterte er.
Tania setzte ihr süßestes Lächeln auf und fragte in naiv-hilflosen Tonfall: "Bitte, Herr Direktor, wann bekomme ich mein Geld?"
"I-ich bin nicht..."
"Mein Vater hat gesagt, wenn er einmal tot ist, dann geben Sie mir Geld. Und jetzt ist er gestorben."
"Mein Beileid. Wie hieß denn Ihr Vater?"
"Zlibowitz. Siegmar Zlibowitz", schniefte sie.
"Oh, ich fürchte, dann bekommen sie kein Geld."
"Aber Sie haben noch nicht einmal in eine ihrer Akten geschaut." Tania zog einen Schmollmund.
Hastig griff der Sekretär ins Regal und holte eine Akte heraus, die er aufschlug.
"Wie ist denn Ihr Name?"
"Tania Reinemach. Meine Freunde nennen mich Tania", die Blondine warf Karl einen perfekten Augenaufschlag zu.
"Tat-tatsächlich?" Es war ihm deutlich anzusehen, dass er gern dazu gehören würde. Er räusperte sich, "nein, dann sind Sie nicht der Begünstigte, tut mir leid."
"Was? Und wer bekommt sonst die Fähr-sicher-ungssumme meines lieben Vaters?", hilfesuchend klammerte Tania sich an den Arm des Sekretärs und presste ihre Brüste an seinen Arm. Karl wischte sich mit einem Taschentuch den Schweiß von der Stirn.
"D-das darf ich Ihnen nicht sagen."
"Ach bitte", gurrte sie. Sie hatte die Eintragung in der Akte längst gelesen, aber es machte ihr Spaß und sie wollte sehen, wie weit sie den Sekretär bringen konnte.
Der wirkte plötzlich sehr erregt. "Eigentlich dürfte ich Ihnen gar nichts erzählen, aber was da alles abläuft...", wisperte er ihr zu.

Nebenan starrte Wilhelm Bündnis einen Umschlag an. Er wusste, was er enthielt, weil er schon mehrere dieser Umschläge bekommen hatte. Warum also sollte es ihm schwer fallen, ihn zu öffnen?
"Weil ich langsam etwas dagegen unternehmen muss", beantwortete er sich die Frage selbst. Er tat das alles wirklich nicht gerne, aber was sein musste, musste sein. Der Fähr-sicherer wischte sich die Hände an seiner Hose ab und leckte sich über die Lippen. Dann öffnete er den Umschlag.
Es war das, was er erwartet hatte. In genau denselben, aus der Times ausgeschnittenen Worten wie vorher.
Ich weiß über deinen Bruder Bescheid und kenne eure schmutzigen Geschäfte. 1000 Dollar oder die Wache erfährt alles! Übergabe wie immer!

Wilhelm seufzte. Er hasste es, dazu gezwungen zu sein. Aber dieser dämliche Sekretär hatte es nicht anders gewollt. Für Karl Blinkski konnte er nur Verachtung empfinden. Wie er hinter diese Sache kommen konnte, war ihm ein Rätsel. Und die Wache schnüffelte auch schon herum, dabei hatten sein Bruder und er es für ein wasserdichtes Geschäft gehalten. Wilhelm war dafür zuständig, die geeigneten Opfer auszusuchen und sie zu dem "richtigen" Begünstigten zu überreden. Sein Bruder übernahm es mit seinen Helfern den Herrschaften zum geeigneten Zeitpunkt zu einem Unfall zu verhelfen. Anschließend brauchte er nur noch das Geld auszahlen, was sein Bruder dann an die Seite schaffte. Der Fähr-sicherer hatte sich schon lange in seinem Job gelangweilt und war der Vorstellung von Reichtum und einem unbeschwerten Leben nicht abgeneigt gewesen. Und so war er auf die Idee gekommen, etwas mehr aus seinem Laden herauszuholen, als sein Bruder aus dem Gefängnis in Quirm zurückkam. Doch jetzt sah es so aus, als würde der Boden langsam zu heiß. Sie mussten baldmöglichst die Stadt verlassen. Vorher hatte er allerdings noch etwas zu erledigen...
Karl war so beschränkt, dass er sich sogar erst er die Mühe machte, einen anonymen Erpresserbrief zu schreiben, um dann das Geld persönlich im Fähr-sicher-ungsbüro abzuholen!
"Diesmal wird er es zum letzten Mal tun. Ich habe mir schon viel zu lange von ihm auf der Nase herumtanzen lassen."

In den Schatten, 23.20 Uhr

Die Klinge fing das Licht eines über den Himmel zuckenden Blitzes ein, als Golf Grimmersohn seine Axt in einem weiten Bogen gegen die Knie des Trolls schwingen ließ. Kleine Steinsplitter flogen aus der Wunde und verfingen sich in seinem Bart. Der Troll brüllte und versuchte Thor Hammerfaust abzuschütteln, der ihm um den Hals hing. Silikat wehrte sich verzweifelt, doch die Zwerge kämpften nicht nur mit Gold in ihren Taschen, sondern auch mit der aus jahrhundertealter Feindschaft gewachsenen Wut in ihren Herzen. Der fremde Mensch, der ihnen auch das Gold gegeben hatte, hatte es verstanden, diese Wut neu zu entfachen und zu schüren. Außerdem waren sie mit sieben zu eins deutlich in der Überzahl [6].
Als der Donner durch die Gasse grollte, verschwand ein dunkler Schatten um eine Ecke.

Traumirnichtüberdenweg 13, 23.30 Uhr
Die Tür gab ein dumpfes Klicken von sich, als sie zurück ins Schloß fiel. Ein paar Sekunden lang lauschte die Späherin in die Dunkelheit, hörte aber nichts als das Pochen ihres Herzens und ihren Atem. Das Fähr-sicher-ungsbüro lag in der ersten Etage, also schlich sie die Holztreppe hinauf, dicht an die Wand gedrückt und ausgetretene Stellen vermeidend. Vor ihr lag jetzt ein dunkler Flur mit einem Steinfussboden in buntem Muster. Rechter Hand war eine Tür, neben der ein Messing-Schild den Sitz der Bündnis-Fähr-sicher-ung anzeigte. Kurz schoss Kanndra der Werbespruch durch den Kopf, der regelmäßig in der Times erschien: "Ein gutes Bündnis - solange Sie leben." Sie spähte in den Flur, der verlassen dalag und schlich sich dann zu der Tür.
"Hmm, Riegelfeins extra Spezial-Schloß", murmelte sie vor sich hin, und zog ein bestimmtes Werkzeug aus der Tasche, die sie in einem bestimmten Laden erstanden hatte. Nach wenigen Augenblicken ließ sich die Tür öffnen und die Obergefreite schlüpfte in das Büro. Ein kleines Fenster spendete etwas Licht, so das sie einen spärlich eingerichteten Raum erkennen konnte, der von einem Schreibtisch beherrscht wurde. Gelegentlich erhellte ein Blitz des draußen vorbeiziehenden Gewitters das Büro. Entlang der Wand zogen sich Regale mit Akten.
"Da haben wir ja schon, was wir suchen", dachte Kanndra und begann, die Regale systematisch zu durchkämmen.
Zum Glück waren die Akten alphabetisch sortiert, mit geradezu penibler Genauigkeit. Nicht eine einzige Akte stand falsch.
Ahrens, das war der Kohlhändler aus Pseudopolis, der von einer Kutsche überfahren wurde. Bur-sche, der in der Badewanne seiner Pension ertrunkene Achatener. Wolfshügel aus Überwald, von einem Dachziegel erschlagen.
"Und Zlibowitz, Tanias Vater."
Schnell überflog die Späherin die Akten und steckte sie dann unter ihre Uniform.
"Du kannst ruhig reinkommen", hörte sie plötzlich eine Stimme aus dem Nebenraum.
Schnell drückte sich die Wächterin in einen Schatten und unterdrückte den ersten Impuls wegzulaufen. Donner grollte.
"Komm und hol dir dein Geld. Das willst du doch, oder?"
Jetzt war Kanndras Neugier geweckt. Lautlos öffnete sie die Tür, schlüpfte hindurch und suchte hinter einer riesigen Zimmerpflanze Deckung. Dann musterte sie das geschmackvoll eingerichtete Büro, so gut das in dem diffusen Licht möglich war. Es war leer, bis auf einen dunklen Haufen, der vor dem Schreibtisch lag, wie sie beim nächsten Blitz erkannte.
"Du hast gedacht, du kommst damit durch?"
Alle ihre Instinkte schrieen nach Flucht, doch wieder siegte die Neugier. Mit ihrer kleinen Armbrust im Anschlag schlich sie zum Schreibtisch. Der dunkle Haufen stellte sich als Leiche heraus. Ein Bolzen steckte dem toten Mann direkt im Herz und es hatte sich bereits eine Blutlache gebildet. Der Körper strahlte jedoch noch Wärme aus.
"Ich lasse mich nicht erpressen, schon gar nicht von dir!", krähte es durch den Raum und ein Klicken folgte.
Die Obergefreite sah von der Untersuchung der Leiche hoch - direkt in eine Pistolenarmbrust. Sie war auf einem Gestänge befestigt und eine Schnur führte vom Abzug in die darunter liegende Kommode. Kanndra riss die Tür auf und zielte mit ihrer Waffe auf einen Diktierdämon, der sie böse anfunkelte.
"Du kannst ruhig reinkommen", keifte er.
Die Wächterin starrte ihn erstaunt an, öffnete den Mund um etwas zu sagen und sackte in sich zusammen.
"Komm und hol dir dein Geld. Das willst du doch, oder?" Der Dämon streckte der bewusstlosen Wächterin die Zunge raus.

3. Tag: Tot oder lebendig


Pseudopolisplatz, 5.30 Uhr
Gesucht: tot oder lebendig prangte als Überschrift auf dem Fahndungsplakat, das eine Beschreibung des blinden Trolls enthielt, auf den RUM in letzter Zeit mehrere Hinweise in Zusammenhang mit den Mordfällen erhalten hatte.
Skeptisch blickte der RUM-Abteilungsleiter seine Ermittlerin an. "Tot nützt er uns wohl kaum etwas."
"Entschuldigung, Sir. Ich hatte einfach das Gefühl, dass es die richtige Formulierung wäre", antwortete Carisa verlegen.
"Streich das und dann lass genug davon machen, um sie in der ganzen Stadt zu verteilen. Ich habe bereits Beschreibungen an alle Abteilungen geschickt. Wäre doch gelacht, wenn wir ihn nicht finden."
"Tot oder lebendig", bestätigte die Wasserspeierin.
"Er ist ein Troll. Trolle sind schwer zu töten...", Humph schenkte ihr noch einen tadelnden Blick.
"Wie Sie meinen, Sir." Schulterzuckend bewegte Carisa ihre Steinmasse auf das Fenster zu, durch das die Morgendämmerung hereinsickerte. Noch hatte das Licht den Kampf mit der magischen Atmosphäre nicht gewonnen. In diesem Augenblick klopfte es an die Bürotür.
"Herein!"
Die Tür ging auf und eine Obergefreite trat ein, die augenscheinlich eine Unterhose auf dem Kopf trug.
"Kanndra? Was hat denn dieser Aufzug zu bedeuten?"
"Das ist ein Kopfverband, Sir. Jemand hat mich von hinten niedergeschlagen, als ich bei der Fähr-sicher-ung war."
Die beiden RUM-Wächter schauten sich verwundert an.
"Ähh, war es ein harter Schlag?", vielsagend blickte Humph auf die Unterhose.
"Er tat zumindest weh... oh. Ich hatte nichts anderes, um die Hühneraugenkompresse zu fixieren", erklärte Kanndra.
"Ich dachte, die trägt man an den Füßen"; murmelte Carisa. Aber natürlich kannte sie sich damit ja nicht so aus.
"Nein, nein. Die Kompresse ist nicht gegen Hühneraugen, sondern aus den Augen von Hühnern. Sehr wirksam bei Beulen."
"Was ist denn genau passiert? Hast du die Unterlagen?", beendete der Oberleutnant die medizinische Diskussion.
"Ja, hier sind sie", Kanndra zog ein paar dünne Akten hervor und reichte sie MeckDwarf. "Zuerst klappte alles wie am Schnürchen, doch dann hörte ich plötzlich eine Stimme aus dem Nebenraum..."

"...und als ich wieder aufwachte, waren die Leiche, der Dämon und die Armbrust fort. Ich habe trotzdem gleich SUSI informiert", beendete die Obergefreite ihre Schilderung. Das Dumme war natürlich, dass sie Bündnis ohne Leiche keinen Mord nachweisen konnten.
"Gute Arbeit, aber sei das nächste Mal ein wenig vorsichtiger. Und jetzt zeig mir mal diese Beule. Igitt, das Zeug stinkt ja vielleicht."
Als die beiden Wächterinnen kurze Zeit später entlassen waren, widmete Humph sich dem Studium der Akten und pfiff kurz darauf durch die Zähne. Alle vier Opfer hatten im Falle ihres Ablebens das Blindenheim in der Heimlichweiter-Straße begünstigt!
"Wenn das ein Zufall ist, heiße ich Egon" , dachte er.
"Abgemacht."
"Halt die Klappe, Murphy."

Aber wer in diesem Blindenheim hatte die Finger im Spiel? Sein Gedankengang wurde unterbrochen, als Atera das Büro betrat.
"Ich wollte dir nur sagen, dass wir da ein paar interessante Steine in den Schatten zusammengefegt haben."
"Steine zusammengefegt? Beschäftigt sich SEALS jetzt schon mit Straßenreinigung?", spöttisch hob Humph eine Augenbraue.
"Wirklich sehr witzig. Aber es ist ja nicht mein Mordverdächtiger, der es vorgezogen hat, in tausend Stücke zerlegt zu werden", gab Atera gelassen zurück.
"Du meinst, was ihr da eingesammelt habt, das war dieser blinde Troll? Woher wollt ihr das wissen?"
"Der Kopf war noch erkennbar. SUSI nimmt sich gerade der... Bruchstücke an."
"Das muss ich mir ansehen."

Pseudopolisplatz, 9.15 Uhr
"Hier treibst du dich also rum. Hätte ich mir ja denken können. Warte schon die ganze Nacht auf dich", polterte Tania in Kanndras Büro, gerade als diese mit ihrem Bericht fertig war und mit frisch gewaschenen Haaren nach Hause gehen wollte.
"Muss dir unbedingt etwas erzählen. War nämlich gestern bei dieser Fähr-sicher-ung und..."
"Du warst was? Also die Ermittlungen solltest du schon der Wache überlassen." Die Späherin strich sich eine widerspenstige Locke aus der Stirn. Nach dem Waschen kräuselten sie sich wieder in alle Richtungen.
Tania winkte ab. "War ne Kleinigkeit. Ein bisschen Hüftwackeln und Augengeklapper und schon erzählt mir der Sekretär dort, dass sein Chef dreckige Geschäfte macht. Er hat sogar zugegeben, dass er diesen Bündnis deswegen erpresst. Zum Schluss wollte er sogar mit mir auswandern. Männer!" Sie verzog geringschätzig das Gesicht.
"Ach deshalb wurde er vermutlich umgebracht. Wenn er die Leiche war, die ich gesehen habe. Und in diese dreckigen Geschäfte ist vermutlich das Blindenheim verstrickt, richtig?"
"He, woher weißt du das?"
"Wir waren auch nicht ganz untätig. Allerdings mit anderen Methoden", grinste Kanndra.
"Dann wisst ihr wohl auch schon, dass der Bruder von Wilhelm Bündnis ein Krimineller ist, der sich in dem Blindenheim eingenistet hat und das ganze Geld für sich abzweigt, oder?", schmollte die Blondine.
"Nein, nicht das ich wüsste. Aber ich kenne auch nicht alle Fakten in dem Fall. Konnte dir der zuvorkommende Sekretär auch sagen, wer dieser kriminelle Bruder ist?"
"Das wusste er leider auch nicht", seufzte Tania, "aber ich habe da schon einen Plan um das herauszufinden. Brauche dabei allerdings deine Hilfe..."
Nachdem Tania ihrer Nachbarin ihre Idee erläutert hatte, lehnte sie sich zufrieden zurück.
"Habe die ganze Nacht dran getüftelt und bin jetzt richtig stolz auf mich."
Kanndra schüttelte den Kopf. "Ziemlich riskant. Das können wir nicht zu zweit durchziehen, da brauchen wir mindestens ein paar FROGs im Hintergrund."

Doch die beiden Abteilungsleiter waren auch nicht gerade begeistert von der Idee.
"Ich werde Tricia auf das Heim ansetzen. Wir werden sehen, was sie herausfindet und dann können wir uns vielleicht noch mal darüber unterhalten", brummte Humph. "Und vorher wird nichts unternommen, ist das klar?"
"Klar, Chef", schmollte Tania und zwinkerte Kanndra dann schelmisch zu.
"Kommst du mit auf einen Kaffee in die Kantine, Tania? Den habe ich jetzt wirklich nötig."
"Ist gut."

Heimlichweiter-Straße 24, 10.20 Uhr
Tricia McMillan, die Vertreterin der Köchin des Blindenheims [7] öffnete vorsichtig die Tür zu dem kleinen Büro des Leiters. Als sie sah, das die Luft rein war, schlüpfte sie hinein und blickte sich um. Hier irgendwo mussten sich auch die Haushaltsbücher des Heims befinden. An der Wand stand ein kleiner, abschließbarer Schrank. Der Leutnant probierte die Schlüssel, die sie von der Köchin bekommen hatte und seufzte erleichtert auf, als einer passte. Zu den Pflichten Amalies gehörte es auch, die Bücher zu führen, deshalb war es eigentlich nicht überraschend. Aber Tricia hätte ungern die Tür aufgebrochen. Zwei große, in Leder gebundene Folianten lagen in dem Schrank. Die Wächterin begann sie Seite für Seite durchzusehen, ob die stattlichen Fähr-sicher-ungssummen auftauchten. Wie erwartet, waren sie nirgends eingetragen. Gerade war sie auf der letzten Seite angekommen, als sie die Stimme des Priesters von der Tür vernahm.
"Um die Bücher brauchen Sie sich wirklich nicht kümmern. Sie haben doch gerade erst angefangen. Heben Sie nur die Rechnungen auf, alles andere macht Amalie dann schon."
Ehe Tricia antworten konnte, klingelte es an der Tür.
"Ich gehe schon. Und Sie legen die Bücher zurück.", Langsam tastete der Priester sich an der Wand entlang in Richtung Haustür.

Pseudopolisplatz, 9.50 Uhr
Da ging man nur mal eben zur Toilette und dann das! Kanndra konnte es nicht fassen. Statt endlich ins Bett gehen zu können, lief dieser Tag langsam auf weitere Arbeit hinaus. Sie starrte auf den Zettel, den Tania ihr hinterlassen hatte.
Wusste, ich kann mich nicht auf die Wache verlassen. Nehme das Ganze jetzt selbst in die Hand. Wird schon schief gehen. Tania


Heimlichweiter-Straße 24, 10.21 Uhr
Der Mann mit dem amüsierten Gesichtsausdruck, der ihr die Tür geöffnet hatte, schaute mit blinden Augen an Tania vorbei.
"Womit kann ich dir helfen?"
"Bin gekommen, weil du meinen Vater umgebracht hast. Du wolltest das Geld aus seiner Fähr-sicher-ung haben, das er eigentlich mir überschreiben wollte und deshalb musste er sterben, bevor ich ihn überhaupt kennen gelernt habe!" Vor Trauer, Wut und Frustration fing sie an zu weinen.
Der Priester wirkte geschockt.
"Ich weiß nicht, wie du auf eine solche Idee gekommen bist. Ich weiß noch nicht einmal, wovon du redest!"
"Ach gib es schon zu. Wahrscheinlich bist du nicht einmal blind. Das kann man auch vortäuschen, habe ich mal in einem Klicker gesehen."
"Anscheinend hast du zuviel von diesen schädlichen Klickern geschaut. Guten Tag!"
Mit einem Knall flog die Tür zu.

Von dem Korridor aus bekam Tricia die Szene an der Tür mit.
"Entweder ist er ein verdammt guter Schauspieler oder er hat wirklich nichts damit zu tun", überlegte die Verdeckte Ermittlerin, "aber wenn der Mörder das gehört hat, ist die junge Frau in Gefahr."
Ignatius Köder drehte sich um und lief fast in die Wächterin hinein.
"Stell dir vor, eben war eine junge Frau an der Tür, die mir ganz unglaubliche Vorwürfe gemacht hat. Behauptete, ich wäre gar nicht blind und hätte ihren Vater ermordet."
Sein sonst so amüsiertes Grinsen war verschwunden und hatte Trauer und Schock Platz gemacht.
"Ist ja unglaublich", brachte Tricia hervor, "was hat sie sich nur dabei gedacht?"
"Einige dieser jungen Leute heutzutage sind..."
Die Antwort des Priesters wurde durch einen gellenden Schrei unterbrochen, der durch das Haus hallte.

Da stand sie nun und war mit ihrem Latatianisch am Ende.
"Der Plan scheint nicht aufzugehen. War wahrscheinlich doch nicht so brilliant" , dachte Tania und wandte sich zum Gehen. Als sie sich umdrehte, sah sie die Spitze eines Schwertes direkt auf sich gerichtet.
"Du willst uns doch nicht schon wieder verlassen", flüsterte eine raue Männerstimme. Tania hob den Kopf und sah dem Mann in das Gesicht. Jetzt war die Zeit gekommen, um das in ihrer Urschreitherapie Erlernte anzuwenden. Sie stieß einen markerschütternden Schrei aus. Der Mann fluchte und packte sie am Arm. Gegen ihren heftigen Widerstand versuchte er sie zum Schuppen zu ziehen, in dem eine Kutsche stand, wie sie durch die halboffenen Tore sehen konnte. Aus dem Haus kamen der blinde Priester, einige andere Blinde und eine Frau in einer Schürze.
"Was ist los? Wer hat geschrieen?", fragte der einer der Blinden.
Doch die Frau antwortete nicht, sondern holte unter ihrer Schürze eine kleine Armbrust hervor.

Tricia lief mit den anderen auf den Hof, der vor dem Heim lag. Der Kutscher Eduard hatte die blonde, junge Frau umklammert. Sie griff nach ihrer Armbrust.
"Ihr geht am besten wieder ins Haus es gibt hier nichts zu se... ich meine, ihr stört nur", wandte sie sich an die Blinden. "Stadtwache Ankh-Morpork! Lass sofort das Mädchen los!", rief sie dann dem Geiselnehmer zu.
"Ha! Nur weil du mit einer Mini-Armbrust wedelst soll ich gleich aufgeben? Keine Chance, Wächterin."
Er drehte der jungen Frau den Arm auf den Rücken, setzte ihr das Schwert an die Kehle und hielt sie wie einen Schild vor sich, während er langsam zum Schuppen zurück wich.
"Was tust du jetzt? Willst du vielleicht die Kleine hier treffen? Nein, das tun Wächter nicht, richtig? Sie gefährden keine Geiseln", ein gemeines Grinsen machte sich auf dem Gesicht des Mannes breit.
"Und was hast du vor? Die Pferde sind nicht angeschirrt, du kommst hier nicht weg. Also kannst du auch stehen bleiben."
"Das lass mal meine Sorge sein", brüllte der Mann. Seinem finsteren Gesicht war jedoch anzusehen, dass er daran nicht gedacht hatte.
"Hör zu, wir können darüber reden. Das hier macht doch alles nur noch schlimmer."
"Zeit gewinnen" , dachte Tricia, "den Täter zum Reden bringen" und wünschte sich einen der Wache-Püschologen herbei.
Unterdessen hatte irgendjemand bereits Knallkörner besorgt und die Blinden hatten es sich auf der Treppe vor der Haustür gemütlich gemacht. Gelegentlich hörte man Sätze wie: "Was hat sie gesagt?", "Lauter, man versteht nichts!" und "Jetzt habe ich schon wieder deine Knallkörner im Haar!" Nur einer fehlte: Alfons, die Blindschleiche. Dieser zupfte gerade Tricia am Ärmel.
"Er war es", schrie er aufgeregt. "Er wollte, dass Silikat sie alle umbringt. Ich habe ihm nämlich geholfen."
"Auch das noch, als hätte ich nicht schon genug zu tun" , dachte Tricia.
"Das klären wir später, in Ordnung?", wisperte sie zurück, ohne den Geiselnehmer aus den Augen zu lassen. Wenigstens war dieser stehen geblieben.
"Meinst du, du kannst dich freikaufen, Alfons? Willst wohl ein Kronzeuge werden, du elender Feigling."
"Ein Kronkorken? Was will er denn mit einem Kronkorken?", schall es von der Tribüne.
Tricia erstarrte, als sie auf einmal eine Stimme hinter sich vernahm.
"Jetzt lassen wir mal schön die Armbrust fallen", sagte diese Stimme. Ihre Nackenhaare stellten sich auf, als etwas Spitzes sie im Nacken kitzelte.

"Mist, wo kommt der denn her", flüsterte Humph MeckDwarf in seinem Versteck. Der Fähr-sicherer war vom Erdboden verschluckt gewesen, als sie ihn verhaften wollten und jetzt tauchte er natürlich im unpassendsten Augenblick wieder auf. Es sah so aus, als wären sie gerade noch mal rechtzeitig gekommen. Bei ihrer Ankunft hatte Kanndra die Lage sondiert und der RUM-Chef hatte daraufhin entschieden, das die FROG-Truppe den Hof umstellen sollte. Eben wollte er das Signal zum Losschlagen geben, als die Stimmen im Hof lauter wurden.

"Du lässt aber auf dich warten, Wilhelm. Ich dachte schon, du lässt mich im Stich. Wir wollten abhauen, erinnerst du dich?", fauchte der Kutscher, während Tricia langsam ihre Armbrust auf den Boden legte und die Hände hob.
"Ich lass dich doch nicht hängen, Bruderherz. Wissen die hier Bescheid?"
"Dank Alfons wahrscheinlich schon die ganze Straße."
"Ich habe dir ja gleich gesagt, das du nicht so gierig sein sollst, Eduard. Wegen mir wären wir schon längst über alle Berge. Aber nein, wir mussten ja erst noch diesen Zlibowitz erledigen."
"Es war doch deine Idee mit der Fähr-sicher-ung. Und mich hast du wieder mal die Drecksarbeit machen lassen."
"Dass ich nicht lache! Dafür hattest du doch Silikat. Gut dass er erst kürzlich einen Unfall hatte", grinste Wilhelm. "Alfons hast du anscheinend vergessen. Du konntest dir doch denken, dass er geradewegs zur Wache rennt, wenn sich die Gelegenheit ergibt."
"Danke für Ihre Kooperation, meine Herren. Ein wirklich schönes Geständnis, das ihr da abgelegt habt." Im Tor zur Hofeinfahrt stand breitbeinig Humph MeckDwarf mit untergeschlagenen Armen, hinter ihm Araghast.
Wilhelm Bündnis beging instinktiv seinen größten Fehler. Er drehte sich um. Plötzlich ging alles sehr schnell, es schien beinahe gleichzeitig zu passieren. Tricia ließ sich sofort zu Boden fallen und griff nach ihrer Armbrust, Humph machte eine schnelle Bewegung und der Dolch des Fähr-sicherers flog in hohen Bogen davon, verkeilt in einen Wurfstern. Auf der anderen Seite des Hofes biss Tania kräftig in die Hand vor ihrem Gesicht und trat anschließend nach dem Schienbein des Kutschers. Der brüllte vor Schmerz, ließ sein Schwert fallen und griff sich fluchend an das schmerzende Bein. Tania lief auf die Blinden auf der Treppe zu. Von dem Dach des Schuppens löste sich ein Schatten und sprang Eduard ins Kreuz. Kanndra rollte sich ab und schnappte sich das Schwert.
"Widerstand ist zwecklos!", rief derweil Humph den Geiselnehmern zu und zeigte auf das Hausdach und die Mauerkrone, die von den beiden Vampiren der FROGs besetzt waren. "Ihr seid umzingelt."
"Wer hat gewonnen?"
"Hat noch jemand Knallkörner?"

Eimer, 18.00 Uhr
"Und das alles aus reiner Geldgier", schüttelte Kanndra den Kopf, als die Wächter bei ihrem üblichen Getränk im Eimer zusammensaßen.
Mit dem Quasi-Geständnis und den Aussagen von Alfons und Tania konnten sie die beiden Brüder für eine Weile hinter Gitter bringen.
"Fünf Menschen und ein Troll mussten sterben, nur damit die beiden sich ein schönes Leben machen konnten", auch Tricia schaute traurig drein. Dabei hatte sie eigentlich Grund zu feiern, denn sie war zur Abteilungsleiterin von RUM aufgestiegen. Humph würde sich in nächster Zeit der neuen Rekruten bei GRUND annehmen.
Die Späherin sah Araghast an und seufzte. Der Püschologe sah aus, als wäre er mit den Gedanken woanders. Kanndra konnte sich schon denken, wo. Naja, sie würde darüber hinwegkommen. Vielleicht hatte sie sogar auch einmal Glück und fand noch "Herrn Richtig". Spielerisch stieß sie Araghast den Ellbogen in die Seite.
"Weißt du was, Bregs? Irgendwie kam mir dieser Fall vor wie ein Roman von deinem Eddie Wollas."


[1]  Alle Zeitangaben sind natürlich nur ungefähre Schätzungen

[2] siehe Kampagnen-Mission

[3] Im Achatenen Reich bekam Wong Li-Lienblatt plötzlich einen Schwindelanfall und fiel um wie ein Sack Reis.

[4]  eine sehr seltene, kostbare Holzart, die in den Wäldern von Klatsch geschlagen wird

[5] s. Single-Mission "Im Bann des AGLA" von Araghast Breguyar

[6]  es ist ein kosmisches Gesetz, das im ganzen Multiversum Gültigkeit zu haben scheint, dass Zwergenbanden immer aus sieben Mitgliedern bestehen. Acht wären ja auch einer zuviel...

[7] Amalie Mandel machte auf Kosten der Wache eine Wochenend-Kur in Bad Blintz




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