Harte Zeiten

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von Wächter Pyronekdan (GRUND)
Online seit 03. 11. 2002
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Für Rekruten (erste Mission):
Auf dem heutigen Ausbildungsplan steht: Der richtige Umgang mit den Bürgern. Wie man Authorität zum Ausdruck bringt.
Sollte man denn nicht immer freundlich sein und "Bitte" und "Danke" sagen?

Dafür vergebene Note: 8

Eigentlich hatte sich Pyronekdan seinen Urlaub als Karawanen-Zauberer anders vorgestellt. Wie konnte er sich auch nur breitschlagen lassen, eine Rekruten-Ausbildung mitzumachen. Er musste sich aber eingestehen, dass nicht nur die Wache davon profitierte. (Die Vermittlung magischer Grundkenntnisse in der Ausbildung wurde immer beliebter.) Die Erfahrungen bei der Wache könnten sich auch für ihn als nützlich erweisen, wenn er wieder einmal eine Karawane vor Räubern beschützte.
Manche Dinge waren allerdings etwas ungewohnt für ihn. Besondere Schwierigkeiten bereitete ihm der Umgang mit den Waffen. Zum Glück hatte Irina die ungewöhnlichen Flugbahnen seiner Wurfmesser nicht bemerkt. Hauptsache sie treffen das Ziel, sagte er sich. Außerdem konnte es von Vorteil sein, wenn sie ein Hindernis umfliegen konnten. [1] Beim Schwertkampf konnte er jedoch nicht so leicht mogeln.
Und heute stand sein Name auch noch auf Tricia's Frau-Willichnicht-Liste. [2] Am liebsten hätte er sich unsichtbar gemacht. Als Zauberer wäre ihm das wohl möglich gewesen, aber es war nicht seine Art sich vor der Arbeit zu drücken. Vielleicht sollte er Sie einfach wegzaubern. Z. B. zum XXXX-Kontinent. Nur würde soviel Magie eventuell die Kreaturen der Kerkerdimensionen herbeirufen! Aber könnten die wirklich schlimmer sein ?
Wie kam es eigentlich, dass Tricia sich nie über diese Frau beklagte ? [3] Hatte Tricia doch schon mehr magische Fähigkeiten, als er vermutete ? Richtig ausgebildet könnte sie sicher eine gute Hexe werden.
Pyronekdan befürchtete schon das schlimmste, als sich die Tür der Wache öffnete. Zum Glück war es nur Oberleutnant Daemon, der die magischen Artefakte zur Unsichtbaren Universität zurück gebracht hatte. [4]
"Guten Morgen Pyronekdan", begrüßte dieser ihn.
"Was soll an diesem Morgen gut sein Herr Oberleutnant ?", fragte Pyronekdan mit einem Stöhnen.
"Ach ja, heute hast Du ja deinen ersten Termin mit Frau Willichnicht. Ich soll dich übrigens von unserem Pferdedieb grüßen!"
"Henry Putter ? Wie mach er sich in der Universität ?" [5]
"Er soll recht fleißig sein." erwiderte Daemon. "Auch mit dem Besen kann er gut umgehen."
"Ich weiß, ich habe letzte Nacht gesehen, wie er mit einer Eule um die Wette flog", stellte Pyronekdan fest, und blickte dabei aus dem Fenster. "Vielleicht sollte sich Tricia mal mit ihm befassen."
Als er sich wieder umdrehte, stellte er fest, dass der Oberleutnant sich nicht mehr im Raum befand. Er war wohl vor Frau Willichnicht geflüchtet, die jetzt direkt vor ihm stand.
"Ich will mich beschweren!", krächste sie, während sie mit ihrem Schirm auf den Tresen schlug.
"Was ist ihnen denn heute zugestoßen ?" fragte Pyronekdan, nachdem sein Herzschlag wieder einsetzte.
"Ich habe gestern eine neue Handtasche gekauft."
"Doch nicht etwa bei Schnapper ?" [6]
"Nein, in einem uralten Laden in der Krummen Gasse", behauptete die Frau.
"Und ist mit der Tasche etwas nicht in Ordnung ?"
"Nein, das nicht. Sie ist auch sehr leicht, selbst wenn sie voll ist. Aber der Verkäufer hat mir einen Cent zu wenig Wechselgeld gegeben!"
"Warum sind sie nicht zurückgegangen, und haben das dem Verkäufer gesagt ? Ich bin sicher, er hätte ihnen den fehlenden Cent gegeben." [7]
"Das wollte ich ja, aber der Laden war nicht mehr da!"
Erst jetzt viel Pyronekdan auf, dass Frau Willichnicht's Handtasche leicht oktarin leuchtete.
"Ich werde mich sofort persönlich darum kümmern", versprach er ihr, und war froh das Gespräch auf diese Weise beenden zu können.

Natürlich war Pyronekdan klar, dass es sich nur um einen magischen Laden handeln konnte. Aber wie sollte er ihn in der Stadt finden, ohne alle Straßen abzuklappern ?
In der Unsichtbaren Universität brauchte er nicht erst nach Henry Putter zu fragen. Die Eule im Fenster gab ihm einen Hinweis. Er wohnte im Zimmer 9 3/4, das sich irgendwie zwischen Zimmer 9 und 10 gemogelt hatte. So etwas passierte hier häufig, da die Schüler noch lernen mussten die Magie richtig einzusetzen.
"Hallo Henry", begrüßte er ihn. "Wie ich hörte, hast du dich gut eingelebt."
"Hallo Pyronekdan", sagte Henry. "Die Zauberer meinen ich hätte viel Talent."
"Das habe ich gesehen. Vielleicht könntest du ja mal Tricia das fliegen auf einem Besen beibringen."
"Bist du deswegen gekommen ?"
"Nein, ich suche nach einem magischen Laden", erklärte er Henry. "Ist Dir bei deinem nächtlichen Rundflug ein Gebäude aufgefallen, das oktarin leuchtet ?"
"Ja", meinte dieser. "In der Unteren Treppengasse, in der ich früher gewohnt habe."
"Danke für deine Hilfe", sagte Pyronekdan fast schon im gehen. "Hoffentlich ist er noch da."

Pyronekdan hatte Glück. Der Laden war noch immer an der gleichen Stelle. Er betrat ihn sehr vorsichtig, denn wie alle solche Geschäfte war er ein magisches Minenfeld.
Zwischen den vielen Gegenständen, von denen die meisten oktarin leuchteten, fielen ihm zwei kleine Kästchen auf, die eine Grundfläche von 10 x 10 cm hatten und 30 cm hoch waren. An je einer Seite waren oben und unten Löcher. Und ganz oben befand sich eine kleine Glocke.
Als er sich die Kästchen näher ansah, bemerkte er, dass beide von einem Dämon bewohnt waren, welche sich aufs Haar glichen.
"Hallo, wie ich sehe, hast Du Interesse an den Tele-Dämonen", meinte Godo, als er aus einem Hinterzimmer trat.
Pyronekdan war sehr überrascht, den Kaufmann hier zu treffen, den er erst kürzlich nach Ankh-Morpork begleitet hatte.
"Gehört der Laden dir ?", wollte er wissen.
"Ja, und ich glaube es hat keinen Zweck dir gegenüber zu behaupten, dass er nicht magisch ist, oder ?"
"Bestimmt nicht! Aber wenn Du einen magischen Laden hast, warum reist Du dann mit Karawanen umher ?", wunderte sich Pyronekdan.
"Irgendwer hat mir mal erzählt, dass man Magie nur im Notfall benutzen sollte. Außerdem habe ich ihn erst kürzlich übernommen."
"Wozu sind die Tele-Dämonen gut ?", wollte Pyronekdan wissen.
"Sie dienen zur Nachrichtenübertragung. Da es eineiige Zwillinge sind, können sie ihre gegenseitigen Gedanken lesen."
"Auch wenn sie weit voneinander entfernt sind ?"
"Ja, selbst über Tausende von Meilen", versprach Godo.
"Wie werden sie bedient ?"
"Wenn man mit der Person sprechen möchte, die das zweite Gerät hat, sagt man es dem Dämon. Der andere läutet daraufhin die Glocke, um auf sich aufmerksam zu machen. Dann geben die Dämonen alle Nachrichten weiter, die sie hören."
"Wirklich Interessant, aber eigentlich bin ich wegen einer Kundin hier, der du einen Cent zu wenig Wechselgeld gegeben hast."
"Und deswegen bist du hier ?", fragte Godo verwundert. "Von welcher Kundin sprichst du überhaupt ?"
"Von Frau Willichnicht, die gestern eine Handtasche bei dir gekauft hat."
Godo zeigte alle Anzeichen dafür, dass er sich an sie erinnerte. [7a]
"Sag ihr bloß nicht, wo sie mich finden kann!", flehte er. "Ich schenke dir auch die Tele-Dämonen dafür. Und gib der Frau diesen Dollar."
"Verkaufst du hier auch magische Amulette ?", fragte er.
"Ja, warum fragst du ? Ich glaube nicht, dass sie so etwas nötig hat."
"Der Glanz der Münze hat mich an etwas erinnert."
Godo war sichtlich erleichtert, als Pyronekdan den Laden mit dem Dollar und den Tele-Dämonen wieder verließ.
Als Pyronekdan sich umdrehte um noch einmal zu grüßen, war er schon verschwunden.

Pyronekdan konnte Frau Willichnicht den Dollar am nächsten Tag leider nicht persönlich überreichen, da der bei GRUND unabkömmlich war. [9]
Der Tele-Dämonen war jedoch sehr nützlich für Pyronekdan, weil der mit ihnen auch dann mit der Wache in Verbindung bleiben konnte, wenn er wieder einmal mit einer Karawane unterwegs war. [10]
Das war wohl spätestens dann der Fall, wenn sein Name wieder auf Tricia's Frau-Willichnicht-Liste auftauchte.
[1] In seinen Händen wurden Wurfmesser zu Lenkwaffen.

[2]  siehe "Moderne Technik" von Tricia

[3] Bis jetzt hatte noch niemand bemerkt, dass sie nicht auf der Liste stand.

[4] siehe "Die erste Stunde" von Daemon

[5] Magie bewirkt manchmal Verbindungen zwischen verschieden Universen.

[6] Er verkauft jetzt Handtaschen, die nie voll werden, und deren Inhalt immer übersichtlich ist. (Meistens bemerken die Kundinnen zu spät das große Loch im Boden der Tasche)

[7]  Da war sich Pyronekdan absolut sicher.

[7a]  Pulsrasen, bleiches Gesicht ...

[9]  Er musste sich vom Stress des letzten Tages erholen.

[10]  Natürlich hatte er die Dämonen angewiesen keine Gespräche um kurz nach sieben durchzustellen.




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