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von W Ombia Kesselring (GRUND)
Online seit 27. 07. 2002
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Für Rekruten/Ausbilder:
Eines Morgens erhältst du ein kleines Päkchen. Ein Zettel auf dem Paket verheißt folgendes:
"Öffne mich und du wirst ein vortreffliches Abenteuer erleben. Öffnest du mich nicht, wirst du dein blaues Wunder erleben."
Nun liegt es an dir. Wie entscheidest du dich und was wird dir wohl passieren?
Dafür vergebene Note: 10
So, jetzt hab ich den Scheiß, sitze hier triefend vor blauer Farbe und dem Spott meiner Kollegen
ausgesetzt.
In diese blöde Situation hab ich mich selbst gebracht. Wie?
"Ein Päckchen für mich?" Ich starrte ungläubig auf das liebevoll verpackte Päckchen. Wer sollte mir ein Päckchen schicken? Soviel ich weiß habe ich keine Angehörigen außer meinen Eltern.
Dann fiel mein Blick auf die Aufschrift: Öffne mich und Du wirst ein vortreffliches Abenteuer erleben.
Öffnest Du mich nicht, wirst Du Dein blaues Wunder erleben.
Toll, alles was jetzt nicht brauchen konnte war ein vortreffliches Abenteuer". Ich und Abenteuer, das es nicht genug Abenteuer ist mogens aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Abenteuer. Nö, nix für mich! Blaues Wunder ? Blau mag ich nicht und an Wunder glaube ich nicht! Also dieses Päckchen kann nie und nimmer für mich sein.
Ein kurzer Blick auf die Anschrift überzeugte mich dann doch, dieses Überraschungs-Wunder-Päckchen war tatsächlich für mich. Na ganz toll !!! Stecke bis über beide Ohren in meiner Ausbildung und dann bekomme ich noch dieses Päckchen.
Ob es sich wohl in meinem Rollcontainer wohlfühlt? Da könnte es ja ganz schnell Freundschaft mit der Tafel Schokolade meines Vorgängers schließen. Diese hatte mittlerweile ein komisches Eigenleben entwickelt.Vor meiner Einstellung in der Wache wußte ich nicht, daß sich Schokolade aus eigener Kraft fortbewegen kann. Vor allem nicht auf diese besondere Art und Weise! Sie kroch in der Schublade umher.
Jeder andere hätte geschworen, daß Schokolade nur schmelzen und davonlaufen kann. Diese Schokolade erweckte den Eindruck nachts aus der Schublade zu kriechen, auf ein Bier in die nächste Kneipe zu gehen und morgens wieder pünktlich zurück zu sein. Dazu kam der morgentliche Rauch- und Alkoholgeruch aus der Schublade.
Ich beschloß meinen Ausbilder Sidney um Rat zu fragen. Nur leider konnte ich ihn nicht finden, er war wohl auf einem Einsatz.
Meine Mutter hatte immer gesagt: "Tu nie was Unüberlegtes machen tun." Meine Mutter sprach einen seltenen Dialekt, der so selten war, daß ihn fast niemand mehr kannte.
Also war ich eine brave Tocher und ließ das Paket mit der Schokolade Bekanntschaft schließen und wünschte ihm noch einen schönen Aufenthalt im wacheeigenen Rollkontainer.
So, nun hab ich es los, dachte ich, die Schokolade hatte auch niemand vermißt.
Ich beschloß mich meinem Papierkrieg zu widmen. Diese Art von Arbeit hatte etwas zufriedenstellendes, keine lebenden Wesen, sondern nur ruhiges, geruchsloses Papier. Ja meine Vorliebe für Bürohengsterei ist nicht zu leugnen. Mein Leben hatte vor nicht allzulanger Zeit nur aus Zahlen, Papier und Büro bestanden. Tja, diese Zeit war nun vorbei.
Eine kurze Schweigeminute für meine Vergangenheit. Schnüff!
Kurz vor Feierabend wünschte ich meinem Paket "Gute Nacht und süße Träume", winkte der Schokolade zu.
Ich hätte schwören können, sie hat mich angegrinst.
Auf dem Nachhauseweg bekam ich ein schlechtes Gewissen, ich hätte das Päckchen aufmachen sollen oder zumindest melden. Oh man, wie ich mein Gewissen hasse!
Zwei Minuten später trottete ich wieder in Richtung Wachhaus. "Blödes Päckchen, kein Feierabend, Mist."
Zu meiner Verwunderung war die Schokolade noch da, noch nicht auf Zechtour. Leider befand sich das Päckchen immer noch in meiner Schublade.
Ich beschloß das Päckchen durch das Durchleuchte-Dings zu lassen, das mir mein Ausbilder Sidney mal gezeigt hatte. Es war ein altes und verstaubtes Gerät, das mit viel hellem Licht den Inhalt eines Dings sichtbar machte. Nur wo war das Ding eigentlich? Im Keller? Genau da mußte es sein, ich konnte mich noch schwach daran erinnern. also die Treppe runter und dann links.
Es ist verdammt dunkel im Keller, wenn kein Licht an ist. Mama hätte gesagt: "Da tut die Sonne niemals scheinen tun." Wie recht sie hatte.
Nach etlichen Minuten Suche in staubigen Kellerzimmern fand ich das Durchleuchte-Dings. Also Päckchen rein und anschalten.
Was sich da meinen Augen darbot war unbeschreiblich..........."Oh, mein Gott ich bin blind!!!!!!" Der grelle Schein dieses Durchleuchte-Dings war in der Dunkelheit des Kellers wie ein Magnesiumblitz.
Die folgenden Flüche und Schimpfworte hätten sogar Wände zum Weinen gebracht. (Wir verzichten auf genauere Ausführung zum Schutz des Lesers)
Nach einer knappen halben Stunde legten sich die kleinen Blitze in meinem Kopf und ich konnte erkennen was sich da meinen Augen darbot.
In großen nicht zu übersehenden Buchstaben stand auf einem knallroten Schild: Außer Betrieb wegen technischem Defekt. Falls doch jemand der Versuchung nicht wiederstehen kann wird ihm das Gerät die Augen aus dem Kopf blitzen.
Na ganz toll, zuerst ein blöder Überraschungspaket, dann ein kaputtes Durchleuchte-Dings.
Ich zog den letzten Trumpf aus dem Ärmel. Wandte mich an den blinden Io. "Wie soll ich je erfahren was in diesem Päckchen ist?"
Stille, eine solche Stille, die sogar einer Stille zu still gewesen wäre.
"Versuch es mal mit auspacken! Und was machst Du eigentlich noch hier?"
Mich traf fast der berüchtigte Kugelblitz. Ein Gott, einer der größten sogar, hatte mir kleinen Wurm geantwortet. Ja ich war auserwählt, mir scheint die Sonne aus dem Hintern, ich kann über Wasser gehen,
ich hatte eine Antwort erhalten!
"Ombia, ich habe Dich gefragt, wieso Du noch hier bist!"
"Oh blinder Io, ich bin noch wegen des Päckchens hier, wegen dem ich Dich angerufen habe!"
"Wie, was blinder Io, nimm Haltung an Rekrut!!"
Meine Gedanken kreisten um einen zentralen Punkt: Oh nein, der Chef!
"Ähm, entschuldigung Sir, wird nie wieder vorkommen Sir Sidney" In Gedanken fügte ich noch einige Lobpreisungen und Verbeugungen hinzu, man weiß ja nie!
"Du sprachst von einem Päckchen, laß es mal sehen", der finstere Blick meines Ausbilders hätte mich
in anderer Situation dazu gebracht schreiend und wild fuchtelnd davonzulaufen.
"Ich habe es heute erst bekommen und wußte nicht genau was ich damit machen sollte", ich verschwieg den Aufenthalt bei der Schokolade. "Sir, ich weiß ich hätte es melden sollen, habe Sie aber leider nicht gefungen." Ich ohrfeigte mich für diesen Satz innerlich, wie kann eine Person nur so blöd sein, er wußte ganz genau, daß ich das Päckchen nicht gemeldet hatte.
"Das Durchleuchte-Dings geht auch nicht", fügte ich hastig hinzu, noch schneller und die Wörter hätten ihren Zusammenhalt verloren.
Nachdem mein Ausbilder das Päckchen ausgiebig betrachte hatte, lächelte er diabolisch. Gott, war ich erleichtert, ich würde keine Niederfönung erhalten. Ich lächelte scheu und verzerrt.
"Was hast Du Dir dabei gedacht, Rekrut! Du hättest uns die Bude unter dem Hintern wegsprengen können! Wie unvorsichtig bist Du eigentlich?"
Das war ekin Fön, das war ein ausgewachsenes Tiefdruckgebiet und die Miene meines Ausbilders war alles andere als freundlich. Unter Tränen brachte ich noch hervor: "Aber ich wollte, aber ich wußte..."
Ein lauter Knall schob sich von meinen Ohren langsam ins Gehirn. Überall spürte ich eine warme, klebrige Flüssigkeit: " BLUT! Ich sterbe!"
In meiner Panik rannte ich kreuz und quer durch das Kellerzimmer.
"Rekrut, Du blutest nciht! Oder habt Ihr in eurer Familie blaues Blut?"
"Äh, was blaues Blut? Nein, wir sind kein Adel, Sir." Wieso sagt er blau? Mein Blick traf zum ersten Mal nach dem Knall meinen Ausbilder, er triefte vor blauer Farbe. Ich auch!
Sidney hielt einen eingeschweißten Zettel in der Hand und reichte ihn mir mit den Worten: "Bis morgen Mittag ist das alles hier wieder sauber, verstanden. Und, Rekrut Kesselring, geduscht wird erst morgen Abend nach Feierabend."
Naja ganz toll, diese Schmach kommt mir ja gerade recht! "Ja Sir, verstanden Sir!"
Ich las den Zettel, der die Explosion unbeschadet überstanden hatte:
Liebe Ombia,
ich wußte, daß Du das Päckchen nie im Leben öffnen würdest. Dein kleines blaues Wunder hast Du nun erlebt, obwohl Du nicht an Wunder glaubst!
Es war mir eine höllische Freude!
Gezeichnet
Walter Buchhalt
Gut, mein alter Chef und ich haben nach einem kleinen Zwischenfall ein leicht gespaltenes Verhältnis,
aber mich gleich so reinlegen? Irgendwie kann ich ihn ja verstehen.
Eines habe ich auf jeden Fall gelernt, ich werde immer die Dienstvorschrift einhalten und mich mit meinen großen und kleine Problemen an meinen Ausbilder wenden! (Der wird mich deswegen zwar verfluchen, aber das ist es mir Wert!) Fehler darf ein Rekrut auch machen, aber nur solche, bei denen er keine anderen Mitmenschen in Gefahr bringt!
Die Putzaktion dauerte bis Mittag und so über den Dienstbeginn hinaus. Ich bin jetzt dem Spott meiner Kollegen ausgesetzt und triefe vor blauer Farbe. Zum Glück ist bald Dienstschluß!!
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