Von Assassinen und anderen Mördern

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von Korporal Ranobis (SUSI)
Online seit 29. 09. 2001
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In der Assassinengilde wird eine Leiche gefunden, doch die Gilde streitet jegliche Beteiligung ab. Lügen die Meuchelmörder oder hat jemand anderes den Toten auf dem Gewissen?

Dafür vergebene Note: 12

Herr Neuhier sah sich um. Die Welt hatte sich in den letzten fünf Sekunden auf subtile Weise verändert, sie machte den Eindruck nicht mehr greifbar zu sein. Um dies zu überprüfen ging Herr Neuhier zu einer Mauer und griff durch sie hindurch. Er fühlte Erleichterung. Herr Neuhier war um einiges naiver als die meisten Menschen, deswegen fühlte er auch Erleichterung. Während sich jedes normale Wesen gefragt hätte, was zum Teufel hier los sei, freute sich Herr Neuhier darüber, dass sich für ihn die Rechtschreibung um einiges vereinfacht hatte. Er hatte gelernt, dass man nur das groß schreiben musste, was man Anfassen konnte, was ihm immer zu Diskussionen mit dem Lehrer veranlasste, ob man nun Feuer oder Luft groß schreiben müsse. Dadurch, dass nun nichts mehr Substanz besaß, er also nichts mehr anfassen konnte, brauchte er auch nichts mehr groß zu schreiben. Doch dieser Irrglauben war nur von kurzer Dauer.
HALLO, erklang hinter ihm eine Stimme, die sich anhörte als schlösse sich eine schwarze Marmorplatte über einem Grab.
Herr Neuhier drehte sich um. Vor ihm stand eine über zwei Meter große Gestalt, die einen schwarzen Umhang trug, doch irgendetwas wirkte an ihr falsch.
"Ich bin tot, oder?", fragte er.
JA.
"Dein Hut..."
GEFÄLLT ER DIR?
"Ich wusste nicht, dass du so was trägst". Herr Neuhier war zwar naiv, aber nicht dumm und schon gar nicht schwer von Begriff. Ihm war klar, dass er soeben gestorben war, und dass somit seine Überlegungen über Groß- und Kleinschreibung irrelevant geworden waren, auch wenn er jetzt mit jemanden konfrontiert wurde, der nur in Großbuchstaben sprach. Dieser jemand war eindeutig der Tod, doch...
MAN HAT MIR GERATEN, EIN WENIG FREUNDLICHER ZU WIRKEN. MAN HAT MIR AUCH GESAGT, DASS DAS GANZ IN SCHWARZ KONZEPT VERALTET SEI UND ICH EIN WENIG FARBE INS SPIEL BRINGEN SOLL. Tod kramte in seinen Taschen und holte etwas hervor. WILLST DU AUCH EINE?
Herr Neuhier nahm die Kopfbedeckung entgegen die Tod ihm reichte. Sie bestand aus Pappe und war bunt. Es war ein Hut der Art, wie Menschen sie an Tagen trugen, an denen alle betrunken waren und es lustig fanden in Tröten hineinzublasen, die dann einen langen Papierschwanz entrollten. Herr Neuhier setzte den Hut auf. "Was macht der denn da?" fragte er.
ER BRINGT DEINE LEICHE WEG.
"Ist das mein Mörder?"
ICH WILL NIEMANDEN VERRATEN. WÜRDEST DU JETZT BITTE MITKOMMEN, ICH HAB NOCH EINE ANDERE VERABREDUNG, UND ZWAR IN KLATSCH.
"Du kommst sicher viel rum?"
JA, ABER WENN MAN GESCHÄFTLICH UNTERWEGS IST, HAT MAN KAUM ZEIT SICH DIE LANDSCHAFT ANZUSEHEN.

Hauptgefreiter Ranobis saß hinter dem Schreibtisch im medizinischen Labor der Abeilung SUSI der Ankh-Morpok Stadtwache. Er las einige Bücher über Alchimie und Anatomie, die er sich gekauft hatte. Im Gegensatz zu den alchimistischen Bücher waren die anatomischen Bücher im wahrsten Sinne des Wortes leichte kost. Die alchimistischen Bücher waren immun gegen Explosionen, Feuer und körperlich schwache Leser. Sie bestanden meist aus Messing, bis auf den Umschlag, der bei allen in wundervoll vergoldeten Gusseisen glänzte. Die Messingseiten enthielten Text wie Ume herrauszufindigen, mit was für ainem Salze du zu tuhän hastte, halte ein wenig davon in eine heiße Falmme und sihe dir die Färbigung an. Die anatomischen Bücher bestanden aus Papier und konnten deswegen auch von Nicht-Gewichthebern gelesen werden. Ranobis las gerade eine hochinteressante Abhandlung über den Madenbefall von Leichen, als er durch die Stimme seiner Vorgesetzten Olt Ptracy aus der beschaulichen Lektüre g! erissen wurde.
"RANOBIS! SOFORT IN MEIN BÜRO!"

Eine halbe Minute später stand der Hauptgefreite seiner Chefin Auge in Auge gegenüber.
"Man hat eine Leiche gefunden", begann Ptracy. "Und zwar im Innenhof der Assassinengilde. Die Assassinen haben die Wache verständigt, und ich frage mich jetzt warum wir uns darum kümmern müssen und nicht die Leute DOG. Also, mach dich auf den Weg zur Assassinengilde. Ich möchte so schnell wie möglich Ergebnisse haben. Ist das klar?"
"Ja, Sir!" Ranobis salutierte und verließ das Büro. Er steckte ein paar Bücher in seinen Rucksack und ging nach draußen. Dort parkte ein Wagen auf dem in großen weißen Lettern "Gerichtsmedizin" stand. Er setzte sich auf den Kutschbock und fuhr los. Der Wagen war zu dem Zweck angeschafft worden, die Leichen möglichst schnell ins Labor zu transportieren.

Ranobis kam nach kurzer Fahrt bei der Assassinengilde an. Johann Zupfgut war schon da. Er tat sein bestes, den Tatort zu sichern, was in diesem Falle bedeutete, den Assassinenlehrer mit ihren Klassen so freundlich wie möglich klar zu machen, dass sie bitte die Leiche nicht als Anschauungsmaterial verwenden sollten. Der sonst für Ankh-Morpok typische schaulustige Mob hatte sich erst gar nicht gebildet, da die meisten Ankh-Morpokianer sich nicht in die Assassinengilde trauten. Der frisch gebackene Gerichtsmediziner ging auf die Leiche zu und begutachtete diese.
"Er ist heute nachte zwischen elf und ein Uhr gestorben", sagte er.
"Woher weißt du das?" fragte Johann.
"Siehst du, hier, diese roten Flecken. Man nennt sie Totenflecken, sie treten meist zwei bis drei Stunden nach dem Tod auf, weil das Blut an tiefgelegene Stellen fließt. Außerdem sind noch keine Maden auf der Leiche, dann würde sie bei dieser Temperatur ungefähr zwei Tage hier liegen. Im Sommer würde es schneller gehen." Ranobis war stolz, dass er das sich angelesen Wissen direkt verwenden konnte.
"Und warum kannst du's genau einschränken?" ertönte hinter Ranobis eine Stimme. Es war Lord Witwenmacher, das Oberhaupt der Gilde.
"Nun, als Banshee hat man ein Gefühl dafür", antwortete er.
"Ah," begann Witwenmacher. "Wir haben heute Prüfungstag, deswegen waren gestern die meisten früh im Bett und haben geschlafen. Weißt du, um wen es sich handelt?"
Ranobis begann damit, die Taschen des verstorbenen zu durchforsten. Da die Leiche innerhalb der Assassinengilde lag, war sie noch nicht ausgeraubt worden. Der Korporal fand einen Geldbeutel mit zwei Dollar und einem Brief. Bevor er die gefundenen Objekte jedoch in kleine Tütchen tat, machte er erste einige Ikonographien von der Unfallstelle. Dann schleppte er den Leichnam auf den Wagen und fuhr mit Johann Zupfgut zurück zur Wache.

Eine Stunde später konnte der Gerichtsmediziner das Ergebnis der Obduktion Oberleutnant Ptracy vorlegen. Um seine Argumente zu untermauern hatte er einige Bücher mitgebracht. In diesem Zusammenhang konnte man im wahrsten Sinne des Wortes von schwerwiegenden Argumenten sprechen.
"Der Tote hieß Neuhier und war gerade erst in Ankh-Morpok angekommen", begann Ranobis seine Ausführungen. "Woher weißt du das?" fragte Ptracy.
"Er hatte einen Ausweis mit Bild dabei. Vor ein paar Tagen war er noch in Klatsch. Anhand der Stempel in seinem Pass kann sieht man, das er viel auf der Scheibenwelt herumgekommen ist. Er hat Stempel von Klatsch, Tsort, Ephebe und vielen anderen Staaten in seinem Pass. Er schien die Dinger zu mögen."
"Was kannst du mir über den Zeitpunkt des Todes sagen."
"Er starb so zwölf ein Uhr in der Nacht. Das kann ich ganz genau beweisen." Ranobis nahm einen dickes Buch in die Hand und blätterte darin herum. "Ah, hier steht's."
"Belästige mich nicht mit Details. Und woran ist er gestorben?"
"Er wurde mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf geschlagen, davon ist er aber nicht gestorben, höchstens ohnmächtig geworden. Die Todesursache ist, dass ihn jemand ein Messer ins Herz gestoßen hat."
"Wahrscheinlich die Arbeit von Assassinen."
"Das hab ich mir auch gedacht. Nur lag kein offizielles Schreiben der Assassinen bei der Leiche."
"Aber der Tote wurde doch in der Assassinengilde gefunden."
"Aber die Assassinen schwören, dass sie nichts damit zu tun haben. Außerdem wurde die Leiche erst dorthin geschleppt."
"Kannst du das beweisen?"
"Ja, es gibt einige Schleifspuren, die sich im Staub des Hofes abgezeichnet haben. Wir hatten Glück, dass man uns sofort nach dem Leichenfund gerufen hatte, als noch niemand die Spuren zertrampelt hatte. Außerdem ist für die Art von Verletzung ziemlich wenig Blut am Fundort."
"Wird die Assassinengilde denn nicht bewacht, da laufen doch immer Assassinen rum."
"Gestern nicht, Lord Witwenmacher sagte, das alle wegen einer Prüfung früh im Bett waren, und die Gilde normalerweise noch nie Wächter brauchte."
"Wir müssen also erst mal feststellen, wo er gestorben ist."

Ranobis machte sich noch mal auf den Weg zur Assassinengilde. Vielleicht konnten die Meister des Todes doch bei der Aufklärung helfen. Außerdem quälte Ranobis die Frage, warum die Meuchelmörder die Wache gerufen hatten und nicht auf eigene Faust das Eindringen in ihr Hoheitsgebiet, das Reich des Todes, bestraften wollten.
"Das war nicht die Arbeit von Assassinen", erklärte Lord Witwenmacher. "Ins Herz stechen, da kann der Kunde noch wie am Spieß brüllen, aber wenn man ihn im die Lunge sticht, hat er nicht mal mehr Zeit zum röcheln."
"Und warum hast du die Wache gerufen?" fragte Ranobis.
"Weil wir hier im Moment ziemlich viel mit den Prüfungen zu tun haben. Außerdem müssen noch die Vorbereitungen für die neuen Schüler getroffen werden. Der Tod ist ein Geschäft, das vielen Lebenden Arbeit gibt."
"Wonach sieht der Mord für dich aus?"
"Nach der Arbeit von Stümpern und Amateuren, mit solchen Leuten haben wir hier in der Gilde nichts zu tun."

Ranobis saß im wieder in seinem Büro, und betrachtete durch ein Fenster die Leiche die immer noch auf dem Obduktionstisch lag. Der Mord sah wirklich nicht nach Profiarbeit aus. Und warum hatte man das Opfer zuerst niedergeschlagen? Die Leiche wurde nicht dort gefunden, wo Neuhier ermordet worden ist. Wurde der Mann den dort ermordet, wo er niedergeschlagen wurde? Wahrscheinlich nicht. Man schlägt niemanden nieder, um ihn an der gleichen Stelle zu töten, dann hätte man ihn ja gleich töten können. Ranobis schaute noch einmal auf die Leiche. Der Einstich in das Herz sah nicht wie ein normaler Einstich aus. Das Messer wurde in der Wunde hin und hergedreht, bis diese so groß war, dass man in den Körper hineinsehen konnte. Ranobis holte eine Kerze, deren Licht durch einen Spiegel auf einen Punkt zentriert wurde. Er sah in das Herz hinein. Das Messer, dass Neuhier getötet hatte, hatte auch die Herzwände zerstört. Auf der Rückseite des offenen Herzens war ein Oktagon eingebrannt worden. Dieser Fund gab dem Mord einen ganz neue Betrachtungsweise. Anscheinend wurde der Mann rituell geopfert. Dies erklärte auch, dass man ihn vorher ohnmächtig schlug. Die Opferung konnte nicht in den Straßen Ankh-Morpoks vollzogen werden, sondern musste wohl auf "unheiligem Boden" vollbracht werden. Ranobis entschied, sich an die Unsichtbare Universität zu wenden.

"Also, was will die Wache von der Universität. Bitte beeil dich, ich habe im Moment genug zu tun!" gab Erzkanzler Ridcully dem Korporal unmissverständlich zu verstehen.
"Geht die Entenjagd schon wieder los?" wurde aus den hinteren Reihen gemurmelt.
"Hast du was gesagt, Dekan?, fragte Ridcully.
"Ich habe nur die Wichtigkeit deiner Aufgaben betont, Erzkanzler", sagte der Dekan mit hochrotem Kopf.
"Nun wir haben eine Leiche gefunden, und...", begann Ranobis.
"Naja, hier in Ankh-Morpok findet man häufiger Leichen."
"Und die meisten weigern sich strickt, einfach im Grab liegen zu bleiben", warf der Oberste Hirte ein.
"Aber bei dieser Leiche haben wir etwas gefunden, das auf eine rituelle Tötung hinweist", erklärte Ranobis.
"So was machen wir hier nicht. Das ist unhygienisch", betonte der Erzkanzler.
"Außerdem sind erklären sich kaum Leute dazu bereit, obwohl so viele Selbstmord begehen. Aber als gesunder Mensch kann ich das verstehen. Ich würde mir auch nicht freiwillig das Herz rausschneiden lassen, oder so etwas", sagte der Dekan.
"Bei dir müsste man auch erst mal die Fettberge wegsaugen, um an dein Herz zu kommen." Der Professor für Unbestimmte Studien erntete einen scharfen Blick vom Dekan für diese Bemerkung.
"Hat jemand mein Pausenbrot gesehen?" fragte der Quästor.
"Gebt ihm eine getrocknete Froschpille", befahl der Erzkanzler. "Und was für Anzeichen einer rituellen Tötung waren das?"
"Auf der Rückseite des aufgeschnittenen Herzens war ein Oktagon eingebrannt, außerdem war der Körper komplett blutleer."
"Wenn ihr die Mörder habt, sagt uns mal Bescheid", sagte der Dozent für Neue Runen. "Dann können wir mal den Dekan bei denen vorbeischicken."
"Das ist nicht lustig!", betonte der Dekan. "Außerdem erinnert mich das an ein Ritual der Schwarzen Brüder der Dunklen Unendlichkeit."
"War der alte Trommel 'Ich krieg dich' Radgat nicht bei denen?" fragte der Oberste Hirte.
"Nein, die Schwarzen Brüder gibt es schon seit Jahrhunderten nicht mehr", meinte der Dozent für neue Runen. "Warum hieß er 'Ich krieg dich'?" wollte der Dekan wissen. "Er ist immer den jungen Zimmermädchen hinterhergerannt und hat gerufen 'Ich krieg dich'!" erklärte der Oberste Hirte.
"Wenn du ein Bild davon machst könnten wir es mit Hex vergrößern", schlug Ponder Stibbons vor und war froh auch einen Teil zur Unterhaltung beigetragen zu haben.
"So eine blödsinnige Idee", meinte der Dekan. "Wie soll Hex das Bild den vergrößern, wenn er gar keine Augen hat."
"Genaugenommen hat er ein Auge", begann der Professor für Unbestimmte Studien. "Als ich gestern an Hex vorbeiging hab ich eins gesehen. Ich finde dies äußerst erschreckend, Erzkanzler."
"Wie kommt das Auge daran, Stibbons, und von wem ist es?" fragte der Erzkanzler.
"Ich weiß es nicht", musste Ponder zugeben.
"Wahrscheinlich ist es nicht mal ein menschliches Auge", erklärte der Oberste Hirte. "Es ist bestimmt von einem Tintenfisch, wusstet ihr, dass die Augen von Tintenfischen und Menschen sehr ähnlich sind?"
"Wo könnte ich denn diese Brüder finden?" fragte Ranobis.
"In Wirklichkeit haben sie nicht alle die selbe Mutter", gab der Dekan zu bedenken.
"Versuchs mal in den Schatten. Da findet man haufenweise Idioten, die denken, dass man ganz tolle Sachen anstellen kann, wenn man im Licht von schwarzen Kerzen Katzen das Fell über die Ohren zieht", riet der Erzkanzler.´
"Ich bin allergisch gegen Katzen.", ließ der Professor für unbestimmte Studien verlauten. "Hab ich jetzt ein Alibi?"
"Wusstet ihr, dass man wirklich lustige Dinge mit einem Stab und einem Katzenfell an einem Wasserstrahl anstellen kann?", fragte der Dekan.
"Nein, Katzen und Menschenaugen sind sehr verschieden. Aber Schweine und Rinder haben wieder ähnliche Augen", erklärte der Oberste Hirte weiter.

Korporal Ranobis hatte sich, wie ihm Erzkanzler Ridcully geraten hatte auf den Weg in die Schatten gemacht. Davor aber hatte er sich seiner Wächterrüstung entledigt, um weniger aufzufallen und um nicht dauernd von allen Seiten her angegriffen zu werden. Wächter waren in den Schatten nicht besonders angesehen. Die zwei unlizensierten Diebe, die ihn angegriffen hatten waren sichtlich beunruhigt und ziemlich schnell verschwunden, als sie merkten, dass den Banshee ein Messer im Brustkorb nicht allzu sehr zu stören schien. Jetzt streifte er ziellos durch die Schatten und hoffte eine Spur der Schwarzen Brüder der Dunklen Unendlichkeit zu finden, als ihm jemand etwas über den Kopf schlug und er bewusstlos zusammensank.
Als Ranobis wieder aufwachte waren seine Arme und Beine so an einem Steinblock festgekettet worden, dass er von oben wie ein ziemlich schlecht gemaltes X aussah. Im Nebenraum hörte er Stimmen.
"Gut, das war der Zweite. Wenn wir so weitermachen haben wir in sechs Tagen das Große Ritual erfüllt", sagte eine Stimme. Sie klang sehr von sich selbst überzeugt. Eine solche Stimme gehörte Leuten, die auch nie nur in Erwägung ziehen würden, dass sie etwas falsch machten, egal wie irre es für andere schien.
"Meinst du, dass Er dann auf die Scheibenwelt kommt und die Herrschaft an sich reißt?" fragte eine zweite Stimme. Sie gehörte dem Mitläufer der beiden.
"Und wenn er kommt, wird Er uns reich belohnen, während die Scheibenwelt unter seiner Herrschaft leidet. Wir werden wir Könige, ach, was sage ich, wie Götter leben."
"Mir macht es nur Sorge, dass der dort nicht geblutet hat."
"Darauf kommt es nicht an."
Ranobis überlegte. Er hielt es nicht für erstrebenswert, dass Er auf die Scheibenwelt kam, obwohl der Banshee nicht wusste, wer Er war. Die letzten Worte, die gesprochen wurden, veranlassten ihn an sich herunter zu schauen. Dort, wo bei normale Menschen das Herz lag, klaffte bei ihm ein großes Loch. Ich bin auf der richtigen Spur, dachte der Banshee. Nur wie gehe ich als nächstes vor, so dass ich die beiden festnehmen kann?
"Bringen wir ihn wieder zur Assassinengilde?" fragte die zweifelnde von den beiden Stimmen.
"War das nicht eine gute Idee von mir?", fragte der Boss. "Alle werden denken, dass die Assassinen dafür verantwortlich sind."
"Wenn du meinst."
Ranobis machte die Augen zu, als die beiden Männer den Raum betraten.
"Warum müssen wir denn immer saubermachen, wenn die anderen schon gegangen sind?" fragte der Mitläufer.
"Weil nur wir beide die wahren und einzigen Diener unseres Großen Fürsten der Dunklen Unendlichkeit sind. Wir werden uns der anderen endledigen, wenn wir sie nicht mehr brauchen", erklärte der Ideengeber. "Du nimmst die Arme und ich die Beine."
So machten die beiden es dann auch, doch auf halben Weg zur Assassinengilde wurde ihr Opfer plötzlich merkwürdig lebendig.
Ranobis hielt den Mann, der ihn an den Armen trug mit den Händen fest und den anderen umklammerte er so fest mit den Beinen, dass dieser fast keine Luft mehr bekam. Es kam zu einem kurzen und schmerzvollen Kampf, der damit endete, dass zwei in schwarzen Kutten gekleidete Männer bewusstlos auf der Straße lagen.

Kurze Zeit später, es war so gegen fünf Uhr morgens, schlossen sich die Zelltüren hinter den beiden. Ranobis beschloss, sich für die nächsten paar Stunden in seinem Büro schlafen zu legen, doch anscheinend hatte Er, der Fürst der Dunklen Unendlichkeit, etwas dagegen, denn schon ein paar Stunden später wurde er von Oberleutnant Ptracy geweckt.
"Was!?", schrie sie. "Du schläfst?" "Ah ja, und gibt es irgendwelche Ergebnisse?"
"Ich hab den Fall Neuhier aufgeklärt. Zwei der Täter sind gefasst, und ich denke, wir kriegen auch die anderen."
"Warum suchst du die anderen nicht?"
"Im Moment lege ich meine ganze Hoffnung in das Verhör der Festgenommenen."
"Und warum verhörst du sie nicht jetzt?", fragte Ptracy.
"Weil sich die beiden noch erholen müssen. Sie hatten sich der Verhaftung wiedersetzt", erklärte Ranobis und schlief wieder ein...



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