Ein neuer klatschianischer Botschafter soll in Ankh-Morpork empfangen werden.
Die Diplomaten deuten an, daß Klatsch auf den Tod des Botschafters sehr ungehalten reagieren würde.
Dafür vergebene Note: 13
Lord Vetinari, der Herrscher von Ankh-Morpok, der größten Stadt der Scheibenwelt, war ein wenig beunruhigt. Wäre ein anderer Politiker ein wenig beunruhigt gewesen, so wäre das der Normalzustand, bei Lord Vetinari hingegen war ‚ein wenig beunruhigt sein' ein Warnung an alle intelligenten Leute, so schnell wie möglich die Stadt zu verlassen. Wäre der Patrizier nicht nur ‚ein wenig' beunruhigt, sonder beunruhigt, sollte man besser sofort die gesamte Stadt evakuiert, denn dann stände die politische Analogie des Untergangs der Trafunic bevor, was halb so schlimm ist, wenn man sich nur nicht auf der Trafunic befand. Zum Glück aber ließ sich der Patrizier seine Sorgen nicht anmerken, und redete normal mit Kommandeur Rince von der Stadtwache.
"Du weißt, dass morgen ein neuer klatschianischer Botschafter nach Ankh-Morpok kommt?"
"Ja, Herr.", antwortete Rince.
"Es wäre sehr schlimm für uns, wenn ihm etwas zustoßen würde.", fuhr der Patrizier fort. "Unsere Beziehungen zu Klatsch sind im Moment nicht die besten."
"Waren sie jemals richtig gut?", fragte Rince und blickte starr gerade aus, auf die Wand hinter dem Patrizier.
"Oh, besser als heute alle Mal, Rince. Es gab da leider einige unglückliche Zwischenfälle, wie zum Beispiel der Grenztrupp, der auf der Flucht vor einem Rudel Löwen wohl die Grenze überquert hat. Die Klatschianer sahen darin eine Invasion."
"Sie mussen uns für sehr dumm halten, oder sehr viel Angst vor uns haben, Herr."
"Ich glaube weder noch, Kommandeur.", sagte Lord Vetinari. "Wahrscheinlich hätten sie sogar einen alten Mann mit Gehstock und Käsemesser als eine Invasion gesehen, man sieht immer, was man sehen will. Rince. Mit Politik ist es wie mit einem Kartenspiel. Wenn man kein gutes Blatt hat, muss man blöffen, nur dumm ist dann, wenn man den anderen in die Karten gucken lässt. Leider weiß ich nicht, was für Karten die Klatschianer haben, aber in meinem Blatt gehörst du zu den höheren
Rince hasste es, wenn der Patrizier so was sagte. Ihm war klar, dass die meisten Leute für den Patrizier nur eine Art Figur auf einem übergroßen Schachbrett waren, doch er mochte es nicht, wenn er immer wieder drauf hingewiesen wurde. "Ja, Herr.", sagte er.
"Also, Rince, cih glaube, wir verstehen uns. Ich will, dass du mit deinen Leuten dafür sorgst, dass dem Botschafter, Prinz Kharon Al-Abdal, nichts passiert. Er kommt zu Friedensverhandlungen, und wenn er hier stirbt, dann werden die Klatschianer das als Grund für eine Kriegserklärung nehmen. Und ich hoffe, dass die Politik und Diplomatie für besser als Krieg hälst."
"Ja, Herr."
"Sicher hast du viel zu tun. Ich will die nicht mehr von deiner Zeit stehlen."
Kommandeur Rince war auf dem Weg zur Wache. Er dachte noch einmal über das nach, was der Patrizier gesagt hatte. Sicher war ihm Frieden lieber als Krieg, und in Friedenszeiten mussten Politiker alles regeln, damit nicht Generäle auf dumme Gedanken kämen. Dass die Klatschianer eine fünf Mann starken Grenzpatrouille für eine Invasionsstreitmacht hielten, war gar nicht so abwegig. Die meisten Leute in Ankh-Morpok würden das selbe tun, wenn sie zu Leuten wie Lord Rust aufblickten. Rince hatte vor eine Menge solcher Invasionsstreitkräfte zum Schutz des Botschafters aufzustellen. Zurück im Wachhaus schickte er die dort anwesenden Wächter aus, um all ihre Kollegen aufzutreiben. Eine halbe Stunde später stand das Gesamte Wachpersonal vor ihm.
"Morgen kommt der Botschafter von Klatsch, Prinz Kharon Al-Abdal, nach Ankh-Morpok. Der Patrizier gab mir die Anweisung für seinen Schutz zu Sorgen, und deshalb werden wir heute alle zu der Nachtschicht gehören."
Die Wächter stöhnten, bis auf die Untoten, die Nachtschichten gewöhnt waren.
"Eure Aufgabe besteht darin, alles zu kontrollieren, sucht nach Anti-Klatschianischen Schmierereien und entfernt sie. Such nach Spinnern die mit Armbrüsten mit Zielfernrohre auf Dächern liegen und verhaftet sie, sucht nach allem, was auffällig ist, und traut niemanden, klar?"
Einer der Wächter wollte besonders schlau und witzig sein, was angesichts der Laune des Kommandeurs eine sehr dumme Entscheidung war, und sagte: "Kann ich heute meinen freien Tag haben?"
Rince sah sich den Wächter genau an und dachte: "Pass auf Bürschchen, dir wird das Lachen noch vergehen."
"Wenn du unbedingt so geistreich sein willst, kannst du ja alle Berichte schreiben.", sagte er.
Die Wächter machten sich also auf den Weg und kontrollierten Ankh-Morpok. Die Werwölfe setzten ihre Nasen, die Gnome sahen sich in der Kanalisation um, die Menschen schlenderten durch die Straßen und die Vampire sahen sich alles aus der Luft an. Die Wächter waren meist alleine losgegangen, aber immer, wenn sich zwei trafen, wurden die Ergebnisse ausgetauscht und eine Zigarette geraucht. Doch in dieser Nacht ereignete sich nichts besonderes., was Kommandeur Rince am Morgen aber nicht weniger unruhig werden ließ. Er hatte einen Brief vom Patrizier bekommen, in dem ihm Mitgeteilt wurde, wann und wo der Botschafter die Stadt betreten würde. Darauf hin hatte er eine Leibgarde für den Prinzen zusammengestellt. Sie bestand zum größten Teil aus Trollen und Untoten, da diese keine Angst davor hatten einen Pfeil oder eine Bolzen abzufangen. Diese fünf Wächter empfingen den Botschafter um die genannte Zeit am genannten Ort. Der Rest der Wache war in der Stadt verteilt. Der Prinz hatte auch seine eigene Leibgarde dabei, aber Rince bestand darauf, dass die Wächter sich um ihn herum postierten. Voran ging der Troll Stolit, die drei Vampire marschierten neben und hinter dem Botschafter. Sie mussten die halbe Stadt durchqueren, um in den Palast der Patriziers zu gelangen, die Leibwache des Prinzen war zum größten Teil schon vorgeeilt, um die Ankunft ihres Herren anzukündigen. Der harte Kern der Leibgarde blieb bei dem Botschafter und beobachtete die Wache argwöhnisch. Sie schritten gerade über die Messingbrücke, als ein Pfeil den Botschafter traf. Die Zeit fing an sich zu dehnen
[1]. Während Kommandeur Rince in die Richtung rannte, aus der der Pfeil gekommen war, stieß die Leibgarde des Prinzen die Wächter zu Seite packte ihren Herrn und rammte mit ihm davon. Die Vampire mussten sich erst mal von dem Schock erholen, dass man ihnen gerade einen blutenden Menschen entrissen hatte, während Rince vor dem Opernhaus stand und an den Türen rüttelte, um in das Gebäude zu gelangen. Trotz mehrmaliger Versuche gelang es ihm nicht die Tür zu öffnen, dafür schmerzte sein Arm, da er sich mit Wucht gegen die massive Tür geworfen hatte. All dies war in weniger als einer halben Minute passiert, doch jetzt nahm jemand das Gummiband der Zeit los und alles lief wieder in normaler Geschwindigkeit ab. Die Wächter erreichten ihren Kommandeur, der sich gerade eine Zigarre anzündete.
Kommandeur Rince wartete im Palast des Patriziers vor dem Rechteckigen Büro. Er war nervös, wahrscheinlich wollte der Patrizier ihm die Schuld für den Anschlag auf den Prinzen geben. Dabei hatte er alle Vorbereitungen getroffen. Die Uhr im Wartezimmer tickte unregelmäßig, was jemanden, der sowieso schon sehr nervös war fast um den Verstand brachte. Nach qualvollen fünf Minuten wurde er in das Rechteckige Büro gebracht. Lord Vetrinari saß dort am Schreibtisch, blickte gelassen von seinen Papieren auf sagte "Oh, hallo Rince. Wie ich sehe, ist dir bei dem Anschlag nichts passiert."
"Nein, Herr.", sagte Rince. Wenn der Patrizier so etwas sagte, dann klang es wie ein Vorwurf, obwohl es nur eine Feststellung zu sein schien. Zwischen den Worten des Patriziers war "Wenn du nicht aufpasst, sorge ich dafür, dass die was passiert!" zu hören.
"Weißt du, wie es dem Verletzen geht?", der Patrizier hatte sich scheinbar wieder den Papieren vor sich gewidmet.
"Ich habe gehört, dass der Schuss den Prinz in den Magen getroffen hat. Der Arzt sagte, er befinde sich wieder auf dem Weg der Besserung, er müsste aber noch einige Zeit in Ankh-Morpok bleiben, bis er wieder kräftig genug ist, um nach Klatsch zurückzukehren.
"Ist das nicht ein seltsamer Fall?", fragte der Patrizier. "Prinz Kharon Al-Abdal sitzt in Ankh-Morpok fest. Währe er nicht in einem öffentlichen Krankenhaus, würden die Klatschianer sagen, dass er eine Geisel wäre."
"Wieso liegt der Prinz nicht in der Botschaft und wird von Klatschianischen Ärzten gepflegt?", fragte Rince.
"Ich glaube, weil in der Botschaft nicht die Geräte zur Verfügung stehen, die gebraucht werden. Aber der behandelnde Arzt des Prinzen aus Klatsch. Aber nun zu dem eigentlichen Grund, warum ich dich hierher gerufen habe. Aber, dass, was ich die jetzt erzähle, muss strengstens geheim bleiben. Seit kurzem gibt es einen kleinen Streit zwischen Amkh-Morpok und Klatsch. Es geht darum, wer als erster auf den Rüssel von Groß T'Phon klettert. Seine Rüsselspitze liegt zur Zeit genau zwischen unserer Stadt und dem Kontinent Klatsch. Im Moment sind beide Regierungen damit beschäftigt, dieses unternehmen zu Planen. Doch jetzt hat sich durch das Attentat auf den Prinzen sich die Lage zu unseren Gunsten entwickelt. Natürlich verteile ich diesen Feigen Mordanschlag aufs schärfste, aber dadurch haben wir eine Art Druckmittel Klatsch gegenüber bekommen. Die Klatschianische Regierung hat die Vorbereitung zur Expedition nun eingeschränkt, ihre Priorität gilt nun dem Wohlergehen des Prinzen. Es ist selbstverständlich, dass Amkh-Moprok die Genesung des klatschianischen Botschafter sebenso am herzen liegt aber die. Ich möchte von dir, dass du den Mordfall untersuchst, und gleichzeitig einen deine Männer auf eine heimlich Expedition schickst. Es wäre gut, wenn die Fahne auf Groß T'Phons Rüssel das Wappen von Ankh-Morpok tragen würde."
Rince saß in seinem Büro. Jetzt wird die Wache auch noch zum Geheimdienst, dachte er. Vor ihm stand Hauptgefreiter Ranobis
"Ich habe einen sehr wichtigen Geheim-Auftrag für dich.", sagte Rince. "Du weißt doch, dass gestern ein Attentat auf den Botschafter von Klatsch verübt wurde."
"Ja, Herr.", antwortete der Hauptgefreite. "Soll ich den Täter suchen?"
"In gewisser Weise haben wir den schon gefunden.", sagte Rince. "Der Schuss war zu genau, um von einem Hobby-Heckenschützen zu kommen. Ich lasse zur Zeit die besten Schützen Ankh-Moproks verhaften und sie werden dann befragte. Dazu hat mir der Patrizier ein Gerät gegeben, dass von Leonardo da Quirm erfunden wurde. Es heisst Gerät-das-anzeigt-wenn-jemand-lügt. Leonardo hat es mir erklärt. Es mißt den Puls, den Blutdruck und die Gehirnströme des Opfers. Als wenn du mich fragst, ist das totaler Quatsch, da im Gehirn kein Wasser ist. Aber es funktioniert, sogar beim Patrizier, also denke ich, wir werden den Attentäter bald hinter Schloss und Riegel haben." Rince sah den Wächter an und winkte ihn näher zu sich. "Ich möchte von dir, dass du eine weite und gefährliche Reise unternimmst."
"Hat das etwas mit Sonne, Strand und jungen Frauen in Bikinis zu tun? Kann ich dabei einen geschüttelten, nicht gerührten Drink mit Frucht drin trinken?"
"Leider nein.", antwortete Rince. "Ich rate dir dich sehr warm anzuziehen, und halb nackte junge Frauen gibt's auch keine zu sehen. Viel mehr kannst du dir einen großen Elefanten ansehen."
"Ich verstehe nicht ganz, Herr."
"Du sollst auf die Rüsselspitze von Groß T'Phon klettern, dort ein die Flagge Ankh-Morpoks festbinden und ein Ikonograph-Bild machen."
Ranobis sah ein wenig enttäuscht aus. "Na ja.", sagte er. "Vielleicht hat man von dort aus wenigstens einen schönen Ausblick."
Am nächsten Tag waren alle Vorbereitungen getroffen. Im Mündungsarm des Ankh war ein Boot für Ranobis mit Lebensmittel und sehr warmer Kleidung beladen worden. Der Wächter sollte Obst, Gemüse und eine ganze Menge Pökelfleisch mit auf seine Expedition nehmen. Als Ranobis in das Boot blickte, dachte er, dass nicht er allein der Leidtragende an der Mission sein, sondern dass auch Peltztiere, Rinder und Obstbäume zu den betroffenen gehörten. Der Banshee setzte sich in das Boot und Griff nach den Rudern, während ihn einige Wächter auf das Runde Meer hinausschoben. Der Ankh ist wohl der einzige Fluss um Miltiversum, auf dem Mann ein Boot anschieben kann und muss. Etwas später segelte Ranobis über das Runde Meer. Ihmn war langweilig, denn das Runde Meer war ein sehr ruhiges Binnenmeer, der Schöpfer hatte anscheinend keinen Wert auf wilde und lebhafte Binnenmeere gelegt. Ranobis hatte also viel Zeit zum Nachdenken. Er dachte an seine Wächterkollegen, wie sie alle zusammen mit jungen knapp bekleideten Frauen einen geschüttelten und nicht gerührten Drink mit Frucht darin tranken. Nachdem er noch etwas Zeit damit verbracht hatte über dieses Thema zu grübeln, kam er zu dem Schluss, dass die Wächter wohl doch eher alleine in einer Kneipe saßen und sich ein Bier nach dem anderen hinter die Binde gossen. Bier hinter die Binde gießen, diese Redewendung hatte Ranobis noch nie verstanden. Das Bier war ja da, aber hinter welche Binde sollte er es gießen. Wahrscheinlich waren seine Kollegen zu faul eine Binde zu holen, Ranobis beschloß, sich das nächste mal selbst darum zu kümmern. Weitere Tage vergingen und der Hauptgefreite gelangte aufs Randmeer. Ihm war jetzt nicht mehr langweilig, der hatte alle Hände damit zu tun auf Kurs zu bleiben, die Segel nicht reißen zu lassen und nichts halb verdautes wieder auszuspucken
[2] . Das Randmeer war im Gegensatz zum Runden Meer kein Binnenmeer, und bei Binnenmeeren fand der Schöpfer es wohl sehr spaßig viel Wellen und tosende Stürme mit einzubauen.
Es würde den Rahmen sprengen jetzt den genauen Hergang von Ranobis Reise zu beschreiben, um einen ungefähren Eindruck über die Ereignisse zu vermitteln, werfen wir einen kurzen Blick ins Logbuch:
03. Gruni: Habe gekotz bis zum Umfallen, fand danach keine Fische mehr, um mich zu ernähren.
05. Gruni: Der Sturm wird immer stärker, brauche all meine Kraft um das Ruder zu halten, Zeit zu knapp für Übelkeit
10. Gruni: Scheiß Wetter, jetzt hat es auch noch angefangen zu hageln, natürlich habe ich keinen Regenmantel dabei, habe das Gefühl nie wieder richtig trocken werden zu können.
Am 16 Tag nach antritt seiner Reise wurde die See wieder etwas stiller, um nicht zu sagen gespenstisch still. Am Nachmittag konnte der Wächter sogar schon den Umzaun sehen, und da es nichts besseres zu tun gab holte er das Segel ein, da die Strömung, die vom Randfall ausging nun so stark war, dass er trotz Gegenwind in dessen Richtung unterwegs war. Er konnte nichts anderes tun, als zu beobachten, was auf dem Meeresgrund auf Grund der Strömung an ihm vorbeizog. Das außergewöhnlichste, was er sah, war ein Eselkarren mit Eseln daran. Eine besonders makabere welle hatte die ertrunkenen Tiere auf die Ladefläche des Karrens gespült. Als er dies beobachtete, merkte er wie sein Schiff auf einer kleinen Insel strandete, wobei es ein trauriges Schrap von sich gab. Ranobis betrachtete sein Fortbewegungsmittel von außen. Es hatte sich den Ranobistagespreis für den Ausdruck akuter Traurigkeit verdient.
Inzwischen in Ankh-Morpok.
"Das ist doch alles Nonsens.", sagte Rince. "Mechanischer Firlefanz, technischer Schnickscknack."
"Was hat das mit an Stäubchen gebratenes Fleisch und Gemüse auf sich?", fragte ein Wächter.
"Das ist eine Redewendung.", donnerte Rince.
Leonardo da Quirm sah von den Papieren auf. "Die Nummer 7 hat gelogen. Siehst du hier, wie der Puls ansteigt und wie er anfingt zu schwitzen." Leonardo deutete auf zwei Stellen, die beide für Rince nur wie Krikelkarkel eines zweijährigen aussahen.
"Und du bist dir hundertprozentig sicher?", fragte der Kommandeur.
"Ja, du hast doch selbst gesehen, dass es selbst bei Lord Vetinari funktioniert. Er wird es als Beweis zweifellos anerkennen."
Ranobis saß auf einer einsamen Insel. Die Insel musste einsam sein, zehn Quadratmeter Sand und eine Palme ließen nicht viel Platz für sich im Inselinneren versteckende Kannibalen. Er hatte die wichtigen Sachen, wie den Ikonographen schon aus dem Schiff geschafft. Den Strand hab ich schon mal, dachte er. Jetzt fehlt nur noch die knapp bekleidete junge Frau und ein Drink mit Frucht drin. Aber er war mit dem Strand schon sehr zufrieden. Jetzt wusste er, wie es auf einer einsamen Insel war, nämlich verflucht langweilig. Aber dafür würde er bald der erste Mensch sein, der Groß T'Phones Rüssel betreten würde. Nein, er war kein Mensch, er war ein Banshee, er konnte also auch nicht das erste Lebewesen sein, das sich dort hin begab. Außerdem war er sich sicher, dass sich Leute, die von der Scheibenwelt fielen und sich an einem Rüssel eines der vier Elefanten festhielten, selten eine Flagge dabei hatten, die sie dann voller Patriotismus an den Rüssel binden konnten. Inzwischen war er aber Stolz darauf, das erste Wesen, ob nun lebendig oder nicht, zu sein, das den Rüssel aus freiem Willen betrat, und voller Tatendrang nahm der den Ikonograph, die Flagge und ein langes und sehr stabiles Seil und machte sich auf, um über den Rand zu klettern. Er blickte hinunter und sah weit unter sich den Kopf eines riesigen Elefanten. Seine Augen ließen ausreichend Platz für eine durchschnittliche Kleinstadt. Er machte das Seil am Umzaun fest. Er musste wohl ein wenig weiter drehwärts klettern, aber das war kein...
"Hallo du, was machst du da?", fragte eine Stimme hinter dem Wächter.
Dieser konnte sich nur mit großer Mühe an einem Pfeiler des Umzauns noch festhalten. "Ich will auf den Rüssel von Groß T'Phon.", sagte er. Fing er jetzt an zu halizio... sich etwas einzubilden, was gar nicht da war. Er drehte sich um und traute seinen Augen nicht.
Zurück in Ankh-Morpok.
"...wie du hier sehen kannst, Herr. Wir haben den Test vor deinen Augen wiederholt und davor den Apparat an dir getestet. Die Kurven hier sind bei der heutigen Überprüfung des Verdächtigen genau so, wie beim letzte Mal. Er hat gelogen. Folglich ist er der Täter." Leonardo da Quirm hatte ein unglaubliches rhetorisches Talent, vor allem, wenn es darum ging möglichst lange zu reden.
"Und es besteht kein Zweifel?", fragte der Patrizier.
"Nein Herr. Ich bin mir sehr sicher, da ich alles genau durchdacht habe. Wenn man nur eine der Kurven in das Testergebnis mit einfließen lässt, so liegt die Chance..."
"Danke Leonardo, wie haben verstanden.", unterbrach ihn der Patrizier. "Als Kommandeur Rince, würdest du bitte so gut sein und den hier anwesenden Hubert Klatschianerklatsch in das Verließ des Palastes zu bringen."
Ranobis traute seinen Augen immer noch nicht. Der jemand, der hinter ihm gestanden hatte gehörte zu den Sklaven, die den Umzaun kontrollierten. Es war eine Sklavin, sie war blond und hatte nur sehr wenig an, was in der Hitze, die hier herrschte nicht unnormal war. "Strand und junge, knapp bekleidete Frau,", dachte Ranobis. "Jetzt fehlt nur noch der Drink mit Frucht drin."
"Es ist verboten auf einen Elefanten zu klettern.", sagte die Sklavin. "Weißt du, viele Menschen verehren sie als heilig." Sie richtete eine Armbrust auf ihn.
"Es ist eine offizielle Sache.", sagte Ranobis. "Ich komme aus Ankh-Morpok, mit dem Auftrag, diese Fahne an dem Rüssel zu binden."
"Nein, du gehst nicht dahin.", sagte die Umzaunkontrolleurin. "Aber wenn du schon mal hier bist, dann kannst du mir vielleicht helfen."
"Ähhh..., womit denn?", fragte Ranobis. Er wahr es nicht gewöhnt, dass Leute, die eine Waffe auf ihn richteten, ihn nett um Hilfe baten.
"Ich habe hier ein neues Getränk erfunden und es nach dem ersten Menschen benannt, den ich traf. Es heißt Martini." Sie ging zu ihrem Boot und kam mit zwei Gläsern wieder, die von der Seite gesehen die Bezeichnung dreieckig verdienten, von oben waren sie rund. In den Gläsern befand sich eine leicht grünlich-gelbe aber doch klare Flüssigkeit. "Ich weiss nur noch nicht, welche Frucht zu ihr passt.", sagte sie.
Ranobis schaute auf das Glas. "Also, Banane ist es nicht.", sagte er nachdem er eine Weile die längliche Frucht in dem kleinen Glas betrachtet hatte. "Apfel und Tomate würde ich auch ausschließen." Er überlegte weiter, während ihn die Umzaunsklavin, sie hieß M'kla ansah. "Mal sehen, was ich in meinem Schiff finde."
Er kam mit dem Korb voll Früchten wieder. Nach ein wenig probieren kamen sie beide zu dem Schluss, dass sie Apfel, Banane, Orange und Tomate ausschließen konnten. Plötzlich machte Ranobis einige schnelle Bewegungen: er griff in den Korb, holte etwas heraus, ließ es in eins der Gläser fallen und reichte es M'kla. Sie sah sich das im Glas befindliche Objekt genau an. Sie probierte und es schien zu passen. Es war eine Olive.
"Ich danke dir.", sagte sie. "Ähm...., ich werde hier jetzt aus Dankbarkeit ein tiefes Nickerchen machen, damit du die Fahne wegtun kannst." Sie legte sich und schloss die Augen.
Ranobis wartete noch ein wenig, Dann nahm der Ikonograph und Fahne und lief zum Rand. Aber das Seil war nicht mehr da. Egal, er konnte so kurz vor dem Ziel nicht mehr aufhören. Wenn er sich so hinstellte und so seinen Mantel aufhielt und wenn er so springen würde, dann könnte... Er landete hart auf dem Rüssel Groß T'Phons. Aber er hatte es geschafft. Er lief zur Rüsselspitze und band die Fahne darum. Dann stellte der den Ikonopgraphen ab und sagte dem Kobold, dass er in zehn Sekunden ein Bild machen sollte. Danach machte er noch ein paar Schnappschüsse.
Zwei Wochen später in Ankh-Morpok.
"Du hast gute Dienste geleistet, Wächter.", sagte Rince. "Aber musstest du auf den Fotos immer irgendwelche Grimassen schneiden?"
"Das ist der freudige Blick eines Entdeckers, keine Grimasse.", sagte Ranobis etwas angegriffen.
"Wie bist du eigentlich von dort aus wieder zurück gekommen? In deinem Bericht stand, dass du das Seil verloren hast."
"Es lag auf der Rüsselspitze, Herr.", sagte Ranobis. "Die Umzaunsklavin war dann so freundlich mir ihr Ruderboot zu leihen. Es war ganz schön Anstrengen bis nach Ankh-Morpok zu rudern."
"Jaja, bitte erspare mir die Details."
"Gibt es eine Parade durch die Stadt, und ich darf mit einem allen von einem Wagen aus zuwinken?"
"Nein, das war ein Geheimauftrag. Hast du den Ikonographen versteckt und eingestellt?"
"Ja, Herr. Ich hab dem Kobol genug zu essen gegeben und ihm gesagt, dass er immer, wenn jemand kommt ein Bild machen soll."
Lord Vetinari sah auf ein Ikonographenbild. Es zeigte einen Mann, der aus Klatsch zu kommen schien und verdutz auf eine ankh-morpokianische Flagge blickte. Hinter ihm sah man nur Sterne strahlen.
"Wie hast du das gemacht, Leonardo?", fragt er.
"Was gemacht, Herr?", sagte der gefragte. "Ach so, dass mit der Übertragung von Ikonographenbilder. Es geht dabei um eine spezielle Art von Kobolden, sie können telepathisch miteinander kommunizieren...aussterben bedrohte Tierarten, wie zum Beispiel Elefanten, sind nicht zu Schaden gekommn.
[1] Diese Eigenschaft der Zeit gibt es nur in Welten mit einem hohen Anteil an Narrativum, in Universen in denen es Rundwelten gibt, übernimmt die Schwerkraft die Aufgabe die Zeit zu dehnen.
[2] Die Ernährung war für Ranobis um einiges komplizierter, als sich die anderen Wächter gedacht hatten. Untote haben sehr seltsame kulinarische Vorlieben, man nehme den Blutdurst von Vampiren als Beispiel. Doch Banshees sind, wenn es um die Nahrung geht noch exotischer, sie brauchen pure Lebensenergie.
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