Dubiose Gutscheine

Bisher hat keiner bewertet.

von G Seether
Online seit 05. 08. 1999
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Einmalig! Jemand verschenkt dubiose Gutscheine in Hargas Rippenstube.
Was hat es damit auf sich?

Dafür vergebene Note: 8

Das Stadtleben war neu für mich. Ich war das erste mal an einem Ort, an dem so viele Menschen auf einem so geringen Platz zusammen lebten. Der Zufall hatte mich an diesen Ort geführt und auch der Zufall sollte es sein, der von diesem Augenblick an mein ganzes Leben von Grund auf verändern würde. Es ist traurig aber alles ist wahr. Ich bin ein Wehrküken. Eine Gestalt irgendwo zwischen Licht (ich meine dieses grelle weiße Sonnenlicht) und etwas weniger Licht. Hin und her gerissen zwischen Hühner- und Elfenleben. Mir war nicht bewusst gewesen, dass ich alles in meinem Leben verloren hatte inklusive meiner Orientierung bis ein Unwetter an diesem Morgen über Ankh-Morpork hereinbrach. Die Sonne, verschwindend zwischen den Wolken, brachte mir einen Moment der Ruhe. Einen Moment der Freiheit. Denn das Wehrküken, das ich war, konnte nur im Licht der Sonne existieren und mit den einherziehenden dunklen Wolken, nahm ich wieder die wunderbare Gestalt der reinsten und einzigen, der wahren Erben der Scheibenwelt ein. Denn oh du wunderbare Welt, du schufst mich als einen Elfen. Das wunderbarste aller Wesen.. Und wie ich da stand im Regen in einer dunklen Gasse in Ankh-Morpork und hinab blickte auf die Gestalt die da im Schlamm lag, überkam mich eine Art schauer.
Tirnan Ogg' ein Elfenführer aus vergangener Zeit hatte einst geweissagt, das wenn sich das heilige Elfenvolk jemals mit einem der niederen anderen Völkern einlassen sollte, furchtbare unaussprechliche Dinge passieren sollten und Seether fragte sich in diesem Moment, ob er wohl das hier gemeint hatte. Die Gestalt im Matsch trug einen weißen Kittel und der Elf fühlte nicht unerheblich viel Ekel, als er das tote Geschöpf betrachtete. Wie dem auch sei. Nach seiner Verwandlung stand Seether relativ unbekleidet in der dunklen Gasse und der tote Mann brauchte den weißen (bei genauerer Betrachtung eigentlich eher schlammbraunen) Kittel wohl nicht mehr. Vorsichtig packte Seether den Mann an der Schulter und zerrte ihn aus dem Dreck. Auf seinem Kittel war ein Namensschild angebracht. Seether wischte den Schlamm ab und laß:
Dr. Belabe
"Drbelabe", dachte Seether war sicher kein gewöhnlicher Name für diese Gegend. Seiner Gesichtsfarbe nach zu urteilen musste er aus einer wesentlich kälteren Region stammen, als hier. Vorsichtig zog er den Kittel vom Leib des Toten und streifte ihn über. Dann taumelte er die Strasse hinunter, wobei er mit den Armen wackelte, weil er alle paar Sekunden glaubte, mit den Flügeln schlagen zu müssen. Manchmal glaubte Seether einen Schatten im Hintergrund zu sehen, als wenn ihn jemand verfolgte, aber dann war der Schatten auch schon wieder verschwunden. Seether machte sich deswegen keine Gedanken, weil er zahllose Wesen kannte, zu denen man neigte sie einfach zu übersehen. Einige der Elfen aus seiner Heimat gehörten auch dazu. Eigentlich gab es in Ankh-Morpork gar nicht so wenige von ihnen. Die meisten Wesen hier wollten nur vor allem keine Elfen sehen. Sie bildeten sich ein dadurch das sie sich in ihren Gedanken irgendwelche Monster erschufen, die ihre Kleidung und ihr Essen klauten und ihre Babys klauten, einfach ignorieren zu können das es in den meisten Fällen irgendwann mal verärgerte Elfen gewesen sein mussten, die damit angefangen hatten. Seether rechnete, aber damit dass es sich um niemand Bedeutungsvolles handelte. Wahrscheinlich war es nur der Tod oder so, der irgendwelchen verlorenen Seelen half. Als der Elf weiterging erreichte er schließlich ein Stübchen in dem es Nahrung zu geben schien. Kurzer Hand trat Seether ein. Bei dem Gebäude handelte es sich nur um ein kleines Stübchen und es schien überwiegend von zwielichtigen Gestalten besucht zu sein. Als Seether an die Bar trat viel ihm ein merkwürdiger kleiner Mann in einer Kutte neben ihm auf der einen merkwürdigen Stapel Papiere in der Hand hielt.Seether studierte die Speisekarte kurz und bestellte dann eine Ratte mit Ketchup. Einen Moment später machte er sich Gedanken darüber womit er das bezahlen sollte und Griff in seine Tasche. Es klimperte. Offensichtlich hatte Drbelabe viel Geld bei sich gehabt. Merkwürdiger war allerdings, das er es hinterher immer noch bei sich gehabt hatte. Seether beschloß sich später darüber Gedanken zu machen. Hier bitte sehr. Sagte der Mann in der Kutte und reichte Seether eins der Papiere. Seether nahm das Papier und sah es an.
Zur morgigen Verkaufseröffnung der "heißen Katzen" erhälst du pro Person für diesen Gutschein ein halbes Würstchen gratis.
"Heiße Katzen?" fragte Seether verwirrt den Kuttenmann. Dieser blickte zum Wirt, der gerade mit anderen Dingen beschäftigt war und presste dann seinen Finger an seinen Mund.
"Shhht." macht er. "Komm morgen zum Platz der gebrochenen Monde." Vorsichtig entfernte sich der Mann und steuerte auf einen der Tische im Raum zu. Seether konnte beobachten, wie die Gestalt weitere der Gutscheine an andere Leute in der Bar Gutscheine verteilte. Seether schüttelte nur ratlos den Kopf und wartete weiter auf sein Würstchen. Der Wirt brachte ihm seine Ratte und Seether biß versuchsweise hinein. Während er erfolglos versuchte seine Zähne in das Fleisch zu bohren, dachte er über die merkwürdige Gestalt und die fremden menschlichen Gebräuche nach. War es nicht so, dass die Menschen ihren Besitz verehrten? Wenn dieser Mann jetzt Gutscheine für Würstchen verschenkte, die ihm nicht gehörten, dann musste das unbedingt jemand erfahren, der dafür zuständig war. Seether konnte beobachten, wei die Gestalt plötzlich in einem Schatten im Hintergrund des Raumes verschwinden wollte. Gerade noch rechtzeitig meldete sich Seether zu Wort:
"Hey du mit der Kapuze ! Warte mal."
Jeder in der Stube blickte plötzlich in die Richtung der zwielichtigen Gestalt und sie war unfähig etwas zu unternehmen. Mutig näherte sich Seether dem Kapuzenmann.
"Sag mal, woher hast du eigentlich diese Karten? Und die Würstchen die du da verkaufen willst, sind das vielleicht deine?"
"Äähm, nein.", erwiderte der Mann. Obwohl er die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Anwesenden hatte, bemühte er sich immer noch zu flüstern.
"Aha, stellte Seether fest. Dann bist du also ein Dieb? Gib es zu!"
"Aber nein. Du verstehst das vollkommen falsch. Ich bin ein ehrlicher Mann und verteile hier nur Gutscheine für meinen Boss, dem Besitzer der Würstchen..." Seether wußte nicht recht was er jetzt tun sollte. Was hatte er sich bloß bei dieser Aktion gedacht? Manchmal war er selber über seine Handlungen überrascht. Seether merkte, dass sich die ganze Aufmerksamkeit auf ihn konzentriert hatte und dass er sich dieser nicht entziehen konnte.
"Dann... dann..:", stotterte Seether.
"...dann bist du derjenige der dauerd mit seinen Gutscheinen meine Stammkunden von hier weg lockt?", fragte der Wirt wütend aus dem Hintergrund. "Na dir werd' ich zeigen."
Stampfende Schritte machten Seether bewusst, das der Wirt sie fast erreicht hatte. Er drehte seinen Kopf und der Wirt ging an ihm vorbei, packte den Kuttenträger, riß ihm die Papiere äußerst unfreundlich aus der Hand und schleifte ihn nach draußen.
"Dieses Pack wird langsam unerträglich. Wenn ich beweisen könnte das dieser verrückte Schnapper dafür verantwortlich ist, wäre vieles einfacher. Danke für deine Hilfe Junge. Das brauchst du wohl nicht mehr.", der Wirt nahm Seether seinen Gutschein wieder aus der Hand.
"Du musst einer dieser geheimen Polizisten sein."
"Eigentlich nicht." erwiderte Seether verwirrt.
"Was ist ein Polizist?"
"Oh ja, na gut du darfst nichts sagen. Ich verstehe.", erwiderte der Wirt und begann seine Theke zu schrubben. Verwirrt verließ Seether Hargars Rippenstube wieder und blicke die trotz der Morgendämmerung immer noch düstere Strasse hinab.
"Was ist ein Polizist?", dachte er. Er merkte nicht das er laut gedacht hatte. Wieder bemerkte er diesen Schatten in seinen Augenwinkeln, doch als er ihm diesmal nachsah, erkannte er deutlich eine Gestalt. Sie bewegte sich nicht und war in edle Kleider gehüllt. Wahrscheinlich jemand von adeliger Herkunft. Vielleicht ein Graf.
"Er meinte die Wächter damit.", erklärte die Gestalt.
"Und wer sind die Wächter?", fragte Seether.
"Ich weiß nicht ob sie wirklich irgendeinen bestimmten Zweck erfüllen, aber ich glaube in den letzten Jahren haben sie ihre Zeit damit verbracht, sich mit Problemen auseinanderzusetzen, wo alle anderen nicht mehr weiter wußten. Sie nennen diese Fälle Verbrechen."
"Diese Wächter sind Leute die anderen Leuten helfen?", fragte Seether überrascht. "Das ist doch genau das was ich suche.
" >Die können mir bestimmt sagen, wie ich wieder nach Hause in meine Elfenheimat komme<, ergänzte Seether gedanklich.
"Kannst du mich zu ihnen führen?"
"Aber natürlich." Der Graf lächelte und enthüllte dabei seine spitzen Eckzähne. Aber wir müssen und beeilen. Bevor das Gewitter wieder aufklart und die Sonnenstrahlen frei gibt. Dem konnte Seether nur zustimmen. Nach wenigen Minuten hatten die beiden den Pseudopolisplatz, den Sitz des ersten Wachhauses in der Stadt erreicht. Ahnungslos seinem Schicksal ausgeliefert trat Seether in das Wachhaus ein. Der Vampir sah zu das er sich wieder in den Untergrund verkroch. Als Seether das Wachhaus betrat schlenderte ein dicker Mann mit einer Zigarre in seine Richtung und musterte ihn kurz.
"Na, was kann ich denn für dich tun?", fragte er.
"Also ich suche, ich meine ich habe diesen Wirt getroffen, weil er meinte das ich ein Wächter wäre, weil ich doch diesen Kartenverkäufer entlarvt habe und der Vampir meinte das ihr mir weiterhelfen könnt.", schloß Seether, zuversichtlich von dem Mann Informationen über den Weg oder sogar eine Karte erhalten würde. Der Mann lächelte freundlich und reichte Seether ein Formular.
"Verstehe. Das hier musst du zuerst ausfüllen. Dann sehen wir weiter."
An diesem Tag unterzeichnete Seether das Formular. Er hatte eigentlich nur nach dem Weg fragen wollen, aber Rince hatte ihn freundlich im Kreis der Wächter empfangen und aufgenommen und in dem Moment wo er den Schwur leistete, der Wache die treue Schwor, war es besiegelt. Denn seit diesem Tag, bin ich ein Wächter.



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