Ein schöner Tag in Ankh-Morpork.
Auf einmal regnet es Frösche.
Muß sich hier die Wache eigentlich um ALLES kümmern?
Dafür vergebene Note: 13
Es war ein schöner und ruhiger Tag in Ankh-Moporopk. Leider gab es noch keine professionellen Statistiker in Anhk-Moropk, denn sonst hätte jemand der sich für verstaubtes Papier interessiert in einigen hundert Jahren gesehen, dass an diesem Tag die Verbrechensrate (lizensiert und unlizensiert) genau 25,75413588 % unter der Norm lag, was einer realen Zahl von 5638 verübter Verbrechen und Ordnungswidrigkeiten (Steuerhinterziehung nicht einbezogen) gleichkommt. Der Grund dafür war, dass dieser warme Sommertag der wärmste warme Sommertag seit langem war. Hätte es Statistiker gegeben, so hätten sie herausgefunden, dass es der wärmste Sommertag seit 53 Jahren war. Assasienen legten sich lieber mit ihrem Lieblings-Cocktail auf Dächer, als über dieses zu turnen. Ein Teil der Diebesgilde war zu einem See außerhalb der Stadt gefahren, um sich dort ein wenig von der ehrlichen Kriminalität zu erholen. Der andere Teil der Gilde ruhte sich in den Betten fremder Leute aus, um wenigstens den Eindruck zu erwecken, noch bei der Arbeit zu sein. Für Ankh-Morpok, war es ein sehr ruhiger Tag, was sich aber gegen Abend ändern sollte. Denn es passierte etwas seltsames.
Eine kleine weiße Taube flog über die größte Stadt der Scheibenwelt und betrachtete freute sich ihres Lebens. Doch auf einmal viel etwas auf sie, etwas, was schwerer war als Regen...
Im Wachhaus Pseudopolisplatz saßen einige Wächter zusammen und probierten mit dem geringst möglichem Aufwand die Zeit totzuschlagen. Plötzlich stürmte ein Mann ins Wachhaus und beendete damit die entspannte Atmosphäre im Wachhaus.
"Es ist unglaublich!", rief er. "Was sollen wir nun tun? So was ist noch nie passiert! Wir werden alle sterben! Hilfe! HILFE!"
"Was ist denn so unglaublich?", die Wächter versuchten Mann zu beruhigen. "Erzähl uns alles und wir sind sicher, wir können dir helfen."
Der Mann atmete einige male durch und sagte dann: "Es regnet Frösche."
"Ja, und der Ankh ist ein leise vor sich hinplätschender Gebirgsbach.", meinte Jolin die Jägerin.
Die Tür zum Wachhaus wurde geöffnet und Ranobis ging hindurch. Er ging auf die Gruppe zu, die wegen des jetzt etwas gefassteren Mannes gebildet hatte doch bliebt wie angewurzelt stehen als er markte, dass ihn alle Anwesenden anstarrten.
"Ist irgendwas nicht in Ordnung?", fragte er.
"Auf deinem Helm.", ein Zeigefinger hab sich und zeigte auf das gerade angesprochene Bekleidungsstück
"Was ist denn mit meinem Helm? Ich hab ihn doch gerade erst geputzt.", versuch Ranobis sich zu verteidigen.
"AUF deinem Helm!", riefen die Wächter gemeinsam.
Der angesprochene nah dem Helm ab und betrachtete mit großem Erstaunen, was sich darauf befand. Es war ein Frosch:
"Quak!", meinte dieser zur allgemeinen Situation.
"Was ist denn hier jetzt schon wieder los?", fragte Ranobis den Frosch im speziellen und die Welt im allgemeinen. Als er aber keine Antwort bekam rief er: "Also gut, auch wenn das Schicksal mich verspottet und ich Qualen und Nöte überstehen muss, so werde ich doch nicht her Ruhen, bis die Lösung dieses grauenvolle Geheimnis ans Tageslicht gebracht wurde.", er drehte sich um und verschwand aus der Tür.
Noch bevor sich alle anderen Wächter von ihrem Schock erholt hatten, öffnete Ranobis noch mal die Türe und rief:
"Und wenn ich alle Frösche einzeln Befragen muss!"
Auf dem Pseudopolisplatz merkte Ranobis, dass jetzt in Strömen Frösche vom Himmel fielen. Die ganze Stadt war in Panik geraten. An Überschwemmungen, Feuersbrünste, Angriffe und Revolutionen war man in Anhk-Morpok gewöhnt, doch vom Himmel fallende Frösche waren selbst für Ankh-Morpok ungewöhnlich.
"Hallo, du bist ein Wächter, stimmt's?", ein Mann, der einen Bauchladen vor sich her trug kam auf Ranobis zu.
"Hallo Herr Schnapper.", entgegnete der angesprochene. "Was hast du denn heute im Angebot?"
"Sie dir mal diesen wunderschönen Regenschirm mit Teichbemalung an. Er wurde von einem achatenen Künstler bemalt.", Schnapper spannte etwas, das man mit viel Phantasie gerade noch als Regenschirm bezeichnen konnte vor dem Wächter auf.
"Ich glaube, das Teichmuster hast du selbst gemalt.", meinte der Obergefreite nach ausgiebiger Prüfung des Objektes, das mangels anderer Wörter als Regenschirm bezeichnet werden musste.
"Wie kommst du denn darauf?", fragte Schnapper. "Dir kann ich ja nichts vor machen. Aber könntest du mir einen Tipp geben, was hab ich falsch gemacht?"
"Eine Teichbemalung besteht nicht nur aus einem blauen Klecks auf grünen Untergrund. Ach übrigens, wofür sind die Löcher in dem Schirm?"
"Das ist ein besonderes Extra, das ich hinzugefügt habe. Durch die Löcher kann man erkennen, ob es immer noch Frösche oder was auch immer regnet. Und das beste an der Sache ist, es gibt sie ohne Aufpreis, und damit treib' ich mich selbst in den Ruin."
"Ähhh... hast du auch Schirme ohne dein Extra?", wollte Ranobis wissen.
"Nein, ich wollte, dass alle Schirme das Extra haben. Willst du einen Kaufen? Kostet nur 3 Ankh-Morpok-Dollar das Stück, und damit treib' ich mich selbst in den Ruin."
"Na, das kann ich aber nicht verantworten, dass du dich selbst in den Ruin treibst, also behalt deine Schirme mit Spezialanfertigung mal lieber.", antwortete Ranobis und ging. Hinter ihm rief Schnapper noch:
"So sehr treibe ich mich dann auch nicht in den Ruin.", doch es war bereits zu spät.
Mitten auf dem Pseudopolisplatz fiel Ranobis eine weitere Person auf. Es war eine junge Frau, sie sah aus, als ob sie aus Klatsch kam. Sie trug ein buntes Kleid mit verschiedenen Mustern und eine Kette hing zwischen ihrem Ohr- und Nasenring. Das auffällige war jedoch, dass sie auf der Straße lag und sich dauernd verbeugte.
"Ist alles mit dir in Ordnung?", fragte der Wächter die jung Frau.
"Die Götter wollen uns Strafen!", entgegnete diese.
"Wie kommst du den darauf?", wollte Ranobis wissen.
"Die Frösche!", das Mädchen schien immer noch zu beten.
"Naja, es ist sicher eine ganz schöne Schweinerei, das mit den kleinen Blutflecken, aber sonst seh' ich da nichts gefährliches, außer ich wäre ein Frosch.", überlegte der Obergefreite.
"So fing es bei mir zu Hause auch an. Und zum Schluss ließen die Götter dann Elefanten vom Himmel fallen.", das Mädchen hatte sich in zwischen aufgerichtet und hatte aufgehört zu beten.
"Vielleicht können wir doch irgendwas tun.", meinte Ranobis. "Aber du musst mir helfen, du scheinst dich ja mit dem Problem auszukennen."
"Was sollen wir denn tun?", fragte die angesprochenen. "Ach, und wer bist du überhaupt?"
"Ich bin Obergefreiter Ranobis von der Stadtwache, und was wir tun sollen weiss ich noch nicht. Ich bin mir nur sicher, dass wir was tun sollen. Denn schließlich hab ich geschworen den Fall hier aufzuklären."
"Ich heiße Bangsha.", sagte sie. "Und wie willst du den Fall aufklären?"
"Du sagst die Götter hätten damit zu tun. Also denke ich ,ich werde ihnen mal eine Besuch abstatten."
"Du bist sicher, dass es eine gute Idee ist, die Götter zu bitten damit aufzuhören", fragte Bangsha. Die beiden hatten inzwischen die Stadttore Ankh-Morpoks hinter sich gelassen und bewegten wanderten nun durch die beeindruckende Landschaft
[1] der Sto-Ebene.
"Warum nicht?", antwortete der Wächter. "Mit höflichen Fragen kann man sehr viel erreichen." Diese Taktik hatte er sich in der Wache als Verhörtechnik angeeignet. Als Banshee musste er nicht schlafen und wenn man einen Verdächtigen Stunden- und Tagelang immer wieder höflich "Es wäre doch nett, wenn du mir ein bisschen über dich, deine Freunde und vor allem über das, was du gestern zwischen acht und zehn Uhr abends getan hast erzählen könntest. Aber wenn du nicht mit mir reden willst, ich hab Zeit." sagte. Dies hatte die gleiche Wirkung, wie bei jemanden, dessen Stirn unter einem tropfendem Wasserhahn festgebunden war.
"Du weißt auch hoffentlich den Weg, oder?", fragte seine Begleiterin.
"Siehst du dort dieses riesige Felsmassiv? Das ist Cori Celesti. Es liegt genau in der Mitte der Scheibenwelt und ist der Wohnsitz der Götter.", erklärte Ranobis. "Ich hoffe, dass du warme Kleidung dabei hast, es ist ziemlich kalt dort."
Nach einigen Tagesmärschen erreichten die beiden langsam die Mittlandregionen.
"Inzwischen müsste es in Ankh-Morpok eine Heuschreckenplage geben.", meinte Bagsha.
"Was sollten Heuschrecken in Ankh-Morpok. Die Sto-Ebene ist doch viel interessanter für sie, mit ihrem Salat."
"So war es in unserem Dorf auch. Erst wurde das Wasser rot wie Blut, doch ich glaube selbst Blut ist besser als der Ankh. Dann regnete es auch bei uns Frösche. Als nächstes wurden wir von Mücken heimgesucht."
"In Ankh-Morpok haben wir ein gutes Mittel gegen Mücken, den Ankh. Manche Leute stellen einen Eimer Ankhwasser auf die Straße vor ihrem Haus und sie bekommen nie irgendwelche Stiche.", Ranobis plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen.
"Aha, auf jeden Fall starben alle dann alle unsere Rinder, und wir hatten kaum noch was zu essen.", fuhr Bangsha fort.
"Unser Vieh bekommen wir aus den Spitzhornbergen. Früher lieferte auch Lancre Rindfleisch nach Ankh-Morpok, aber inzwischen gibt es da eine Krankheit, die BÄESÄH heisst."
"Wir bekamen auch eine Hautkrankheit, und dann fing es an zu Hageln, die ganze Ernte wurde zerstört. Wir konnten unsere Steuern nicht mehr bezahlen und waren fast am verhungern. Göttliche Strafen treffen meistens die Falschen.", Tränen traten in die der jungen Frau. Ranobis wollte sie trösten, doch ihm viel nichts ein was er sagen könnte. Er, als Untoter, konnte wohl das besondere Verhältnis, welches zwischen Göttern und Menschen herrschte nicht verstehen.
"Die Heuschrecken haben uns dann den Rest genommen, den wir hatten. Unsere Dorfgemeinschaft hat sich dann aufgelöst, so bin ich nach Ankh-Morpok gekommen.", erzählte sie weiter.
"Das tut mir leid.", war das einzige, was der Banshee sagen konnte. "Siehst du jetzt, warum wir dem ganzen Einhalt gebieten müssen."
Nach fünf weiteren Wandertagen gelangten die beiden zum Cori Celesti. Staunend stand die junge Frau vor dem zehn Meilen hohem Massiv.
"Müssen wir jetzt bis ganz nach oben klettern?", fragte sie.
"Früher hätten wir das gemusst, aber ich glaube, inzwischen haben sie einen Fahrstuhlöl eingebaut.", sagte Ranobis. "Komm mit!"
Sie mussten noch ungefähr zwei Stunden suchen, bis sie den Fahrstuhl fanden. Über ihm prangerte in geschmackloser Neonleuchtschrift der Satz: "Knie nieder, Sterblicher. Du betrittst den Sitz der Götter!".
Nach einigen Minuten im Aufzug, öffnet sich die Tür und ließ dabei ein Geräusch ertönen, dass geschrieben etwa so aussähe: ‚Ding'. In Würdentracht, dem Wohnsitz der Götter der Scheibenwelt, standen die Götter gespannt um ein Spielbrett, dass genau so aussah, wie die Scheibenwelt, und schienen eine Menge Spass zu haben. Die Götter bemerkten die Sterbliche und den Untoten erst, als diese mit aufs Spielbrett schauten, sie drehten sich um und schalteten ihr Verhalten auf "mit Sterblichen Kommunizieren". Ranobis konnte den Krokodilgott Offler, den Blinden Io, den Anführer der Götter, und einige andere der Geringeren Götter erkennen. Doch einen Gott er noch nie gesehen.
"Was wagt ihr euch hier hin, ihr anmaßenden Sterblichen?", donnerte Io.
"Ich schwor, ein Rätsel zu lösen und die Heimat zu retten. Deswegen habe ich mich auf den gefährlichen und entbehrungsreichen Weg hierher gemacht, um...", begann Ranobis, wurde aber von Offler unterbrochen:
"Sülz' hier nift rum. Faff dif kurz!"
"Warum habt hier ihr Heimatdorf zerstört?", der Wächter deutete auf Bangsha. "Und warum regnet es in Ankh-Morpok Frösche?"
"Toll, was?", fragte der Blinde Io stolz. Er deutete auf den für Ranobis unbekannten Gott "Er hat uns den richtigen Dreh gezeigt."
Der angesprochene Gott sah aus, wie ein alter Mann. Er hatte kein besonderes Erkennungszeichen; anderen Göttern standen meist eine Blitzstab oder diverse andere göttliche Waffen zur Verfügung.
"Die Menschen achten die Götter nicht mehr.", er lächelte. "Ich musste ihnen helfen, wieder Respekt zu erlangen. Ihr Dorf war die Generalprobe, und Ankh-Morpok dieser Sündenpfuhl wird so enden wie Soda und Gomyrre."
"Du meinst also, dir als Gott einfach so über das Schicksal der Menschen entscheiden zu können?", fragte Ranobis. Das ganz spezielle Verhältnis zwischen Menschen und ihren Götter blieb ihm wirklich fremd.
"RESPEKT, STERBLICHER!", brüllte der Blinde Io. Er sah zu dem neuen Gott hinüber, als wolle er wissen, ob er alles richtig gemacht habe.
"Ähhhh, ich bin kein Sterblicher, ich bin untot.", gab Ranobis zu bedenken.
"Hinfort mit dir, Brut der finterften aller Höllen!", keifte Offler.
"Beruhigt euch mal und hört auf, euch an den alten Knacker da anzubiedern.", sagte Ranobis. "Früher seid ihr doch mit den Menschen gut zurechtgekommen. Warum lasst ihr euch das alles verderben? Überlegt mal, wenn ihr niemand mehr habt, der an euch glaubt, dann werdet auch ihr im Sand der Zeit vergehen."
"Durch die Bestrafung der Ungläubigen wird ihnen nur noch mehr Gläubige bringen.", sagte der neue Gott verdächtig ruhig.
"Soll ich dir beweisen, dass du kein Recht zu so was hast, weil du kein wirklicher Gott bist?", fragte Ranobis.
"Hah, dass will sich sehen.", meinte der Gott hämisch grinsend.
"Also, du als Gott bist doch allmächtig?", fragte der Wächter.
"Ja, das bin ich.", der Gott lachte und zeigte dann auf eine Stelle auf dem Boden vor Ranobis, in die dann ein Blitz einschlug.
"Das heisst also, du kannst alles machen? Alles was du willst und was möglich ist?", fuhr Ranobis fort. "Ach ja, und spar dir bitte die Blitze."
"Ja! Alles, was ich will und alles was möglich ist.", langsam geriet der Gott ins Nachdenken.
"Dann sei doch so nett und erschaffe einen Stein, den du nicht heben kannst.", Ranobis lächelte.
Der Gott schwieg. Er wusste nicht genau, wie er sich jetzt verhalten sollte.
"Du kannst es also nicht? Entweder kannst du den Stein nicht schaffen, aber wenn du ihn schaffen kannst, dann kannst du ihn nicht heben. Also bist du nicht allmächtig und damit auch kein richtiger Gott.", behauptete Ranobis.
Verlegen sahen alle Götter zu Boden. Sie alle wussten, dass es ihnen genauso ging. Der neue Gott ging mit wütender Miene auf den Untoten zu, drehte sich dann aber um und verschwand.
"Dann mach ich halt auf eine anderen Welt weiter.", rief er noch.
Die Götter schwiegen und vermieden es, sich gegenseitig anzusehen. Es herrschte etwa die gleiche Stimmung, wie an einem korrupten Königshof, an dem der König einen seiner Hohen Beamten wegen Veruntreuung des königlichen Vermögens zum Tode verurteilt hatte.
"Lass uns gehen.", wandte sich Ranobis zu Bangsha.
Einige Tage Fussmarsch später saß Ranobis wieder im Wachhaus und dachte noch einmal über das erlebte nach. Bangsha war in ihre Heimat zurückgekehrt um bei dem Neuaufbau ihres Dorfes zu helfen. Ankh-Morpok hatte sich ziemlich schnell von den göttlichen Plagen erholt, alles ging seinen gewohnten Gang. Die einzige Frage, die für Ranois noch offen bliebt war die, was der Gott mit Soda und Gomyrre gemeint hatte. Was hatte Ankh-Morpok mit Mineralwasser und einem seltenen Gewürz zu tun?
[1] Beeindruckend für jene Leute, die sich viel mit Salat beschäftigten.
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