Der Schlagende-Flügel-Apparat Leonardo da Quirms ist verschwunden.
Der Patrizier ist außer sich, da eine Flugvorführung kurz bevor steht und droht mit dem üblichen Dienstmarkenentzug,
um die Ermittlungen der Wache zu beschleunigen!
Dafür vergebene Note: 13
Der Patrizier war außer sich, und wenn der Patrizier außer sich war, musste immer jemand leiden. Diesmal war der Patrizier außer sich, weil etwas gestohlen wurde, und wenn etwas gestohlen wurde, dann ist in Ankh-Morpork die Stadtwache dafür zuständig.
Kommandeur Rince stand vor dem Patrizier, der, obwohl außer sich, ruhig an seinem Schreibtisch saß.
"Was gedenkst du in diesem Fall zu unternehmen?", fragte Lord Vetinari, der Patrizier.
"Ich werde jeden zur Verfügung stehenden Wächter auf den Fall ansetzen.", Rince starrte starr gerade aus, auf einen Punkt der sich neben dem linken Ohr des Patriziers befand.
"Ich bin sicher, dass der Fall schnell aufgeklärt wird.", der Patrizier presste die Finger aneinander
"Ja, Herr."
"Ich will dich nicht länger aufhalten. Sieh zu, dass alles in die Gänge geleitet wird.", der Patrizier wandte sich wieder den Papieren auf seinem Schreibtisch zu.
"Ja, Herr.", sagte Rince und ging.
Ein wenig später in der Wache. Alle Wächter, die im Moment nicht mit einem Fall beschäftigt waren standen im Hauptbüro des Wachhauses auf dem Pseuopolisplatz. Einige von ihnen hatten heute schon die Tagschicht geschoben und waren ziemlich sauer, da sie um ihren wohl verdienten Schlaf gebraucht wurden. Doch als Kommandeur Rince die Treppe von seinem Büro herunter schritt, wurde in den Wächter ein uralter Überlebensinstinkt geweckt, den es seit der Zeit gab, zu der Vorgesetzte entstanden. Sie merkten dass ihr Kommandeur nicht zum scherzen aufgelegt war und probierten deswegen möglichst stramm zu stehen.
"Also Wächter, es gibt Arbeit. Lord Vetinari hat mich soeben benachrichtigt, dass der Schlagende-Flügel-Apparat von Leonardo da Quirm gestohlen wurde. Hier sind die Konstruktionspläne, damit ihr euch eine Vorstellung von dem machen könnt, was ihr sucht.", Rince reichte ein paar Papiere herum. Die Wächter sahen einen typischen Plan von Leonardo da Quirm. Alles war fein säuberlich aufgezeichnet und leserlich beschriftet, wie etwas, das fein säuberlich aufgezeichnet und leserlich beschriftet ist. Doch um den Sinn der vielen Zahnräder, Verstrebungen, Mechanismen und anderen, ihnen unbekannten Teilen, erkenne zu können, hätten sie wahrscheinlich eine circa dreijährige Ausbildung gebraucht. "Ich schlage vor, dass jeder Wächter alleine auf die Suche geht, um ein möglichst großes Gebiet abzudecken. Ich hab die Einteilung schon ausgearbeitet. Jeder schaut nach, wohin er gehen soll. Alles klar? Wegtreten!"
Einige Sekunden noch standen die Wächter wie angewurzelt da, doch dann kam Bewegung in die Truppe. Alle wollten auf einmal auf den Plan gucken, was bei 30 Leuten die auf ein DIN A4 Blatt sehen wollen, einige Probleme mit sich bringt.
Ein Großteil der Ordnungsmacht Ankh-Morpoks verließ mit einigen Schrammen und blauen Flecken das Wachhaus. Nur die Stärksten und Zähesten hatten nichts davon getragen
[1]. Obergefreiter Ranobis, einziger Banshee der Wache und zweiter Banshee Ankh-Morpoks, hatte die Aufgabe das Viertel zwischen Filigranstraße, Kurze Straße, Straße der Geringen Götter und dem Ankh zu untersuchen. In diesem Teil der Stadt lagen die wichtigsten Gilden, Tempel und die Unsichtbare Universität, grösstes magisches Lehrinstitut auf der Scheibenwelt und Heim der besten Zauberer. Wahrscheinlich hatte sich Rince gedacht, dass niemand dumm genug ist dem Patrizier etwas zu stehlen und es dann zwei Straßen weiter versteckt.
Ranobis ging erst einmal zur Diebesgilde, er hatte zwar keine großen Hoffnungen, dort eine wichtigen Hinweis zu finden, aber er wollte nichts unversucht lassen. Nachdem er an das Portal der Diebesgilde geklopft hatte, öffnete sich eine kleine runde Luke in der Tür.
"Du bist von der Wache, stimmt's?", fragte eine schroffe Stimme hinter der Luke, sie klang so als habe man die Stimmbänder ihres Besitzers mit rostigen Klavierseiten vertauscht.
"Ja, ich wollte nur...", Ranobis wurde mitten im Satz unterbrochen
"Is' mir egal was du willst, bei uns gibt's nichts interessantes, Wächter."
Der Pförtner wollte gerade die Luke schließen, als Ranobis sein Schwert dazwischen steckte "Der Patrizier hat doch sicher die Gebühren bezahlt?", fragte er scharf.
"Ich glaube schon, aber ich frage lieber mal in der Buchhaltung nach", schlug der Pförtner vor. Die Geschwindigkeit, mit der der bleiche Wächter ihm gegenüber das Schwert in das Sprechloch gesteckt hatte, beunruhigte ihn.
"Das wäre sehr nett, von dir.", sagte Ranobis freundlich. "Ich warte solange hier."
Etwas später kam der Dieb wieder und berichtete Ranobis, dass der Patrizier für alle seine Gebäude die Gildensteuer entrichtet hätte, und dass auch sonst kein Dieb der Gilde freiwillig in den Palast einsteigen würde.
Da die Diebesgilde eine Fehlanzeige war, setzte Ranobis den Weg weiter fort und überlegte. Wer könnte noch von so einem Apparat profitieren? Die Assassinen? Nein, Assassinen kletterten über Dächer und überflogen sie nicht, was wahrscheinlich Aufsehen erregt hätte. Bäcker, Lehrer, Einbalsamierer, Klempner, Spieler und die anderen Gilde hatten auch kaum ein Motiv für die Tat, und die Narren hätten wahrscheinlich Spuren von Schminke und Sahnetorten zurückgelassen. Apropos Spuren! Was für Spuren gab es eigentlich? Um das heraus zu finden musste sich der Wächter in die Höhle des Löwen beziehungsweise in den Palast des Patriziers begeben.
Vor dem Palast lungerten, wie sollte es auch anders sein, zwei Palastwächter herum, versuchten möglichst stramm zu stehen und dabei nicht die Kontrolle über ihre Blase zu verlieren.
"Obergefreiter Ranobis, Stadtwache, Abteilung für Spurensicherung.", Ranobis hielt den Palastwächtern seine Dienstmarke unter die Nase.
"Aber dein Chef war doch schon hier und hat sich alles angesehen.", sagte der eine Wächter.
"Genau, verschwinde!", stimmte der andere zu.
"Aber ich möchte den Tatort sichern und Spuren untersuchen. Dazu bin ich ausgebildet.", log Ranobis.
"Na schön.", die Wächter machten dem selbst ernannten Spurensicherer Platz "Wenn ihr nichts besseres zu tun habt."
Ein weiterer Palastwächter führte den Banshee zum Tatort. Dort versuchte Ranobis mit mäßigem Erfolg möglichst Fachmännisch zu wirken und begann sofort damit auf dem Boden herum zu kriechen und alles in kleine Papiertüten zu stecken, die er sich vorher bei der Bäckergilde gekauft hatte. Doch außer einer Menge Staub war nichts zu finden. Als nächstes beschloss er mit dem Erfinder persönlich zu sprechen. Als er das dem Palastwächter mitteilte stieß er zuerst wieder auf Ablehnung. Doch als er erklärte, dass er zu einer speziellen Spezialeinheit der Wache gehörte, die so geheim war, dass sie nicht mal einen Namen habe, ließ der Palastwächter zu Leonardo.
[2]"Du hast also den Schlagende-Flügel-Apparat erfunden?", fragte Ranobis das größte Genie der Scheibenwelt
"Ja!", antwortete dieser "Willst du ein Stück Pizza?", Leonardo arbeitete derzeit an einem Kasten, dessen Funktion Ranobis ein Rätsel blieb. "Schau, hier ist eine schon abgekühlte Pizza und wenn ich sie hier herein lege und auf diesen Knopf drücke, dann entladen sich die Akkumulatoren, die die magische Hintergrundstrahlung gespeichert haben und dadurch wird die Pizza schnell wieder warm. Ich hab das ganze mit einem Zeitmechansimus versehen, damit nichts anbrennt.", erklärte Leonardo.
Gerade als er zu Ende gesprochen hatte machte das Gerät 'Ding' und Leonardo holte eine warme Pizza heraus. "Ich nenne es Apparat-der-kaltes-Essen-schnell-wieder-warm-macht", erklärte er stolz.
"Warum nennst du ihn nicht Flinker Ofen oder Magiewelle", schlug Ranobis vor. "Das können sich die meisten besser merken denke ich... Aber nun zu meinem eigentlichen Besuchsgrund. Was meinst du, wer könnte deinen Schlagende-Flügel-Apparat geklaut haben?"
"Ich weiss es nicht, man kann eigentlich nicht viel damit anfangen, außer vielleicht von oben das Panorama genießen.", Leonardo zuckte mit den Schultern.
"Und sonst ist er zu nichts zu gebrauchen?", fragte Ranobis. "Es könnte Menschen geben, die es zu kriegerischen Zwecken benutzen könnten."
"Nein... nein ich glaube nicht.", sagte Leonardo nach kurzem nachdenken. "Aber soll ich dir etwas hierüber erzählen?" , fragte der Erfinder und deutet auf eine Ansammlung der kompliziertesten mechanischen Teile. "Ich nenne es die Wenn-jemand-der-angeschlossen-ist-lügt-dann-wackelt-hier-der-Zeiger-Maschine. Die Funktionsweise ist ganz einfach, dieser Draht hier..."
"Danke, das wäre bestimmt sehr interessant dir weiter zuzuhören, aber ich habe einen Job zu erledigen.", verabschiedete sich Ranobis und verließ den Palast.
Er schlenderte weiter die Filigranstraße entlang, und beschloss, sich doch mal bei der Assassinen-Gilde umzuhören. Auf dem Weg zur Gilde sah Ranobis einen jungen Mann auf einer Bank sitzen. Anscheinend bevorzugte dieser Kleidungsstücke, die mit viel roter, grüner und gelber Farbe behandelt wurde. Er schien aus Klatsch zu kommen, auf jeden Fall war sein Taint um einiges dunkler, als der des Ankh-Morporkianischen Durchschnittsbürger. Er zog an einer Zigarette, die vorne um einiges breiter war als hinten.
"Hey Mann,", sagte er. "Hast du gerade auch diesen Typen auf dem Fahrrad durch die Gegend fliegen sehen?"
"Was für einen Kerl auf einen Fahrrad?", fragte Ranobis interessiert
"Ey, hier zieh' mal an der Tüte und dann schau dir mal den Mond an.", der Mann, erst jetzt konnte Ranobis seine Rastalocken sehen, reichte ihm seine Zigarette und Ranobis zog daran. Ein merkwürdiges Kribbeln machte sich in seinem Körper breit und der Banshee fühlte sich sehr entspannt. Wie der Mann, der, wie sich herausstellen sollte, Jonny Dauerbreit hieß, ihm gesagt hatte schaute er in den Mond und sah auch schon nach kurzer Zeit eine Silhouette, die wirklich wie ein Fahrrad aussah.
"Eigentlich müsste ich ihn fangen.", grinste Ranobis. "Aber ich hab momentan keine Lust."
"Für nen Bullen bist du verdammt cool, Mann.", entgegnete Jonny. "Ich glaub ich kann dir helfen."
"Hast du schon einen Plan?", fragte der Wächter und starrte fasziniert in den Sternenhimmel. Jetzt wusste er, wie Menschen auf die Idee mit den Sternbildern gekommen sind. Da war verkrüppeltes Kaninchen und direkt daneben konnte man 'Jäger mit Bogenhaltung, mit der jeder Pfeil nur daneben gehen kann, vorausgesetzt er schießt nicht auf Süßes-kleines-Reh' erkennen.
"Meine Mutter ist eine Huibuh-Priesterin und kann auf Besen fliegen. Ich kann's auch, macht voll Spass.", erklärte Jonny. "Wir leihen uns einfach den Besen meiner Mutter und holen uns den Kerl da oben. Was hat er eigentlich verbrochen?"
"Er hat diesen Apparat geklaut, das Ding heisst... du wirst es nicht glauben ", Ranobis prustete vor lachen "Schlagender-Flügel-Apparat!"
Die beiden machten sich auf den Weg, um den Besen von Jonny Dauerbreits Mutter zu holen. Als sie bei Jonnys Zuhause angekommen waren, hatte sich der Effekt er Tüte bei Ranobis wieder verflüchtigt, da der Stoffwechsel bei Untoten anders funktionierte als bei Menschen. Frau Dauerbreit war nicht zu Hause, deswegen konnte es auch keine Komplikationen mit dem Besen geben. Der Wächter schwang sich hinter den Sohn der Huibuh-Priesterin auf den Besen und sie sausten los.
"Und wenn wir ihn eingeholt haben, was machen wir dann?", fragte Jonny.
"Ich weiss nicht, das mit dem Besen war dein Plan.", entgegnete Ranobis. "Wir sollten probieren ihn wieder auf die Scheibenwelt zurückzuholen."
"Da ist er!", brüllte Ranobis und zeigte mit seinem Finger in eine bestimmte Richtung. "Los hinterher!"
"Jaja, bloss keine Hektik, Mann.", sagte Jonny. "Wir kaufen uns den schon."
Doch das war gar nicht nötig, denn der Flieger setzte gerade zur Landung auf dem Platz der Gebrochenen Monde an. Jonny und Ranobis folgten ihm.
"Halt, du bist verhaftet!", der Wächter richtete seinen Armbrust auf den Mann.
Doch dieser fing nur an zu Lachen. "Du kannst mich nicht einsperren. Ich bin eigentlich gar nicht hier. Ich bin omnipräsent auf der Scheibenwelt."
"Ey, Mann, wer bist du?", fragte Jonny ein wenig verstört. "Erzähl jemand anderem deinen Müll."
"Ich, mein junger Freund bin...", ein Blitz zuckte,
[3] als der Dieb redete. "Ich bin die Gravitation."
Erst jetzt konnte Ranobis den Mann richtig sehen. Er wirkte massig, obwohl er nicht dick war und hatte eine ungeheure Anziehungskraft. Diese war sogar so stark, dass Ranobis die Armbrust aus der Hand gerissen wurde, auf den Mann zuflog und kurz vor ihm zu Boden fiel.
"Warum hast du das Ding geklaut?", wollte Ranobsi wissen.
"Ich bin die Gravitation, ich kann nicht mit ansehen, wie ihr Menschen zu fliegen beginnt und euch aus meinem Einflussbereich löst.", sagte Gravitation theatralisch. "Außerdem wollte ich auch mal wieder meinen Spass haben.", fügte er grummelnd hinzu.
"Na, wenn all das stimmt, was du sagst, dann kann ich dich wirklich nicht festnehmen.", überlegte Ranobis laut. "Aber wir können sicher einen Kompromiss erzielen. Wir benutzen diese Flugmaschinen nur sehr selten und du widmest dich wieder deiner Lieblingsaufgabe, in Ordnung?"
"Von mir aus.", sagte Gravitation und verschwand im Boden.
Wenn man über diese Ereignisse nachdenkt, bleibt nur zu Hoffen, das Gravitation durch dieses Erlebnis sich nicht verändert hat. Es könnte nämlich zu schwerwiegenden Schwierigkeiten kommen, wenn er auf einmal beschließen würde, manche Leute mehr zu mögen als andere.
[1] Davon waren die meisten Vampire oder Werwölfe, woraus sich eine interessante Schlussfolgerung ziehen lässt, wenn man mal an Darwins Evolutionstheorie denkt.
[2] Ranobis wunderte sich was man mit selbstsicherem Auftreten alles erreichen konnte.
[3] Bei solchen Situation müssen Blitze einfach zucken, auch wenn sonst nirgendwo eine Gewitterwolke erwähnt wird.
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