Die Pfeilwurfbrett-Mafia

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von Wächter Ranobis
Online seit 02. 12. 2000
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Das Pfeilwurfbrett der Wache wurde entwendet.
Die Diebesgilde bestreitet, darin verwickelt zu sein und die Wächter werden nervös.
Doch die große Frage steht im Hintergrund:
Wer braucht ein Pfeilwurfbrett? (außer den Wächtern)

Dafür vergebene Note: 12

Der Wächter Ranobis stand vor dem Kommandeur Rince Schreibtisch und wartete, dass die Aufmerksamkeit des Kommandeurs sich auf ihn richtete.
"Du bist also ein Banshee.", stellte Rince fest.
"Ja... äh.. Sir.", Ranobis war schrecklich aufgeregt.
"Ich dachte euch gibt’s nur in Geschichten...", Rince sah sich die bleiche Gestalt vor sich an.
"Nun... äh... Sir... genaugenommen gibt es sogar zwei Banshees in Ankh-Morpok, und wir sind ziemlich real." , versuchte Ranobis zu erklären, könnte er schwitzen so wäre unter ihm inzwischen eine Pfütze entstanden.
"Na gut, aber merk dir, du bist jetzt in der Wache, hier wird nicht geschrien wenn irgend jemand stirbt!"
"Es tut mir sehr leid Sir, aber ich muss es ab und zu tun, ich glaube es ist so ähnlich wie für Menschen aufs Klo * zu gehen."
"Also gut," ,begann Rince. "Hier hab ich einen Fall für dich. Unser Pfeilwurfbrett ist verschwunden, ich möchte, dass du dich darum kümmerst. Keiner der Wächter hat was gesehen und auch die Diebesgilde weiss nichts davon.. Hier hast du eine Beschreibung." , Rince widmete sich wieder seinem Papieren. "Du bist ja immer noch da!" sagte er, als er nach ein paar Sekunden aufschaute. "Mach dich an die Arbeit!"
Ranobis versuchte so zackig wie möglich zu salutieren und verließ das Büro des Kommandeurs.
"Na toll," dachte Rince. "Ein nervöser Banshee. Na hoffentlich können wir vor lauter Gebrüll auch irgendwann mal schlafen."
Ranobis verließ das Wachhaus und schlenderte über den Pseudopolisplatz. Er überlegte, wer ein Pfeilwurfbrett stehlen sollte, als ihm plötzlich ein Geistesblitz kam: Kneipen! In vielen Kneipen gab es Pfeilwurfbretter, das Spiel schien also nicht nur Wächter im Innendienst zu interessieren, sondern auch Leute, die sich lieber bein einem Bier in einer Kneipe als bei einem Bier zu Hause langweilen wollten. Vielleicht war ein Wirt zu geizig und hatte einfach das Brett der Wache gestohlen. Ranobis sah sich die Beschreibung des Brettes an: Es hatte abwechseln schwarze und weiße Kreise und in der Mitte einen gelben Punkt, auf der Rückseite war das Wappen er Wache eingebrannt. Ranobis machte sich auf den Weg zur nächsten Kneipe: der Geflickten Trommel. Er machte einen kurzen Umweg, denn er spürte ein dingendes Bedürfniss; einige Aufmerksame Zuhörer hätten zu dieser Zeit in der Vertragsstraße ein Geräusche gehört, dass sich wie das Kratzen einer Feder über Pergament anhörte und kurz darauf war noch das Geräusche eines zufallenden Briefkastens zu Hören; kurze Zeit später gellte ein "UIIIuuuiiiiiuuuu!" über die Vertragsstarße. Derjenige der die leisen Geräusche gehört hatte dürfte davon wohl eine Hörsturz bekommen haben.
Der Wirt der geflickten Trommel, Hibiskus Dunelm, war ein vielbeschäftigter Mann, er musste die ganze Zeit aufpassen, dass ihn keine achtlos durch die Gegend geworfenen Messer oder Äxte trafen, und deswegen kam nur selten zu den Leuten sondern wartete, dass seine Kunden Bestellungen brüllten., als ihn plötzlich jemand von hinten antippte und er sich nach dem Umdrehen einer bleichen, dürren Gestalt in der Rüstung der Stadtwache gegenüber sah. Die Gestalt hatte einen schwarzen Umhang um, der den Eindruck erweckte, sich im nächsten Augenblick in zwei große Schwingen entfalten zu können.
"Entschuldigung, ich will ja nicht stören, aber hast du hier irgendwo ein Pfeilwurffbrett hängen?", fragte die Gestalt.
"Du bist von der Stadtwache, oder? Willst du was trinken, natürlich auf Kosten des Hauses?", fragte der Wirt schmeichlerisch.
"Nein Danke. Ich will nur dein Pfeilwurfbrett sehen.", erwiderte der Wächter.
"Ähh...", begann der Hibiskus. "Das geht zur Zeit nicht, irgend jemand hat es gestohlen."
"Vielen Dank, du hast mir sehr geholfen", verabschiedete sich der Wächter.
Nach zwei Stunden hatte Ranobis alle weiteren Kneipen und Tavernen Ankh-Morpoks abgeklappert, und überall zeichnete sich das selbe Bild: die Pfeilwurfscheiben wurden überall vor kurzem gestohlen. "Eine Form von Organisiertem Verbrechen,", dachte Ranobis, als plötzlich ein Mann in einer dunklen Kutte an ihm vorbei eilte. Der Mann hielt die Arme so um sich geschlungen, als wollte er etwas unter seiner Kutte verbergen **. Ranobis verfolgte den Mann, jemand mit langer, dunkler Kutte, der etwas zu verbergen versucht ist immer ein sicher Indiz für irgendeine Art von Verbrechen. Der Mann bog vom Befallenheitsweg in die Klarheitsstraße ein, als Ranobis auch um die Ecke bog war er verschwunden. Ranobis lungerte einige Zeit auf der Ecke herum, als er plötzlich seltsame Geräusche vernahm. Er nähere sich dem Gebäude und nach kurzem Suchen fand er auch ein kleines Fenster, durch das er den Raum halbwegs gut überblicken konnte. Er sah einen großen Raum, der mal als Taverne gedient habe könnte, doch er wurde in einen Trainingsraum umfunktioniert. Einige Männer, alle hatten dunkle Kutten an, hackten mit Schwertern und Äxten auf Holzpuppen ein, andere schossen mit Pfeil und Bogen auf Pfeilwurfbretter. Da Ranobis gegen eine solche Übermacht, es trainierten circa 40 Männer in dem Raum, nichts ausrichten konnte, wollte er probieren, den Eigentümer des Hauses zu ermitteln. Er schrieb sich die Adresse auf und machte sich auf zum Stadtarchiv. Dort erfuhr er, dass das Haus einem gewissen Herrn Huchzahn gehörte, und dass dieser kein Unbekannter in den polizeilichen Akten war. Er gehörte früher zu einer militanten Spezifistentruppe, bis diese auf Befehl des Patriziers aufgelöst wurde. Um mehr zu erfahren wollte der Rekrut verdeckt ermitteln. Also ging Ranobis zurück zu dem Haus in der Klarheitsstraße und legte sich dort auf die Lauer, um das geheime Kennwort, das natürlich jede geheime Organisation braucht, herauszufinden. Er musste gar nicht lange warten, denn schon bald kam ein Mann in dunklen Umhang und kloppte an die Pforte. Ein kleines Guckloch wurde geöffnet und der Mann vor der Tür sagte: "Ankh über alles!" und wurde eingelassen. Ranobis wollte gerade auch klopfen, als ihm einfiel, dass jemand mit der Rüstung der Wache in einer "Pfeilwurfbrett-Mafia" auffallen würde. Also verstaute er den Helm unter seinem Umhang und zog diesen ganz um sich. Klopf, klopf. Die Luke wurde geöffnet. "Ankh über alles!". Die Tür schwang auf und der Banshee trat ein. An dieser stelle man sich eine bleiche, schwarz gekleidete Gestalt unter lauter anderen schwarz gekleideten Gestalten vor. Die bleiche Gestalt untersuchte den ganzen Raum, bis sie eine Tür fand, und darin verschwand. Hinter der Tür befand sich der Abort. Gerade als die Gestalt den Raum wieder verlassen wollte, rutschte sie auf einer übelriechenden Pfütze aus und konnte sich nur mit Mühe auf den Beinen halten, und zwar dadurch, dass sie sich an dem Klopapierhalter festhielt. Gerade als Ranobis wieder auf die Beine gekommen war, verschob sich der Halter nach hinten und Ranobis fiel mit einem Platsch in die Pfütze. Zu seinem erstaunen ging eine Tür *** hinter dem Abort auf und der nach Harndrang riechende Wächter trat ein. Er befand sich in einem Raum, den man durchaus als Bibliothek bezeichnen könnte. Drei der vier Wände bestanden aus hohen Bücherregalen, an der vierten Wand hing ein Ankh-Zeichen und darunter stand der Schriftzug: "ANKH ÜBER ALLES - Aktion für ein Freies Ankh".
Ranobis durchstöberte einige Bücher und fand so das Ziel der Gruppe "Aktion für ein Freies Ankh", kurz AFA heraus: Sie wollten Ankh von Morpok trennen, den Patrizier stürzen, einen König aus den eigenen Reihen ernennen und alle Zwerge, Trolle und Untote aus der Stadt jagen oder töten. Ranobis fand auch ein Buch in dem die Aktionen der Gruppe geplant waren: Sie wollten erst die Alchimistengilde überfallen und eine Menge Pulver Nr. 1 stehelen, woraus man schließen konnte, dass diese Leute reichlich verückt seine müssen, denn kein vernünftiges Lebewesen käme auf die Idee, eine hochexplosiven Stoff durch das Gildengebäude der Alchimisten zu schleppen. Mit dem Pulver Nr. 1 hatten sie dann vor sämtliche anderen Gilden in die Luft zu sprengen. Das Datum des geplanten Einbruchs bei der Alchimistengilde war der morgige Tag.
Da Ranobis hier nichts mehr ausrichten konnte ging er zurück zum Wachhaus, wo er nicht ohne Stolz Kommandeur Rince die Ergebnisse seiner Ermittlungen präsentierte. Nachdem der Rekrut seinen Bericht beendet hatte sagte Rince: "Sehr interessant, was du da erzählst, Wächter, aber die Sache ist zu groß für dich alleine. Ich werde morgen den ganzen Tag und die ganze Nacht die Alchimistengilde bewachen lassen und zwinge die dummen Hunde, die sonst alles in die Luft jagen, dazu mal was für die Allgemeinheit zu tun, ich lasse sie all ihre Reserven des Pulvers Nr. 1 vernichten, ob es ihnen passt oder nicht. Du kümmerst dich während dieser Zeit um diesen Huchzahn. Wegtrete, Wächter!"
Klopf, klopf, klopf. "Aufmachen, hier ist die Wache!". Herr Huchzahn wurde durch diese Geräusche aus dem Schlaf gerissen, überlegte kurz und beschloss durch die Hintertür zu fliehe, als er auf einmal ein menschenähnliches Wesen auf der Fensterbank seines Zimmer im ersten Stock bemerkte ****.
"Kommst du freiwillich mit, oder muss ich Gewalt anwenden?", fragte diese. "Ich bin von der Wache."
"Welches Verbrechens werde ich angeklagt?" Huchzahn war auf einem mit allen Sinnen bei der Sache.
"Kopf einer verschwörerischen Gruppe namens "Aktion für ein Freies Morpok" zu sein.", antwortete der Fremde auf dem Fensterbrett.
Huchzahn drehte sich um und wollte loslaufen, als er auf einem einen Hand auf seiner Schulter spürte, die ihn an seinem Plan hinderte.
"Du willst also vor der Wache weglaufen?", wollte Ranobis wissen. "Ich werde dich nicht aufhalten, aber ich glaube die Diebesgilde brennt darauf zu erfahren, wer all die Pfeilwurfbretter geklaut hat. Und du weißt sicher, was das für dich heißt."
Dies war ein sehr schlagkräftiges Argument, deshalb ging Huchzahn lieber mit zu Wache.
Durch die Festnahme des Oberhauptes der AFA löste sich die Gruppe schnell auf. Sogar der Überfall auf die Alchimistengilde blieb am nächsten Tag aus, was der Wache eine Flut von Protestschreiben wegen des verlorenen Pulver Nr. 1 zukommen ließ.
Am Schluss bleib noch zu sagen, dass nahe der Unsichtbaren Universität ein "uuiiiiiUUUIUIIIiiiuuu" zu vernehmen war. Das Heulen klang der Situation unentsprechen fröhlich. Der Ausgangspunkt des Heulens, war ein Banshee, der auf hinter dem plötzlich eine große humanoide Gestalt in einem Umhang aus absoluter Finsternis erschiehn. Der Banshee hatte diese Gestalt schon öfters gesehen, da die beiden im gleichen "Gewerbe" tätig waren, doch jetzt war irgend etwas anders. ICH WUSSTE GAR NICHT, DASS JETZ AUCH BANSHEES ZUR WACHE GEHÖREN.
"Nun... äh... doch... ja,", Ranobis fiel plötzlich ein, was ihn an Tod irritierte. "Ich wusste auch nicht, dass du auch in der Truppe bist."


* Es ist erstaunlich, wie wenige Leute in Bücher auf die Toilette gehen. Man hört, wie Cohen der Barbar von einer Schlacht in die nächste stürmt, ein aufmerksamer Zuhörer musste sich nach dem dritten Abenteuer eigentlcih fragen, wann Cohen mal dazu kommt seine Notdurft zu verrichten.

** Soetwas geschieht häufig bei polizeilichen Ermittlungen. Wenn der Kommisar mal wieder nicht weiter weiss, taucht wie aus dem nichts ein Verdächtiger aus. Ansonsten könnten man den Fall ungelöst ad Akta legen und niemand würde auch nur auf die Idee kommen, daraus eine Geschicte zu machen.

*** Wieder ein wahrer Glücksfall, welcher die Ermittlungen vorantreibt.

**** Wie er das gemacht hat, wird wohl auf immer sein Geheimnis bleiben.



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