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Single-Mission:Gemeinschaftsarbeit

Gemeinschaftsarbeit

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von Oberleutnant Pismire (SUSI)
Online seit 01. 05. 2010
PDF-Version

 Außerdem kommen vor: MaganeHuitztli Pochtli

Die Bürger gründen eine Miliz und mischen sich in die Angelegenheiten der Wache ein. Kein Fall scheint mehr lösbar. Wie löst ihr dieses Problem?

Dafür vergebene Note: 13

"Was soll's?", meinte Pismire gelassen und lehnte sich nach dem Ende des langen Vortrags seiner Abteilungsleiterin entspannt in seinem knarrenden Stuhl zurück. "Was geht uns das an, ob die SEALS sich in Zukunft mit irgend so einer blöden Miliz zusammen die Routen teilen müssen oder nicht? Ich glaube kaum, dass sich dabei irgendjemand für unsere Arbeit interessiert. Tut doch sonst auch keiner", fügte er ein wenig leiser hinzu.
Seine Kolleginnen und Kollegen gaben ihm zumindest bei dem letzten Satz recht.
Nachdem klar geworden war, dass es sich bei dem Anlass um kein dringendes Problem handelte, herrschte allgemein auf der hastig einberufenen Dienstbesprechung bei SuSi eine recht entspannte Stimmung.
"Na, na, na, was ist das denn für eine unkollegiale Einstellung?", tadelte ihn Laiza spontan aber ohne Nachdruck. "Wir sind genau so ein Teil der Wache wie RUM oder auch SEALS."
"Also gut - leiden wir im Geiste mit ihnen", lautete die Replik.
"Auf wessen Mist ist das Projekt eigentlich gewachsen?", fragte Lady Rattenklein. "Diese - wie heißen sie noch? Milzen?"
"Milizen", warf Magane erläuternd ein. "Wir haben das heute Morgen in der Ah-El-Es[1] auch zum ersten Mal gehört. Die Wache wird in ihrer Arbeit durch die Bürgermiliz (oder kurz: Miliz im übrigen - und nicht Milz) unterstützt - so die offizielle Sprechart. Und zwar auf Wunsch des Patriziers gleichermaßen wie der Gilden. Die Miliz ist dabei ein eigenständiges Ganzes, das selbstorganisiert parallel zur Wache arbeitet." Sie referierte das Gehörte aus dem Gedächtnis weiter und es gelang ihr dabei auch, den genervten Tonfall des Kommandeurs zu treffen: "Im Klartext: die Mitglieder der Miliz sind uns nicht unterstellt - wir ihnen im Gegenzug dafür auch nicht. Sie sind dennoch gehalten, unserem fachlichem Rat zu folgen. Auf der anderen Seite hat die Wache ihr Verhalten gegenüber den Milizen zu erläutern - im Bedarfsfall," schob sie hastig ein, als sie sah, wie die ersten Mitglieder ihrer Abteilung bereits zu süffisanten Komentaren á la "und jetzt gehen wir um die Ecke, liebe Milzen! Und immer schön ein Bein nach dem anderen ...", ansetzten.
"Und wann geht das Ganze los?", fragte Avalania.
"Nicht vor Morgen früh."
"Morgen schon? Ach du Schei ... benwelt." Begeisterung machte sich breit.
"Und wer hat sich diese brillante Arbeitsbeschaffungsmaßnahme nun aus dem Hirn gewürgt?", hakte die Laborantin noch einmal nach.
"Habt ihr denn die wochenlange Debatte über die Einbindung der Bürger in die Verwaltungsabläufe der Stadt in den Zeitungen nicht verfolgt?" Mit einem leichten Hüsteln meldete sich Charlie Holm zu Wort. "Das ist doch nicht so einfach vom Himmel gefallen!"
Ein Blick in die Gesichter seiner Mitsusen machte ihm klar, dass der Politik- und Kommentarteil der AM-Times nicht die Lektüre erster Wahl in seinem Umfeld war.
Also erbarmte er sich der Unwissenden und erläuterte den Weg, der sie nun alle - Gilden, Wache, Bürger und den Patrizier - an diesen Punkt gebracht hatte.
"Du meinst, wir riskieren die Arbeitsfähigkeit der Wache dafür, dass seine Lordschaft 'good will' gegenüber den Gilden geben kann, die eigentlich eine größere Transparenz bei der Arbeit des rechteckigen Büros und der dafür aufgewendeten Steuergelder verlangt haben? Und das letztendlich auch, weil irgendsoein neu gegründetes Käseblatt sich mit Hilfe von vermeindlichen Skandalen profilieren will?" Pismire schaute mit gerunzeltem Nasenrücken auf den Überbringer der schlechten Nachricht.
"Wenn man will, dann kann man es grob verkürzt auch so ausdrücken, aber ..."
"Wir sind also das Bauernopfer oder so", knurrte die Gnomin ihn unterbrechend.
"Fragt sich nur", murmelte Huitzli vernehmlich, "ob der Bauer geopfert werden will."
Umständlich rückte Sillybos seine Kleidung zurecht, als er aus dem Kurzschlaf, der ihn bei Besprechungen hin und wieder überfiel, wieder auftauchte: "Also aus meiner Sicht als Tatortwächter spricht nichts dagegen, auch die Leute von dieser Miliz in unsere tägliche Arbeit mit einzubinden. Vorausgesetzt sie halten sich an die Regeln: Sie tragen die weiße Schutzkleidung bereits vor dem Betreten des Tatortes und sind bereit - nur für Zweifelsfälle natürlich - ihre Fingerabdrücke, Haar- und sonstigen Gewebeproben mit in unserer Kartei erfassen zu lassen. Damit wir im Falle eines Falles ihre Spuren von möglichen Täterspuren unterscheiden können." Die Vorstellung, dass die Milizionäre vor den Augen ihrer Mitbewohner in der weißen Montur zum Spurensuchen antreten sollten, amüsierte allgemein.
"Genau, das mit dem Einbinden in die tägliche Arbeit kann ich nur unterstützen", kam es von Pismire.
Erst eine Zehntelsekunde später fiel auch bei Laiza der Cent. "Übersetzt heißt das in deinem Fall doch, dass du sie die Pathologie putzen lassen willst - oder sehe ich das falsch?", meinte die Abteilungsleiterin ein wenig schockiert ob dieser Dreistigkeit.
"Wieso nicht?", entgegnete der selbsternannte Oberpathologe breit grinsend. "Ordnung zu lernen und zu halten ist ein hohes Gut."
"Sagst ausgerechnet du", schoss es der Oberfeldwebelin durch den Kopf. Allerdings sprach sie es an dieser Stelle nicht auf.
Wen - außer diesen komischen Milizionären - traf es denn schon!?

Am nächsten Tag gestaltete sich die Teilhabe der Milizen an der Arbeit von SuSi ein wenig schwierig. Kaum hatte Charlie Holm die Aufgaben und Methoden der Tatorwächter unter den von Sillybos am Vortag skizzierten Bedingungen erläutert, sankt das Interesse an dieser Arbeit sichtbar -wozu auch der obligate getrocknete ankh-Schlamm am Stock nicht unerheblich beitrug.
Und nicht nur das, in einer Ecke formierte sich ernster Widerstand.
"Was ist denn dabei dann mit meinem Recht auf informationelle Selbstbestimmung?" Ein kleiner Mann mit rattenartiger Physiognomie in der letzten Reihe, dem das mühsam antrainierte Wort sichtbar Probleme bei der Aussprache bereitete, hatte schüchtern die Hand gehoben und die Frage in den Raum gestellt. Mehrere Milizen nicken ernst und zustimmend.
Der Tatortwächter musterte ihn kühl. "Was meinst du genau mit deiner Frage?"
"Nun, äh, ich meine: Wie lange werden denn diese Abdrücke und so und das ganze andere Zeugs bei euch aufbewahrt?"
"Ich versteh den Hintergrund deiner Frage immer noch nicht ganz, guter Mann." Der Wächter blieb ruhig. "Warum sollten wir denn die einmal erhobenen Daten wieder vernichten?"
"Weil das nie nicht jemanden was angeht, wie meine Finger aussehen und so." Hartnäckig bohrte der Mann nach. "Und auch das ganze andere Zeug und so."
"Wer immer den instruiert hat, war bei dem Versuch, den Gesamtzusammenhang zu erläutern, nicht sehr erfolgreich gewesen", dachte Pismire und nahm den Mann unauffällig ins Visier.
"Ich kann dir versichern, dass außer den dazu berechtigten Personen keiner deine Fingerabdrücke zu sehen bekommt, Herr ..."
"Mein Name tut nichts zu Sache."
"Also gut Herr Meinnametutnichtszursache."
In der Versammlung kicherten die Ersten leise vor sich hin.
"Natürlich bekommen keine Außenstehenden die Fingerabdrücke zu sehen. Warum auch?"
"Und wenn schon, Johann Speckfinger," alberte eine heisere Stimme in der Menge, "wie wissen doch alle, dass du deine Finger nicht nur in der Nase hast. Was soll's also?"
Mehr Gelächter. Die Auswahl der potentiellen freiwilligen Tatortmilizionäre schien zur Farce zu verkommen.
"Und was soll den das überhaupt sein, diese 'informationierten Selbstdingsbumserei'", heischte eine rotgesichtige Matrone in der ersten Reihe nach Auskunft, "meinetwegen kann die Wache auch noch den Abdruck von meinen Füßen habe, ich habe doch nix zu verbergen."
"Aber darum geht es doch gar nicht!" Der als Johann Speckfinger titulierte insistierte auf seinem ursprünglichen Thema kleben. "Es geht um die Frage, ob die Wache das darf, so einfach so die Abdrücke von unschuldigen Bürgern so wie auf Vorrat zu sammeln."
In diesem Augenblick zog Charlie sich elegant aus der Diskussion zurück und deutete an, dass die Mitglieder der Milizen sich vielleicht erst einmal über dessen Punkt klar werden sollten.
Die Debatte wogte hin und her und schwappte am Ende auf die Tagesordnung der nächsten Milizbesprechung in drei Tagen zu, was Hutzli in der Kantine mit "1:0 für SuSi" kommentierte. Außerdem wurde spontan von den Anwesenden beschlossen, erst einmal die anderen Teile der Abteilung besser kennenzulernen.

Nicht bei allen Abteilungen der Wache verlief der erste Tag so glimpflich wie bei SuSi, auch wenn Lady Rattenklein angesichts der Horde verständnislos durch ihr Labor stapfender Vollidioten mehrfach kurz vorm Explodieren gewesen war. Die SEALS hatten am meisten unter Milizen zu leiden, die nicht einsehen mochten, dass auch "unser Milli ihr Gemüsegeschäft" nicht mal für kurze Zeit die Kisten auf der Straße lagern darf, dass spätes Aufstehen nicht einmal in der engsten Nachbarschaft einen Grund für eine Hausdurchsuchung darstellt und dass auch tief verwurzelten Aversion an sich noch kein Haftgrund ist.


Das Spiel der Frösche

Offensichtlich hatte sich - dem Ruf entsprechend - nur die Harten zu FROG getraut. Mit anderen Worten: Angeber und Idioten also, die ihre physischen Fähigkeiten vermutlich noch mehr überschätzen als der Absolut Bekloppte Johnson sein Talent als Landschaftsgärtner.
"Was für ein jämmerlicher, erbärmlicher Abschaum", dachte Valdimir von Varwald, als er die freiwilligen Milizionäre, die auf einen Einsatz bei den FROG brannten, in Augenschein nahm.
"Was haben wir denn da: Einen aufgeblasenen Wichtigtuer, einen offensichtlichen Vollidioten, der das geölte Zeug auf seinen Oberarmen mit durchtrainierten Muskeln verwechselt", fuhr er in Gedanken fort, "eine von diesen 'Auch-Frauen-stehen-ihren-Mann-Schnepfen', nur dass diese hier auch noch wir Egobald der Klempner persönlich aussieht und einen pickligen Pubertierling, der wahrscheinlich bei seien Kumpels Eindruck schinden will. Und dann noch so ein Fräulein Unauffällig. Miss Graue Maus persönlich. Was die wohl bei uns zu suchen hat. Und wieso schluckt die ein Lutschbonbon in einem Stück runter?" Innerlich mit den Achsel zuckend, schob er diese Frage schnell beiseite.
Laut hingegen sagte er: "Herzlich willkommen bei FROG - den Freiwilligen Rettern ohne Gnade." Die kurze Pause für das obligate Lachen verstrich ungenutzt. "Mein Name ist Valdimir von Varwald, ich leite diese Abteilung und habe den Rang eines Feldwebels. Sie haben sich also entschlossen, an einer unserer Übungen, dem Querfeldeinlauf über die Dächer, teilzunehmen. Ich darf Sie vorher allerdings darauf aufmerksam machen, dass das nicht ganz ungefährlich ist, und ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie ..."
"Also hör mal zu, Meister!"
"Ah, der Wichtigtuer. Ja", dachte der Vampir, "darauf hätte ich auch gewettet, dass du zuerst die Klappe aufmachst."
Unaufhaltsam schob der Mann sich und seine Wampe in den Vordergrund. "Was hier gefährlich ist, das können wir ganz gut selbst einschätzen. Du hast hier keinen Haufen, ich meine: größtenteils keinen Haufen", und damit glitt sein Blick zu dem pickeligen Jüngling, der noch ein wenig roter wurde und der grauen Maus, "von Kleinkindern und Weicheiern vor dir. Bei dem Spaziergang können wir hier", und bei diesen Worten nickten ihm das kleine Muskelpaket und die zweite Frau recht mannhaft zu, "ganz gut mithalten, schätze ich."

Zwei Stunden später platzte Thelema so aufgeregt mit den Worten: "Boah ey, das hättet ihr sehen müssen!", in die Runde am Rekrutentisch in der Kantine, dass sie beinahe die Eintopfterrine vom Tisch gefegt hätte.
"Jetzt krieg dich erst einmal ein", versuchte Adalgrim Eisele sie zu beruhigen und zog gleichzeitig sichernd seine Suppenschale aus ihrer Reichweite. "Was ist denn überhaupt los?"
"Ey, boah, also, die machen da die Übung mit einigen von den Milizen", sprudelte es weiter, "und dann sollten die von Dach zu Dach springen. Und der eine von denen meinte, das wäre ja nun überhaupt kein Problem für ihn, und dass er das gut alleine kann und so, als die FROG ihm Hilfe angeboten haben. Und das war schon ein ziemlicher Abstand zwischen den beiden Dächern. Und der Typ war eher fett als kräftig, wenn ihr mich fragt." Mit wackelnden Schultern und abgespreizten Oberarmen deutete sie ein eher grobschlächtiges Wesen an, das sich schwerfällig auf dem Dach bewegte.
"Stop, stop, stop", unterbrach Kanndra sie. "Das ist doch kein ordentlicher Bericht, aus dem man irgendetwas erfährt. Also: a) beruhige dich, und b) bring die Fakten systematisch und der Reihe nach und c) vermeide Wiederholungen." Und mit einem Nicken forderte sie ihre Rekrutin auf: "So, und nun noch einmal der Reihe nach von vorne. Und in ganzen Sätzen, bitte."
Die junge Frau hatte sich während dieser Ermahnung bereits gefasst und war in den Berichtsmodus gefallen. "Also: Heute Morgen war bei FROG eine praktische Übung "Das Dach als Fortbewegungsraum" angesetzt, bei der auch einige von diesen Milizen dabei waren und da mitmachen wollten; insbesondere so ein grobschlächtiger Kerl, der sich - sag ich jetzt mal so - für den Größten der Größten hält. Ich war ja nur da im Rahmen meines Praktikums und sollte zusammen mit Korporal Carisia von einem der Dächer aus die Auswertung machen."
Ein Blick zu Kanndra zeigte ihr, dass ihr Bericht sich so auf dem richtigen Weg befand. "Und von den fünf Milizen wollten drei die Übung unbedingt mitmachen und waren nicht davon abzubringen. So nach dem Motto: "Ich brauch hier doch kein Kindermädchen" und so. Also hat die FROG-Gruppe erst einmal die übliche Runde zum Aufwärmen rund um den Pseudopolisplatz gemacht, und die drei Schivilisten waren mittendrin. Eine Frau und die zwei Typen - die anderen waren mit mir bei Carisia, um die Übung zu beobachten. Sehr vernünftig, wenn ihr mich fragt. Und bei Indeckung ist der Abstand zwischen den Dächern schon ziemlich groß. Also hat der Trottel Anlauf genommen und ist losgesprungen, aber der Sprung hat überhaupt nicht gereicht. So ein Stück", sie deutete mit den Händen eine Distanz von 60 Zentimetern an, "hat mindestens gefehlt. Und beide Häuser da sind gute 15 Meter hoch. Der Typ kreischt und fällt mit rudernden Armen nach unten. In dem Augenblick macht es irgendwie "plopp" auf dem Dach und eine schwarze Fellkugel fällt in den Spalt, geht volle Kante in den Sturzflug," haarscharf über der Suppenterrine stoppte ihre Hand, die begleitend die Bewegungen mitgemacht hatte, "und an dem Idioten vorbei, und knapp zwei Meter vor der Erde macht es wieder "plopp" und dann steht da Feldwebel Varwald wieder als Mensch - äh, Vampir - und fängt den Typen voll lässig am ausgestreckten Arm ab, so: zack" - sie imitierte die Geste des Am-Kragen-Schnappens mit ausgestrecktem Arm. "Keine zehn Zentimeter baumelten dessen Füße über den Boden, dann stellt er ihn dann ganz vorsichtig ab, guckt den so von oben nach unten an und meint nur total trocken: "Ich denke, ein wenig mehr Übung und eine trockene Hose könnten hier hilfreich sein!" und klettert einfach wieder aufs Dach zurück." Ihren Bericht quittierten die Wächter am Tisch mit Johlen, und abschließend meinte die Rekrutin nur ehrfürchtig: "Das war so cool - das will ich auch mal werden."
"Das ist aber nicht, ich meine, eigentlich sollte FROG doch die Unschuldigen da draußen schützen - oder?", merkte der Zwergenrekrut an.
"Ja schon, aber zeig mir doch mal einen von denen da draußen, der wirklich unschuldig ist", kam es ohne Zögern von seiner Ausbilderin, die lange genug ihre Arbeit bei FROG genossen hatte.

Das SuSi-Toto

Für den größten Teil von SuSi gestaltete sich der zweite Tag mit den Milizionären recht unterhaltsam.
"Fein, dass wir noch ein wenig Bearbeitungsvorrat in der Schublade haben, nicht wahr?", meinte Pismire gutgelaunt, als er mit Avalania und Huitzli das Besprechungszimmer erreichte, wo sie die Freiwilligen in Empfang nehmen sollten.
Es waren sechs Aspiranten, die erwartungsvoll auf die Mitglieder der Wache schauten. Zum Erstaunen von Magane und Laiza hatten sich sämtliche Mitglieder von SuSi bereit erklärt, die Milizen in Empfang zu nehmen.
Zuerst stellte Pismire die Wächter vor, dann begrüßte er die Anwesenden einzeln der Reihe nach mit Handschlag ("Der will doch nur den Puls fühlen, der alte Schummler!", zischte Ava Huitzli zu)
Und anschließend gab er ihnen noch schöne Marken mit Zahlen von 1 bis 6, die sie sich gut sichtbar an die Kleidung heften sollten, zum Zeichen dafür, dass sie den heutigen Tag als SuSi-Praktikant verbringen würden. Scherzhaft stellte er ihnen auch noch einen Rabatt (Mitarbeiterpreise) in der Kantine in Aussicht, sollten sie die Marken weiterhin angeheftet haben.
Was er ihnen an dieser Stelle weniger detailliert erklärte, war die nun folgende Sektion, denn der so genannte "Bearbeitungsvorrat" entpuppte ich als die Leiche einer älteren Dame, deren Angehörigen darauf 'bestanden' hatten, sie der Wache zu 'spenden' - die weniger höfliche Formulierung hierfür wäre: die zu geizig waren, für eine angemessene Beerdigung zu sorgen.
Der Oberleutnant gruppierte die Praktikanten um den Tisch, auf dem die mit einem Tusch bedeckte Leiche lag, und sorgte dafür, dass auch alle von ihnen einen guten Blick auf das zu erwartende Geschehen hatten.
Huitzli postierte sich mit einem Klemmbrett auf dem nächstgelegenen Tisch, argwöhnisch beäugt von Lady Rattenklein. Avalania nahm zu Füßen der 'Hauptperson' Aufstellung, Sillybos und Charlie hatte sich beim Eingang der Pathologie unter dem Vorwand, das alles schon zu kennen und nicht im Weg sein zu wollen, zurückgezogen.
Als Nächstes zog Pismire das Leichentuch von der alten Frau und begann mit der äußeren Sektion. Eine junge Frau, die bereits bleich im Gesicht geworden war, als Pismire das Wort 'Leiche' zum ersten Mal verwendet hatte, schwankte ein wenig, fing sich aber unter dem vermeintlich mitfühlenden Blick des Schamanen wieder.
Aber auch die Aufmunterung nütze hier nicht viel. Als er kurz danach begann, seine Werkzeuge zu erläutern, und erklärte, dass sie zuerst den Bauchraum, dann den Brustraum und anschließend den Kopf zu obduzieren gedächten, kippte Margrate Bärdrücker um. Zwei ihrer Mitmilizen legten sie vorsichtig auf den letzten freien Tisch, dann ging Pismires Vortrag weiter. Nachdem er einen ungefähr 50 Jahre alten Mann ("Du bist doch sicherlich nicht so zimperlich, mein Bester!") gebeten hatte, ihm bei Inaugenscheinnahme der Körperöffnungen ein wenig zu Hand zu gehen und diesem das Gebiss der Toten entglitten war, stürzte Johann Perbold zum Waschbecken in der Ecke und übergab sich spontan - eine Reaktion, die ihm bei seinen Mitmilizen wahlweise angeekelte oder mitleidige Blicke einbrachte.
Als Pismire die äußere Totenschau abgeschlossen hatte, rieb er sich erwartungsfroh die Hände und erläuterte den fünf noch (einigermaßen) aufrecht stehenden Milizen: "Nun kommt der eigentlich spannende Teil der Leichenschau. Dazu haben wir zwei Möglichkeiten: den Y-Schnitt, der", er deutete den Schnitt an, "von den Schlüsselbeinen zum Brustbein verläuft und anschließend mit einem geraden Schnitt bis zum Schambein den Körper öffnet, oder aber" und hier setzte er das Skalpell an und führte zeitgleich zur Erläuterung den Schnitt durch, "den T-Schnitt, den ich bevorzuge, einfach weil er viel eleganter ausschaut, und der leicht bogenförmig von Schulter zu Schulter verläuft und dann ebenfalls bis zum Schambein geführt wird - denn Ziel ist es doch, an die inneren Organe zu gelangen, um Proben nehmen zu können - oh, oh - wir haben keinen Tisch mehr für Frau", er schaute flugs in die Liste, in der die Milizionäre den Empfang ihrer nummerierten Marken quittiert hatten "Meiermann frei. Am besten setzen wir sie auf den Boden und lehnen sie vorsichtig an die Wand."

Zwei Stunden später wusch er sich die Hände und meinte gut gelaunt zu Huitzli und Avalania: "Ich hätte nicht gedacht, dass Sillybos recht haben würde mit seiner Vermutung, dass keiner bis zur Sicherstellung des Mageninhalts durchhält. Aber immerhin habe ich die Wette gewonnen, wer zuerst kotzen muss."
"Hast du ihnen deswegen vorher unauffällig den Puls gefühlt?", grollte die Zwergin, die einen AM-Dollar auf Frau Meiermann gesetzt und somit verloren hatte.
"Ts, ts, ts, immer dieses Misstrauen, Kollegin. Ich habe ihnen lediglich freundlich die Hand gegeben. Sozusagen."
"Ich muss zugeben", meinte Hutzli und blickte noch einmal auf seine Aufzeichnungen, "mit der Reihenfolge 3-5-2-1-6-4 hatte keiner gerechnet. Wie machen wir dann nun mit den eingezahlten Wettbeträgen?"
"Lass uns erst mal nach oben gehen", meinte der Schamane und deutete auf das Waschbecken, an dessen Rand immer noch der eine oder andere Rest Mageninhalt klebte. "Ich leg noch einen Zettel auf Herrn Perbold, dass er das noch saubermachen soll. Jetzt hätte ich gerne erst mal einen Kräutertee."

"Ich halte das für den gerechtesten Vorschlag", meinte Charlie, der zusammen mit Sillybos über den Aufzeichnungen zur Abteilungswette gebrütet hatte. Da keiner auf das Ergebnis richtig vorhergesagt hatte, gestaltete sich die Verteilung des Wettgewinns nun ein wenig schwieriger.
"Man bekommt pro richtiger Vorhersage einen Punkt, und die Gesamtzahl des eingezahlten Geldes wird durch die Summe der Punkte geteilt und der Gewinn dann im Eimer ver..."
"Welcher Gewinn und welcher Eimer?", fragte Laiza zuckersüß hinter der Gruppe der Susen. Keiner hatte bemerkt, dass die Abteilungsleiterin unauffällig ins Zimmer gekommen war, und entsprechend erschreckt fuhren ihre Leute nun herum.
"Ich will ja nicht stören, aber kann mir bitte jemand erklären, wer unten im Keller sechs Milizen um ein zugekotztes Waschbecken herum gruppiert hat?"

"Sie haben was?", gluckste Magane.
"Wetten abgeschlossen. Darüber, wer als Erstes umkippt, sich übergibt, rausrennt oder sonstwie aufgibt. Dann gab es noch die Möglichkeit einer Reihenfolgenwette - deswegen haben die den Milizen Nummern verteilt, und von wegen: Protokoll! Huitzli hat Aufzeichnungen gemacht, weil er a) den Wettverlauf dokumentieren sollte und b) weil es ihn privat interessiert hat, "statistische Erhebungen über die Toleranzgrenzen von Menschen" anzustellen. Und das allen hinter meinem Rücken."
"Nun, selbst wenn sie gewollt hätte: Du hättest bei dieser Wette ja wohl kaum mitmachen können", merkte Magane weise an.
"Pah", lautete die Antwort. "Immerhin stelle ich langsam ein echtes Gemeinschaftsgefühl in meiner Abteilung fest. Nur: ich glaube, dass sich der Kommandeur so nicht vorgestellt hatte."
"Ja, und nach allem, was man hört, sind wir nicht die einzige Abteilung, die sich gegen die Milizen zusammenrottet. In der Kantine machen sich sogar schon die Rekruten über die Milizen lustig. Ich hoffe, dass der Spuk bald vorbei ist und wir wieder ganz normal unsere Arbeit machen. Ohne diese ganzen Umtriebe."


RUMba und Hundstage

"Seit wann liest du denn dieses üble Käseblatt?", fragte Laiza ihre Stellvertreterin indigniert, als sie morgens in ihr Büro kam und Magane in ein Exemplar des Wackers, dem neuesten und schrillsten Produkt der florierenden Käseblattindustrie von Ankh Morpork vertieft vorfand.
"Ganz bestimmt nicht freiwillig", schnappte Magane schlecht gelaunt zurück und warf ihrer Vorgesetzten das Blatt zu. "Da: die berichten über uns. Ausschließlich und zwar auf übelste Art."
"Über SuSi?"
"Nein, über die Wache.




Extrablatt


DIE WACHE INTEAM!


Diese Frösche verpatschen unsere Kröten!


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RUM - wes Geistes Kind sind die denn?


Großes Speschiel im Innenteil


DOG - zahnlose Hunde im Lotterbett!




Die haben der Wache eine eigene Sondernummer gewidmet."
Hastig grapschte die Abteilungsleiterin nach dem Blatt und überflog es kurz und angewidert.
"Da stecken mit Sicherheit diese Leute von der Miliz dahinter - da, sie schreiben hier selbst von einem Anderkawer-Einsatz bei der Wache. Die haben jemanden hier eingeschleust und ziehen uns nun durch den Dreck. War der Wacker nicht auch das Blatt, dass diese ganze Aktion angeleiert hat?"

Mit dem Sonderblatt des Wackers, dass sich wie Fusspilz in der Wache verbreitete, sank die Stimmung bei den Wächtern genauso drastisch, wie sich die Laune bei den Milizen hob. Der sogenannte Anderkaweragent hatte keine Gelegenheit ausgelassen, die drei bisher von ihm beschriebenen Abteilungen lächerlich zu machen. FROG waren in seine Augen ein Haufen überbezahlter Nichtsnutze, die sich auf Kosten der schwer arbeitenden Bevölkerung ein Luxusleben ohne Arbeit gönnten und deren Spezialität - neben sinnloser Brutalität und schwerer Sachbeschädigung bei Außeneinsätzen - vor allem im Mobben ihrer Umgebung bestand. Als sinnfälliges Beispiel wurde der Einsatz von Feldwebel Varwald auf dem Dach genannt, nur hatte er diesmal kein Leben gerettet, sondern sinnlos eins aufs Spiel gesetzt und das Opfer seiner Umtriebe hinterher dem Spott seiner Mitarbeiter ausgesetzt. Es gab sogar Bilder, die den Sturz des Mannes vom Dach zeigten.
Bei RUM hatte der Schreiberling auch nichts Gutes gefunden. Den meisten Mitgliedern unterstellte er, nicht ganz bei Trost zu sein und er spekulierte recht unverhohlen darüber, ob eine Abteilung mit diesem Namen nicht ganz offensichtlich ein Alkoholproblem habe.
Sein Besuch bei DOG war noch schlimmer ausgefallen. Offen spekulierte der Wacker darüber, ob eine Abteilung, die so offensichtlich in der Gunst einer bestimmten Gilde stand überhaupt in der Lage seien könne, sich vorurteilsfrei mit Gildenangelegenheiten zu befassen. Darüber hinaus war dieser Teil der Wache-Sondernummer mit wenig bekleideten Damen garniert, die war nicht mit der Boucherie Rouge zu tun hatten, aber zumindest die Leser erfreuen sollten. Am Ende wurde noch angekündigt, sich mit SEALS (den angeblich so genannten "grauen Würstchen") und den ominösen TranSuSis zu beschäftigen - als zweite Sondernummer.

In der Kantine schlugen darob die Wellen hoch.
"Es muss jemand sein, der bei allen drei Abteilungen mitgemacht hat."
"Ich wette, es war dieser Widerling, der bei FROG vom Dach gefallen ist.
Die Stimmen schwirrten durcheinander, alle schienen gleichzeitig zu reden.
"Aber der war dann gestern bei SuSi - dem Bericht nach war der Anderkawermann aber bei DOG."
"Vielleicht gibt es zwei? Vielleicht sind diese ganzen Milizen beim Wacker!"
"Aber dieser Idiot bei FROG - das würde zu dem passen.
"Aber das ganze Spekulieren ist doch sinnlos!"
"Mann, der ganze Typ war sinnlos."
Am anderen Ende des Raumes amüsierten sich die Milizen dabei, sich gegenseitig die besten Stellen aus dem Wacker so laut vorzutragen und zu belachen, dass man es durch das halbe Wachhaus hören konnte.

Von all dem bekam Pismire nicht so viel mit, weil er sich - auf ausdrücklichen 'Wunsch' von Laiza - dem liegengebliebenen Papierkram widmen durfte. Von daher war er recht erfreut, als kurz vor Mittag Magane mit der Nachricht: "Wir haben eine Leiche!", in den Raum platzte.

"Wir haben was?"
"Eine Leiche bei Madame Piepenstengel."
"Oh, endlich mal wieder Fleisch auf der Speisekarte?"
"Bei den geringen Göttern - ist dir eigentlich alles Anlass zu unappetitlichem Scherz?", entfuhr es der Tatortwächterin leicht irritiert.
"Ich bin Gerichtsmediziner - wir haben einen Ruf zu verlieren."
"Ja, einen den ihr euch selbst zuzuschreiben habt."
"Um wen handelt es sich eigentlich?"
"Die Tote ist eine junge Frau - Angehörige der Miliz - und hieß", Magane überflog die Angaben auf dem Formular, das jeder Milizionär vor der Zusammenarbeit mit der Wache ausgefüllt hatte und stets bei sich tragen sollte. "Moment, ah ja, da steht's ja: Mändy Mops.
Alter: 30 Jahre
Augenfarbe: grau
Haarfarbe: mittelblond
Größe: 1,65m
Gewicht: 50 kg
Besondere Kennzeichen: keine
Familienstand: ledig
Wohnort: Ohne-Lampen-Gasse (Verlängerung der Drei-Lampen-Gasse, die auf den Friedhof der geringeren Götter zu läuft).
Eintritt in die Miliz war vor drei Tagen."
[2]
"Gut, ich schau sie mir oben an. Ich nehme an, dass ihr den Tatort gesichert habt?"
"Klar doch, allerdings ist jetzt Madame Piepenstengel sauer und droht mit Hackbratenboykott bis Sektober, weil ihr Mittagessen anbrennt oder verkocht, wenn sie es nicht bald auf den Tisch bringen kann."
"Mit anderen Worten: Ich soll mich beeilen."
"Ja, da wären dir sicher alle sehr verbunden."
Als Pismire in die Kantine kam, drängelten die meisten Milizen diskret zum Ausgang - offensichtlich hatte sich das Praktikantendesaster vom Vortag auch ohne den Wacker wacker verbreitet.

"Wir warten erst einmal das Ergebnis der Obduktion ab", beschloss der Kommandeur. Da es sich um ein Mitglied der Miliz handelte, hatte Breguyar beschlossen, den Fall an sich zu ziehen. "Wir müssen so gründlich wie möglich vorgehen, aber sollten auf der anderen Seite voreiligen Spekulationen verhindern." Die Abteilungsleiter stimmen ihm größtenteils zu.
"Immerhin hatte sie noch nichts gegessen", meinte Kanndra. "Also kann es wenigstens nicht am Essen gelegen haben."
Noch während sie das weitere Vorgehen berieten ("Wir dürfen auf keinen Fall die Milizen von den Ermittlungen ausschließen, sonst heißt es, dass wir etwas zu verbergen haben" - "Ja, aber wenn die wieder an der Obduktion teilnehmen, heißt es nachher auch über meine Leute, dass sie ihrem natürlichen Hang zur Grausamkeit nachgeben."), drang von der Straße durch das geöffnete Fenster das Schreien der Zeitungsjungen, die versuchten, die Abendausgaben unters Volk zu bringen. Und nach und nach dämmerte ihnen, was sie da hörten: "Extrablatt!! - Extrablatt!!! Tote bei der Wache!! - Anderkawer Agentin ermordet!!!"
Und wie auf Bestellung flog ein Exemplar in den Raum.
Es war wieder eine Sondernummer und diesmal waren die Buchstaben mehr als 20 cm hoch. Blutrot war zu lesen:




Extrablatt


UNSERE TOTE


Was verbirgt die Wache wirklich???


Der neueste Skandal!


Wacker-Reporterin bei Einsatz grausam ermordet!!





Auf den GRUND gegangen

Bis in die Pathologie war auch diese schlechte Nachricht schnell gelangt.
"Die Frau muss ein gutes Gedächtnis gehabt haben", meinte Avalania. Während der Vorbereitung der Obduktion plauderten die Gerichtsmediziner ein wenig. "Feldwebel von Varwald hat mit erzählt, dass die Szene bei FROG sich Wort für Wort so abgespielt hat, wie es im Wacker zu lesen war. Er hat selbst keine Erklärung, er meint, ein Schreibblock wäre ihm aufgefallen. Und ich würde gerne wissen, wie sie die Ikonographie so anfertigen konnte, dass niemand was bemerkt hat."
"Damit", entgegnete Pismire und schob der Zwergin einen kleinen Gegenstand, vorsichtig mit der behandschuhten Hand über den Tisch zu. Es war eine winzige Schatulle aus Metall, zwei Zentimeter breit, einen halben Zentimeter tief und vielleicht vier Zentimeter hoch. Winzige Scharniere an der Seite zeigten, dass sie sich öffnen ließ. Auf dem Deckel befand sich eine gläserne Linse von zwei Millimetern Durchmesser, und der Rand des Döschens war mit Schlitzen versehen, die Luft und Schall ins Innere ließen. Auf der Rückseite befanden sich drei winzige Löcher, und in einer Rille war eine kleine Nadel eingelassen, so lang wie das Gebilde, deren Spitze zu den Löchern passen musste.
"Was ist das denn?"
"Das ist ein iGitt nano. Das neueste Modell. Meine Güte, so was hätte ich auch gerne," seufzte Pismire begehrlich.
"Eischnitt?"
"Buchstabiert i-G-i-t-t, gesprochen: Eih-Dschitt nano. Innovatives Grafik-Informations-Text-Teufelchen - und nano, weil es so klein ist. Er kann sich bis zu zwei Stunden gesprochene Sprache merken, über einhundert Bilder und maximal achthundert Informationshäppchen, die nicht länger als 256 Buchstaben sein dürfen, speichern, bevor er wieder entladen werden muss. Mit Blauzahn-Technologie."
"Und wo soll da das Papier rauskommen", fragte die Zwergin, die das Gerät hochgenommen hatte und aufmerksam beäugte. "Ich sehe gar keinen Auswurfschlitz oder so.
"Das ist ja das Faszinierende. Blauzahntechnologie halt", schwärmte Pismire weiter. Und als er ihren verständnislosen Blick sah, fuhr er mit den Erläuterungen fort: "Er merkt sie sich nur. Wenn du ihn abhören willst, die Bilder sehen oder die Informationen abrufe möchtest, dann musst du ihn mit einem entsprechenden anderen Dämonen zu verbinden - beispielsweise mit einem Ikonographierer - und der malt dann die Bilder."
"Blauzahn?"
"Die Nachfolgerin der Inkubus-Sukkubus-Stecker-Technologie, die im entscheidenden Augenblick versagen konnte, wenn die Dämonen, äh, ich meine, du weißt schon ..." Ein wenig verlegen brach er ab.
Die Zwergin sah ihn gleichmütig an: "Ist schon gut, Pismire. Ich denke, dass mir die wichtigsten technischen Details hierbei vertraut sind. Und was ist nun der Unterschied zur Blauzahntechnologie?"
"Äh, ja, also: Der Blauzahnteufel beißt einfach den anderen Dämonen und dadurch werden die Informationen übertragen."
"Beißt."
"Genau. Beißt."
"Kling ein bisschen vampirisch".
"Und auch nicht so, als ob einer unserer Gerätedämonen das wirklich mit sich machen ließe", ergänzte der Schamane ein wenig sorgenvoll.
"Worauf ihr einen lassen könnt, ihr perversen Spinner", krächzte es roh aus der Wand. Ohne ihr Wissen hatte Aaps, der für SuSi zuständige Rohrpostdämon, mindestens einen Teil der Unterhaltung der beiden Pathologen mit angehört. "Wenn ihr allen Ernstes glaubt, dass ich mir von so einem Spinner in den Arsch beißen lasse, nur damit ihr an die Infos kommt, dann habt ihr euch aber sowas von geschnitten - und eins schwöre ich euch auch: Keiner der anderen von uns lässt sich von euch für diese widerlichen Spielchen missbrauchen!"

"Eindeutig?"
"Eindeutig. Gefreite Gilgory und Obergefreiter Huitzli stimmen mit mir überein, dass die Frau vergiftet wurde."
Der Kommandeur stöhnte auf. "Die Frau ist in der Kantine gestorben. Vor einer Tasse Kaffee. Wie viele Leute waren gerade anwesend?"
"Genau 34, 11 Milizen und 23 Wächter", sagte Laiza mit Blick auf den Bericht von Oberfeldwebel Holm. "Und zwar ..."
"Schon gut. Zu den Details kommen wir noch. Gibt es schon einen Hinweis auf das Gift?"
"Ja, zweifelsfrei Blausäure. Aber - und hier wird's interessant - das Gift war nicht im Kaffee."
"Wie soll das gehen?", fragte Romulus. "Ich denke, Blausäure wirkt sehr schnell? Unmittelbar nach der Aufnahme."
Pismire zuckte die Schultern. "Wir sind mit der Obduktion so weit fertig, dass wir mit Sicherheit sagen können, welches Gift es war, aber wie das Gift in die Frau gelangte, das wissen wir noch nicht." Und als er das Stirnrunzeln des Kommandeurs sah, fügte er hinzu: "Wir wissen, dass das Gift über die Magenschleimhaut aufgenommen wurde - das Gewebe ist charakteristisch verfärbt." Als er das angestrengte Gesicht von Laiza sah, brach er ab. "Wenn du möchtest, kann ich noch mehr ins Detail gehen, aber ich denke, das ist hier nicht nötig."
"Es gibt da noch ein anderes Problem", meldete sich nun der Werwolf erneut zu Wort. "Dieser Bericht", und der schob das neueste Exemplar des Wackers angeekelt in die Mitte des Tisches, "deutet an, dass der Mord ein Racheakt durch die Wache ist. Und zwar besonders durch die Abteilungen, die heute Morgen im Zentrum der Aufmerksamkeit standen. Ich bin mir sicher, dass - egal welches Ergebnis RUM liefert - es immer heißen wird, dass wir nur nach einem Sündenbock gesucht haben, um einen Täter aus den eigenen Reihen zu decken."
"Stimmt, das ist ein Problem. Andererseits sind die Milizen, die ich bisher kennengelernt haben - unter uns gesagt - so dämlich, dass die nicht einmal ihren eigene Hintern im Dunkeln finden. Geschweige denn einen Mörder - oder Mörderin. Es hilft nichts, wir müssen erst einmal die Ergebnisse des Labors abwarten und uns dann mit den Leuten von der Miliz beraten."
"Eine wenig beneidenswerte Aufgabe", meinte Pismire gelassen und erhob sich. "Ich vermute, dass ich jetzt erst einmal weiter machen kann?"

"Wie kann das sein", fragte Huitzli, der die gesammelten Berichte der Augenzeugen vor sich hatte. "Sie scheint innerhalb von zwei Minuten gestorben zu sein. Trinkt einen Schluck Kaffee und fängt an zu keuchen, greift sich an den Hals, röchelt, steht auf, röchelt stärker, kippt auf den Tisch und ist tot. Und in der Kaffeetasse ist Kaffee. Nun, größtenteils Kaffee - wenn wir Madame Piepenstengels Kantinengewohnheiten berücksichtigen."
Die ihm gegenübersitzende Zwergin zuckte mit den Schultern. "Vielleicht findet Pismire etwas. Er hat sich ein Teesieb geschnappt und meinte, er geht den Mageninhalt noch einmal gründlich durch.
Und als sie den Blick des Wasserspeiers sah, ergänzte sie: "Sein Teesieb!"
"Ich hoffe, er hat an die Milizen gedacht", meinte der Wasserspeier besorgt.
"Ja, aber die wollten nicht mitmachen. Sie warten das Ergebnis ab."
Und noch bevor sie das Thema mit ein wenig Spott und Hohn ausführen konnte, kam der alte Schamane mit einem kleinen Glasschälchen herein.
"Ich glaube, ich habe da was." Mit funkelnden Augen stellte der die Untertasse auf den Tisch und deutete mit einer Pinzette auf den Inhalt.
"Da: Wachs und Glasscherben. Ganz winzige Glasscherben. Letztendlich hat Lady Rattenklein sie zuerst gesichtet."
Die Laborantin glitt von seiner Schulter und nickte.
"Wachs?", fragte Huitzli.
"Ja, Wachs. Vermutlich war das Gift in einer Kapsel aus sehr dünnem Glas", erläuterte die Gnomin. "Ich habe einen Teil der Splitter sammeln können, und wenn man die Krümmung hochrechnet, dann scheint das ganze Gebilde eine Glaskapsel von winzigen Ausmaßen gewesen zu sein. Mit Gelatine und Wachs ummantelt, damit sie nicht sofort im Magen zerdrückt wird - die Gelatine wirkt wie ein Polster und das Wachs ist ein erster Schutz gegen die Magensäure. Eine raffinierte Vorrichtung." Sie nickte anerkennend.
"Aber wozu soll das dienen?", fragte der Wasserspeier irritiert.
"Ich vermute, dass der Täter - oder die Täterin - damit erreichen wollte, dass der Tod verzögert, also eben in der Wache, eintritt. Damit lenkt er von sich und seinem Motiv ab. Jeder denkt dann: "Ah, die ist in der Wache vergiftet worden", und da sucht man auch das Motiv."
Die Zwergin nickte. "Ja, das klingt raffiniert. Aber wie kannst du aus ein paar Scherben auf die Form eines Gefäßes schließen?"
"Das ist nicht so schwer, wie man denkt. Klar könnte ein Glasgefäß auch eine völlig unregelmäßige Form haben - meist aber ist es symmetrisch. Hier zum Beispiel sieht man, dass es eine Krümmung gibt, die auf ein Oval hindeutet - bei einem Kreis wäre die Scherbe da gerundeter. Und das", sie zeigte ein weiteres Fundstück vor, "deutet darauf hin, dass wir uns die Kapsel wie eine Art ovales Kissen vorstellen können - überall fast gleich hoch mit einer ovalen Grundfläche.
Angestrengt hatte Huitzli versucht, die Angaben zur Form nachzuvollziehen. "Aber das wäre dann genau wie ein Lutschbonbon geformt", meinte er aufgeregt, als er die Form erkannte.
"Genau", nickte der Oberleutnant grimmig. "Und mit buntem Wachs dick ummantelt auch nicht von einem solchen zu unterscheiden. Zusätzlich mit Zucker überzogen haut auch der Geschmack hin."
"Und wenn man jemanden hat, der die Bonbons immer schluckt, anstatt sie zu kauen, dann hat man die ideale Tatwaffe für dieses Opfer."

"Na gut, wir haben die Mordmethode zweifelsfrei nachgewiesen. Aber immer noch fehlt uns das Motiv. Und natürlich der Täter und die Beweise und das Geständnis." Der Kommandeur der Wache übte sich in Gründlichkeit.
"Ja, aber wir haben einen Zeugen!" Aufgeregt deutete die Okkultismusexpertin auf das Protokoll der Pathologie. "Wie wissen, dass", ein kurzer Blick auf den richtigen Namen, den Pimo Spinner, Verleger des Wackers ungern preisgegeben hatte ("Wir können doch nicht unsere Anderkawer-Agenten bloß stellen!" - "Die hier ist tot - und in der Anderwelt kann sie sich ja anderkawer einen neuen Namen machen. Also: Wie hieß die Dame?") "Persistenzia Wackvogel ihren iGitt nano immer dabei hatte - sogar nachts an einer Kette um den Hals. Und zwar deshalb, weil der Wacker das Ding seinen Mitarbeitern bei Verlust vom Gehalt abzieht - also hätte sie im Verlustfall ein Jahr umsonst arbeiten müssen. Und wenn wir wissen, dass sie das Bonbon vor der Wache bekommen haben muss, dann war der Igitt-Teufel dabei. Und hat entweder etwas gesehen oder gehört - er kann ja Sprache und Bilder gleichermaßen aufnehmen."
"Ja, aber das Gerät ist doch ausgeschaltet. Und soweit ich weiß, kann nur der jeweilige Besitzer - oder Eigentümer - das Gerät mit seiner Stimme in Gang setzen. Und du willst ihn doch nicht exorzieren - oder? Denn dann wäre er weg." Pismire schaute überrascht seinen Kommandeur an, bei dem er derartiges Spezialwissen über moderne Technik nicht erwartet hatte.
"Alles, was beschworen werden kann, ist - sagen wir mal so - umprägbar. Man kann seine Konditionierung ändern", fügte der Schamane hinzu, in der Hoffnung, dass ein Püschologe mit diesem Begriff mehr anfangen konnte.
"Ja, aber ein Problem bleibt noch," meinte Laiza bekümmert. "Diese Teufel brauchen einen anderen Dämonen, der für sie agieren kann. Und unsere sind nicht auf Blauzahn geeicht."
"Ich wette, Aaps käme damit klar", meinte Pismire mit diabolischem Grinsen. "Vorausgesetzt, er erhält von der richtigen Stelle den richtigen Befehl." Sein Blick richtete sich auf Araghast Breguyar, der diese Anspielung sofort verstand.
"Ich denke, dass als Kommandeur der Wache sollte ich doch wohl in der Lage sein, die Rohrpost zu kommandieren, oder?"

"Du böser, blöder, verkommener, vertrottelter alter Sack", zischte Aaps Pismire zu, als dieser ihn wenig vorsichtig auf der Tischplatte abstellte. Am Tisch selbst saßen drei Vertreter der Milizen, denen das Prozedere vorab erklärt worden war und die bestätigt hatten, dass sie es a) verstanden, b) keine Einwände und c) Vertrauen in die zu erwartenden Ergebnisse hatten.
Laiza hatte das iGitt in die Mitte eines Pentagramms gelegt. Vor sich hatte sie ein Buch mit dem vielversprechenden Titel: "Standardbeschwörungen für Standarddämonen im Haushalt - Was tun, wenn unsere kleinen Freunde streiken" gelegt. Sie intonierte die entsprechende Entschwörung und eine dünne Stimme: "Meisterin?", meldete sich aus dem iGitt.
Zwei Stunden später war der kleine Bastard bereit, aus der Metallschale zu krabbeln, und Laiza schwor sich, im nächsten kalten Winter das verdammte Buch zum Heizen zu verwenden.
Das war für Pismire der Moment Rache. Mit verbittertem Gesicht reichte Aaps auf Geheiß des Kommandeurs seinen Finger an den Teufel aus dem iGitt. &/53ß03w - so sein Name - biss kräftig zu. Und aus Aaps Mund drangen zum ersten Mal in der Wache Sätze ohne Schimpfworte: "Der Mann kam auf meine Meisterin zu und hielt ihr eine Tüte mit Bonbons hin. Und als sie ihn ansah, sagte er: "Du meine Güte, bist du immer noch sauer. Aber ich verspreche dir, ich werde dich nicht mehr belästigen, ich habe verstanden, dass du nichts mehr von mir willst. Komm, nimm eins - du ein Rotes, ich ein Grünes. So wie früher - siehst du, ich nehme mir auch eins." Die Roten waren alle von derselben Art - es waren keine Bonbons, sondern Zyankalikapseln. Aber da ich ausgeschaltet war, konnte ich sie nicht warnen. Und dann hat sie die Kapsel geschluckt, und ich wusste, dass sie sterben wird. Aber da ich keinen Sterbevorwarnfunktion habe ..." Stellvertretend zuckte Aaps mit den Schultern.
"Und wer ist nun dieser ominöse 'Er', von dem da die Rede ist? Das führt uns doch alles nicht weiter." Die Milizen meldeten sich zu Wort.
"Bitte ein Ikono", meinte Pismire und schob den wartenden Ikonographierdämonen in den Kreis. Auch diesen hatte die Anweisung des Kommandeurs erreicht.
Zehn Sekunden später schob sich ein Fahndungsbild aus dem Papierschlitz.
"Ja, aber, das ist doch ..."

"Na und? Ihr habt keinerlei Handhabe gegen mich!" Der Herausgeber der Wackers hockte selbstbewusst hinter dem Tisch. "Wegen der Aussage eines Dämonen wird in Ankh-Morpork kein Bürger verhaftet. Und was immer sich das Kerlchen da zusammen spinnt - wir alle wissen um die Störungsanfälligkeit der modernen Technik."
"Das mag schon sein. Aber du vergisst: Du hast ihr die Kapsel - also das Bonbon - selbst gegeben. Das geht nicht ohne Spuren. Außer, du hättest Handschuhe angehabt. Was du aber nicht hattest. Und Spuren zu finden - das ist unsere Spezialität."
"Außerdem geht es zu Not auch einfacher", meldete sich einer der Milizionäre zu Wort. Es war ein bleicher Mann mit einem fusseligen Bart, der ungesunden Aura einer Person, die zu wenig an der frischen Luft war und Spuren von Krallen an den Händen. "Ich bin Vertorigus. DerVertorigus. Ach egal", winkte er ab, als immer noch keine Reaktion am Tisch kam. "Ich bin jedenfalls Beschwörer und &/53ß03v müsste eigentlich der große Bruder von &/53ß03w sein. Und den kann ich beschwören." Alle Augen wandten sich nun dem Mann zu. "Aber im Gegensatz zu seinem Bruder ist &/53ß03v fast fünf Meter groß und hat eine Menge Tentakel. Sozusagen Tentakel bis zum Abwinken. Und riesige Zähne. Und wir alle hier" - sie deutete auf die Runde - "wollen wahrscheinlich uns dringend mal einen Kaffee holen. Oder die Beine vertreten." Alle nickten hierbei begeistert. "Also ..."

"Ob das anhält?", meinte Charlie Holm versonnen und schaute in seinen Becher.
"Was jetzt - anhält?", fragte Sillybos zurück.
"Das mit Aaps. So höflich habe ich ihn noch nie erlebt."
"Ne, das ist nur eine vorübergehende, keine dauerhafte Nebenwirkung." Laiza zuckte bedauernd mit den Schultern.
"Schade!"
"Ja, aber dafür sind wir die Milizen los. Man kann nicht alles haben."
"Aber wir alle könnten noch was trinken", meinte Pismire gut gelaunt und winkte dem Wirt im Eimer auffordernd zu.
[1] ALS = AbteilungsLeiterSitzung

[2] Erst später sollte sich herausstellen, dass von den Angaben auf dem Zettel nichts, aber auch gar nichts den Tatsachen entsprach - Größe: 1,61m, Gewicht: 55 kg, Haare gefärbt, Alter: gelogen und der Wohnort stimmte auch nicht.

Zählt als Patch-Mission für den Gerichtsmediziner-Patch.



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