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Geld verdirbt den Charakter...auch Deinen? Ein Dir nicht ganz unbekannter Mann aus den Schatten kommt nachts in die Wache und legt dir als Wachhabenden ein Bündel Geldscheine auf dem Tresen. Er würde dir gehören, wenn du die Streifenrouten für morgen ein wenig anpassen würdest. Was machst Du?
Dafür vergebene Note: 12
Rekrut Schiefergrau war schlecht gelaunt. Nun, für Rekrut Schiefergrau war das nichts besonderes, tatsächlich war er eigentlich immer schlecht gelaunt*, aber in dieser Nacht hatte seine schlechte Laune eine Qualität, deren herausragendstes Merkmal Blicke von der Intensität einer außer Kontrolle geratenen Laserpistole war.
Das lag in erster Linie daran, daß er einen neuen Job hatte. Nachdem ihm nun zum dritten mal in einer Woche das Haus unter dem Hintern in die Luft geflogen war, (ein Umstand der ihn um so mehr bedrückte, bedachte er daß der Hausbesitzer in diesem Fall aus lauter Solidarität gleich mit in die Luft geflogen war, was ihn daran hindern würde, sein Haus in adäquater Zeit zu renovieren***) hatte er beschlossen, daß es Zeit sei, sich nach einem neuen, besseren Job als seinem derzeitigen umzusehen. Sofern man es als Job bezeichnen konnte, gegen Bleiberecht den Wachwasserspeier zu spielen. Wenn man von auf dem Dach sitzen und sich von Tauben auf den Kopf... nun, Schiefergrau selbst bezeichnete es als "gebrauchte Abfälle entsorgen", lassen überhaupt als einer Art Job sprechen konnte. Den wirklich etwas zu bewachen gab es bei den Alchimisten nicht... jeder normale Dieb in Ankh-Morpork würde lieber eines von T.M.S.I.D.R. Schnappers Würstchen essen (manche auch zwei), als bei einem Alchimisten einzubrechen. Selbst die gildenlosen Diebe (und von denen gab es nun wirklich nicht viele, und die wenigen die es gab waren sehr verzweifelt), zögen es eher in Betracht in einem Okto-Zellulose Lager mit einem Streichholz nach verlorenen Münzen suchen als in einem Alchimistenhaus, dessen Tür offen steht und mit einem Zettel mit der Aufschrift "Bin bis zum seksten Offler verreisigt" versehen ist nach Wertsachen zu suchen.
Nun, er hatte in der Tat eine neue Anstellung gefunden. Als er nach der Detonation seiner letzten Wohnstatt wieder Boden unter den Füßen hatte (er war auf dem Ankh gelandet) war ihm, nachdem er sich über die Holofernes Strasse in Richtung ehemalige Wohnstatt auf den Weg begab, ein Plakat ins Auge gefallen. Auf diesem Plakat war Detritus zu sehen, ein Troll der ihm flüchtig bekannt war (er war einmal auf ihn gefallen). Detritus zeigte mit dem Finger auf ihn, und unter dem Bild stand "Schließige dich der Wache an". Da der Entschluß sich vom Dasein eines Wachwasserspeiers zu lösen ohnehin schon in ihm keimte, und er annahm, mit Fug und Recht behaupten zu können im Wachgeschäft schon so einige Erfahrung zu haben, hatte er den Weg in die andere Richtung genommen, zum Pseudopolis-Platz.
Und da saß er nun. Auf einem Stuhl. Zwar hatte er den Vorschlag angebracht, sich eventuell auf das Wachhaus zu setzen, allerdings hatte daß bei Feldwebel Lewton nur ein ungehaltenes Naserümpfen hervorgerufen****.
"Mein übliches Glück. Am ersten Tag schon Wachdienst... und noch dazu AUF einem STUHL, IN einem Haus. Aber mit mir kann man es ja machen...".
Unglücklich rutschte Schiefergrau auf seinem Stuhl hin und her. Die Uniform die Detritus auf dem Plakat getragen hatte, war während der Einstellungsgesprächs nicht einmal erwähnt worden. Lediglich einen verbeulten Helm hatte man ihm gegeben, eine Blechmarke die rostete, und einen Knüppel. Aber wenn er erst einmal... die Tür knarzte.
"N'abend Schiefergrau, alter Felsen. Kennst du mich noch?"
Schiefergrau blickte auf. In der Tür stand ein hochgewachsener Mann. Bekleidet war er mit einem schwarzen Ledermantel, und einem zerknautschten Hut, in dessen Hutband eine ehemals gelbe Feder steckte, die auch schon bessere Tage gesehen hatte. Nun ja, eigentlich handelte es sich eher um einen Federkiel an dem noch ein paar vereinzelte gelbe Flusen hingen. Das Gesicht unter dem Hut konnte man am ehesten als Quader bezeichnen. Die Art von Quader die Jahrelang in der klatschianischen Wüste lagen, und vom Wind, unter Zuhilfenahme des Sandes langsam in eine Eiform gebracht wurden. Im rechten Mundwinkel klebte der Stummel einer längst erloschenen Zigarre, und durch einige der zahlreichen Risse in dem Mantel konnte man Metall blitzen sehen. Dieser Kerl kam eindeutig nicht um Spenden für Lady Käsedicks Sonnenscheinheim für einsame Drachen zu sammeln. Zudem waren Spendensammler nicht um halb drei am morgen unterwegs, da zu dieser Zeit die Gefahr zu groß war, anstatt der Spenden mit einer Quittung der Diebesgilde zurück zu kommen (oder gar nicht wenn man versuchte in den Schatten ein paar Drachenfreunde zu finden).
"Michel Wallis," Schiefergrau nickte langsam, "und ob ich dich noch kenne"
Ähnlich wie Detritus war auch Michael Wallis eine von Schiefergraus flüchtigen Bekanntschaften. Nur das Schiefergrau in diesem Fall nicht auf Wallis, sondern seinem Opfer gelandet war. Oder vielmehr darin. Wallis war ein schattenweit (und noch ein Stück darüber hinaus) bekannter Kutschendieb, der ohne Lizenz der Diebesgilde Kutschen aus Ankh-Morpork verschob (nun, eigentlich ließ er sie von Pferden ziehen).
"Was kann ich für dich tun?"
"Nun," Wallis feixte, was soviel hieß wie das er die Augen zusammenkniff und die Mundwinkel dehnte, "du schuldest mir noch genau einhundertfünfzehn Ankh-Morpork Dollar für das zerstörte Kutschendach. Zahlbar jetzt sofort!"
"Ähh..." Schiefergrau begann sich auf seinem Stuhl zu winden. "Einhunderthundertfünfzehn Dollar? Was war denn das für ein Kutsche? Und überhaupt... du sagtest doch wir könnten es dabei belassen, wenn ich dir irgendwann einmal einen Gefallen tue"
"Tja... welchen Gefallen könntest du mir schon tun? Ich schätze ich werde dich der Wache melden müssen... schadeschadeschade... wo du doch grade erst eine neue Arbeit gefunden hast..." Wallis feixte noch mehr. "Noch dazu als Wachmitglied... wäre sehr peinlich... von den eigenen Kollegen in den Schuldturm geworfen zu werden... und dann würdest du am Ende nie wieder eine Arbeitsstelle finden."
Wallis Gesicht wurde unvermittelt hart.
"Wie würde dir das Gefallen du häßlicher kleiner Fels? Vielleicht haben sie ja im Schuldturm einen kleines Sims für dich!"
Schiefergrau setzte eine lässige Miene auf.
"Wie wäre es wenn ich dich verhaften würde? Jetzt auf der Stelle? Ich bin Mitglied der Wache... oder glaubst du, daß hier ist die Geflickte Trommel, und daß hier," er hielt seine Marke hoch, "ist ein Bierglas?"
Wallis lachte hämisch.
"Und was willst du mir anhängen? Kutschendiebstahl? Welche Zeugen hast du denn? Ich hingegen," er kramte in einer der Taschen seines Mantels, "habe diese Bestätigung eines ansässigen Wagenmachers," er wedelte mit einem Zettel vor Schiefergraus Nase, "daß ich am 12. Gruni für 215 Ankh-Morpork Dollar das Dach meiner Kutsche habe reparieren lassen. Des weiteren die Namen von mindestens fünf Zeugen, die allesamt beschwören können daß du wie ein Stein", er verschluckte sich beinahe vor Lachen, "vom Himmel in meine Kutsche gefallen bist. Also was willst du tun häh? Was willst du tun???"
Schiefergraus Gedanken rasten. War ja klar... wenn es bei ihm mal anfing schief zu laufen... Haus weg, Scheiß-Job (er hatte den ganzen Tag kein einziges verbranntes Barthaar gerochen... mal abgesehen von dem wütenden Zwerg der Anzeige gegen einen von Lady Käsedicks Drachen stellen wollte), und jetzt auch noch den Knast vor Augen. Gab es denn nicht doch irgend etwas...
"Gibt es denn nicht doch irgend etwas, daß ich für dich tun kann? Oder könnte ich vielleicht Ratenzahlung...?" Wallis Gesicht wechselte von hämisch zu freundlich (oder zumindest dem was er für freundlich hielt).
"Allerdings könntest du mir einen klitzekleinen Gefallen tun." Er zog ein Geldbündel aus der Tasche. "Ich wäre sogar bereit dich mit... sagen wir achtzig Ankh-Morpork Dollar zu entschädigen... hmmm?"
Wenn man Schiefergraus Gedanken vor fünfundvierzig Sekunden als rasend bezeichnet hatte, so mußte man jetzt schon von Überlichtgeschwindigkeit sprechen. Er war zwar ein Wasserspeier, aber nicht dumm... naja, jedenfalls nicht völlig. Wallis war in die Wachstube geplatzt. Wallis hatte ihn an seine Verpflichtungen erinnert. Wallis hatte ihm Angst gemacht... hatte versucht ihm Angst zu machen... naja, ein bißchen zumindest. Und nun wedelte Wallis mit einem Bündel Geld vor seiner Nase und... wedelte Wallis mit einem großen Bündel Geld vor seiner Nase und... also im Grunde genommen war es schon Wert mal darüber nachzudenken. So als Rekrut, noch nicht mal festangestellt... erst wenn man seinen ersten Fall gelöst hat... und so einen blöden Einstellungstest... und dann achtzig Ankh-Morpork Dollar...
"Na, dann laß mal hören"
"Alles was ich von dir möchte ist, das morgen Mittag für fünfzehn Minuten kein Wächter hinter der Unsichtbaren Universität zu sehen ist... und für weitere fünfzehn Minuten auf der Sentimentalen Brücke und der Chrononhotonthologosstrasse. Sonst nichts."
Schiefergrau kippte rückwärts mit seinem Stuhl um, mit dem er während Wallis Forderung immer weiter nach hinten gerutscht war. Er warf sich nach vorne, versuchte seinen Sturz abzufangen, der einzige Erfolg den er hatte war allerdings daß er unter den Schreibtisch des Wachhabenden fiel, und seine Nase an der Schreibtischkannte anschlug bevor er mit einem dumpfen "Womps" auf dem Boden aufkam. Während Wallis vor lachen schier zu Boden ging, kletterte er, sich seine Nase reibend, die im vorderen Bereich bereits zu schwellen begann, zurück auf den Stuhl.
"Was denn Schiefer... war mein Angebot so umwerfend?" Wallis konnte sich immer noch nicht beruhigen.
"Sehr kobisch." Schiefergraus Nase schwoll immer weiter an. "Also benn du so gut bärst, bir das ganze nochbal zu erklären...?"
"Also gut, Schiefer... spitz die Ohren. Ich will morgen Mittag zwischen zwölf Uhr und zwölf Uhr fünfzehn keinen Wächter hinter der unsichtbaren Universität sehen. Ich will weiterhin zwischen zwölf Uhr fünfzehn und zwölf Uhr dreißig zwischen und auf der Sentimentalen Brücke und der Chrononhotonthologosstrasse keinen deiner Kollegen sehen. Ich weiß das du ohne Probleme die Streifenrouten ändern kannst. Es ist Nacht und kaum ein Wächter im Gebäude. Einfach die Dienstpläne umschreiben. Verstanden, du blöder Fels?" Wallis schien etwas ungehalten.
"Und dafür kriege ich achtzig Ankh-Borpork Dollar?"
"Dafür bekommst du achtzig Ankh-Morpork Dollar!"
"Und bas ist bit beinen Schulden?"
"Erlassen."
"Und die Rechnung? Und die Zeugenaussagen?"
"Übergebe ich dir jetzt sofort, zusammen mit zwanzig Dollar. Den Rest morgen um achtzehn Uhr. Schlachthofweg zwanzig. Und komm bloß nicht auf die Idee mich hinters Licht zu führen. Sonst sehen wir uns wieder wenn du dir dein eigenes Grab im Ankh schaufelst."
"Und ber garantiert bir daß du bich nicht trotzdeb beldest?"
"Ich schwöre, sowahr ich Michel Wallis heiße, das wir uns nach der Geldübergabe nie mehr wieder sehen."
"Sehr schön!" Schiefergrau grinste hämisch. "Hast du alles?"
Wallis sah etwas verwirrt aus. "Natürlich. Zwanzig Ankh..."
"Jawohl, alles. Mir platzt die Birne und die Finger tun weh."
"Was in Offlers Namen war das???" Wallis klang wie jemand der sich in sein Bett legt, und auf einmal etwas kaltes glitschiges an der Stelle spürt, an der normalerweise die Hauskatze liegt.
"Das bein lieber Bichel Ballis", Schiefergrau zog eine kleine Holzkiste unter dem Schreibtisch hervor, "ist ein Diktatordäbonophon bit intekriertem Autoskribbt, Barke Souni. Zbei Däbonen, einer merkt sich alles bas du sagst, der andere schreibbt es bit. Hab es vorhin gesehen als ich unter den Tisch gefallen bin und habbs angebacht. Du bist erledigt! Ich verhafte dich wegen Planigung eins Verbbrechens und versuchter Bestechigung eines Wachmitgliedes. Du hast das Recht nichts mehr zu sagen!"
Wallis warf sich herum und versuchte aus der Wache zu stürmen. Er kam genau bis zur Tür. Dort stellte sich ihm ein Hindernis in Form des Gefreiten Geröll in den Weg. Die plötzliche Verdrängung von flexibler Luft durch massiven Troll erwischte Wallis so plötzlich das es grade noch für ein überraschtes "Wauufff" reichte. Anschließend ging er zu Boden wie eine Tür die aus dem zweiten Stock geworfen wird. Schnell und ohne jedes bißchen Anmut.
"Was hier los sein Rekrut? Typ hier ärger machen?" Der Gefreite Geröll stand immer noch in der Tür, einen, soweit es seine Züge zuließen, überraschten Ausdruck im steinernen Gesicht.
"Ber Typ hat ein Verbrechen geplant! Und er hat versucht bich zu kaufen! Ich habs auf Diktatordäbon!" Er wandte sich an den Kasten: "pläi".
"Erst ausmisten!"
"Ja genau, und frisches Wasser!"
Schiefergrau sah die Box entgeistert an. Wie üblich. Die teuersten Apparate, von ausgesuchten Magiewerkstätten wie Souni (eine Zwergenbinge unter einem weit entfernten Berg namens Nippon) funktionierten nie so wie man es wollte, und Ersatzdämonen waren schwer zu kriegen. Aber was sollte es... es würde reichen... vorausgesetzt jemand machte den Kasten sauber. Vermutlich würde er das wieder mal sein. Er war ja bloß Rekrut. Und ein Wasserspeier dazu. Aber die Nacht war noch jung... so jung wie ein Apfel mit erst einem Wurm... und er hatte noch eine Menge Zeit bis zur Ablösung.
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* Das lag daran, daß Schiefergrau sich bevorzugt** auf den Häusern von Alchimisten niederließ, da er den Geruch von verbrannten Bärten und überkochenden Chemikalien liebte, sowie von Zeit zu Zeit eine erfrischende Massage durch von unten gegen das Dach prallende Kessel zu schätzen wußte. Nur haben die Häuser von Alchimisten, im Gegensatz zu normalen Häusern, die Angewohnheit von Zeit zu Zeit in die Luft zu gehen. Und, metaphorisch gesprochen, niemand freut sich darüber sich ins Bett zu legen und zu wissen, das spätestens um Mitternacht das Bett zusammenbricht, und man selber mit dem Kopf im Nachttopf wieder aufwacht (von den Kosten für ein neues Bett mal ganz abgesehen). Mit der Zeit wird man einfach ein depressiver Pessimist.
** Eigentlich nur und ausschließlich.
*** Was bei einem Alchimisten mit "sich ein neues Haus bauen" übersetzt werden kann.
**** Was natürlich einen sehr beeindruckenden Effekt hatte, bedachte man, daß Schiefergrau in normaler Haltung (gebückt) etwa 80 cm groß war, während es sich bei seinem Gegenüber um einen Werwolf handelte.
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