Duft der Furcht

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vollendet am 29.04.2010

In letzter Zeit häufen sich die Fälle, in denen ihr verschreckte Katzen von den Bäumen retten müsst. Aber was kann die Katzen von Ankh-Morpork noch schrecken?
[Vorlage: Kanndra, 04.03.2004]

Sebulon, Sohn des Samax

Kalt war es in Ankh-Morpork und düster. Die Finsternis machte auch vor dem Wachehaus in der Kröselstraße nicht halt, das sich mit Mühe, Not und Kerzenstummeln über das Zwielicht hinauszuretten versuchte.
Es klopfte siebenmal an der Tür der Ausbilderin Kathiopeja. Der spartanisch eingerichtete Raum mit Schreibtisch und zwei Stühlen war kaum erleuchtet, denn die Klatschianerin entspannte sich gerade bei einer Tasse Klatschianischen Kaffees.
"Was gibt's, Sebulon? Ach, hör schon auf, du musst nicht ständig salutieren."
Der Zwerg ließ schüchtern seine Hand sinken und sagte: "Mag sein. Alte Angewohnheiten lassen sich so schlecht ablegen."
"Warum bist du hier?", fragte sie und richtete sich ein wenig auf.
Wie zur Antwort legte Sebulon einen Stapel von mehr als fünfzig Blatt auf den Schreibtisch. Die Tatortwächterin ging das Papier grob durch.
"Alles Zeugenaussagen vom Wachetresen. Ich glaube ... ja, die auch ... ich habe die alle schon gesehen."
"Stimmt. Nur etwas über die letzten drei Wochen verteilt. Es geht in fast all diesen Anzeigen um Katzen, die sich seltsam verhalten. Ich habe meine Beobachtungen auch dem Kommandeur mitgeteilt, aber der sagte, dass wir trotz gewisser Abteilungsembleme nicht für Tiere zuständig sind."
'Oder er hält dich für verrückt', dachte Kathiopeja. Laut sagte sie: "Ich werde das mal durchsehen. Wir reden morgen darüber."


~~~ Tags darauf, früh am Morgen ~~~

Im Ausbildungsraum im ersten Obergeschoss der Kröselstraße saßen fünf Rekruten. Sonnenlicht schien gedämpft durch die ungeputzten Fenster, Kaffeegeruch machte die abgestandene Luft etwas erträglicher.
Kathiopeja und Sebulon standen an den beiden verschiebbaren Tafeln und schrieben Straßennamen an.
"Ich frage mich, was wir damit sollen", brummte Lantania. Sie war noch nicht wirklich wach.
Jakob Fluss zuckte mit den Schultern und schnitzte kontinuierlich mit seinem Dolch an einem dunklen Stück Holz.
"Vielleicht die Route, die wir heute als Aufwärmübung langlaufen?", mutmaßte Timotheus Nobel Trinitas. Er hatte bereits seine tägliche Routine hinter sich, aber da die Stadt kalt war - und somit auch das Haus in der Kröselstraße -, fand er die Idee sich weiterhin aufzuwärmen gut.
"Hoffentlich nicht", seufzte Aaron.
"Das", sagte Sebulon und versuchte das Gemurmel zu übertönen, "sind Straßennamen."
Kichern breitete sich aus.
"Lass mich mal", meinte seine Kollegin und räusperte sich. "Ruhe!", brüllte sie und schlagartig wurde es still. "Was dieser Ausbilder gerade sagen wollte, Rekruten, ist, dass in der Stadt etwas sein Unwesen treibt, das ..."
Kathiopeja machte eine theatralische Pause. Sie zeigte Wirkung: Nur Jakob schnitzte weiter.
"... das wir nicht kennen. Und in diesen Straßen wurden Dinge beobachtet, die damit zusammenhängen. Die letzte Beobachtung hat man heute Morgen gemacht, weshalb wir Ausbilder der Ansicht sind, dass wir uns dieser Misere annehmen sollten. Benannte Dinge haben Spuren hinterlassen, die uns zu denken geben."
"Was für Dinge?", fragte Remedios begeistert. "Mit großen Zähnen? Mit langen Fängen? Mit Stacheln? Mit Flügeln? Blutrünstig?"
Ein interessiertes Lächeln huschte über das Gesicht der meisten Rekruten.
"Wir wissen es nicht", zerschlug Sebulon die aufkeimenden Hoffnungen, "doch wir denken, dass in eurer Ausbildung jetzt etwas Streifendienst angesagt ist."
Kollektives Stöhnen.
"Aber wonach sollen wir denn Ausschau halten?", fragte Aaron Sorgenvoll verwirrt.
"Nach Katzen."
Mehrstimmiger Widerspruch hallte durch den Raum.
"Ihr sucht ängstliche Katzen und haltet danach ausschau, was ihnen Angst machen könnte!" Über das brodelnde Desinteresse der Rekruten hinweg rief er: "Ihr werdet euch jetzt in Zweiergruppen finden und auf Streife gehen. Hier an der Tafel werden wir die Routen anmalen, auf denen ihr euch umseht. Wir treffen uns zu jeder geraden Stunde zur Besprechung. Und wenn etwas passiert: Spielt nicht den Helden! GRUND verlassen schon so ständig Rekruten ..."
"Aber Katzen?", fragte Remedios frustriert, "Gibt es da nicht eine Gilde oder so, die sich darum ..."
"Wollt ihr euch etwa vor der Arbeit drücken?", fragte Sebulon.
In den Augen seiner Rekruten konnte er ein deutliches 'Ja!' lesen.
Aaron hob noch einmal die Hand. "Wir sollen in Paaren auf Streife gehen. Wer geht mit dem Fünften?"
Nervös sah er zu Kathiopeja, die den Blick mit einem breiten Grinsen erwiderte.
Es klopfte. Alois Kühn steckte den Kopf durch die Tür.
"Bin ich zu spät?"

Lantania vom Silberwald und Jakob Fluss liefen die bescheidene Straße hinab. Jakob schwieg und hatte die Hände hinter dem Rücken verschränkt, den Hut tief ins Gesicht gezogen.
"Eigentlich mag ich Katzen", plauderte Lantania vor sich hin. "Katzen sind liebe Tiere und ich freue mich schon darauf, wenn wir unsere erste Katze aufstöbern."
Die Bürger, denen die beiden Wächter begegneten, blickten nur feindselig und gingen eilig weiter.
"Weißt du", meinte sie und ihre Stimme klang ein wenig ernster, "meine Katze benimmt sich in der letzten Zeit komisch. Das ist mir gerade vorhin erst wieder eingefallen. Ich dachte zuerst, es wäre nur so eine Phase."
"Sie haben eine Katze?"
"Ja." Stolz schwang in ihrer Stimme mit. "Sie heißt Delilah und ist eine richtige Kampfkatze."
Herr Fluss schwieg und ging neben seiner jungen Kollegin her.
"Aber seit kurzem ist sie ängstlicher", meinte Lantania. "Sie möchte nicht mehr aus dem Haus gehen - als würde sie sich vor irgendetwas fürchten. Und ich bekomme einfach nicht aus ihr heraus, wovor. Vielleicht steht das mit dieser ganzen Patroullie-Schikane im Zusammenhang?"
"Hmm", meinte Jakob leise.
'Ankh-Morporkianische Katzen fürchten sich nicht', schoss es ihm durch den Kopf. Er zog die Jacke seiner Uniform dichter um sich. 'Dafür sind sie viel zu abgebrüht. Was, bei allen Göttern, kann hiesige Katzen noch erschrecken?'

18.01.2010 0: 02

Timotheus Nobel Trinitas

Timotheus war mal wieder stolz auf sich. Nicht nur hatte er sich den zu spät gekommenen Alois als Streifenpartner gewählt, von allen Rekruten seiner Meinung nach einer der umgänglichsten, sondern hatte ihnen auch noch die bequemste Streifenroute besorgt. Und so gingen die beiden Rekruten nun die Straßen um den Hide Park ab und versuchten sich von der klammen Kälte, die in der Luft lag, abzulenken. Auf den Straßen in dieser Gegend war außer ihnen noch keiner unterwegs, die Frühaufsteher wohnten eher in Morpork.
"Was meinst du, wieso sind gerade hier aus dieser Gegend so viele Zeugenaussagen über Katzen eingegangen?", fragte Alois.
"Das ist doch ganz einfach", bemerkte Timotheus verbissen. "Die Leute in den Villen rings um uns herum können es sich leisten, ihr Essen regelmäßig mit Katzen zu teilen. Und da die Katzen damit quasi zum Haushalt gehören, fällt es hier am stärksten auf, wenn sie sich seltsam benehmen."
"Aber Katzen sind doch meistens nachts und in der Dämmerung unterwegs und auf Nahrungssuche, ja?" Alois sah sich auf der Straße um. "Wie kommt es, dass wir dann wenn es hier so viele Katzen geben sollen, heute Morgen noch nicht eine einzige gesehen haben?"
"Hm, vielleicht ist es ihnen auch einfach zu kalt. Oder wir wurden wirklich mal wegen einem begründeten Verdacht auf die Straße geschickt..." Timotheus faltete seine Hände und pustete hinein, um sie ein wenig zu wärmen. In diesem Moment kam ein Hund aus dem Hide Park. Es war kein großes Exemplar, ein typischer ankh-morporkianischer Kläffer, bei dem man sich nicht mal sicher sein konnte, dass wirklich alle beteiligten Vorfahren Hunde waren. Er huschte vorsichtig über die Straße, schnupperte an den Latten eines Vorgartenzauns, bis er sich schließlich für eine entschied, die ihm geeignet schien, sein Revier zu markieren. Nach dem er dies vollbracht hatte, schritt er mit stolz erhobenem Kopf zurück in den Park.
"Hunde gibt es hier zumindest noch.", meinte Alois bissig.

~~~Zur gleichen Zeit, zwei Meilen vor Ankh Morpork.~~~

Ein heruntergekommener Planwagen raste die Straße von Quirm nach Ankh-Morpork entlang. Die beiden Pferde sahen nicht so aus, als würden sie das Tempo gutheißen, dass man ihnen auferlegt, noch dass sie es lange überleben würden. Auf dem Kutschbock saß ein alter Mann mit zotteligem Haar und noch zotteligerem Bart, der sich immer wieder ängstlich durch seinen leeren Planwagen vergewisserte, dass ihn nichts verfolgte. Links und rechts an seinen Mantel klammerten sich zwei graue Katzen, die herzzerreißend jaulten und miauten.

19.01.2010 10: 34

Jakob Fluss

~~~~Zurück in Ank-Morpork~~~~

Im gemächlichen Patrouillentempo verließen sie unter den argwöhnischen Blicken der Bürger die bescheidene Straße und bogen in eine ihrer unzähligen Querstraßen. [1]
"Katzen... nicht nur dass Menschen, Trolle und Zwerge uns Probleme bereiten, nein: nun auch noch Katzen. Zwielichtige Biester", murmelte Jakob vor sich hin.
"Jakob, du scheinst nicht viel von Katzen zu halten?"
"Einige dieser Wesen sind weitaus sympathischer und vor allem kommunikativer, als so mancher mir bekannte Wächter", entgegnete ihm Lantania mit kaum überhörbar bissigem Unterton. "Verzeihung, Madame, diese Viecher sind mir zuweilen suspekt; sehen einen an, als blicken sie auf den Grund der Seele ... schmeißen sich dann auf ihren Rücken und spielen mit einem Wollknäuel. Sie pendeln zwischen Ernst, vermuteter Weisheit und kindlichen Spielereien. Davon einmal abgesehen erklimmen sie Dinge von denen sie nicht mehr herunterkommen ... nur so zum Spaß."
Entrüstung modulierte die nun folgenden Worte: "Wie bitte? Viecher?? Hast du eben wirklich Viecher gesagt???" Auf jedes Fragezeichen folgte ein messerscharfer Vorwurf.
"Verzeihung ... ich meinte Tiere, hab' es nicht so mit Tieren. Da fehlt der Bezug, vermutlich" erklang es etwas zerknirscht unter dem Hut.
Der Abstand zwischen den beiden patrouillierenden Wächtern vergrößerte sich etwas, man hätte mindestens 7 Katzen zwischen sie bringen können.
"Madame von Silberwald..." vorsichtige Wachsamkeit formte die Worte.
"Für dich: 'Fräulein'!", schoss es einem Armbrustbolzen gleich zurück. Kleine Eiswölkchen begleiteten die Worte aus Lantanias Mund.
"Was mag sie?"
"Wer mag was, Herr Fluss?"
"Ihre Katze Delilah, Fräulein von Silberwald, welche Dinge, Gegebenheiten, Geräusche mag sie, bei welchem Wetter fühlt sie sich wohl?" Das Wort Fräulein wurde auf einer frühlingshaften Blumenwiese getragen, erfror jedoch so gleich an dem Blick der angesprochenen Dame.
Bevor die bereits im Geiste formulierten frostigen Klingen ihr Ziel endgültig durchbohren konnten, betrat allerings eine aufgeregte Bürgerin die Szene.

"Hallo Sie! Sie Wächter, sie!"
'Oh nein, Bürger!'
Beide Rekruten wandten sich fast zeitgleich um, Jakob war dabei jedoch betont etwas langsamer.
"Gute Frau, wie können wir Ihnen helfen?", brachte er noch hervor, ehe ein nicht enden wollender Schwall aus Wortfetzen über beide hereinbrach.
"In meinem Keller, dort Drüben, eine große, wirklich große - gehört da nicht hin, kam nachts hereingestürmt, hat meinen Mann verletzt; will nicht raus, ..."
"Beruhigen Sie sich bitte. Handelt es sich eventuell um eine Katze?", fragte Lantania mit einem leichten Stirnrunzeln.
"Ja genau! Eine große ..."
Eine gradezu einmalige Chance zur Flucht erkennend bemerkte Jakob zügig: "Kein Problem. Unterhalten sie sich bitte kurz mit Fräulein Silberwald; ich eile geschwind in Ihren Keller, den kleinen Racker hinauszubringen."
Mit zügigen Schritten entfernte sich Jakob in die angegebene Richtung.
"Es war alles so schrecklich; das glauben Sie gar nicht ..."
Der Wortschwall prasselte auf Lantania hernieder, auch kleine frostige Bemerkungen konnten die Bürgerin nicht abhalten, von der Geschichte der zugelaufenen Katze, der Familiengründung ihres Großneffen, bis hin zum Geisteszustand ihrer Zimmerpflanzen zu berichten.
'Vielen Dank, Herr Fluss!' Ein garstiger Dolch aus Eissplittern bildete sich im Geist der Jungen Rekrutin.

Der Keller war selbst für diese Tageszeit reichlich finster. Jakob konnte kaum seine eigene Hand erkennen.
"Hier muss es doch ..."
Tastend fuhr seine Hand über den Boden um etwaige Stufen oder tiefe Gruben zu erkennen.
"Aha ... flauschig, fühlt sich trocken an."
Ein Zündholz erhellte die Dunkelheit und näherte sich dem ertasteten Gebilde.
"Mmh, grau, voller Spinnenweben. Brennt bestimmt gut, könnte eine Fackel sein ..."

Der Redeschwall der Dame erstarb bei den Nichten ihres Schwagers mütterlicherseits, als ein bestialisches Fauchen durch die Gasse hallte; gefolgt von markanten Fluchen in einer anscheinend uralten kehligen Sprache.
Lantania zuckte innerlich zusammen. 'Wie konnte dieser arrogante Tierhasser es wagen ...?'
Der Klang des Fauchens ließ sie innehalten. Irgendwo hatte sie diesen Dialekt schon einmal gehört. Es handelte sich nicht um das morporkianische Katzisch, jenes musste älter sein.
Lautes Scheppern und das schrille Kreischen von Krallen auf Steinplatten ertönte aus dem Keller.
"Kleine Miezekatze hat sie gesagt ... verdammtes Mistviech!"
Der leicht panische Ausruf wurde von weiteren Zisch- und Fauchlauten überdeckt: "Zer...-fleischen ... Hackstückeln ... ausnehmen ...", murmelte Lantania die Übersetzung des Fauchens vor sich hin. Was für eine Ausdrucksweise! Die heimischen Katzen waren doch eher intelligenter, ja heimtückischer als dieses anscheinend brutale Wesen.
"Ach übrigens, wussten Sie schon, dass der Zoo von Ankh seine Großkatzen vermisst?" plapperte die Bürgerin seelenruhig vor sich hin.
Der Rekrutin gefiel das gar nicht. "Großkatzen?"
"Ja, die vermissen doch glatt einen klatschianischen Grautiger!"
"Grautiger ..."
Sorge breitete sich in Lantanias Gesicht aus.

"Ein Wollknäuel ... gib dem Vieh was zum Spielen, irgendwas ..."
Verzweifelt tastete sich Jakob im nun zwielichtigen Keller umher, auf der Suche nach Katzenspielzeug.
Ein Brett flog in die eine Richtung des Kellers, woraufhin ein kleiner Schwarm aus Holzmehl zurückwehte.
"Verstehe, du magst keine Stöckchen."
Zumindestens vertrieb der brennende Schwanz der Bestie einen kleinen Teil der Dunkelheit dieses Gewölbes.
Im Rückwärtstaumeln begriffen, warf er zwei umherliegende Lederbeutel nach der Bestie.

Geschwind bewegte sich Lantania vom Silberwald die Stufen zum Keller des Hauses hinunter, als ein feuchtes Klatschen ertönte. Die Bestie gab ein ermüdetes Grummeln von sich. Vom tapferen Rekruten hingegen ließ sich nur noch ein vernichtender Schrei vernehmen, der sich in ein ... nun ja, unter bestimmten Umständen hätte man dieses Geräusch als Wimmern verstehen können, aber dafür war es zu kurz. Zu kurz und zu unmännlich.

Stille folgte dem Lärm: alles verschlingende, unheimlich anmutende Stille.
Vorsichtig näherte sich Lantania der Tür. Eine dickflüssige rote Masse sickerte über die Türschwelle.
In den Schatten, des erneut in Finsternis getauchten Kellers ließen sich die Umrisse eines gebückt schlurfenden Wesens mit leuchtenden Augen erkennen.
"Der Mantel war wirklich, wirklich teuer", verkündete eine reichlich zerknirscht klingende Männerstimme. "Mist ... diese Flecken bekomme ich nie wieder heraus"
"Herr Fluss?" Sanft voller Sorge[2] suchten sich die Worte eine fast zärtliche Bahn durch das Dunkel.
"Der Hut ist auch hin ..." Einem dickbesohlten Stiefel gleich zertraten diese Worte die sanften Sprösslinge der kollegialen Sorge. "Keine Angst Fräulein vom Silberwald, die Miezekatze schläft, habe wohl zwei Säcke Spätüberwaldler Trocken über das Bie..-, Verzeihung das Tier geschüttet. Es verträgt anscheinend keinen Alkohol."
Die Gestalt, welche aus der Dunkelheit wankte, gewann zunehmend an Form. "Sehr geehrte Bürgerin, sie können bitte umgehend den Zoo benachrichtigen. Die Katze schläft und ist bereit für den Rücktransport" Trotz der Freundlichkeit wies grade das Wort 'Katze' einiges an unterschwelliger Aversion auf.

Nachdem Lantania, Herrn Fluss aus seinem Mantelüberresten soweit möglich verbunden hatte, setzten die beiden auf Drängen des älteren Rekruten ihre Patrouille fort.
"Also Fräulein vom Silberwald, was mag Ihre Katze nun, mit welchen Mitteln könnte man diese Tiere locken?"
"Ähem", ein vorwurfsvolles Räuspern und ein Blick in Richtung der rötlich verfärbten Verbände rangen Jakob eine Erklärung ab. "Das ist der Wein nicht das Blut, bitte machen Sie sich um mich keine Gedanken, aber Sie haben Recht, Fräulein vom Silberwald, sobald wir etwas angemessenes finden, werde ich mich umgehend neu einkleiden. Erzählen sie mir bitte mehr von Delilah."

19.01.2010 22: 50

Kathiopeja

"Und was machen wir jetzt am besten?", fragte Sebulon seine Kollegin.
"Wir suchen Henry."
Der Zwerg sah sie fragend an.
"Henry?"
"Bist du wirklich erst so kurz dabei, dass du Henry nicht kennst?"
Ein Kopfschütteln folgte der Frage.
Kathiopeja grinste.
"Du wirst ihn kennen lernen."

Henry, geborenes Trampeltier, streckte sich auf einem der Tische im Rekrutenbüro. Er gähnte herzhaft, drehte seinen Körper einmal und ließ sich zur Seite plumpsen, um wieder einzuschlafen. Von der Eleganz, die seine Art für gewöhnlich inne hatte, hatte er offensichtlich noch nicht gehört.
Ein leises Schnarchen entfuhr ihm.
"Heeeeenry", schall es durch die Räume, doch er konnte das ganz gut ignorieren.
"Heenry, hierher!"
Die Tür schwang auf und erschrocken fuhr er hoch.
"Henry! Da bist du ja! Komm mal her, du dickes Vieh!"
Kathiopeja näherte sich dem Kater mit ausgestreckten Händen.
"Na komm..."
Gespannt stellte sich der Zwerg mit einem Weidenkorb bewaffnet in die Tür. Sah er in Henry einen Fressfeind?
Erwartungsvoll starrte die rotgetigerte Katze die Frau an. Er ließ sich von den bekannt riechenden Händen hochnehmen und knuddeln. Meistens sprang danach eine große Portion Futter für ihn raus.
"Feines Dickerchen... Wollen wir doch mal sehen, ob du uns weiterhelfen kannst. Sebulon, bring mir den Korb!", sie wandte sich wieder dem Tier zu, "Wir machen jetzt einen Ausflug."

19.01.2010 23: 26

Lantania vom Silberwald

"Das erzähl' ich dir später." meinte Lantania. "Ich mach mir gerade viel zu viel Sorgen um dich, du siehst ganz schön blass aus. Du solltest zum Arzt gehen, nicht, dass du eine Blutvergiftung hast oder sowas. Übrigens... tut mir leid, dass ich vorhin so ausgetickt bin. Ich bin manchmal leicht reizbar wegen der kleinsten Dinge. Nimm das bitte nicht persönlich. Es ist schließlich dein gutes Recht, Katzen nicht zu mögen." Sie lächelte.
Jakob sah sie an, ebenfalls mit dem Anflug eines Lächelns: "Ach, Sie müssen sich nicht entschuldigen. Es war ja wirklich nicht nett, was ich gesagt habe.
Ich geh nach Dienstschluss zum Arzt. Jetzt müssen wir erstmal zurück zum Wachehaus. Die Stunde ist gleich um."

Als die beiden Wächter dort ankamen und die Tür zum Rekrutenbüro öffneten, fegte ein dicker rötlicher Schatten mit einem Mauzen, welches Lantania als "Ich will nicht in den Korb!" übersetzte, an ihnen vorbei und verschwand über die Treppe, die direkt zur Kantine führte. Die Rekrutin begann zu lachen und sagte: "Das würde ich auch nicht wollen."
Auf diese Äußerung hin richteten sich 3 überraschte Blicke auf die Rekrutin, die sofort rot anlief.
"Was würdest du nicht wollen?" fragte Sebulon.
"Ähm...nichts, Sör. Das... habe ich einfach nur so gesagt."
Keiner der drei sah auch nur ein wenig überzeugt aus.
"Aja... Schön und gut, was mich viel mehr interessiert: Jakob, warum hast du blutige Verbände um?"
"Sör, das ist kein Blut. Das ist Rotwein, damit habe ich einen Grautiger beworfen um nicht zerfleischt zu werden. Das Vi... ich meine Tier ist wohl aus dem Zoo ausgebrochen. Aber warum? Aus Angst, weil viele Katzen Angst haben, wenn nicht sogar alle?"
"Das besprechen wir weiter, wenn die anderen Rekruten ebenfalls zurück sind." bestimmte Kathiopeja. "Solange ziehst du dir bitte etwas sauberes an, Jakob Fluss, am besten die Uniform!"

20.01.2010 4: 53

Timotheus Nobel Trinitas

Alois Kühn und Timotheus Nobel Trinitas waren mittlerweile einmal um den kompletten Park herumgeschlendert und nun bis hoch zur Köngsstraße patroulliert. Sie hatten während des ganzen Weges nicht einmal den Schwanzzipfel einer Katze zu Gesicht bekommen, geschweige denn eine gehört. Und sie hatten, weiß Om, ordentlich Ausschau gehalten. Langsam erwachte auch das Viertel um sie herum, Gesichter lugten hinter den Vorhängen hervor und betrachteten die beiden Rekruten kritisch.
"Die Hunde scheinen ja nicht betroffen zu sein... Vielleicht sollten wir einfach mal an ein paar Haustüren klopfen und die Bewohner fragen, ob sie Katzen haben. Und wenn ja ob die sich seltsam benehmen.", meinte Rekrut Trinitas nachdem die beiden Wächter eine Weile einzeln vor sich hingebrütet hatten. Alois Kühn schaute ihn sehr unbegeistert an. Der Vorschlag klang nach noch mehr Arbeit, als der Streifengang eh schon verursachte.
Während er eine Begründung suchte, wieso das eine schlechte Idee wäre, näherte sich sehr schnell etwas aus Richtung Westen.
"Vorsicht!" schrie Timotheus und riss ihn an der Uniformjacke aus dem Weg des herannahende Planwagens. Wie ein Blitz schoss das klapprige Gefährt an den beiden Wächtern vorbei, während jaulende und knurrende, angsterfüllte Geräusche von ihm her drangen.
"Wa-Was war das? Darf der so schnell sein?" stammelte Alois.
"Nein, eindeutig nicht. Aber was viel wichtiger ist, er hatte Katzen auf dem Kutschbock. Hinterher!"
In diesem Moment spürten die beiden Rekruten, wie der Alte Tom über die ganze Stadt hinweg zur vollen Stunde schwieg. Die beiden sahen sich panisch an. Die Rekruten hatten ganz vergessen, dass sie ja nach einer Stunde zurückberichten sollten. Eiligst machten sie sich auf, zurück zum Wachhaus in der Kröselstraße.

~~~5 Minuten später, Pseudopolisplatz~~~


"Entschuldigung, aber sie können unmöglich so hier stehen bleiben!" Der SEALS-Wächter näherte sich dem unorthodox geparkten Karren, der direkt vor dem Wachhaus stand. Eines der Pferde war direkt nachdem es zum Stillstand gekommen war, zusammengebrochen und sah verdächtig tot aus. Das andere hielt sich noch mit letzter Kraft auf den Beinen, schielte aber sehnsüchtig zu seinem am Boden liegenden Nachbarn und überlegte, ob es nicht auch einfach umfallen sollte. Ein alter, wirr aussehender Mann mit zwei Katzen im Arm stand vor dem Wagen.
"Also das ist ein Verbrechen hier zu stehen, ja? Sie sperren mich und meine Lieblinge jetzt ein dafür? Bitte!" redete er auf den Wächter ein.
"Äh, nein, das ist aber auf jeden Fall eine Straftat und ich bitte sie, den Wagen unverzüglich wegzusetzen, sonst äh, muss ich ihnen eine Geldstrafe geben." klärte dieser auf.
Der alte Mann sah verzweifelt aus. "Aber ich will festgenommen, eingesperrt werden! Sperren sie mich sofort ein! Und meine Lieblinge auch!" Mittlerweie hatte er den Wächter am Kragen gepackt und schüttelte ihn.
Schließlich wurde er wegen tätlichen Angriff auf einen Wächter tatsächlich vorübergehend festgenommen.

22.01.2010 22: 21

Alois Kühn

"Na klasse." Alois stöhnte, jetzt würde er schon zum zweiten mal an diesem Tage zu spät kommen. Er war sich sicher einen bleibenden Eindruck bei seinen Ausbildern zu hinterlassen, allerdings keinen besonders guten, dass war ihm ebenfalls bewusst.
"Meinst...du...wir schaffen es...noch rechtzeitig....zum..Sammelpunkt Tri...nitas?" Alois keuchte als die beiden die Straße hinunter rannten und mit jedem Atemzug den Alois tat brannten seine Lungen mehr und mehr. Er war nicht unsportlich aber der kalte Nordwind welcher durch die engen und dreckigen Ankh- Morporkianischen Gassen pfiff machte es ihm alles andere als einfach.
"Ich.. weiß es.. nicht!" Entgegnete Trinitas, der ebenfalls sichtlich mit der Kälte zu kämpfen hatte."Wollen wir's hoffen..."

Einige Zeit später welche den beiden Rekruten wie eine Ewigkeit vor kam, erreichten sie völlig verschwitzt und nach Luft hechelnd das Wachgebäude von GRUND.
"Man, Ich bin völlig fertig, hoffentlich sind die Ausbilder noch nicht da sonst gibts sicher Ärger" Alois wusste, dass er als Rekrut die Meldepflicht immer einzuhalten hatte, andernfalls würde man womöglich noch nach ihnen suchen. Glücklicherweise waren sie nicht ganz so spät dran wie sie dachten, die Ausbilder waren noch nicht da.



23.01.2010 2: 53

Sebulon, Sohn des Samax

Zwei Wächter kamen missmutig die Straße Der Kleinen Widerlichkeiten hinuntergeschlurft.
"Hmm", meinte Aaron und deutete auf die Straßenschilder am Ende der Gasse[3].
"Hmm", erwiderte Remedios.
Sie hatten sich nicht viel zu sagen, schon seit einer guten Stunde.
"Ich wette, die anderen haben den ganzen Spaß", seufzte Remedios.
"Hmm", stimmte Aaron zu.
Die beiden Rekruten hielten an, besahen sich die Liste ihrer Straßennamen und bogen dann rechts in die Haumichgasse ein.

~~~ Währenddessen in der Kröselstraße ~~~

Nachdem die Rekruten angedeutet hatten, dass ihnen wenig passiert sei - Jakob und Lantania hatten sich darauf geeinigt, dass man Ausbildern mit schwachen Herzen nicht zu viel Heldentum auf einmal gestehen musste -, ging der Püschologe ins Nachbarzimmer und kehrte umgehend mit einem Lebewesen in den Händen zurück.
"Meeeeeiiiiiiaaaaaauuuu!", kreischte Henry.
Sebulon hielt mit eisernem Griff das fauchende Fellknäul ausgestreckt von sich und rümpfte die Nase. Mittlerweile trug der Zwerg Handwerkerhandschuhe, um seine Handrücken etwas zu schonen.
"Dies", sagte Kathiopeja, "ist eine Katze."
"Ein Kater", korrigierte Lantania kaum hörbar. Sie erntete dennoch einen strafenden Blick von der Ausbilderin.
"Wo sind eigentlich Remedios und Aaron?", fragte Alois.
"Ich hoffe, ihnen ist nichts passiert."
Jakob atmete tief ein, als er an seine durch Wein entstellte Uniform dachte.
"Tatsächlich seid ihr zu früh dran", meinte Sebulon und hielt Henry in die andere Richtung, um seine Rekruten besser sehen zu können. "Aber das macht nichts. So können wir den Ausflug gemeinsam machen. Mir kam da nämlich vorhin eine Idee ..."
"Miiiiiirrrrrraaaaauuuu!", flehte Henry und wand sich.


~~~ zeitgleich am Pseudopolisplatz ~~~

Zwei Pferde lagen am Boden vor dem Wachehaus in der Pseudopolisstraße. Das eine tatsächlich tot, das andere nur halb.
Die Nüstern stellten sich auf, als der lediglich verschnaufende Rappe etwas roch.
Blutdurst.
Er öffnete ein Auge und sah sich um.[4] Dann versuchte er panisch auf seine Beine zu kommen und etwas Abstand zwischen sich und diesen Geruch zu bringen.
Daran hinderte ihn leider das Geschirr - man hatte vergessen, ihn vom Planwagen zu lösen.

25.01.2010 14: 15

Remedios von Schwarzfell

Eine kleine, graue Tigerkatze huschte über den Platz der Gebrochenen Monde.
Immer wieder hielt das Tier inne, reckte das Näschen in die Luft, sah sich um und schnupperte. Geschickt duckte sich das Kätzchen unter einem vorbeifahrenden Karren durch und hielt auf die nächste Gasse zu, wo sie abermals kurz verharrte. Es peitschte unruhig mit dem Schwanz und drehte seine Ohren in alle Richtungen, um jedes noch so kleine Geräusch zu erfassen.
Das Tier blickte noch einmal zurück.
Irgendetwas war da draußen. Und es kam näher.
Ein leises, ängstliches 'Mrrraaau' entwich seiner Kehle, dann trabte das Kätzchen weiter - deutlich schneller als zuvor.

~~~ Zur gleichen Zeit in der Immer-Schlimmer-Gasse ~~~

"Was man alles entdeckt, wenn man bewusst die Augen offenhält - faszinierend!" Remedios schlenderte neben Aaron Sorgenvoll her, der die Karte mit den noch verbliebenen Straßennamen studierte. Sie zählte an den Fingern ab, während sie redete: "Hinter dem Busch verscharrte vermoderte Leichen, gammliges Zwergenbrot, zwei gefälschte Quittungen der Diebesgilde, ein alter Schuh, ..."
"Ja, nur leider weit und breit keine Katze", erwiderte der Rekrut, "Weder bei der Fleischerei, noch hinter den Fischständen auf dem Markt ... wirklich merkwürdig. Ob die anderen wohl mehr Glück hatten?"
"Gute Frage. Oh da fällt mir ein: hätten wir nicht eigentlich nach einer Stunde wieder im Wachhaus sein müssen?"
"Du hast Recht." Aaron Sorgenvoll überprüfte seine Taschenuhr. "Dann lass uns mal besser zurück zum Wachhaus gehen."

06.02.2010 0: 36

Alois Kühn

"Eine Katze, na klasse." Kühn seufzte. Eigentlich seufzte Alois, seit er Mitglied der Wache war, mächtig oft, allerdings war es zumindest ihm noch nicht wirklich aufgefallen.
"Und was haben sie mit diesem Fellknäuel nun vor?", fragte der junge Rekrut seinen Ausbilder, und ohne eine Antwort abzuwarten fuhr er fort: "Ich würde sie ja als Köder irgendwo festmachen, so müssten wir uns nur noch auf die Lauer legen und warten."
"So in der Art, ja", entgegnete der Zwerg. "Wir werden mit Henry durch die Stadt patrouillieren. Es muss ihn nur einer von euch halten. Dieser faule Kater geht doch freiwillig keine 5 Meter wenn nicht irgendwas Essbares in der Nähe zu finden ist. Und außerdem, ..." Er sah sich auf die behandschuhten Hände. "... werde ich ihn mit Sicherheit nicht tragen."
Lantania meldete sich zu Wort: "Na dann nehm ich halt den süßen Fratz." Sie lächelte.
"Meinetwegen." Sichtlich zufrieden hielt Sebulon ihr die rote Fellkugel hin. "Oder will ihn jemand anderes haben?"
Die Wächter verneinten.
"Sehr schön, dann haben wir ja auch schon unseren Spür-Trupp zusammen. Kathiopeja, Lantania und Jakob, ihr drei bildet die Spür-Patrouille. Ich, Timotheus, Alois und die beiden noch fehlenden Rekruten werden die Nachbarschaft befragen. Möglicherweise haben wir ja Glück und irgendjemand kann uns einen Hinweis geben. In 2 Stunden treffen wir uns wieder hier. Alles klar soweit?" Es gab keine Einwände. "Na dann los."
Die Wächter - bis auf Kathiopeja - salutierten kurz und machten sich auf den Weg.
Nun hieß es warten. Die beiden fehlenden Rekruten waren noch nicht in Sicht.

21.02.2010 19: 14

Sebulon, Sohn des Samax

Remedios sah Aaron an.
Diese Kreuzung - Schlummerweg Ecke Schussfadenweg - mit exakt diesem in die Holztür geritzten Herz hatten sie schon vor einer halben Stunde überquert.
"Ich glaube, wir hätten da gerade links ...", begann Aaron, ließ es dann jedoch sein.
"Mhm", machte die Werwölfin.
Beide merkten auf, als in der Ferne ein Pferd panisch wieherte und dann verstummte.
"Fleischergilde?", mutmaßte Remedios.
"Klingt plausibel", erwiderte ihr Kollege und deutete in die entgegengesetzte Richtung. "Dann ist die Kröselstraße irgendwo da lang."
Frohen Mutes setzten sie ihren Weg fort.

22.02.2010 1: 07

Remedios von Schwarzfell

"Eigentlich...", sagte die junge Werwölfin gedehnt, "ist es ja schon ziemlich peinlich...."
"Du sagst es", stimmte Aaron Sorgenvoll seiner Kollegin zu und schnippte den Stummel seiner Zigarette weg, "Wieviele Straßen waren das denn jetzt? Zehn? Zwölf? Theoretisch kann man sich hier doch gar nicht verirren..."
"Tja, wir offenbar schon..."
Mittlerweile hatte Aaron Sorgenvoll die kleine Uhr so tief wie möglich in seiner Tasche verstaut und weigerte sich beharrlich, noch einmal einen Blick darauf zu werfen - Verspätung hatten die beiden Rekruten ja sowieso schon. Deshalb hatten sie es bei der letzten Kreuzung auch aufgegeben, mit gehetztem Ausdruck durch die Straßen zu rennen und bewegten sich nun in einem äußert kraftsparenden und entspannenden Schlendergang fort.

"Das gibts doch nicht!" Remedios zeigte auf das Schild am nächsten Haus, das in einigen Metern Entfernung auf einer kleinen Anhöhe stand, "Apfelkernweg. Der ist doch total weit vom Wachhaus entfernt?"
"Verdammt!" Der junge Rekrut sah aus als könnte er sich nicht entscheiden, ob er lachen oder weinen sollte. "Vielleicht sollten wir jemanden fragen...?", schlug er wenig überzeut vor.
"Bist du verrückt? Niemals!"
"Naja, was sollen wir denn sonst machen?" Der Wächter sah sich um. Abgesehen von ein paar Karren, die am Straßenrand parkten, war ihr Umfeld menschenleer. "Du bist doch hier die Werwölfin. Was ist denn mit deiner berühmten, sensationellen Nase, he? Wo liegt denn das Wachhaus?"
Remedios verschluckte ihr Knurren und fuhr ihren Kollegen stattdessen gereizt an: "Was erwartest du denn? Soll ich aus dem Gestank hier noch mehr Schweiß, Armbrustfett und Taubenmist herausriechen? Vergiss es!"
Der Rekrut fluchte leise und kickte mit dem Fuß gegen den nächsten Karren.
"Und was machen wir jetzt?"
"Was weiß ich." Remedios verschränkte die Arme vor der Brust und sah nicht sehr kooperativ aus. ... und deine sensationelle Nase mimimi... äffte sie im Stillen.
"Na komm schon", lenkte Aaron nach einigen Minuten ein, "Lass uns einfach weitergehen. Früher oder später werden wir das Wachhaus schon finden."
"Na schön..." Remedios seufzte tief. Und hielt inne. "Warte mal, Aaron.."
"Was ist los?" Aaron wandte sich ungeduldig um, "Kommst du?"
"Warte einfach mal..." Die Werwölfin wirkte sehr ernst, hob den Kopf ein bisschen höher, ging langsam auf die Mitte der Straße zu und drehte sich randwärts. Ihre Nasenflügel weiteten sich und sie schloss die Augen.
"Das ist.. komisch..."
"Was ist denn jetzt? Ich hab keine Lust hier noch länger rumzustehen!"
"Das ist nicht normal, Aaron... Die Stadt.. der Geruch hat sich verändert."
"Das ist Ankh-Morpork, hier riecht doch dauernd irgendwas komisch."
"Nein, nicht so.. das hier ist.. ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll.. einfach anders." Remedios schlug die Augen wieder auf. Sie fröstelte.
Aaron sog übertrieben stark die Luft ein. "Also ich rieche gar nichts. Komm schon, das ist doch Zeitverschwen-.."
"Hörst du das?", unterbrach die Rekrutin ihren Kollegen. Aus der Ferne hörte man ein leises Beben, eine Art Grollen, als würden zahlreiche Füße schnell auf dem Erdboden aufschlagen, das rasch näher kam.
"Was ist das? Sind das Karren?"
"Nein..." Remedios wich langsam zurück an die Hauswand, "Das sind.. Katzen!"
Das Geräusch wurde immer lauter. "Katzen? Bist du sicher? Wir haben den ganzen Tag noch keine einzige gesehen..."
Gebannt blickten die beiden Rekruten randwärts auf das kleine Haus auf der Anhöhe, das den Anfang des Apfekernwegs kennzeichnete.
"Sie kommen!" Remedios packte Aaron am Ärmel und zog ihn zu sich in die Türnische.
Hunderte kleine Leiber in allen möglichen Farben und Schattierungen quollen über den kleinen Hügel und jagten auf die Rekruten zu. Die Katzen beanspruchten die ganze Straßenbreite für sich, drängten aneinander vorbei, sprangen mühelos über Karren oder quetschten sich darunter hindurch, bissen sich in die Schwänze und trieben einander mit lautem Maunzen zu noch größerer Eile an. Die beiden Rekruten starrten fassungslos auf die kleinen, panischen Gesichter, als das Meer aus Katzen an ihnen vorbei zog.
Nach einigen Minuten räusperte sich Aaron und wandte sich unsicher an Remedios: "Was.. was war das?"
Die Werwölfin war ebenso geschockt wie der Rekrut: "..Ich hab keine Ahnung..."

23.02.2010 12: 26

Jakob Fluss

~~ Tief unter der Stadt in einem schlecht beleuchteten Kellergewölbe ~~

Ein vereinzelter Tropfen einer bläulich fluoreszierenden Flüssigkeit machte sich auf den langen Weg. Erst langsam, dann immer schneller werdend, troff er an den Glaswänden eines dünnen Röhrchens entlang. Befand sich eine kurze Strecke im freien Fall und tropfte dann in eine abwärts gerichtete Spirale einem rosafarbenen Licht entgegen. Immer schneller floss er die Spirale hinab, dabei verlor er zusehends an Masse. Eine ihn weit übertreffende Macht zog ihn zusehends dem sich ins rötliche verschiebenden Licht entgegen. Erst auf den letzen Millimetern stellte der Tropfen überrascht fest, dass es kein Ziel gab, kein weiteres Röhrchen, keinen Auffangbehälter und auch kein Wiedersehen mit seinen anderen blauen Freunden. Er verdampfte; kondensierte an der Decke eines Glasgefäßes. Geschwächt und ausgelaugt sah er sich gezwungen eine ihm unliebsame Bindung einzugehen. Seine Farbe wechselte ins Grün, ein gesundes Giftgrün.
"Hübsch ..."
In ruhiger berechnender Erwartung und überraschend korrekter Tonlage klang die Stimme fast angenehm. Ein sanfter Bariton mit einem Subträger namens 'Bosheit', der jedoch so fein untermoduliert wurde, dass man es kaum bemerkte. Erst im Zusammenhang mit dem finsteren, von Fackelschein erleuchtetem Kellergewölbe - voller Tierkäfige und chemischer Apparaturen, Regale voller Mixturen, Glasbehälter mit eingelegten Organen, Tieren und Teilen von Tieren - wirkte sie irgendwie fehl am Platz. Wenn man sich nun noch die mittelalterlich anmutenden Foltergeräte und eine etwas größere Zelle besah, dann wurde man unweigerlich aufmerksam. Vielleicht sogar ängstlich ... und siehe da, die Stimme des älteren Herren in dem korrekt sitzenden Zweireiher bekam einen bösartigen Unterträger.
"Bemerkenswert, es wirkt bei Katzen, quasi ein Katzensprung es nun auch auf Menschen zu übertragen." Kein Lachen, nicht einmal ein Lächeln, er meinte es ernst. "Ja, der erste Test in diesem kleinen Kuhkaff ein paar Meilen vor Morpork war schon vielversprechend. Die weiteren Tests in den einzelnen Stadtvierteln verliefen ebenfalls überraschend vorteilhaft. Aber es muss auch im ganzen Moloch Ankh-Morpork funktionieren!"
Er setzte seinen Monolog fort. Dem Tropfen in der Apparatur war sein Gerede egal, die meisten der noch anwesenden Tiere fanden die Melodie ganz nett die Worte, Ideale und Ansichten dahinter interessierten sie nicht. Warum auch? Hier gab es Futter, man wurde nicht getreten es war halberwegs warm ... ab und zu bekam man einen Spritzer von dem Zeug ab und fing an, seinen schlimmsten Ängsten ins Auge zu sehen, fiel über den eigenen Schwanz her, verlor seine Krallen bei dem panischen Versuchen sich durch den Stein der Wände zu graben ... aber es gab Futter.
"Noch ein paar Tage und ich kann es auf Menschen anwenden. Es wird sie Respekt lehren ..."
Der Monolog setzte sich fort und brach auch nicht ab, als ein possierlicher, noch recht junger Hund eine kleine Rampe herunterpurzelte. Mit einem leichten Klatschen erreichte er den Kellerboden, richtete sich unbeholfen auf, wobei er sich ein wenig mit seinen Schlappohren verhedderte. Seine großen Augen gewöhnten sich langsam an das schummrige Licht des Gewölbes zwischen all den Präparaten und blubbernden Flüssigkeiten.
"Ah ... Bobby, du hast wieder nach Hause gefunden"
Der kleine Hund blinzelte und wedelte aufgeregt mit dem Schwanz, als sein Gehirn die Melodie als
'freundlich, gibt Essen' einstufte.
"Bald, mein Kleiner, schon bald werden wir ihnen eine Lektion erteilen, diesen Menschen, egoistische selbstfixierte Fossilien, die sie sind! Weißt du, Bobby, sie töten ihre eigenen Leute, bestehlen sich ... nur aus Gier und der Angst selbst nicht genug zu bekommen. Den Diebstahl haben sie sogar hochkultiviert, dafür gibt es ganze Institutionen ... Banken und Versicherungen."
Die Worte klangen nett und irgendwie wollte er der freundlichen Stimme in dem schicken Anzug im Gegenzug auch etwas Nettes zukommen lassen, hier musste doch irgendwo ... schnuppernd machte er sich auf die Suche.
Ein toller Ort! Prächtig und bunt waberten die Gerüche hier durch die Gewölbe ... orange, rötliche Flocken, bläulich fluoreszierende Wolken mit violetten Ausfaserungen. Es fühlte sich an, wie Glück, wie Geborgenheit, dort roch es nach Heimat, nur da hinten kam eine schwarze Wolke zum Vorschein.
Er wendete seine Nase dicht über den Boden, in die entgegengesetzte Richtung.
"Wir werden ihnen zeigen, was sie selbst wirklich sind. Wir, Bobby, geben diesen Kreaturen ihre eigenen Ängste zu spüren. Schau."
Mit Bedacht wandte sich der konservativ korrekt gekleidete Mann einem Käfig zu. Eine Ankh-Katze befand sich darin. Einäugig, gewieft, mit zerzaustem Fell und überlangen, geschärften Krallen. Sie spannte ihren Körper, wohl zum finalen Sprung bereit. Leise zischend breitete sich eine Wolke in ihrem Käfig aus.
Bobby interessierte es wenig, Katzen waren doof, brutale selbstsüchtige Biester, sie zerstörten seine Bällchen oder jagten ihn durch die Straßen, nur weil er mit ihnen spielen wollte. Zudem konnten sie gar nicht richtig spielen, beim im Matsch toben putzten sie sich ständig selbst, die Bällchen wurden immer zerkratzt und beim freundlichen Balgen kamen sie stets mit ihren am Asphalt geschärften Krallen an. Wo war nur das Bällchen ...?
Federleicht umhüllten die Schwaden der Wolke das Kätzchen, misstrauisch beäugte dieses das Geschehen. Eine Pfote fuhr vorsorglich die Krallen noch ein Stückchen weiter aus. Mit einem Satz warf sie sich auf einen der bläulich fluoreszierenden Ausläufer. Ihr Herz schlug schneller. Funken stoben von den Gitterstäben als sie vergeblich versuchte zu entkommen.
"Na, meine kleine Miezekatze ... was siehst du - oder besser noch: wie fühlt es sich an, von sich selbst umgeben zu sein, und nur von sich selbst?"
Das Blut schoss vom Adrenalin getrieben durch ihre winzigen Adern, die Augen weit aufgerissen, jedes einzelne Haar steil aufgerichtet, kämpfte sie, von Angst durchdrungen, ihren letzten Kampf.
Da war es, hier ist es hingerollt direkt neben dieser Wolke aus Tod, ein kurzer Blick zu dem netten Herrn und schon stürmte Bobby mutig über den halbvergammelten Kadaver einer Ratte hinweg, schnappte sich das Bällchen, ein wunderbar buntes Ding aus Erinnerungen, und ließ es freundlich sabbernd auf den wohl polierten Schuh seines Herrchen fallen.
"Ihr Katzen seid uns Menschen ja so ähnlich, habt nur eure eigene Existenz im Sinn, lasst euch in kein dauerhaftes Kollektiv einordnen; ihr begehrt weit mehr, als gut für euch ist. Am Ende kennt ihr die Grausamkeit, zum Leidwesen eurer Opfer."
Irgendwie klang Herrchen etwas besorgt, vielleicht hatte er Bobby noch nicht bemerkt?
"Wuff, Wuff!"
"Arme Kreaturen, nun ja, der nächste Test wird an einem Menschen oder vielleicht auch einem Zwerg ausgeführt. Ja Bobby, hübscher Ball." Sanft tätschelte er den großen Kopf des kleinen Hundes, sah ihm freundlich in die Augen und kraulte seinen Nacken.
Bobby wälzte sich auf den Rücken und genoss die Aufmerksamkeit des freundlichen Mannes sichtlich.
Menschen waren doch um so vieles angenehmer als Katzen.

24.02.2010 20: 51

Lantania vom Silberwald

Die drei Wächter mit dem Kater patrouillierten durch die Straßen, sahen sich dabei nach Unnatürlichem und nach Katzen um und achteten auf das Verhalten Henrys. Dieser war zwar etwas nervös, blieb aber trotzdem recht ruhig, weil er die Streicheleinheiten von Lantania genoss.
Ihr wurde diese süße rote Fellkugel, die schnurrend auf ihrem Arm saß, schon langsam ziemlich schwer, aber sie beklagte sich nicht. Jakob war garantiert nicht bereit, den Kater zu tragen, Kathiopeja vielleicht, aber noch ging es.
"Meine Damen, ich fürchte, dieser Kater reagiert höchstens auf etwas zu Fressen und sieht das hier als eine Streicheleinheit bei frischer Luft an. Obwohl die Luft hier in dieser Straße nicht gerade frisch ist." Jakob rümpfte die Nase.
Kathiopeja sah ihn an: "Soll das ein Witz sein? Die Luft ist überall in Ankh-Morpork gleich schlecht."
"Natürlich, aber ich finde sie genau hier irgendwie anders schlecht. Hier liegt noch ein anderer Geruch in der Luft, als der übliche Ankh-Morpork-Duft. Remedios könnte das bestimmt bestätigen."
Kathiopeja zuckte nur mit den Schultern und verderehte die Augen. Lantania, die dazu eigentlich gerade was sagen wollte, ließ es sein, da sich Henry plötzlich in ihre Schulter krallte und sich beinah so umsah, als wäre auch er ein Wächter.
"Au! Henry, was ist denn?"
Der Kater sprang daraufhin von ihrer Schulter und rannte die Straße entlang. Da die Wächter einfach nur unglaublich überrascht waren, dass gerade dieser Kater freiwillig und ohne ersichtlichen Grund weglief, verschwand er bald aus ihrem Blickfeld.
Jakob, der als erster aus der Starre erwachte, fragte: "Was machen wir denn jetzt?"
"Hinterher, was sonst?" erwiederte Kathiopeja und lief los. Die beiden Rekruten folgten ihr.
Alle drei übersahen den rosa Dampf, der den Gullideckeln dieser Straße entwich.

28.02.2010 17: 35

Sebulon, Sohn des Samax

Jakob, Lantania und die Ausbilderin spurteten die Straßen und Gassen entlang, immer hinter ihrer einzigen Katze her; ihrer einzigen Hoffnung etwas aufspüren zu können. Die Gebäude verschwanden für sie in einer Art undeutlichem Schleier.
Deutlich schwerer atmeten die beiden Rekruten, doch Henry behielt das Tempo bei, als müsse er jetzt die versäumten Sprints der letzten Jahre auf einen Schlag nachholen.
Mit großen Schritten überholte Kathiopeja ihre beiden Zöglinge. Ihre Wache-geschulten Beine nahmen die zurückgelegte Entfernung zwar wahr, hatten allerdings das Protestieren aufgegeben.
Als sie in die Trommel-Gasse einbog, war sie doppelt verblüfft: Einerseits waren sie - der Kater und der Lance-Korporal - in eine Sackgasse gelaufen, und andererseits stand das fauchende Fellknäul gerade vor ihr; die Krallen ausgefahren und den Schwanz aufgerichtet.
Sie hatte ihren Kater in die Enge getrieben.
"Oh, Mist!"
Als wenig später die beiden Rekruten die Gasse erreichten, war Kathiopeja bereits kampfunfähig und lag am Boden, aus vielen Kratzern blutend. Ihnen blieb nur, sie in ein nahe gelegenes Krankenhaus zu bringen.
Der Kater blieb verschwunden.

07.03.2010 6: 05

Remedios von Schwarzfell

In einem kleinen Häuschen unweit von Quirm



"Äh... Meister, bist du sicher, dass ich weiterlesen soll?" Ein blasser, kartoffelnasiger junger Mann, der viel zu schnell gewachsen war und nur aus Knorpeln und knubbeligen Knien zu bestehen schien, kniff die Augen zusammen und starrte auf das Blatt Papier, das er in den Händen hielt. Auf seiner Stirn hatten sich Schweißperlen gebildet.
"Ja!" Sein Meister war ein runzeliges kleines Männchen, das gerade verschiedenfarbene Flüssigkeiten mischte und sich immer wieder schwungvoll den obligatorischen langen, weißen, an Schafwolle erinnernden Bart, den alle großen Denker besitzen, über die Schulter warf. Seine blauen Augen leuchteten und er strahlte eine Willenskraft aus die vor allem die Leute besaßen, die nicht bemerkten, dass sich deren Körper schon vor vielen, vielen Jahren darauf eingestellt hatte, endlich zur Ruhe zu kommen und nicht mehr funktionieren zu müssen.
"Na gut..." Der junge Mann räusperte sich unsicher und fuhr dann fort, "Wo war ich.. ah.. da.. ja.. eh.. Also ich les dann weiter ja?"
Das linke Auge seines Meisters zuckte.
Schnell räusperte sich sein Lehrling erneut: "...nur eine weitere Erfinduhnk in einer Reihe von nichtsnutzigen, die die Welt sicherlich nicht brauchigen wird. Adamus Schröttdinger stellt somit keine Bedrohunk für ..eh... Albert N-.. Nju-..thon dar, dem mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der diesjährige Da-Quirm Preis wieder verliehen wird."
Mit einem lästerlichen Fluch schleuderte der Meister sein Glas mit verfüherisch dunkelviolett schimmernder Flüssigkeit an die Wand.
"Banausen!", schrie er und fegte mit seinem Bart Papiere, Unterlagen und Skizzen vom Tisch, "Ooh, wie sie staunen werden! Pah! Njuhton wird sich anschauen!"
Er hielt inne und hob einen bebenden Zeigefinger gen Himmel, der Glanz in seinen Augen wurde stärker: "Es wird funktionieren, Hannes-Björn, glaub es mir!"
"Bist du sicher, Meister?" Der Lehrling rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her, "Njuhton soll angeblich ein Gerät erfunden haben, mit dem man den Boden fegen UND Musik machen kann..."
"So ein Quatsch!" Der Meister wackelte ein bisschen, "Was nützt es der Welt? Ich hingegen, ich eröffne vollkommen neue Dimensionen! Schnell Hannes-Björn, hol den Säbelwürfler, ich bring den Rest!"
Mit wehendem Haupthaar verließ der Meister das kleine Zimmer und kehrte kurz darauf mit einer Kiste zurück.

"Ich hab das immer noch nicht verstanden, Meister."
"Du bist ja auch dumm wie Staub, Hannes-Björn. JEDER der es sieht wird augenblicklich begreifen! Und dann gehört der große Da-Quirm Preis endlich mir! Mir!" Speichelreste färbten die Mundwinkel des Meisters weiß.
"Los gehts! Pass gut auf!"
Der Meister schob den Deckel der Kiste zurück und linste hinein. Ein flauschiges, kleines Katzengesicht maunzte ihn vertrauensvoll an.
"So, den Säbelwürfler her!" [5]
Geschickt ließ Schröttdinger den Säbelwürfler in die Kiste gleiten, zog das kleine Decklein, das ihn vom Tageslicht bewahrte ab und verschloss den Deckel.
"Ja.. und jetzt?"
"Das ist ja das Spannende an der ganzen Sache", pfauchte der Meister Hannes-Björn an, "Du hast es schon so oft miterlebt! Was passiert jetzt wohl? Wann hat der Säbelwürfler das letzte Mal gefressen? Keiner weiß es!"
Hannes-Björn nickte verständnislos.
"Wenn wir den Deckel jetzt öffnen ist entweder die Katze betäubt, sofern der Säbelwürfler hungrig ist, ODER der Säbelwürfler schläft, weil er durch das Öffnen des Deckels in Kontakt mit Tageslicht kommt. Verstehst du das denn nicht, Hannes-Björn? Das ist großartig!"
Hannes-Björn beschloss, unverständliches Gemurmel, das in Räuspern und Husten endete, von sich zu geben.
"Und was machen wir jetzt?"
"Die Frage ist wohl eher, was DU jetzt machst, Hannes-Björn. Das weißt du doch mittlerweile schon!"
Gebannt starrte Adamus Schröttdinger auf die Schachtel. "Katzen, wir brauchen viel mehr Katzen! Du weißt ja wie man sie fängt."
Die Kiste wackelte ein bisschen.

08.03.2010 14: 42

Sebulon, Sohn des Samax

Schwanzwedelnd tummelte sich Bobby vor seinem Herrchen; rannte immer ein Stück vor, um dann gutgelaunt hechelnd auf ihn zu warten. Es war so ein schöner Tag; so viele Gerüche! Das Leben konnte doch kaum noch mehr versprechen, als so viele lustige Sachen ...
Er stolperte und schlug einen Purzelbaum.
Was waren das dort vorn für komische Leute? Sie trugen Uniformen und rochen nach Kaffee ...
"Ein Zwerg", sagte der ältere Herr im Zweireiher. "Ausgezeichnet."

"Und Sie sind sich sicher, dass sie nicht wissen ...", begann Alois und lächelte verträumt den Bauarbeiter an, der müde und wenig interessiert den Kopf schüttelte, bevor er schwungvoll die Tür schloss.
"Das ist jetzt der Vorletzte", brummte Timotheus, der sich eine Liste gemacht hatte. Sechzehn Namen und Hausnummern waren bereits durchgestrichen.
"Vielleicht kann ja ich Ihnen behilflich sein", säuselte die Stimme eines älteren Herren.
Voller Elan drehte sich Alois um und begann die Begrüßung herunterzuspulen: "Stadtwache von Ankh-Morpork; Kühn und Trinitas, wir untersuchen die ..."
"Katzen", unterbrach ihn der formal gekleidete Mann, "nicht wahr? Genau darüber habe ich Informationen."
Der Rekrut setzte zu einer überraschten Antwort an, bevor er bemerkte, dass ihm keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Der Blick des Alten lag unverrückbar auf dem Ausbilder Samaxsohn, der in die Knie gegangen war, um einen sabbernden Hund zu streicheln. Überrascht bemerkte, dass der hilfsbereite Bürger wohl gerade zum Einkaufen unterwegs gewesen sein musste: Er zog klapperndes Wägelchen mit zwei Rädern hinter sich her.
Sich erhebend erwiderte Sebulon: "Ist das so."
Der charmante ältere Herr nickte. "Können wir ... unter vier Augen reden?"

Er war eingesperrt. Hände und Füße waren mit seinem Bart gefesselt. Die Wände sahen lila aus, oder irgendwie pink, obwohl sie aus Kreide zu bestehen schienen. Sie waberten. Sie wurden immer größer. An die Wand gepflockt hing Braggasch Goldwart, die Hände merkwürdig verdreht, die Augen vor Schreck geweitet.
Sein Verstand meldete, dass etwas nicht stimmen konnte, weil die Wände schon ewig auf ihn zuzugleiten schienen.
Doch vergeblich.
Er starrte auf seinen toten Freund und schrie.

Eine halbe Stunde später wurden die Rekruten das Warten leid und machten sich auf die Suche nach dem Korporal. Sie fanden ihn nicht.
Nur zwei feine Spuren im Staub bezeugten noch, dass der Zwerg unauffällig weggekarrt worden war.

19.03.2010 17: 55

Jakob Fluss

~~~~ Irgendwo tief in den Kanälen unter Ank-Morpork~~~~


Ein beständig, rhythmisches patschen erschallte durch die Kanalisation gefolgt von einem fröhlich enthusiastischen trippeln.
Dem geneigten Betrachter mag ein farblich äußerst präsenter Gummiball auffallen, welcher in gemächlichem Tempo durch die Kanäle der Stadt sprang. Dicht gefolgt von einem kleinen Hund, mit langen Ohren.
Herrchen hatte einen neuen Ball herbeigezaubert, aus all den bunten, blubbernden Flaschen in seinem Keller. Der alte lag zwar recht praktisch im Maul und hatte einen interessanten Geruch zu eigen, jedoch wollten diese verflixten Katzen einfach nie damit spielen. Immer wenn er Ihnen das Bällchen zustieß rannten sie wie der Teufel davon ... und kamen anscheinend nicht wieder zurück. Dumme Tiere aber auch.
Mit dem dritten Anlauf gelang es dem kleinen Hund, eine der uralten Treppen hinauf, in den nächstliegenden Keller zu schlüpfen. Unbemerkt von den anscheinend mit einer großen Katze beschäftigten Gestallten darin, hoppelte er schnurstracks durch das finstere Gewölbe.
Die beiden Gestallten dieses Keller fesselten eine sehr große schnarchende Katze.
"He Ingolf, gut das das Biest schläft..."
"Recht haste, Thomas das Vieh hätten wir nie überwältigen können, ist die erste Katze seit langen die ich so ruhig sehe"
"Das ist ganz schon viel Katze, so ein Grautiger. Puha und wie der stinkt."
"Überwäldler Spätauslese würde ich sagen... Jahr der gefrorenen Ratte war ne'n harter Winter..."
"Thomas ... wir sind Rattenfänger, Tierpfleger und Vagabunden jetzt erzähl mir nicht das du dich mit Weinen auskennst ... wir trinken Bier und Wasser mit Bier darin."
"Stand halt auf dem Weinschlauch da ... siehste Überwaldler Spätauslese sag mal warum ist n der Schwanz von dem Vieh so angesengt?"
"Keine Ahnung, los wir packen ihn ein und bringen ihn zurück zum Zoo der Alkohol bringt die Sinne der Biester völlig durcheinander. Unser Glück das er sich in diesem Keller nur besoffen hat"
"Recht haste ... besser als wenn er sich an den Bewohnern des Hauses satt gefressen hätte"

Unbeachtet von den beiden sehr beschäftig wirkenden Zoowärtern, schlich sich Bobby in Richtung des Ausganges
Ja das ist wieder so typisch Katze, irgendwo hereinschleichen und sich dann besoffen heraustragen lassen. Zwinkernd begrüßte er das Tageslicht auf der Straße. In den langsam vergehenden Sonnenstrahlen des Tages, viel ihm auf der seltsamerweise fast leeren Straße ein Zwerg auf. Tüchtige Gesellen, nicht allzu groß und immer für ein paar Minuten Bauchkraulen zu haben. Vor allen aber weckten diese Kuschliegen Bärte sein primäres Interesse. Er erinnerte sich an einige besoffene Zwerge die er ruhig schnarchend vor den Kneipen der Stadt gefunden hatte. Als kleiner Hund konnte man sich bei solchen Gelegenheiten problemlos in den Bart kuscheln und eine halbwegs warme Nacht verbringen. Ach ja sie mochten Katzen ebenfalls nicht, wobei es dabei wohl um irgend eine
Nahrungsfehnde ging. Nun ja, da befand
sich jedenfalls ein potenzieller Spielgefährte. Hastig rannte Bobby auf den mürrisch dreinblickenden Zwerg zu, verhedderte sich während des Bremsmanövers mit den Ohren in den Vorderpfoten und purzelte über die eisenbeschlagenen Stiefel des Zwerges hinweg. Er schüttelte verdattert den Kopf wand sich wieder dem Zwerg zu und ditschte ihm den voll gesabberten Ball auf den rechten Stiefel.

Verwunderung erfasste den Zwerg als ein kleines possierliches braun weiß geschecktes Hündchen mit einem kunterbunten Ball im Maul auf ihn zustürmte. Ein Lächeln schlich sich unter seinem Bart, als der kleine Tölpel ins stolpern geriet und über seine Stiefel purzelte. Nun ja Björn Hogerson war eigentlich nicht zum Spielen in die Stadt gekommen, er hatte ein paar Dinge zu erledigen. Dinge für die man Leute von außerhalb benötigte, die noch wussten warum Äxte zweischneidig geschmiedet wurden. Aber wie er dieses kleine häufchen Freude so vor seinem Stiefel sitzen sah.

Also los ... Zwerg anschauen, hecheln, Ball anschauen wieder zum Zwerg gucken, hecheln ...wieder zum Ball. Nu los, komm schon mach mit. Kräftig mit dem Schwanz wedeln, Zwerg anschauen, hecheln ...

Na, gut für einen kleinen Hund hatte er auch noch Zeit, langsam bückte sich Björn zu seinem Stiefel herab, griff sich den Ball mit seinen stummeligen Zwergenfingern sog den schmutzigen Geruch der Stadt ein, blinzelte noch ein letztes mal in das vergehende Sonnelicht über den Dächern der Stadt und schloss in einem Moment des inneren Friedens kurz die Augen. Seine Finger umschlossen den weichen, bunten Ball, seine Nase rümpfte sich, er witterte. Es roch nach ... Stollenbrand, Trollen, Blut seinem Blut. Die Augen des Zwerges öffneten sich schlagartig. Er befand sich ein einem Stollen hinter ihm holte sich die Erde zurück was er ihr einst nahm vor ihm positionierten sich fünf Trolle aus dem Gestein des Schachtes um ihm zu nehmen was er am meisten liebte und dem Gestein in jahrelanger Arbeit abgerungen hatte. Seine Augen weiteten sich, sein Mund öffnete sich zu einem stummen Schrei.
Hmmm, Katzensymptome... Der Zwerg wollte anscheinend nicht Spielen, er stand einfach nur da und sah fürchterlich ängstlich aus, als wolle er schreien, aber immerhin er lief nicht weg also gab es noch Hoffnung.
Los wirf das Bällchen. Herumtollen, sabern, hecheln aufs Bällchen stieren. Los wirf es kläffend um den Stiefel herum hoppeln
Der Zwerg viel der Länge nach um, seine Augen weit geöffnet, der Körper bewegungslos.
Besoffen definitiv besoffen, also kein Bällchen jagen Heute Bobby schnappte sich das Bällchen und verbuddelte sich im Bart des Zwerges, der jedoch nach einer Weile unangenehm kalt wurde. Was ihn dazu brachte sich wieder auf den Weg durch die Straßen Ank-Morporks zu machen.


27.03.2010 15: 14

Sebulon, Sohn des Samax

"Was machen wir jetzt?", fragte Timotheus und sah seinen Mitrekruten Kühn an.
"Tja, ich würde sagen ... - oh, schau mal, eine süße kleine Katze ...", murmelte Alois gedankenverloren.
Entrüstet fuhr ihn Trinitas an: "Der Ausbilder ist verschwunden, wir haben keine Spur und du ..." Er blinzelte. "Sagtest du gerade Katze?" Sein Blick suchte das unerwartete Fellknäul, fand allerdings nur noch einen Beutel, der sich ruckartig um das miauende Tier schloss.
"Oh, jetzt ist die Katze im Sack", lächelte Alois.
Ein blasser, kartoffelnasiger junger Mann kam angelaufen, sammelte mit flinken Händen die Seile ein, schwang den zappelnden Beutel auf den Rücken und eilte weiter.
"Da fällt mir ein Witz ein", murmelte Kühn, "treffen sich zwei Folterknechte; fragt der eine den anderen: Und, wie viele Gefangene hast du in deinem ..."
Timotheus verdrehte die Augen, griff die Hand seines abgelenkten Kollegen und begann hinter Hannes-Björn herzueilen.


~~~ zeitgleich, irgendwo in der Kanalisation ~~~

Ein Wassertropfen, durchsichtig, brach das wenige Licht schillernd, dass bis in diesen entlegenen Winkel des Ankhischen Untergrunds vordrang, als er undenkbar langsam den Weg von der Decke des Gewölbes hinab auf sich nahm; vorbei an einer Motte, deren Flügelschläge Minuten nacheinander kamen; tiefer und tiefer, bis er schließlich nur wenige Finger von Sebulons Stirn entfernt war. Einige weitere Minuten verstrichen, bevor der Tropfen auf der zwergischen Haut aufprallte und final zerschellte.
Während dieser Beobachtung war der Püschologe unfähig gewesen sich zu bewegen. Es kam ihm eigenartig vor, dass Dinge sich langsamer zu verhalten schienen, doch gleichzeitig nagte dieser Gedanke nicht so sehr an ihm, dass sich eine Lösung für dieses zeitliche Paradox angeboten hätte - denn da begann sich schon der nächste Wassertropfen quälend langsam den Weg von der Decke hinab zu seiner Stirn.
'Braggasch ist nicht tot', schoss es ihm durch den Sinn, doch sofort sah er wieder das geliebte Gesicht seines Freundes vor sich, in Todesqualen, die Hände durchbohrt, der Bauch ausgepeitscht, die Füße ...
Ihm fiel auf, dass die Wassertropfen ihre Fallfrequenz kurz beschleunigten - doch als er ihnen wieder die Aufmerksamkeit zuwandte, taten sie, als wäre nichts gewesen.
Warum konnte er sich nicht auf beides konzentrieren, wie sonst auch?
Falten entstanden auf der Stirn des Zwergen, wo die Haut von den vielen Wassertropfen schon leicht gerötet war. 'Braggasch ist nicht tot und die Wände stehen still. Irgendwas ist hier ganz unglaublich faul. Wenn nur diese dämlichen Wassertropfen nicht ständig ...'
Der nächste Tropfen erreichte Sebulon nicht. Der Zwerg war kontrolliert seitlich umgekippt. Ein Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab.
'Ha! Ich wusste es! Es sind nicht die Wände, die sich bewegen - es ist die Decke, die immer näher kommt!'

28.03.2010 12: 12

Jakob Fluss

~~~~~Wachegebäude: Kröselstraße~~~~~


Zwei Rekruten lehnten leicht besorgt und höchst verwirrt am Tresen der Wache.
"Jakob, ich hätte nicht gedacht dass eine Katze einen Menschen so verwüsten kann." Besorgnis formte die Stimme der noch jungen Rekrutin, allein der Gedanke an die von Henry arg in Mitleidenschaft gezogene Ausbilderin ließ sie erschauern.
"Fräulein von Silberwald, das hätte ich ebenfalls nicht vermutet. Wir haben jetzt jedoch ein paar weitere stetig anwachsende Probleme. Unsere Führungskräfte an diesem Fall sind beide außer Kraft gesetzt. Es ist an der Zeit die Sache ernst zu nehmen und zu einem passablen Ende zu führen."
Für einen Rekruten, klangen die Worte angesichts der prekären Umstände etwas zu ruhig; man hätte meinen können, ein wenig Zufriedenheit in ihnen vernommen zu haben.
"Meine Güte, Jakob, du kannst mich duzen, verdammt! - Wir müssten den Fall abgeben. Aber ich bin nicht Wächterin geworden, um vor Herausforderungen zu kneifen. Wenn wir doch wenigstens Henry noch hätten", erwiderte Lantania mit steigender Entschlossenheit.
"Herr Sorgenvoll und Herr Kühn sind aufgebrochen um Korporal Sebulon ausfindig zu machen, Madame von Schwarzfell verfolgt mit Herrn Trinitas eine eigene Spur. Sie haben in der Rasen betreten Verboten-Straße einen Katzenfänger gestellt."
"Bleiben nur wir zwei übrig. Übrigens, Du könntest auch alle anderen Rekruten des selben Ranges duzen. Du bist der älteste Rekrut, der mir hier bisher begegnet ist - mal abgesehen von Vampiren."
Der ältere der beiden Rekruten schien die Worte zu ignorieren.
"Also dann an die Arbeit, junge Dame."
"Wo gehen wir hin? Korporal Sebulon wurde zuletzt in der Nähe vom Sattelweg gesichtet, glaube ich." Eine gradezu ansteckende Begeisterung erfasste die junge Rekrutin.
"Wir gehen nirgendwo hin, Fräulein; wir bemächtigen uns einfach dieser Akten." Mit einer geschmeidigen Bewegung fischte sich Jakob die Dienstpläne und Patroullienprotokolle vom Wachetresen. "Und dann suchen wir uns ein Büro mit Rohrpostzugang ... es sollten inzwischen ja mindestens zwei frei geworden sein."
Lantanias Körperhaltung veränderte sich augenblicklich, ihr Rücken versteifte sich, ihre Augen sprühten vor Energie, ihr Haar wurde von einem Windstoß erfasst, der den Weg von den Straßen der Stadt in das Wachhaus gefunden hatte und es zu einer lodernden Flammenkorona aufbauschte. So oder ähnlich mussten Helden aussehen, wenn sie sich aufmachten, um von Drachen verkloppt oder von Göttern gefressen zu werden.
"Herr Fluss" Die Worte kühlten, angesichts der ihr eigenen Magie, die Raumtemperatur merklich ab. "Wir sollten dort draußen in der Stadt sein und unseren Leuten beistehen, die Katzen widerfinden, unseren Korporal aufspüren und denjenigen, der das Verbockt hat, hinter wohlpolierte und stabile Gitterstäbe bringen!"
"Nein, wir nehmen das Büro vom Zwerg." Mit den stolzen Schritten eines eiligen Boten, der wichtige Nachrichten zu überbringen hatte, eilte Herr Fluss in Richtung von Korporal Sebulons Büro davon.
Der Windhauch verebbte in der Weite des Wachegebäudes, eine Tür schloss sich knarrend und das Haar der eben noch heldenhaft-enthusiastischen Rekrutin senkte sich wieder auf ihren Rücken herab. Umgeben vom üblichen Treiben des Tagesgeschäftes blinzelte sie etwas verwirrt.
Was fällt diesem Aufgeblasenen ... Altrekruten eigentlich ein? Wir werden draußen gebraucht, nicht in irgendeinem Büro voller Akten! Wenn ich mein Schwert Katzenbeißer noch hätte ... aber nein, wir sollten ja mindestens zu zweit auf die Suche gehen, an diesem Fall haben wir bereits genug Leute verloren ...
Wütend, aber gemessenen Schrittes, folgte sie Herrn Fluss, der sogar für die Bürotüren anderer Wächter einen Schlüssel zu haben schien.

Als sie das Büro durch die noch offene Tür betrat, lehnte Jakob bereits über dem recht niedrigen Schreibtisch des Zwerges. Eine ansehnlichen Menge aus Dokumenten lag dort ausgebreitet vor ihm.
"Ah, Fräulein vom Silberwald, schön, dass sie doch noch nicht durch die Gassen unserer Stadt eilen."
Geschwind verschloss sie die Tür hinter ihrem Rücken. "Jakob, verdammt noch mal! Wenn das einer herausbekommt! Wir sind noch Rekruten! Wir dürfen eigentlich gar nicht hier sein, zumindest nicht hier drinnen - wie hast du überhaupt einen Schlüssel für das Büro vom Korporal bekommen?"
"Nichts leichter als das: Es gibt einen Hauptschlüssel für den Fall der Fälle." Die Worte klangen geistesabwesend, die Hände des Rekruten ordneten bereits die Papiere.
"Aha, den Fall der Fälle? Welchen Fall meint dieser Schlüssel genau, Herr Fluss?"
"Fräulein vom Silberwald, haben Sie irgendwann schon einmal einen Korporal oder jemanden höheren Ranges mit einem Putzlappen oder einem vollen Mülleimer durch das Wachhaus eilen sehen?"
"Nicht ... also mir fällt momentan ..."
"Richtig, die kleinen Leute, Gnome, Putzkräfte, Hausmeister, Gärtner, Buttler, alte Rekruten - Wir kommen überall rein, wir haben die Hauptschlüssel, oder zumindest eine Kopie davon."
Verwunderung breitet sich in Lantanias Geist aus. Die Regeln verlangten von ihr, diese Anmaßung von einem Wächter sofort wegen illegitimen Eindringens in das Büro eines Vorgesetzten festzunehmen. Doch irgendetwas ... hinderte sie daran.
Eine Spur von Glä-uo-mor übernahm die Kontrolle, der Duft von frischen Zitronen breitete sich, mit dem Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein, in ihrem Inneren aus. Die Stapel auf dem Schreibtisch ergaben ja auch einen Sinn. Dort die Patrouillen-Berichte, der kleine Stapel bestand aus den Notizen zu den ersten vermisten Katzen und der dritte enthielt anscheinend tagesaktuelle Tresennotizen. Jakob verteilte bereits kleine Nägel an einer Karte die er aus der Rohrpost genommen und an die Wand geheftet hatte.
"Woher hast du...?"
"Die Dokumente? Berichte aus dem Archiv, Vermisstenmeldungen der Katzen von Korporal Sebulons Schreibtisch, die Karte ist aus dieser Hosentasche, Patrouillenmeldungen samt Dienstpläne vom Tresen. Herr Samaxsohn hat gute Vorarbeit geleistet. Die haben uns schon in die richtigen Gebiete geschickt. Sieh dir die Karte mal bitte genauer an ... ich habe hier noch ein paar frische Meldungen über einen toten Zwerg und - meine Güte!"
Lantania studierte die Nägel an der Karte
"Mhhh, Talgstraße, Düstergutstraße, Ankstraße, Blumengasse ... fast alles in Ankh."
"Nun ja, in den Schatten vermisst man auch keine Katzen. Man isst sie." Ein einziger Blick von Lantania verursachte im Nacken des Rekruten einen gefrierenden Biss. "Verzeihung, Fräulein vom Silberwald ich vergaß ihre verständliche Vorliebe für Tiere"
"Warum eigentlich Katzen?"
"Nicht nur; nicht nur, junges Fräulein. Hier stehen auch Ratten, dann kamen die Katzen, dann der Grautiger und katzenartige Wesen aus dem Zoo; bis hin zu ... nein, das passt nicht in das Schema." Der Rekrut stockte bei den letzten Worten, sein Mund fühlte sich plötzlich sehr trocken an, als er einen kleinen Zettel ausfüllte ihn mit Sebulons Stempel markierte und an die Rohrpost übergab.
"Ratten ... hast du wirklich grade Ratten gesagt, Jakob?"
"Ja, Ratten, einem Bericht zufolge, der Korporal Sebulon bereits vorlag, wurden vor 2 Tagen Unmengen von Ratten gesichtet, die die Stadt über den Ank verließen - in Richtung des Flusstores. Als hätte ihnen irgendetwas eine Riesenangst eingejagt."
Mit ruhigen gemessenen Schritten bewegte sich Lantania von der Karte an der Wand zum Schreibtisch des Wächters. Elegant fischte sie ein paar Berichte aus dem Stapel vor Jakob, ließ sich auf einer freien Ecke des Schreibtisches nieder und blätterte aufmerksam in den anscheinend frisch beschriebenen Seiten.
"Der ist von Heute, anscheinend aus dem Zoo."
Dieses Mal war es an Jakob, nervös am Rohrpostzugang auf und ab zu laufen, Besorgnis zeigte sich in seinem Gesicht.
"Ein Zwerg, ein toter Zwerg mit Hundesabber im Bart. Naja, muss ja nichts heißen. Passiert ständig ...", murmelte er bei seinen unbewussten Versuchen Pfade in die Dielen des Fußbodens zu treten.
"Jakob? Die schreiben, der Grautiger hatte Angst."
"Was, Angst?" Die nervöser werdenden Schritte hielten inne.
"Mir kam er in dem Keller nicht grade ängstlich vor, eher unheimlich wütend."
Aufmerksam wanderten die Augen der Rekrutin ein weiteres mal über die Seiten der Berichte.
"Ha!" Überrascht zuckte Jakob zusammen als ein kleiner Dämon seinen Kopf aus der Rohrpostanlage steckte. "Eh, du bist nich' der Zwerg."
"Stimmt." Geschwind ergriff Jakob den Dämon, entriss ihm seine Nachrichtentasche und stopfte ihn kopfüber in eine halbvolle Kanne Johannisbeersaft.
"Ey du ..." Der Rest des dämonischen Wortschwalls ging in verzweifelten Geblubber unter.
Leicht hysterisch erhob sich Lanatnia um den Treiben Einhalt zu gebieten.
"Herr Fluss, was tust du da, verdammt nochmal!?"
"Dämon-Reset. Keine Angst, die sterben davon nicht, aber sie vergessen ... hoffentlich funktioniert es. Unsere Beschwörer bekommen aber auch immer mehr Intelligenz in die Biester."
Ihrem Tritt konnte Herr Fluss noch entgehen; der Elenbogen traf ihn jedoch überraschend, woraufhin Lantania ihm das Gefäß mitsamt dem Dämon entwenden konnte.
"Du ertränkst ihn!" Während des etwas ungeschickten Gerangels der beiden fiel das Glas zu Boden. Hustend, prustend und nach Atem ringend, kroch der Dämon aus dem Johannisbeersaft. "Ihr habt doch nicht mehr alle Tassen im Schrank!" Abermals wurde der Dämon in einen Behälter gestopft. Dieses mal jedoch von Fräulein vom Silberwald, die den Behälter mehrmals schüttelte.
"Ähm, junges Fräulein was haben Sie in ihrem Behälter?"
"Jim Bärdrücker's bester, Herr Fluss. Du weißt schon, ab dem Dienstgrad Korporal in jeder untersten Schreibtischschublade zu finden. Vielleicht ein Fluch des Mittleren Managemnents oder einer dieser neuen Götter. Das klappt fast genauso gut, wie die verklemmte Suppenkellen in der Küchenschublade."
"Vielen Dank Ihnen, auf alle Fälle. Hmm, er hat uns einen Bericht über einen toten Zwerg gebracht, der in der Ankstraße gefunden wurde."
"Doch nicht etwa ..."
"Nein, nein er trug keine Ausweisdokumente bei sich, es war nicht unser Korporal. Definitiv. Jedoch ist er anscheinend vor Angst gestorben."
"Vor Angst?"
"Ausgerenkter Kiefer, anscheinend von dem Versuch herrührend, zu schreien. Herzstillstand, extrem geweitete Augen und Hundesabber im Bart. Ach ja, verschiedene Zwerge weigerten sich, den Fundort zu betreten. Sie fürchteten sich offenbar vor ... Schachtbränden, Trollen ... und Goldkrätze. Seltsam. Dort gibt es doch keine Schächte".
"Jakob ... Angst! Es ist Angst! Die Ratten sind vor Angst über den Ank gerannt, die Katzen sind vor Angst aus der Stadt geflüchtet, der Grautiger hat sich in dem Keller versteckt und der Zwerg ist vor Angst gestorben!"
Ein Moment seltener geistiger Klarheit machte sich bereit, unter die Protagonisten zu treten. Es sollte ein Geistesblitz von nie dagewesener Klarheit werden, wenn er denn nicht vom schallenden Rülpsen eines besoffenen Rohrpostdämons unterbrochen worden wäre.
"ÖÖrrrrkks! Jungse, jungse, so ... viele ... Sternlein ..." Er rülpste. "... und überall diese großen ...ey, ihr vier da!"
Der Dämon wurde kurzerhand in die unterste Schublade des Schreibtisches neben eine mittlere Flasche Jim Bärendrückers Besten gebettet und verfiel in einen tiefen Schlaf, über den nur die Göttin des gewaltigen Komas zu wachen versuchte.
"Da haben wir aber Glück gehabt! Übrigens eine sehr gute Idee von Ihnen, mit dem Alkohol. Die kleinen Biester scheinen nicht allzu viel davon zu vertragen."
"Ach, Jakob, bleiben wir doch bei dem Fall. Vor was hatten Ratten, Katzen, Grautiger und der Zwerg gleichermaßen viel Angst ... was passiert hier?"

28.03.2010 15: 41

Timotheus Nobel Trinitas

~~~Währenddessen, im Keller des Wachhauses~~~

Timotheus war nervös. Dies war sein erstes echtes, richtiges Verhör. Und es war kein Ausbilder da, der ihm helfen konnte. Nur Remedios, die sich hinter ihm mit verschränkten Armen aufgestellt hatte und versuchte, bedrohlich auszusehen.
Zugegeben, Er glaubte nicht, dass der schlaksige Mann mit der Knollennase wirklich ein harter Brocken war oder irgendetwas verheimlichen würde, aber es war doch was anderes als die Übungssituationen. Hätte er gefragt, Remedios hätte es bestätigen können. Im Vergleich zu den leichten Ausdünstungen von Unsicherheit roch der Verdächtige für sie förmlich nach Angst.
"Gut, fangen wir für dich ganz einfach an. Wie ist dein Name?", fragte Timotheus, in einem Ton, den er für hart hielt und mit dem er seine Unsicherheit überspielte.
"Und keine Lügen. Die kann ich nämlich riechen", fügte Remedios von Schwarzfell hinter ihm hinzu und knurrte effektheischend.
Timotheus beobachtete, wie der junge Mann vor ihm sich auf seinem Stuhl wand und leise wimmerte, statt sofort zu antworten und der Rekrut überlegt, wie sie überhaupt hier hin gekommen waren.

Es war kein Problem gewesen, den Katzenfänger zu fangen. Als er ihn gesehen hatte, vergaß Timotheus sogar für einen Moment seinen verschwundenen Ausbilder, es zählte nur noch, den Mann, der ganz offensichtlich etwas mit ihrem Fall zu tun hatte, zu schnappen und in Gewahrsam zu nehmen. Auch wenn er seinen plötzlich etwas begriffsstutzigen Kollegen Alois Kühn hinter sich herziehen musste, war es kein Problem, den Verdächtigen zwei Straßen weiter einzuholen. Mit einem Sprung, den er sich selbst nicht zugetraut hatte, hatte sich Timotheus auf ihn geworfen und zu Boden gerissen. Der Flüchtige ließ daraufhin seinen Sack los, der noch vor ihm auf den Boden aufprallte und zwei Katzenleiber ausspuckte, die wild kreischend in der nächsten Seitengasse verschwunden waren. Und ohne irgendwelche Gegenwehr, konnten die beiden Rekruten den Katzenfänger zurück zum Wachhaus in der Kröselstraße bringen.

Die brüchige und zittrige Stimme seines Gegenübers brachte Rekrut Trinitas schließlich zurück in die Gegenwart.
"I-Ich heiße Hannes, Hannes-Björn" stotterte der Junge Mann hervor.
"Und dein Nachname?"
"Da-Dafür hatten meine E-Eltern kein Geld."
Timotheus rieb sich die Schläfe. Manchmal war er immer noch überrascht, wenn er mit der Armut mancher Mitbewohner konfrontiert wurde. Nicht, dass es ihm als Rekrut sonderlich gut ging. Aber trotzdem...
"Nächste Frage: Für wen arbeitest du? Für wen solltest du die Katzen fangen? Und wofür?", fuhr Trinitas trotzdem unerbittlich fort.
"I-Ich glaube mein Meister will nicht, dass ich das sage." brachte Hannes-Björn hervor.
"Rekrutin von Schwarzfell?" Auch wenn sie vor dem Verhör nichts abgemacht hatten, sah die Werwölfin diese Anrede als Aufforderung, noch einmal herzhaft zu knurren. Der Verhörte zuckte auf seinem Stuhl zusammen und rief aus: "Okay, Okay, ich rede, bitte, tut mir nichts, Ich bin doch nur ein armer Diener, mein Meister ist Adamus Schröttdinger, er ist Wiehssenschaftler, er will den Da-Quirmpreis, weil er besser ist als Njuhton, er forscht mit Katzen und Säbelwürflern."
An dieser Stelle unterbrach Timotheus ihn. "Wo liegt das Labor deines Meisters?"
"Äh, etwa zwei Meilen in Richtung Quirm, längs der Straße.", antwortete Hannes-Björn nun sofort.
Timotheus grinste siegessicher, Er hatte so ein Gefühl, als hätten sie den Schuldigen gefunden.
"Remedios, sagt er die Wahrheit?"
"Ja, er riecht zwar, als würde er sich jedne Moment in die Hose amchen, aber lügen tut er nicht", meinte der Werwolf.
"Gut, ich renne hoch und sag den anderen bescheid, du bewachst den Idioten hier unten!" Und bevor sich die Wrwölfin über diese Rollenverteilung beschweren konnte, war Timotheus schon zur Tür der Verhörraumes raus und rannte die Treppen des Wachhauses hoch.

Timotheus Nobel Trinitas erwartete, dass Jakob und Lantania in das allen Rekruten zur Verfügung stehende Groraumbüro gegangen war. Dementsprechend war er sehr überrascht, als er in den Ersten Stock kam und ihre Stimmen aus dem Büro des Ausbildungsleiter hörte. Ohne jedeoch weiter drüber nachzudenken, riss er die Tür auf und kam zu den beiden hereingestürmt, die sich gerade über den dokumentenübersähten Schreibtisch Sebulons ansahen.
Sowohl Timotheus als auch Jakob konnten ihre Informationen nicht einen Moment länger für sich behalten.
"Ich habe etwas rausgefunden - " "Wir auch, es ist so -" "-der Katzenfänger, er heißt Hannes-Björn, bescheuerter Name - " " -Angefangen hat es gar nicht mit den Katzen, sondern vorher waren es schon Ratten - " " - Und er arbeitet für einen Schröttdinger, einen Wissenschaftler, der einen bedeutenden Preis gewinnen will und Experimente mit Katzen durchführt-" " - Und alle hatten sie Angst, schon fast Massenpanik. Und gerade kam der Bericht über einen Zwerg, der vor Angst gestorben ist -" " Und das Labor dieses Schröttdinger ist auf der Straße nach Quirm." "- Und die Basis von denen oder dem, der das auslöst, muss irgendwo unter der Ankh-Seite sein."
Die beiden Rekruten schauten sich einen Moment lang fragend an, dann meinten sie beide gleichzeitig: "Das passt doch gar nicht zusammen!"

29.03.2010 11: 34

Sebulon, Sohn des Samax

~~~In der Liebchen-Gasse~~~

Mürrisch schleppte sich Aaron Sorgenvoll durch die Gassen von Ankh-Morpork. Er verstand nicht, nach welchem System Alois sie führte und wo sie landen würden. Er hatte es satt, immer herumgeschubst zu werden - von hier nach dort, bring doch mal eben den Gefangenen in eine Zelle, räum doch mal eben die Zelle auf, leere doch mal eben den gewissen Nachttopf - und noch viel mehr hatte er es satt, dass niemand mit ihm redete.
"... und dann sagt der Zwerg zum Troll: 'Ich glaube, ich habe gerade meine Axt an deiner Schwester geschärft!' Ahahaha! Oh, warte, da fällt mir noch einer ein: Treffen sich zwei Wasserspeier, ..."
Gedanklich korrigierte sich Aaron: Niemand redete mit ihm über die wichtigen Dinge, die gerade vor sich gingen. Die spannenden Dinge.
Was ihn jedoch vielleicht am meisten wurmte, war die nagende Sorge um die beiden Ausbilder, die ihm versprochen hatten, ihn durch die Ausbildung zu bringen, wenn er sich nur tüchtig anstrengen würde. Falls er Pech hatte, würde keiner von beiden das erfolgreiche Ende seiner Ausbildung unterstützen können. Und dieser Igorina stand er skeptisch gegenüber ...

~~~Währenddessen in einem Kellergewölbe in der Kanalisation~~~

Der Pulsschlag des paralysierten Püschologen beschleunigte sich.
Während seine primären Gedanken sich noch immer um die Wände, seinen Freund Braggasch und die unerträglich bunten Farben kümmerten, raste sein Unterbewusstsein vor Wut. Er würde sterben. An seiner eigenen Angst. Wenn er nicht bald diesen Raum verließ, der nach Kreide und Seife stank, würde sein Herz einfach versagen. Welch unrühmliches Ende für einen ambitionierten Zwerg.
Ein dünner Speichelfaden verband seinen Mund und den Boden.

~~~In der Mitte des Steineichen-Gässchens~~~

Alois blieb stehen. Etwas stimmte nicht. Hier roch es - eigenartig.
Er hatte diesen Geruch schon einmal ... nur wo ...?
Am Ende des Gässchens blieb Aaron stehen, sah zurück und sagte mürrisch: "Willst du mir nicht das Ende deines Witzes erzählen?"
"Was?", fragte Alois, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. Woher nur kannte er diesen Duft?
"Du warst bei den dämlichen Fischen, die nicht kapieren, dass sie die gleichen Eltern haben, und jetzt einen Kranich treffen ..."
Der Angesprochene hielt sich die Ohren zu und schloss die Augen. Er hatte diesen Duft schon einmal gerochen ... wann? Wann?
Kurz darauf öffnete er sie wieder.
"Als der Korporal verschwunden - Sorgenvoll?"
Der Rekrut war alleine. Sein Kollege war verschwunden.
Kurz blinzelte er, um sich der Realität zu versichern, doch dann näherte er sich der Stelle, wo Aaron gestanden hatte. Er strich mit dem Finger über den Boden, zerrieb den Staub zwischen den Fingern, sah sich um und lächelte.
Sie war sandig, gelb und führte zu diesem Gullideckel dort drüben.
Er hatte eine Spur.

09.04.2010 14: 37

Lantania vom Silberwald

~~~Wachgebäude Kröselstraße~~~


"Mir ist nicht wohl dabei, Alois und Aaron allein in des Teufels Angstgiftküche zu schicken. Ich hätte mitgehen sollen. Denn wie groß ist bitte der Unterschied zwischen Zwergen und Menschen? Wenn dieser Verrückte Menschen auch schon in Angst versetzen kann, weiß ich nicht, wie die beiden damit fertig werden.
Und ich als Werwolf bin die einzige, die vielleicht immun gegen diese Duftstoffe ist.
Stattdessen gehn wir zu viert nach Quirm, nur um einen Tierquäler festzunehmen? Das ist doch total unlogisch!" Remedios von Schwarzfell stand dem Plan der auf sich allein gestellten Rekruten sehr skeptisch gegenüber.
Rekrut Timotheus meinte nur: "Ach Remedios, mach dir keine Sorgen. Die beiden werden schon mit ihm fertig und werden auch unseren Lance-Korporal finden."
"Trotzdem, ich werde ihnen doch noch folgen und ihnen helfen. Ihr schafft das auch zu dritt!" Nach dieser Ansage, die keine Wiederrede zuließ, rauschte die Werwölfin aus dem Zimmer.

~~~Auf der Straße nach Quirm~~~


Nun hatten sich die drei übrigen Rekruten Timotheus, Jakob und Lantania allein auf den Weg in Richtung Quirm gemacht.
Lantania dachte die ganze Zeit schon darüber nach, wo Henry wohl hingerannt war und ob dem Kater etwas passiert sein könnte, ausser irgendwann vor Anstrengung zusammenzubrechen.
"Sag mal, Trinitas: Hast du diesen Björn zufällig gefragt, ob er heute einen rotgetigerten dicken Kater gefangen und zu seinem Meister gebracht hat?"
"Lantania, ist das dein Ernst?! Ich hatte echt besseres zu tun, als mir Sorgen um einen faulen, verfressenen Kater zu machen!"
"War ja nur ne Frage. Reg dich nicht gleich auf!" murmelte die junge Rekrutin und hüllte sich für den weiteren Weg ersteinmal in Schweigen. Sie hatten noch mindestens 20 Minuten Fußweg vor sich.

~~~Im Steineichen-Gässchen~~~


Remedios hatte ihre wölfischen Sinne so gut es ging ausgenutzt und sich sehr beeilt, die beiden Rekruten zu finden und bog gerade rechtzeitig in das Steineichen-Gässchen ein, um noch zu sehen, wie Alois im Begriff war, in die Kanalisation zu steigen.
Schon an der Straßenecke rief sie: "Alois, warte!
Dieser war überrascht, dass Remedios so plötzlich auftauchte, obwohl sie vorhin abgesprochen hatten, dass er mit Aaron allein losziehen würde. In Anbetracht der Tatsache aber, dass auch Aaron entführt wurde, war der Rekrut nun beruhigt, sich doch nicht allein in die übelriechenden Untiefen der Stadt begeben zu müssen um nun schon zwei Wächter zu retten, in der Hoffnung, dass dies überhaupt möglich war. Denn zumindest, was ihren Ausbilder Sebulon betraf, hatten die Rekruten schon sehr viel Zeit verloren.
Verwundert fragte er: "Was machst du denn so plötzlich hier?"
"Ich dachte, ihr könntet einen Wolf gebrauchen, falls der Duft mittlerweile schon gegen Menschen, die von Zwergen ja nicht so weit entfernt sind, weiterentwickelt worden ist. Wo ist eigentlich Aaron?"
"Du könntest durchaus Recht haben, da Aaron ebenfalls entführt worden ist, und zwar durch diesen Kanaldeckel hier.", antwortete Alois.
Remedios fragte ungehalten: "Willst du damit sagen, du wolltest gerade allein da runter um zwei Leute zu retten und einen Verrückten festzunehmen, der garantiert Mittel hat, dich auch noch aus dem Verkehr zu ziehen?!"
"Ja, schon. Aber bitte reg dich nicht auf. Ich wollte nur keine Zeit mehr verlieren. Komm, lass uns runter gehen.", erwiederte er und ließ sich die Leiter hinunter gleiten. Remedios folgte ihm.

10.04.2010 15: 54

Sebulon, Sohn des Samax

~~~vor dem Häuschen des Herrn Professor~~~

Die Sonne schien, als die Rekruten Trinitas, Fluss und vom Silberwald das kleine Häuschen erreichten. Es war eines dieser Gebäude, die innen mehr Raum zur Verfügung haben mussten, als es von außen der Fall zu sein schien. Kleine bunte Vorhänge gaben der Hütte einen anheimelnden Touch[6] und Rauch quoll aus dem hübsch arrangierten kleinen Schornstein. Keiner der Wächter bemerkte, dass es enorm viel für so ein kleines Häuslein zu sein schien.
Lantania machte sich schon ein wenig Sorgen um Jakob, den sie ins Herz zu schließen begonnen hatte. Er hatte auf dem gesamten Weg bis hierher kein Wort gesprochen und schien auch jetzt nicht guter Laune. Ihr Blick glitt zu Timotheus, der sich gerade neugierig das Haus besah und nichts böses zu ahnen schien.
Die drei Wächter sahen sich an, nickten und Timotheus ging auf die Tür zu, während Jakob wie nebenbei um das Haus herumzuschlendern begann. Sie hatten das nicht abgesprochen, doch es erschien ihr logisch, dass man das Haus nach weiteren Eingängen und möglichen Indizien abklopfte, während die offizielle Delegation ...
Lantanias Nackenhaare stellten sich auf. Irgendetwas stimmte nicht.
Das Klopfen Timotheus' klang schwer wie Friedhofsglocken zu ihr hinüber.

~~~Im Wachehaus am Pseudopolisplatz~~~

"Dann wollen wir doch mal sehen, was dieser Raser so erzählen hat", sagte Jack Narrator und rieb sich die Hände. Seine Augen strahlten maliziöse Vorfreude aus.
"Warum nimmt eigentlich RUM das Verhör vor", fragte Dogol Eisenbart, der ihn begleitete, "wo doch die Angelegenheit eindeutig Sache der SEALS ..."
"Ich mache das einfach zu gerne", entgegnete der Püschologe und offenbarte ein gutes Pokerface.
Sie stiegen gemeinsam die Treppe in den Keller hinunter und erstarrten.
Die Zelle war leer und die zugehörige Wand konnte ein beträchtliches Loch vorweisen. Rechts und links davon stapelten sich unregelmäßige Steine, die bis vor wenigen Stunden noch verbaut gewesen waren.
Ehrfürchtig pfeifte Dogol zwischen den Zähnen hindurch. "Der muss es ja echt eilig gehabt haben, dass er nicht erst ausprobiert hat, die Tür aus ihren Angeln zu heben ..."

13.04.2010 14: 24

Jakob Fluss

~~~~~In der Nähe von Quirm: Das Haus des Schröttinger~~~~~


Jakob hielt inne. "Was tun wir hier eigentlich verdammt noch einmal, die Stadtwache ist für die Stadt zuständig...." er lief vom Hintereingang des Hauses zurück zur Vordertür.
Lantania sah die Katastrophe schon herannahen.
"Jakob, es geht um die Katzen verflixt noch eines ... der Typ hier hat hunderte von Katzen auf dem Gewissen. Hunderte von unseren Katzen ... Morpokianischen Katzen. Es ist unsere Aufgabe die Bewohner UNSERER Stadt zu schützen Jakob."
Timotheus erwiderte mit leicht gelangweilter Miene:
" Herr Fluss unter Bewohner fallen auch Katzen, Hunde, Zwerge, Trolle, Menschen, Vampire... sogar Elfen.. zumindest theoretisch"

Vorwurfsvoll erreichten Lantanias Blicke Jakobs Nacken während ihn Timotheus verschmitztes Lächeln von vorn begegnete.
"Na gut ... dann eben für KATZEN" würgte Jakob hervor, öffnete dabei den Briefkasten des Hauses entnahm sämtliche Post und schlurfte wieder zurück an die Hintertür des Hauses.

Der nun folgende fragende Blick von Seiten Timotheus an Lantania wurde mit einem Augenrollen ihrerseits abgetan.
"Trinitas wir ziehen das jetzt durch..."
Erneut klopfte der tapfere, pflichtbewusste Wächter an der Tür. Bevor sich diese jedoch öffnen konnte, sprang ein katzenhafter Schemen von der Hintertür des Hauses über das Dach am qualmenden Schornstein vorbei, die andere Seite des Daches wieder herunter, um direkt auf dem Türläufer zu landen. Bei näheren hinsehen entpuppte sich das Wesen jedoch als Wächter, der auch prompt die Worte: " ...verdammt ich werde zu Alt für solchen Schei**" von sich gab.
Nur gut das Herr Schröttinger wohl etwas länger bis zur Tür benötigte. "Jakob ... wir waren uns einig .. für die Katzen.."
Die Tür öffnete sich noch bevor eine weitere Diskussion zwischen den Wächtern entbrennen konnte. Ein wehender, weißer Bart erschien an der Türschwelle, kilometerweit entfernt brach just in diesem Augenblick ein unheimlich anmutender Blitz vom Himmel um eine Eiche zu spalten. Finster blickte der Alte aus seinem runzeligen Gesicht heraus drein, während sein spärliches Haupthaar eine strahlende Korona um seinen übergroßen Schädel bildete. "Wer STÖRT??" Es waren vielleicht mehr Ausrufezeichen die den Worten, seiner rauen vor Arroganz triefenden, Stimme folgten.
Glä-ou-mour übernahm die Kontrolle.
"Fluss mein Name verehrter Herr, Ibrahim Fluss von der Quirm Kommission für den Da-Quirm Preis"
Die Augen des runzeligen Männleins weiteten sich vor Freude. Die des pflichtbewussten Wächters neben Jakob ließen eine gehörige Portion Unglaube erkennen, während aus Lantanias Blick eine Mischung aus Enttäuschung und Verblüffung sprach.
"Herr Schröttinger... eine Ehre sie endlich kennen zu lernen" Adamus rechtes Auge begann zu tränen.
"Endlich ihr habt es alle kapiert ... den dritten Zustand die neue Dimension, das vielleicht, den Augenblick der Unsicherheit ja der Wandlung...." Seine Stimme hob sich während abermals viele Kilometer entfernt ein infernalisches Unwetter losbrach. In der Sonnenbeschienenen Gegend des Hauses hingegen ließen sich grade ein paar Schmetterlinge nieder.
"Ihr habt VERSTANDEN... " rief der Alte mit dem Scheinwerferlicht der innersten Überzeugung in den Augen gen Himmel. Während er in der absoluten Extasse der lang erwarteten Anerkennung den Göttern immer näher kam ... zog irgendeine irdische Kleinigkeit an seinem Bart.
"Herr Schröttinger" Die Stimme wurde lauter
"Adamus Schröttinger ...sie haben ihn nicht gewonnen ... den Preis"
Von den höchsten Wolken der menschlichen Absolution bis zum schlammigen Grund des Hasses auf alles andere bis hinunter zum Tümpel der Verzweifelung waren es nur wenige Sekunden.
" Was... ihr habt nicht verstanden..."
"Nein Herr Schröttinger niemand hat verstanden... nicht einer ich muss ihnen leider Mitteilen das den diesjährigen Da-Quirm Preis ein mutiger Forschergeist aus Ank-Morpork gewonnen hat ... eine grade zu beeindruckende Arbeit über Angst die Entschlüsselung ihrer Funktionsweise und Finalerweise eine offensichtlich gasartige Substanz die es ermöglicht Furcht bewusst zu steuern" Die Augen des Alten erloschen augenblicklich. "Ihr Narren... das Zeug ist doch ein alter Hut, was nutzt das Angst zu kontrollieren..."
"Nun Herr Schröttinger ..." erwiderte Trinitas der das Spiel durchschaute "...es bereinigt eine ganze Stadt von Ratten, hilft streunende Katzen in den Griff zu bekommen und dient selbstverständlich auch der lokalen Verteidigung"
"Aber das sind doch alles Wirtschaftliche Interessen ... mein Denkanstoss wird die Menschheit viel weiter bringen als bis zu sauberen, sicheren Städten...außerdem wie ich bereits sagte das Zeug ist ein alter Hut ... jeder Alchemist kann das Zusammenbrauen... zu dem gibt es ein einfaches Mittel dagegen ..."
"Nun ja wie auch immer Herr Schröttinger es wird in einigen Stunden eine Demonstration des Mittels in Ankh-Morpork geben wir sollen sie ganz herzlich von einem gewissen Hannes Björn dazu einladen das ganze soll im Viertel Ank stattfinden" Jakob überreichte ihn seine Notizen mit einer kleinen Skizze.
"Die Verleihung hängt ja noch von der erfolgreichen Durchführung ab, Nun ja sie wissen bescheid Herr Schröttinger vielleicht klappt es ja nächstes Jahr mit diesem vierten Zustand..."
Auf einen dezenten Wink des Wächters hin verabschiedeten sich Jakob und Trinitas und zogen die noch etwas verwirrte Lantania mit sich.
"Jungs was war das denn? Wir wollten ihn doch verhaften und verhören diesen Tierquäler seit ihr völlig verrückt geworden???"
Mit beruhigender Stimme und weichem Blick erklärte Jakob ihr nun endlich den Plan während sich Trinitas nach einem geeigneten Gefährt umsah. "Fräulein vom Silberwald, im Briefkasten des Professors fand ich ein paar Dokumente die uns all diese schweißtreibende Arbeit abnehmen und zudem die Lage unserer Freunde in der Kanalisation um ein wesentliches erleichtern könnten. Ein Brief von der Da-Quirm Stiftung demzufolge unser verwirrtes Männlein den Wettbewerb der vermutlich größten Knallköpfe der Scheibenwelt ... gewonnen hat." "Aber wieso gewonnen...ihr habt ihm doch erzählt" "Ja wir haben ihn wütend gemacht seinen Intellekt angeheizt und ihm eine Richtung aufgezeigt. Wenn alles gut läuft wird er mit einer Höllenmaschine in Ank eintreffen ein Gegenmittel parat haben und den Tag retten." "Aber all die Katzen die er... Moment mal er würde als Held gefeiert werden ... und hat doch all die Katzen" "Nein Fräulein vom Silberwald die Katzen sind eine Definitionsfrage die sich erst klärt wenn man die Kiste aufmacht solange seine Kisten zu sind kann man weder Sagen das sie tot sind noch das sie Leben."
"Jakob ... das ist Blödsinn eine Katze mit einem Säbelwürfler in einer kleinen dunklen Kiste, das nennen wir Tierquälerei..."
"Na gut Fräulein Lantania ... ich helfe ihnen selbstverständlich bei der Verhaftung des Irren Tierquälers, aber bis dahin...."

Langsam aber bestimmt postierte sich Timotheus in herausfordernder Pose auf dem Feldweg. Ein leichter Windhauch bauschte seinen Mantel auf als er autoritär seine Marke mit ausgestrecktem Arm dem näher kommenden Ochsenwagen präsentierte. Mit einer rauen Stimme die sonst nur dem abgebrühtesten Abendteuerer zu Eigen ist formte er die Worte:
" Stadtwache Ank-Morpork wir brauchen ihren Ochsenkarren"
Wie lange hatte er auf diesen Augenblick gewartet, Tag ein Tag aus hatte er seine Ochsen trainiert, hatte die Augen offen gehalten und solch einen glorreichen Moment erwartet. Der Tag an dem er Beweisen konnte das er der beste Wagenlenker der Scheibenwelt wäre, der Tag an dem sie Ihn feierten ihn Borris Holgerson Müllersbach von Heu&Hafer inc. des schnellsten Expresslieferservice, Fuhrunternehmens von Morpork. Seine Ochsen stoppten den Wagen, ein unheimliches Leuchten machten sich in seinen vom Staub vertränten Augen breit. "Wo soll es hingehen ... Ich bin bereit Leute, welchem Karren soll ich folgen"
Drei Wächter sprangen auf seinen Karren lümmelten sich auf das Stroh und entgegneten Ihm an Grashalmen kauend.
"Nach Ank guter Bürger nach Ank ... aber mach langsam wir haben Zeit" Das Glühen seiner Augen erlosch, die Akten Zeiten waren vorbei und es schmeckte bitter, all das warten .. all das Training im Morgengrauen für ein "...mach langsam wir haben Zeit" die Welt war einfach nur bitter geworden bitter und unverständlich. So sog der Wagenlenker enttäuscht an seiner Pfeife und ließ die Ochsen nach Ank traben.
Etwa 100 Meter über dem Karren hätte man ein kleines Männlein erkennen können wenn sich der weiße Rauschebart nicht so leicht mit einer Wolke verwechseln ließe. Schröttinger saß in einer kleinen 'Ein-Mann' Flugapparatur, er hatte sie vor Jahren gebaut um Säbelwürfler zu beobachten und weil er etwas Zeit übrig hatte um Krimskrams zu bauen. Dinge die die Welt seiner Meinung nach nicht brauchte, doch jetzt in dieser Situation, erwies der alte Schrott ihm gute Dienste. Er musste nach Ank diesem Schwindler, von einem Scharllertan die Vorführung vermasseln um endlich die Anerkennung zu bekommen die er verdiente. Ja sie würden verstehen sie müssen verstehen.

Etwas weiter unter dem von Wut und Enttäuschung angetriebenen Wissenschaftler, lagen unsere drei Wächter verträumt auf einem Karren. Nun ja einer war verträumt der andere zählte seltsame Wolken und die dritte sorgte sich.
"Jungs wir wären zu Fuß schneller.."
"Ja Lanti das währen wir" erwiderte Timotheus, aber dann wären wir vor ihm da."
"Vor wem?" erkundigte sich Lantania.
"Na vor Schröttinger, keine Angst junges Fräulein, er wird ganze Arbeit leisten er ist schließlich ein Genie"
"Ach Jakob so habe ich mir die Arbeit als Wächter aber nicht vorgestellt, ich dachte da an Verhöre.."
"Schwertkämpfe, Pfeilgefechte..." erwiderte Timotheus
"Observationen, lange Nächte patroulierend mit einer Laterne..." ergänzte Lantania.
"Nö" Beendete Jakob ihre romantischen Vorstellungen.
"Wächter sein heißt denken, weiter und schneller Denken als alle anderen, Wir können den Lauf der Dinge nicht verhindern sondern nur verbiegen. Wisst Ihr ein Wächter lenkt den Bürger in die richtigen Bahnen, er gibt ihm den einen oder anderen Stups und schon regelt der Bürger selbst all die Dinge, die man sonst der Gerechtigkeit überlassen würde. So ein Bürger ist dabei übrigens sehr gut, wenn es um Anerkennung und Respekt geht, Wut, Angst und Verzweifelung taugen allerdings auch."
"Ähm Jakob... wir sollen doch eigentlich die Stadt und das Gesetz schützen wir sollen nicht lenken sondern verhindern. Verbrechen verhindern wie zum Beispiel das weitere Katzen sinnlos gequält werden." Lantanias Worte waren voller ausbildungsintensivierten Enthusiasmus. "Nö... Das Gesetz wird von Anwälten verbogen, von Richtern geschützt und von Herrschern umgebracht, da haben wir nichts zu vermelden. Die Stadt schützt sich selbst durch den Schmelztiegel der Kulturen und durch Vetinari. Was den Bürger angeht so wird er sich kaum bessern wenn er in unseren Zellen schmort das schürt nur seinen Groll gegen alles und jeden." In Jakobs Worten schwang ein Grad von Erfahrung mit den ein Rekrut eigentlich noch nicht aufweisen sollte.
"Jakob du hast eine seltsame Vorstellung von unserer Arbeit" Mit diesen Worten beendete Lantania vom Silberwald die Diskussion. Der drei Wächter welche im Sonnenschein, begleitet von einigen Schmetterlingen und einer vorbeiziehenden schwitzenden weißen Wolke, der Stadt entgegenzuckelten. Schlimme Zeiten waren dies da wird ein Ochsenkarren beschlagnahmt um langsam in die Stadt zu fahren und dann philosophierten die Wächter auch noch herum, anstatt das weiter Vorgehen zu planen. Die Welt ist zu einem seltsamen Ort geworden ... der Karrenlenker grummelte noch ein wenig und paffte enttäuschte Fragezeichen in die Luft.

18.04.2010 12: 43

Sebulon, Sohn des Samax

~~~In der Kanalisation Ankh-Morporks~~~
Als Alois erwachte, war Remedios schon über ihn gebeugt und pustete ihm ins Gesicht.
"Was machst du da?", keuchte der junge Rekrut, der einen gehörigen Schock bekommen hatte.
"Na, bist du endlich wach", seuftzte sie und ließ sich neben ihm auf den Boden fallen. Erst jetzt bemerkte er, dass beiden Hände und Füße gebunden waren - und dass sie sich in einer Zelle befanden, die für Forschungszwecke ausstaffiert war. Faustdicke Taue hingen von der Decke.
"Scheint so", erwiderte er widerwillig. "Was ist passiert?"
"Wir wurden von schweren Keulen erwischt. Ich glaube, da wird die nächsten Wochen noch ein hübscher Fleck in deinem Nacken zurückbleiben."
Stöhnend richtete sich Alois auf. Die Welt wirkte unangenehm schmerzhaft und wankend. "Hast du denn schon einen Plan?", fragte Alois und sah eine Kollegin an.
Sie blickte ihm in die Augen und ließ verführerisch ihre Zähne blitzen.
Und dann begannen die Zähne zu wachsen.

Der Herr im Zweireiher fuhr herum.
"Wer ist da?", rief er und sah sich in der Dunkelheit um.
"Ich bin es, Adamus", sagte der alte Kutscher und trat ins Zwielicht einer Fackel. "Du hast verloren."
"WAS?", krächzte der Wissenschaftler und hielt sich an einem Stuhl fest.
"Du hast richtig gehört. Ich habe die Arbeit Schröttdinkers beobachtet - und musste mich kurzzeitig festnehmen lassen, um mich vor seinem Mitarbeiter zu verstecken. Er wird den Da-Quirm-Preis erhalten."
"Aber wie ..."
"Säbelwürfler", stellte der Kutscher fest und warf zwei tote Katzen vor seinem Auftraggeber auf den Boden.
"Säbelwürfler", hauchte Adamus. Ein grimmiger Ausdruck schlich sich in seinen Blick. "Dieser Schröttdinker wird sich noch wünschen, nie geboren zu sein!"

"Das war ... beeindruckend", hauchte Alois. Er rieb sich die Handgelenke und blickte mit roten Wangen auf den Boden, während Remedios sich wieder anzog.
"Kein Wort darüber zu irgendwem", sagte die Rekrutin und zog den Gürtel straff. Dann griff sie sich an den Stiefel und zog zwei dünne Nadeln heraus.
"Wo hast du ...?"
"Das ist eine lange Geschichte", seufzte sie. "Die ich dir nicht erzählen werde. Sie hat mit meinem Ex zu tun."
Vorsichtig begann sie das Türschloss zu öffnen.

Nach allen Richtungen absichernd schlichen die beiden Rekruten durch die Kanalisation. Alois trug einige der Seile, die im Raum gehangen hatten. Er wusste noch nicht genau, was er damit anfangen würde, doch diese überaus spannenden Taue zurückzulassen ging ihm gegen die Natur.
"Hhhschhhh", machte Remedios und hielt den Finger an die Lippen. Beide Wächter verbargen sich so gut wie möglich im feuchten Schatten der Wand.
"Was?", fragte Alois nach einer unspektakulären Minute im Flüsterton.
"Zuerst ein flappendes Geräusch, jetzt ist es weg. Stimmen reden miteinander. Zwei. Männlich. Sie streiten. Und übrigens ist der Geruch, der aus dieser Tür hier quillt, derselbe wie in der Gasse vorhin - nur noch stärker."

"Ich habe dich erwartet. Ein Mann mit deinem Ego hat ja auch keine andere Wahl", knurrte Njuhton. "Bist du gekommen, um mein Gesicht im Dreck zu reiben?"
"Darauf kannst du Gift nehmen!", erwiderte Schröttdinker. "Ich habe nie begriffen, weshalb ein Taugenichts wie du für seine wissenschaftliche 'Arbeit' gewürdigt werden sollte."
"Hah! Du bist tief gesunken, dass du denjenigen beleidigst, der sich durch harte Arbeit und Schweiß ..."
"Du weißt doch nichts von harter Arbeit oder echter Wissenschaftlichkeit! Wie konnten sie dich nur jemals nominieren ...?"
"Ich weiß mehr von Wissenschaft, als du je erkennen wirst, du Sohn einer Priesterin!"
"Wenigstens kenne ich meine Mutter!", grinste Schröttdinker.
Der Mann im Zweireiher griff hinter sich zu einer Dose, die merkwürdig roch.

Der Gestank war bestialisch, im wahrsten Sinne des Wortes: Es roch nach Angstschweiß und allen Schrecken, die sich in den Gehirnen der Rekruten befanden.
Keuchend ließ Alois die Tür ins Schloss fallen und nahm das Tuch von seinem Mund. "Das war widerlich."
Remedios hatte Mühe, bei Sinnen zu bleiben. Sie nickte.
Beide blickten auf ihren Kollegen und den Korporal, die gegen ihre Wahnträume ankämpften.
"Ich frage mich, wie lange man dem Zeug ausgesetzt sein kann, ohne komplett wahnsinnig zu werden."
"Interessante Frage", brachte Remedios zustande, bevor sie sich übergab.
Der Rekrut Kühn atmete tief durch und klopfte dann seiner Kollegin auf die Schulter. "Bleib hier, ich werde nicht lange weg sein. Ich hole Verstärkung."

Prügelnd und keuchend wälzten sich die beiden alten Herren am Boden.
Wächter gingen in Position.
Armbrüste spannten sich.
Hieb folgte auf Hieb und Tritt auf Tritt.
"Fie beweifen eine erftaunliche Körperbeherrfung, meine Herren Wiffenfaftler. Wenn Fie jetft dennoch die Flägerei laffen würden, damit wir Fie fur Wache begleiten können ...?"
Die beiden Männer hielten in der Bewegung inne. Schröttdinker versetzte nach kurzer Denkpause seinem Rivalen noch eine Kopfnuss.
Im Hintergrund trugen kräftige Rekruten zwei stark mitgenommene Kollegen aus der Kanalisation.

~~~am Abend, Stadttor~~~

Müde aber entspannt trafen Lantania, Timotheus und Jakob wieder in der Zwillingsstadt ein. Sie bedankten sich bei einem desillusionierten Karrenlenker und klopften sich Heu von der Uniform.
Als die beiden Jüngeren sich verabschiedeten, sagte Jakob: "Ich gehe noch eben in der Kröselstraße vorbei."
"Uns abmelden?", fragte Lantania, "Wie umsichtig von dir, daran hatte ich gar nicht mehr gedacht."
"Das auch, Fräulein vom Silberwald", murmelte Herr Fluss, empfahl sich und begann zu planen.

~~~Eine Woche später, in der Kröselstraße

Korporal Sohn des Samax ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen. Lange hatte er sich darauf gefreut, wieder seinen Dienst antreten zu dürfen. Rogi und mehrere Ärzte hatten ihn ausgiebig studiert und beobachtet.
Auf seinem Schreibtisch lagen verschiedene Blätter, die zwar seine Unterschriften trugen, doch deren Inhalt ihm fremd waren. Verwirrt und auch etwas neugierig durchstöberte er die Dokumente. Scheinbar handelte es sich um verschiedene Anweisungen an jene Rekruten, die an der Katzen-Affaire beteiligt waren.
Er ließ die Seiten durch seine Finger gleiten. Hatte er tatsächlich die Bewegungen seiner Leute so präzise koordiniert? Aber das waren eindeutig seine Unterschriften.
Ein leises Hicksen ließ ihn aufmerken. Wo konnte es herkommen? Da, noch einmal!
Mit einer flinken Handbewegung öffnete er seine Schreibtischschublade und sah zu seiner vollständigen Überraschung einen kleinen Rohrpostdämonen vor sich.
"Wasch'n los, Großer? Noch nie'n verbeamtichten Dämon g'sehen, oda wasch?", lallte der Knirps.
In diesem Moment fiel sein Blick auf einen säuberlich abgetrennten Zeitungsausschnitt aus der Ankh-Morpork-Times.

Wissenschaftswahn

Ankh-Morpork. In der Kanalisation der Stadt fanden tapfere Wächter der Stadtwache zwei sich raufende Wissenschaftler, die sich um den rechtmäßigen Gewinn des Da-Quirm-Preises "für innovatiefe Ekschperiehmenntal-Fühsiek" stritten. Beide Streithähne, Adamus Schröttdinker (47) und Albert Njuhton (52), waren nominiert, doch der Preis wurde ihnen aufgrund "unlauteren und überaus unkollegialen Verhaltens" aberkannt. Tatsächlich ging die Auszeichnung an Ernst Futterort, einen bis dato unbekannten Alchemisten, der sich mit selbstleuchtenden Stoffen beschäftigt hatte. Mehr auf Seite 3 ...


25.04.2010 14: 43

[1] Den Straßennamen hatte man bereits entwendet ... ein weiterer ungelöster Fall, das Verschwinden der Straßennamen, vielleicht der Stadt und eventuell des ganzen Multiversums.

[2] Ob über den Kollegen oder die auszufüllenden Berichte im Falle eines Verlustes des Kollegen sei einmal dahingestellt.

[3] - die glücklicherweise in diesem Teil Morporks noch vorhanden waren.

[4] Dummerweise war das keine schlaue Idee. Er sah auf dem einen Auge nur Himmel und auf dem anderen die Straße der Zwillingsstadt. Mindestens einen der Anblicke hätte er sich gern erspart.

[5] Der Säbelwürfler ist ein kleines, an einen Maulwurf erinnerndes, friedliches Tier, das vor allem in der Erde um Quirm zu finden ist. Es filtert die Erde und ernährt sich hauptsächlich von kleinen Kieselsteinchen, die es mit seinen messerscharfen Zähnchen knackt. Nimmt der Säbelwürfler über einen Zeitraum von mehreren Stunden keine Nahrung zu sich, sondert er ein übelriechendes Sekret ab, das jeden in seiner Nähe für mehrere Stunden betäubt. Sobald jedoch Tageslicht auf sein Fell fällt, schläft er augenblicklich selbst ein.

[6] Es war jene Art von extrovertierter Gardinennutzung, die als Urheber eine eifrige, lebensfrohe Hausfrau erwarten ließ.


Wörter:

Kathiopeja   229
Alois Kühn   477
Lantania vom Silberwald   1206
Remedios von Schwarzfell   1720
Timotheus Nobel Trinitas   1808
Sebulon, Sohn des Samax   4546
Jakob Fluss   7149



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