Diamantenfieber

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von Gefreite Ilona Istnichtgut Feldacker (RUM), Lance-Korporal Pyronekdan (RUM)
Online seit 15. 11. 2005
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 Außerdem kommt vor: Ophelia Ziegenberger

Ein wertvoller Diamant wurde aus einem Museum entwendet.
Und das obwohl er von zwei Museumswächtern bewacht wurde.

Dafür vergebene Note: 11

[Pyronekdan]

"Raub im Edelsteinmuseum!", war die Schlagzeile der heutigen Ankh-Morpork Times. Hinter dieser befand sich der Lance-Korporal Pyronekdan, und studierte die Sportnachrichten. Dampf stieg auf, der von einer heißen Tasse Kaffee stammte, die auf seinem Schreibtisch stand. Das war alles, was die frisch ausgebildete Kontakterin Ilona im Moment von ihm sehen konnte. Sie war im gleichen Büro untergebracht worden, um den Informationsfluss zu beschleunigen. Vielleicht auch, weil die Abteilung schneller wuchs, als neue Räume zur Verfügung standen.
"Das ist ja schrecklich!", meinte sie, als sie auf die Überschrift sah.
"Ja", bestätigte der Zauberer. "Die Zwerge haben beim Wettrennen schon wieder gegen die Trolle verloren."
"Ich meinte aber die wichtigste Nachricht des Tages", warf die Gefreite ein.
"Das ist für mich die wichtigste Nachricht. Immerhin habe ich fünf Dollar auf die Zwerge gesetzt!"
"Der geraubte Diamant ist aber 50.000 Dollar wert!"
"Wieso wurde er nicht bewacht?", fragte der Zauberer, und drehte die Zeitung um. Dort stand, dass die beiden für den Diamanten zuständigen Museumswächter nicht bemerkt hatten, wer das wertvollste Ausstellungsstück entwendet hatte.
"Jedenfalls sind wir nicht dafür zuständig", meinte Pyronekdan. "Sonst hätte der Hauptmann uns schon Bescheid gegeben."
"Da wäre ich mir nicht so sicher", warf Reggie ein, der aus der Luke des Rohrpostsystems guckte. "Hier ist eine Nachricht für euch."
"Du sollst die Nachrichten verteilen, und nicht lesen", rügte ihn der Lance-Korporal, und nahm sie entgegen.
"Wie soll man denn sonst auf dem Laufenden sein?", verteidigte sich der Rohrpostdämon, und verzog sich wieder. Die Nachricht einhielt einen Bericht von Kolumbini, der die Museumswächter in der vergangenen Nacht befragt hatte. Danach war einer der Aufpasser zur Tatzeit etwas unpässlich, so dass er einer anderen Örtlichkeit mehr Aufmerksamkeit widmete als dem Ausstellungsraum mit dem Diamanten. Der andere Museumswächter – ein Herr Holz - sagte aus, dass er kurz eingenickt sein muss. Jedenfalls hatte er nichts davon mitbekommen wie der Stein entwendet wurde. Als er schließlich die leere Vitrine sah, benachrichtigte er sofort die Stadtwache. Obwohl alle Anwesenden durchsucht wurden, konnte der Diamant nicht gefunden werden.
"Ophelia soll morgen mit einer verdeckten Ermittlung beginnen", las der Zauberer weiter. "Sie wird als Ersatz für eine angeblich plötzlich erkrankte Putzfrau einspringen. Wir werden den Kontakt zu ihr halten und weiter ermitteln, und so auch von ihren Ermittlungen abzulenken."
"Wie sollen wir mit Ophelia in Kontakt treten?", wollte die Gefreite wissen. "Gibt es dafür spezielle Dämonen?"
"Bestimmt müssen wir wieder die Mülleimer nach Nachrichten durchsuchen", befürchtete Pyronekdan, der mit Tricia auch schon mal auf diese Weise kommunizieren musste [1].
"Was machen wir zuerst?", fragte Ilona. "Gehen wir ins Museum?"
"Wir besuchen die Museumswächter. Hoffentlich sind sie inzwischen wieder wach."
"Zumindest Herr Holz sollte inzwischen ausgeschlafen haben", meinte Ilona zynisch. "Er hat ja schon bei der Arbeit damit angefangen."
"Oder er hat den Diamanten selbst entwendet, und irgendwo im Museum versteckt, als sein Kollege 'für kleine Wächter' war", überlegte der Zauberer laut, und leerte seine Kaffeetasse. "Deshalb werden wir ihn zuerst besuchen."

Der Museumswächter wohnte in einer Straße, in der alle Häuser sehr gepflegt aussahen. Offensichtlich wetteiferten die Hausfrauen hier damit, die saubersten Fensterscheiben zu haben.
"Nudelgasse 13", vergewisserte sich der Zauberer, als sie an seiner Adresse ankamen. "Hier muss es sein." Der Türklopfer aus Messing war so blank geputzt, dass man sich darin spiegeln konnte.
"Sind sie Heiner Holz?", fragte der Zauberer den kleinen dicken Mann, der nach dem Klopfen öffnete.
"Ja, der bin ich", antwortete dieser, noch etwas verschlafen und gereizt. "Sind sie auch von der Wache?"
"Ja, wir bearbeiten jetzt den Fall", bestätigte Pyronekdan.
"Wo haben sie denn die Beule an der Stirn her?", wollte Ilona von Heiner wissen. "Wurden sie von dem Täter niedergeschlagen?"
"Nein, die habe ich von meiner Frau, weil ich gestern so spät nach hause kam", flüsterte er den Kontaktern zu.
"Haben sie häufig Ärger mit ihrer Frau?", fragte der Zauberer nach, der am Kopf des Museumswächters auch noch ältere Wunden erkennen konnte.
"Warum interessiert sie das? Was hat das mit dem Diamanten zu tun?"
"Ich glaube, wir kommen schneller voran, wenn wir die Fragen stellen, und sie sie beantworten", erklärte im Pyronekdan ruhig.
"OK, ich habe sonst nie Ärger mit meiner Frau", sagte Heiner so laut, dass man es auch im Haus hören konnte.
"Aber ich mit Dir!", hörten die Kontakter eine zänkische weibliche Stimme aus dem Haus zurückrufen. "Nicht mal einen Stein kannst du bewachen! Wer ist denn überhaupt an der Tür? Lass bloß nicht wieder einen von dieser Sektenfritzen herein."
"Sie scheinen da noch etwas Blut an der Wange zu haben", fiel Pyronekdan plötzlich auf, als Heiner Holz sich nach seiner Frau umdrehte.
"Es sind nur zwei Herren von der Stadtwache", versuchte er vergeblich seine Frau zu beruhigen. Ilona holte ein sauberes Taschentuch hervor, und reichte es Herrn Holz.
"Ist ihnen irgend etwas Verdächtiges aufgefallen, als der Diamant verschwunden war?", fragte der Zauberer weiter.
"Was soll dem schon auffallen?", kam ihm seine Frau von drinnen zuvor.
"Nein, nichts. Das sagte ich auch schon ihrem Kollegen", meinte der Museumswächter und säuberte sein Gesicht.
Komisch, dachte Ilona, die ihn dabei beobachtete. Das sieht gar nicht nach Blut aus.
"Wie lange arbeiten sie schon im Museum?", wollte Pyronekdan wissen, nachdem sie sich etwas von der Tür entfernt hatten, um nicht weiter von Frau Holz gestört zu werden.
"Fünf Jahre, und bis jetzt ist nie etwas gestohlen worden!", erklärte Herr Holz, und gab Ilona das Tuch dankend zurück.
"Haben sie momentan finanzielle Probleme?"
"Nein, wieso? Glauben sie etwa, ich hätte den Diamanten gestohlen?"
"Das ist nur eine von zahlreichen Möglichkeiten die wir in Betracht ziehen müssen", versuchte Pyronekdan den Museumswächter zu beruhigen. Auch wenn ihm im Moment keine anderen einfielen. Da ihm auch keine weiteren Fragen einfielen, verabschiedeten sie sich, und machten sich auf den Weg zum zweiten Wächter.

Tobias Tee war ein großer schlanker Mann. Er lebte allein in einer kleinen Wohnung der Schimmelgasse. Er musste sich bücken, um durch die kleine, windschiefe Eingangstür nach draußen zu kommen, als die Kontakter bei ihm anklopften. Als er sich danach nicht wieder aufrichtete, sondern sich den Bauch hielt, wurde klar, dass das nicht der einzige Grund für die gebückte Haltung war.
"Was kann ich für sie tun?", fragte Herr Tee die beiden unerwarteten Besucher.
"Wir kommen von der Stadtwache, und untersuchen den Diebstahl des Diamanten im Museum", erklärte Pyronekdan.
"Haben sie ihn inzwischen gefunden?"
"Leider haben wir bisher weder den Diamanten, noch den Täter", antwortete der Zauberer, und fragte sich, warum die Zeugen heute immer Fragen stellten, statt welche zu beantworten. Als er darauf kam, dass es möglicher Weise daran lag, dass er noch keine gestellt hatte, holte er das nach.
"Geht es ihnen inzwischen besser? Wie ich hörte, ging es ihnen bei der Arbeit nicht so gut."
"Ein bisschen, aber erinnern sie mich nicht daran, sonst muss ich gleich wieder auf den Abort."
"Wie gut kennen sie ihren Kollegen? Ist er zuverlässig?"
"Bis jetzt ist er noch nie eingeschlafen. Und er ist jetzt schon fünf Jahre dabei", erklärte Herr Tee.
"Es scheint so, als habe er Probleme mit seiner Frau", warf Ilona ein.
"Das können sie laut sagen", bestätigte der Museumswächter.
"Nur wohl besser nicht in ihrer Gegenwart", vermutete der Zauberer.
"Stimmt, es sei denn, sie wollen ihr Nudelholz kennen lernen."
"Arbeiten sie immer zusammen mit Heiner Holz?"
"Fast immer. Außer, wenn einer von uns Urlaub hat."
"Oder krank ist", riet der Zauberer laut.
"Sie sollten mich doch nicht daran erinnern", beschwerte sich Herr Tee, und ging schnell zurück ins Haus, um sich zu erleichtern.
"Lassen sie sich Zeit", rief ihm der Zauberer nach. "Falls wir noch Fragen haben, besuchen wir sie heute Abend im Museum."

"Mal sehen, ob SUSI etwas herausgefunden hat", meinte der Zauberer zu seiner Kollegin, nachdem sie gegangen waren.
"Dann können sie auch gleich das Taschentuch untersuchen, das ich Herrn Holz geliehen hatte."
"Falls am Tatort das gleiche Blut gefunden wurde, würde das nicht viel beweisen", meinte Pyronekdan. "Schließlich arbeitet er ja da."
"Es sah mir aber nicht nach Blut aus", meinte die Gefreite. "Eher nach Farbe. Vielleicht stammt sie ja von dem Samtkissen, auf dem der Diamant lag."


[Ilona]

Bei Susi angekommen, war Ilona heilfroh, dass sie im ganzen Raum keine einzige Leiche erkennen konnte, dafür aber auch niemanden von der Abteilung. Wo waren bloß alle hin? War irgendwo wieder ein schlimmer Mord passiert? Während sie noch darüber nachdachte, hörte sie plötzlich ein lautes Fluchen:
"Hey, verdammt! Kannst du nicht aufpassen wo du dich abstützt?" Irritiert schaute sie auf ihre Hand mit der sie unbewusst über den Tisch gestrichen hatte und sah einen Gnom, der wohl grade noch hatte zur Seite springen können.
"Oh tut mir leid ich ähm hab dich wohl übersehen", entschuldigte sich die Wächterin und ihre Wangen nahmen einen sehr dunklen Rotton an. Lady Rattenklein konnte darüber nur den Kopf schütteln, Gnome hatten es manchmal schon schwer wegen ihrer geringen Größe.
"Wir wollten nachfragen, ob ihr schon etwas im Fall des Diamantenraubes herausgefunden habt und würden gerne wissen, was diese rote Farbe auf dem Taschentuch genau ist", kam Pyronekdan gleich zum Punkt und versuchte so von der peinlichen Situation abzulenken.
"Ach, der Diemantenraub natürlich, ich kann die Räuber da nur bewundern. Sie waren sehr sorgfältig, eine wirklich saubere kalte Arbeit", antwortete die Gnomin während sie das Taschentuch genauer betrachtete.
"Was ist kalte Arbeit?" wollte Ilona wissen die diesen Begriff noch nie gehört hatte, "Wir haben doch noch gar nicht Winter."
"Das hat nichts mit wirklicher Kälte zu tun, es bedeutet einfach nur, dass sie kein Brecheisen oder ähnliches benutzt haben, so dass alles aussieht wie immer, bis auf die Tatsache das der Diamant nicht mehr in der Truhe ist", erklärte ihr die Laborantin.
"Warum wird so was dann kalte Arbeit genannt, wenn man es auch mitten im Hochsommer bei großer Hitze ausführen kann?" wunderte sich die Wächterin laut.
"Warum heißt es bei euch tote Briefkästen?" entgegnete Lady Rattenklein während sie weiter an dem Taschentuch arbeitete. Darauf wusste die neue Kontakterin auch keine Antwort und zuckte nur einmal kurz mit den Schultern.
"Hm ich weiß nicht, ob euch das weiter helfen wird", murmelte die Laborantin nachdem sie eine Probe der roten Farbe verschiedenster Test unterzogen hatte.
"Was ist es den?" fragte Pyronekdan neugierig und steckte das Taschentuch wieder in seine Tasche.
"Es handelt sich um ganz einfachen Lippenstift, ich kann aber noch nicht sagen von welcher Marke, dazu brauche ich noch ein paar mehr Tests. Also wer immer dieses Tuch vorher besessen hat wird wohl öfters mal einen Lippenstift in Dunkelrot benutzt haben." Ilona konnte beim Gedanken daran Herrn Holz mit Lippenstift zu sehen ihr Lachen nur mit Mühe unterdrücken und auch ihr Kollege grinste breit. Auf dem Weg zu ihrem Büro spukte beiden Wächtern Bilder eines geschminkten Herrn Holz im Kopf herum, der die Kleider seiner Frau trug. Doch Ilona verbannte diese so schnell wie möglich, ein Mann in Frauenkleidern. So etwas waren wirklich unsittliche Gedanken. Im Büro verflog auch die Stimmung des Zauberers so rasch wie sie gekommen war, als er eine Nachricht von Kolumbini las.
"Als hätte ich es nicht geahnt", stöhnte er laut, "wir müssen tatsächlich im Müll nach Nachrichten von Ophelia suchen."
"Na erstmal muss sie ja bei der Putzkolonne angenommen werden und sich einen Überblick verschaffen. Also haben wir noch etwas Zeit", beruhiget ihn seine Kollegin, die sich nicht vorstellen konnte dass ein Museum viel Müll hatte. Leider würde sie sich in diesem Fall irren und hätte doch besser eine Wäscheklammer und Handschuhe mitgenommen aber auf dieses appetitliche Thema kommen wir später noch zu sprechen. Erst einmal taten die beiden Kontakter das was Wächter am besten konnten, Kaffe trinken. Um das Bild der Untätigkeit jedoch schnellst möglich wieder zu vertreiben muss zu ihrer Verteidigung gesagt werden das sie auch die zweitbeste Tätigkeit eines Wächters ausübten, das Nachdenken.
"Ich weis nicht, ob ich Herrn Holz so ganz trauen kann, er schien mir viel zu nervös bei unserem Gespräch", murmelte Pyronekdan und nahm einen langsamen Schluck aus seiner Tasse.
"Na, so wie sich seine Frau im Hintergrund aufgeführt hat wäre ich das auch", gab Ilona zu bedenken.
"Ja, aber da war noch etwas Anderes, ich hatte wirklich das Gefühl das er sich unwohl gefühlt hatte mit Wächtern zu sprechen. Und was sollte der Lippenstift in seinem Gesicht?"
"Der kommt bestimmt von seiner Frau."
"So wie die sich gestritten haben, ich glaub kaum dass sie ihn da in der letzten Zeit geküsst hat. Immerhin wurde sie ja auch handgreiflich."
"Vielleicht haben sie sich ja schon wieder versöhnt."
"Das kann sein, aber ich würde trotzdem gerne noch mal mit ihm ohne seine Frau sprechen." Dies stellte sich jedoch schwieriger heraus als gedacht. Als sie wieder vor dem Haus in der Nudelgasse 13 standen konnten sie schon von weitem eine laute, hohe Frauenstimme vernehmen, die alles andere als glücklich klang. In den Nachbargärten fiel auf einmal allen Bewohnern ein, dass sie grade jetzt in ihren Beeten am Zaun arbeiten mussten, währen sie die Wächter so unauffällig wie möglich beobachteten. Als Pyronekdan kurz stehen blieb um seinen Schuh zu binden konnte er eine ältere Dame zu ihrem Mann sagen hören:
"Das geht nun schon seit Wochen so, ich glaube der arme Kerl würde alles tun um seine Frau endlich zufrieden zu stellen." Auch einen teuren Diemanten rauben, überlegte der Zauberer bei diesen Worten. Die Tür wurde ihnen von einer älteren, schlanken Frau geöffnet. Ihr blau geblümtes Kleid war das Ergebnis stundenlangen Bügelns und der Duft ihres Parfüms schien ein eigenes Leben zu führen. Er freute sich wohl endlich mal wieder zwei neue Opfer gefunden zu haben. Das Gesicht der Dame hingegen schien wie aus Stein gemeißelt zu sein und man würde wohl ganz spezielle Werkzeuge brauchen um darauf ein Lächeln zu zaubern.
"Entschuldigung, aber ist ihr Mann zuhause?" fragte Pyronekdan in einer Freundlichkeit die Ilona so noch nie gehört hatte.
"Was wollen sie schon wieder von ihm, waren sie nicht erst heute Morgen hier?" entgegnete sie in einem Ton der es dem Kontakter erschwerte weiterhin so freundlich zu bleiben.
"Das ist richtig, aber uns sind noch ein paar wichtige Fragen eingefallen."
"Na ich werde sehen wo sich dieser Nichtsnutz wieder rum treibt", bei diesen Worten schloss sie die Tür und man konnte ihre energischen Schritte laut auf dem Steinfußboden vernehmen. Schon nach wenigen Minuten öffnete sich die Tür erneut und Frau Holz schubste ihren Mann leicht in die Richtung der Wächter, um sich dann an den Türrahmen zu lehnen. Ihr Mann schaute erst seine Frau und dann die Wächter verwirrt an und spielte nervös mit einem Stift in seinen Händen.
"Hallo, es tut uns leid sie noch einmal stören zu müssen, aber wir würden gerne noch einmal mit ihnen alleine sprechen", sagte Ilona und versucht sie mit einem freundlichen Lächeln zu beruhigen.
"Aber ich hab ihnen doch schon alles gesagt, was ich weiß", antwortete Herr Holz und sah seine Frau skeptisch an.
"Es wird nicht lange dauern, aber wir möchten zur Sicherheit noch einmal alles mit ihnen durchgehen", beschwichtigte ihn Ilona sofort.
"In Ordnung, folgen sie mir." Er führte sie zu einem ein paar Straßen weiter entfernten Park und setzte sich auf eine der leeren Bänke.
"Hier komme ich immer zum nachdenken hin", murmelte er leise. Nach diesen Worten breitete sich eine lange Stille aus, die nur von dem zwitschern der Vögel unterbrochen wurde. Alle drei beobachteten gedankenverloren die anderen Parkbesucher, bis Ilona das Gespräch wieder aufnahm:
"Sie scheinen sich mit ihrer Frau im Moment ja nicht sehr gut zu verstehen."
"Das können sie laut sagen", seufzte Herr Holz und spielte immer noch mit seinem Stift, "Sie sehen ja selbst was sie für eine Frau ist."
"Warum trennen sie sich dann nicht von ihr?" fragte die Wächterin mitfühlend.
"Trennen ha! Wir sind über fünfzehn Jahre verheiratet, da kann ich mich nicht einfach von ihr trennen. Meine Ehre ist durch die Sache mit dem Diamanten schon genug durch den Dreck gezogen worden", antwortete ihr Gegenüber in einem aufgebrachten Tonfall.
"Wenn sie mit ihrer Frau Streit haben, woher stammt dann der Lippenstift, den meine Kollegin heute Morgen von ihrem Gesicht gewischt hat?" warf Pyronekdan ein, dem das Familiendrama wenig interessierte.
"Lippenstift in, in meinem Gesicht?" stotterte Herr Holz verlegen, " Nun auch wenn wir uns streiten heißt das noch lange nicht das ich mit meiner Frau nicht, na sie wissen schon."
"Aber ihre Frau benutzt eine andere Farbe, ich habe es vorhin gesehen. Ihre Lippen hatte sie knallrot, während die Farbe auf ihrer Wange ein dezentes Dunkelrot war", entgegnete Ilona, die als Frau eher den Blick für solche Dinge besaß.
"Ach ja sie muss ihn wohl im Laufe des Tages gewechselt haben", versuchte sich Herr Holz aus seiner misslichen Lage zu befreien.
"Ihre Frau scheint mir aber nicht der Typ für solch eine dezente Farbe zu sein", antwortete die Kontakterin und lächelte innerlich, wenn sie daran dachte, dass sie selber erst vor kurzem mit dem Auftragen von Schminke begonnen hatte. In ihrem Dorf kannte man so etwas nicht, aber sie hatte schnell herausgefunden, das es in dieser großen Stadt gang und gebe war.
"Woher wollen sie wissen, was meine Frau trägt oder nicht. Und selbst wenn sie diese Farbe nicht benutzen würde, wären sie die Letzten, die dies etwas anginge", knurrte Herr Holz nun verärgert um im gleichen Moment aufzustehen und davon zu stürmen.
"Da ist definitiv etwas im Busch. Er scheint irgendein Geheimnis zu haben das auf keinen Fall heraus kommen darf", murmelte der Zauberer nachdenklich und kratzte sich am Kopf.
"Vielleicht sollten wir mal im Müll des Museums nachsehen, ob Ophelia uns schon eine Nachricht hinterlassen hat", unterbrach Ilona seine Überlegungen. So begaben sie sich auf den Weg um sich der unangenehmeren Arbeit eins Kontakters anzunehmen.


[Pyronekdan]

Auf dem Weg kamen sie an einem Cafe vorbei. Das heißt, sie wären daran vorbeigekommen, wenn Pyronekdan nicht den Vorschlag gemacht hätte hineinzugehen, und die versäumte Mittagspause nachzuholen.
"Wir sollten Ophelia noch etwas Zeit geben", meinte er. "Ihre Arbeit hat erst vor einer halben Stunde begonnen. Und da es heute spät werden kann, sollten wir vielleicht vorher noch eine Kaffee trinken."
"Eine gute Idee", meinte Ilona, die nichts gegen eine Verschiebung der unangenehmen Aufgaben einzuwenden hatte.
"Ein Stück Kuchen dazu schadet bestimmt auch nicht", überlegte der Zauberer. Sie suchten sich einen freien Tisch und gaben ihre Bestellungen auf. Kurz darauf brachte die Kellnerin den Kaffee und den Kuchen. Sie ließen sich Zeit mit dem Essen, da sie die unangenehmen Pflichten noch etwas hinauszögern wollten.
"Wenn wir noch etwas warten, sind auch die Museumswächter wieder im Dienst, und wir brauchen nicht so weit zu laufen, um sie zu befragen", stellte Pyronekdan mit einem Blich auf seine Uhr fest. "Außerdem werden wir heute bestimmt noch lange genug arbeiten müssen." Also gab der Zauberer die nächste Bestellung auf, und überlegte sich, ob das Lesen aus dem Kaffeesatz für einen Kontakter, auch als Arbeitszeit angerechnet werden konnte. Nach fünf Stücken Kuchen und drei Tassen Kaffee [2], machten sie sich schließlich wieder auf den Weg.

Der Müllcontainer des Museums stand in einer Seitengasse neben dem großen Gebäude. Natürlich war er randvoll. Die Wächter wollten sich gerade daran machen, ihn zu durchsuchen [3], als sie Stimmen hörten, die von der angrenzenden Seite des Gebäudes kamen. Gerade als Ilona eine abfällige Bemerkung über die Konsumgewohnheiten der Besucher des Museums machen wollte, deutete Pyronekdan ihr an, leise zu sein, um das Gespräch mithören zu können.
"Wir sollten uns nicht mehr so oft treffen", war eine äußerst weibliche Stimme zu vernehmen. "Sonst kommt deine Frau doch noch dahinter. Gerade jetzt, wo die Wächter nach dem Diamanten suchen."
"Was hat das mit uns zu tun?", erwiderte eine Stimme, die den Kontaktern sehr bekannt vorkam. "Hier draußen werden bestimmt nicht danach suchen."
"Und was ist, wenn Tobias der Wache von uns erzählt? Dann erfährt deine Frau bestimmt auch davon."
"Das wird er schon nicht. Schließlich hat er uns gestern sogar gewarnt, als er den Diebstahl bemerkt hatte. Und er hat sogar mich die Meldung an die Wache abschicken lassen."
"Darauf sollten wir uns aber nicht verlassen. Außerdem solltest du besser auf deinem Posten sein, wenn die Wache Fragen an dich hat."
"Ich glaube, du hast recht", war die enttäuschte Stimme von Heiner Holz zu vernehmen. "Aber versprich mir, dass du wiederkommst, sobald der Fall abgeschlossen ist." Dann war nur noch das Geräusch eines Kusses zu hören, und eine Tür die geschlossen wurde. Als die beiden Wächter um die Ecke sahen, war niemand mehr zu sehen.
"Jetzt wissen wir, woher er den Lippenstift hatte", sagte Ilona leise.
"Und er scheint auch nichts mit dem Diebstahl zu tun zu haben."
"Könnte es nicht Tobias gewesen sein?", überlegte die Kontakterin laut. "Vielleicht war ihm gar nicht übel."
"Ja, Du hast Recht. Wir sollten uns Herrn Tees Alibi einmal näher ansehen", meinte der Zauberer. Eine schreckliche Vorahnung überkam Ilona.
"Du meinst doch nicht etwa den Abort?"
"Vielleicht hat er dort ja den Diamanten versteckt", kombinierte Pyronekdan.
"Du untersuchst den Abort, und ich den Container", entschied der Zauberer, nachdem er über die Vorteile seines Dienstgrades nachgedacht hatte. Hätte ich doch bloß nichts gesagt, dachte Ilona, und ging zu dem Abort hinter dem Gebäude. Pyronekdan musste den Müllcontainer zehn Minuten lang durchwühlen, bis er den grünen Umschlag fand, den Ophelia für ihre Nachrichten benutzen sollte. Wieso muss Müll nur immer so stinken, dachte er sich dabei. Von grün konnte bei dem Brief auch kaum mehr die Rede sein. Irgendwie hatte er durch den Müll eine eher braune Farbe angenommen. Der Umschlag öffnete sich auch fast von selbst, der er etwas feucht geworden war. Nachdem er die Nachricht gelesen hatte, war auch Ilona wieder zurück.
"Du siehst ja noch ganz sauber aus", wunderte sich der Zauberer, dessen Uniform inzwischen stark verschmutzt war.
"Genau wie der Abort", erklärte die Kontakterin. "Die Putzkolonne hat auch dort ganze Arbeit geleistet."
"Eben nicht!", meinte Pyronekdan. "In der Nachricht von Ophelia steht, dass die gestern frei hatte."
"Das ist aber merkwürdig", staunte Ilona. "Wo sind dann die Spuren von Tobias Besuchen dort geblieben."
"Das sollten wir ihn jetzt gleich mal fragen", meinte Pyronekdan, und ging mit Ilona zum Haupteingang.

Nachdem sie die breiten Stufen zum Haupteingang hinaufgestiegen waren, standen sie vor einer beeindruckenden Tür mit einem ebensolchen Türklopfer.
"Wir haben geschlossen!", war Heiners Stimme von drinnen zu vernehmen, nachdem sie geklopft hatten.
"Stadtwache Ankh-Morpork!", erklärte der Zauberer. "Wir hätten noch ein paar Fragen."
"Ich hatte ihnen doch bereits alles gesagt", meinte Herr Holz, als er die Tür öffnet.
"Da sind wir anderer Meinung", erwiderte Pyronekdan. "Sie haben übrigens schon wieder einen Fleck im Gesicht."
"Sie sehen auch nicht gerade aus, wie aus dem Ei gepellt", meinte der Museumswächter, und ließ die Kontakter hinein. "Im Gegensatz zu ihrer Kollegin."
"Das ist eben ein schmutziges Geschäft", entschuldigte sich der Zauberer für sein Aussehen. "Und dass sie junge Frauen nicht verachten, wissen wir bereits." Das traf den Museumswächter wie ein Schlag.
"Was, was meinen sie damit?", stotterte er.
"Zum Beispiel die Dame, die sie vorhin getroffen haben", meinte der Zauberer. "Weiß ihre Frau davon?"
"Das wollte ich gerade sie fragen", antwortete Herr Holz äußerst nervös.
"Noch nicht. Und es wäre besser, wenn sie uns jetzt die ganze Wahrheit erzählen, damit wir sie nicht damit belästigen müssen."
"In Ordnung", gab der Museumswächter nach. "Ich werde ihnen alles erzählen. Ich treffe mich seit einer Woche heimlich mit Sandra Süßholz. Mein Kollege weiß davon, hat aber versprochen niemandem etwas davon zu erzählen. Deshalb hat er gestern alleine den Diamanten bewacht, als er gestohlen wurde."
"Hatte Sandra dabei vielleicht eine Gelegenheit, an den Diamanten zu kommen?", wollte der Zauberer wissen.
"Nein, bestimmt nicht. Ich war die ganze Zeit mit ihr zusammen. Als Tobias den Diebstahl entdeckt hatte, hat er uns Bescheid gesagt. Ich hatte Sandra bis dahin nicht aus den Augen gelassen."
"Und sie haben Sandra dann herausgelassen, und die Wache benachrichtigt?", vervollständigte Pyronekdan die Aussage.
"Ja, so war es. Tobias kann das bestätigen." Sie gingen zu dem Raum, in dem der Diamant bis zum Vortag aufbewahrt worden war. Dort kam sich Herr Tee ziemlich dumm dabei vor, einen Diamanten zu bewachen, der nicht mehr da war. Nachdem Heiner ihm erklärt hatte, dass die Wächter über Sandra Bescheid wussten, bestätigte die Geschichte.
"Wie ich sehen, geht es ihnen schon wieder etwas besser", meinte der Zauberer immer noch an Herrn Tee gerichtet. "Wie oft mussten sie den gestern austreten?"
"Ich war nur dreimal draußen", erklärte Tobias. "Allerdings jeweils zirka eine halbe Stunde."
"Und in der Zeit wurde der Diamant gestohlen", schlussfolgerte der Zauberer, und versuchte Herrn Tee mit einem intensiven Blick zu einem Geständnis zu bewegen. [4] "Wieso ist der Abort dann eigentlich so sauber?"
"Weil ich es immer nur bis zum Müllcontainer schaffte", erklärte Herr Tee.

Das entkräftete den Verdacht, den der Zauberer gegen Tobias Tee hatte. Und da ihre Arbeitszeit für heute auch zu Ende war, gingen die Kontakter nach Hause, um neue Kräfte für den nächsten Tag zu sammeln. Pyronekdan konnte es kaum erwarten ein intensives Bad zu nehmen. Seine Kleidung ließ er in der Wäscherei der Unsichtbaren Universität reinigen. Als sie die Sachen sah, überlegte sich Frau Reineweiß, ob sie neben sauber und schmutzig nicht noch eine dritte Kategorie einführen sollte. Der Lance-Korporal machte es sich derweil in der Badewanne gemütlich. Ein guter Ort um nachzudenken, überlegte er sich. Wenn die beiden Museumswächter den Diebstahl nicht begangen hatten, die Putzkolonne frei hatte, und Sandra Süßholz die ganze Zeit von Heiner Holz beobachtet worden war [5], wer konnte dann den Diamanten gestohlen haben? Und wieso war der Tatort so sauber gewesen, wo doch an dem Tag Niemand sauber gemacht hatte. Vielleicht findet Ophelia ja noch etwas heraus, hoffte Pyronekdan.


[Ilona]

Ilona konnte an diesem Abend nur noch müde ins Bett fallen, warum musste man als Wächter auch immer so viel laufen? Ein Eselskarren konnte doch gar nicht so teuer sein oder? Über diese Gedanken schlief sie mit dem Bild eines Trolls ein, der auf einem Karren saß, während der Esel am Geschirr in der Luft hing und verzweifelt mit den Beinen strampelte. Alles hatte nun mal irgendwie seine Nachteile.
Am nächsten Morgen genehmigte sich Ilona erst einmal einen starken Kaffee um ihren Kreislauf in Schwung zu bringen. Doch dieser hatte sich wohl entschlossen so früh am Tag zu streiken und so trank sie in der Wache gleich noch einen um wenigstens halbwegs Pyronekdans Worten folgen zu können.
"... und deswegen sollten wir noch mal genauer nachfragen", beendete dieser grade seinen Satz mit einem sehr zufriedenen Gesichtsausdruck.
"Wir sollten was?" hakte die Wächterin nach und nahm einen weiteren Schluck des warmen Getränks.
"Hast du mir etwa wieder nicht zugehört?" murrte ihr Kollege und schüttelte verärgert den Kopf.
"Doch! Doch! Wir brauchen eine Putzfrau, da unsere Klos immer so verdreckt sind. Dabei fände ich ein paar Eselskarren für weite Strecken viel wichtiger", antwortete Ilona deren Kreislauf langsam aber sicher den Kampf gegen den Kaffee verlor. Er rollte dennoch nur sehr widerwillig das Plakat mit der Aufschrift "Um sechs Uhr morgens sollt du ruh'n und noch keine Arbeit tun!" für den nächsten Tag zusammen.
"Wusste ich es doch! Ich hab grade eben versucht dir zu erklären, dass die Klos im Museum viel zu sauber waren dafür, dass am Vortag die Putzkolonne frei hatte. Deswegen sollten wir nachfragen ob nicht doch Jemand dort war und wenn ja wer. Außerdem weißt du selber, dass wir kein Geld für Eselskarren geschweige den Esel haben", erkläre der Zauberer ihr noch einmal und schüttelte abermals über seine Kollegin den Kopf.
Am Museum angekommen untersuchten sie noch einmal die Mülltonnen auf weitere Nachrichten von Ophelia und hatten Glück das sie diesmal nicht ganz so tief hinein greifen mussten. Schon nach kurzer Zeit hielt der Zauberer triumphierend einen grünen Zettel in der Hand.
"Am Tag der Tat war laut den Wächtern doch Jemand zum Putzen da. Aber meine neuen Kollegen beteuern an diesem Tag alle frei gehabt zu haben. Also kann es sich nur um die Räuber handeln, die sich wie Putzfrauen oder Männer verkleidet haben um in das Museum zu kommen. Wir tragen hier alle die gleiche Arbeitskleidung, die von einer älteren Dame Namens Helga Wirdgesucht [6] genäht werden. Vielleicht kann sie euch weiterhelfen, sie wohnt im Blumenweg 28. Viel Glück Ophelia", las er laut vor.
Es dauerte eine Weile bis sie das richtige Haus fanden, da nicht alle Leute sich die mühe mit Hausnummern machten und auch die Straßenschilder öfters erst einmal lange gesucht werden mussten. Aber schließlich standen sie vor einem alten Haus das über und über mit Efeu bewachsen war und die Nummer 28 trug. Eine ältere, rundliche Dame mit einem freundlichen Gesicht öffnete ihnen die Tür und sah sie etwas besorgt an.
"Guten Morgen, womit verdiene ich die Ehre das zwei Wächter zu mir kommen? Ich habe doch nicht etwas gegen das Gesetz verstoßen?" fragte sie beunruhigt.
"Nein, nein es ist alles in Ordnung. Wir möchten nur gerne Fragen zu ihren letzten Kunden stellen", beruhigte sie Ilona gleich, woraufhin sie in das Haus gebeten wurden. Das Haus war auch von innen ziemlich klein und überall lag wie bei den meisten älteren Damen üblich jede Menge Krimskrams den man wohl nie brauchen würde. Es roch nach frisch gebackenen Plätzchen und ihnen wurden auch direkt welche angeboten um die Spannung etwas zu lösen.
"Wir arbeiten im Moment ein einem ziemlich schwierigen Fall und es könnte sein das ein paar Kunden von ihnen darin verwickelt sind", fing Pyronekdan an zu erklären.
"Kunden von mir? Aber ich stelle doch nur einfache Putzkleidung her, keine Waffen oder ähnliches", murmelte Helga nachdenklich und sah auf ein halb fertiges Kleid das über einem Stuhl lag.
"Leider doch, es scheint so als hätte sich jemand als Putzfrau bzw. Mann verkleidet, um unbemerkt in ein Gebäude zu kommen", erklärte ihr Ilona vorsichtig.
"Also vor kurzem war hier eine junge Dame. Aber sie sah mir nicht danach aus, als ob sie ein Verbrechen begehen würde."
"War sonst niemand hier?" hackte der Zauberer nach.
"Nur drei junge Männer, ich weiß noch, dass ich mich gefragt habe, warum sie nicht an den Docks arbeiteten. Dort bekommt man meistens mehr Geld als beim Putzen. Aber sie erklärten mir, dass sie Rückenprobleme hätten, die armen Kerle, so jung und schon solche Probleme."
"Können sie uns die drei beschreiben und wissen sie vielleicht ihre Namen?" fragte Ilona die sofort hellhörig geworden war.
"Nun ja, wenn es ihnen weiter hilft, könnte ich versuchen sie zu zeichnen. Ich war darin zwar noch nie so gut wie meine Schwester aber es sollte mehr helfen als eine einfache Beschreibung." So hielten die beiden Wächter nach kurzem ein Bild in der Hand auf dem drei große Menschen Männer zu sehen waren von denen der mittlere einen Bart besaß, auf den selbst ein Zwerg neidisch gewesen wäre. Alle trugen einen langen Umhang und sahen bis auf den Bart ziemlich gepflegt aus.
"Ihre Namen wissen sie nicht zufällig?" fragte Pyronekdan
"Natürlich weiß ich die, ich merke mir die Namen all meiner Kunden. Heinz, Thomas und Holger, nur den Nachnamen haben sie mir nicht gesagt. Aber der ist für mich auch nie sehr wichtig."
Mist, gerade die Nachnamen wären interessant gewesen. Aber wahrscheinlich hießen sie in Wirklichkeit sowieso anders, wer solch einen Raub durchführte war nicht so dumm einer alten Schneiderin seinen wahren Namen zu verraten. Immerhin wussten sie jetzt schon mal, wie die Täter aussahen und würden nicht einfach an ihnen auf der Straße vorbei laufen ohne sie zu erkennen. So dankten sie Helga vielmals um dann etwas ratlos vor ihrem Haus zu stehen.
"Und was jetzt? Wir haben immer noch keine Adresse, geschweige denn Namen", murmelte Pyronekdan frustriert und trat einen Stein auf die andere Straßenseite.
"Vielleicht kennen ja ein paar unserer Informanten oder einfache Passanten die drei", schlug Ilona vor, die sich am helllichten Tag und mit einem erfahrenen Wächter an ihrer Seite sehr sicher fühlte. Da der Zauberer zu seinem Bedauern auch keinen bessern Vorschlag hatte befanden sie sich schon bald in einer etwas dunkleren Gegend der Stadt. Wo vorher noch die Sonne freundlich gelacht hatte, schienen hier die Schatten ein Eigenleben zu führen, was sich hauptsächlich damit beschäftigte ahnungslose Passanten zu erschrecken. Ihre Schritte schienen sich hier lauter anzuhören als noch kurz zuvor und die Straßen waren für Ankh-Morporks Verhältnisse wie ausgestorben. Ilona schalt sich jetzt schon innerlich für ihre Idee. Hätte sie sich nicht denken können das man die meisten Informanten nicht in einem grünen Park beim Enten füttern antraf? Beunruhigt blickte sie sich um und spielte nervös mit ihrem Haar. Pyronekdan erging es nicht viel besser, auch er fühlte sich immer wieder unwohl wenn er in diese Gegend kam. Doch er zeigte es nicht so sehr wie seine Kollegin, da er wusste das es grade hier nicht gesund war seine Unsicherheit nach außen hin zu zeigen. So überwand er sich schließlich und fragte die etwas normaler aussehenden Passanten nach den drei Männern. Doch es konnte oder wollte ihnen niemand etwas dazu sagen. Sie bekamen meistens nur verwunderte Blicke zugeworfen oder den netten aber unbrauchbaren Hinweis das sie sich lieber in einer freundlicheren Gegend umsehen sollten. Doch dann kam der große Durchbruch, in Form eines kleinen Jungen der sie bei der Frage mit verschmitzten Augen anblickte.
"Wie viel bekomme ich denn für die Antwort?" fragte er in einem sehr überheblichen Tonfall.
"Es kommt ganz drauf an wie gut deine Information ist", entgegnete Pyronekdan und sah ihm mit einem ernsten Blick tief in die Augen. Doch der Kleine ließ sich von so etwas nicht verängstigen und grinste nur noch breiter:
"Für einen vernünftigen Preis könnte ich euch direkt zu ihnen führen."
"Und das ist ganz sicher kein Trick, damit wir nachher bei irgend welchen Räubern landen, die unsere Taschen um einiges erleichtern?" hakte Ilona skeptisch nach und sah sich abermals nervös um.
"Wohin soll ich euch denn sonst führen? Immerhin sind die drei doch Räuber und sogar solche von der besseren Sorte", antworte der Junge lachend und schüttelte seine blonde Mähne.
"Wo er Recht hat, hat er Recht", murmelte Pyronekdan und kramte in seinen Taschen. Dann legte er dem Jungen eine viel zu große Summe an Geld in die kleine Hand, "Hier. Das ist alles was ich im Moment bei mir habe, es sollte reichen. Aber wehe, du führst uns in eine Falle. Ich kann dir versprechen, dass die Zellen der Wache alles andere als bequem sind und sie dich trotz deines Alters wie einen normalen Verbrecher behandeln werden und das ist nicht grade freundlich", fügte er noch hinzu und setzte seinen bösesten Blick auf, der eigentlich bei den meisten Kindern Wirkung zeigte. Doch hier in den Schatten schienen sie Erfahrung mich solchen Blicken zu haben und so grinste der Junge nur noch einmal breit bevor er sich auf den Weg begab. Sie gingen durch mehrere enge Gassen und schon nach kurzem waren sich beide Wächter nicht mehr sicher ob sie den Weg auch alleine zurück finden würden.
"Meinst du wirklich dass wir ihm trauen können?" fragte Ilona nervös in einem Flüsterton.
"Ich bin mir sicher, dass er uns zu Räubern führen wird, ob zu den Richtigen weiß ich auch nicht", antwortete ihr Kollege eben so leise. Immer weiter gingen sie in die Schatten hinein, bis ihr Führer plötzlich vor einer Kreuzung stehen blieb.
"Sie sind meistens dort vorne in der Bar zum grimmigen Troll, aber vergesst es, dass ich da mit rein komme. Einmal und nie wieder!" bei diesen Worten drehte sich der Junge um und lief in die nächste Seitenstraße davon.
"Meinst du wirklich wir sollten da rein gehen? Immerhin geht noch nicht mal der Junge dort hin, obwohl er hier wohnt", überlegte Ilona und sah etwas ängstlich auf das herunter gekommene Haus.
"Er ist doch nur ein kleiner Junge und ganz schön frech noch dazu", antwortete ihr Kollege mürrisch, "Aber trotzdem sollten wir uns besser im Schatten verstecken und durch die Fenster schauen. Man weiß ja nie", fügte er noch schnell hinzu. Das Ganze war ziemlich einfach, da es hier genügend dunkle Ecken gab, nur die Fenster waren so verschmutzt, dass die Wächter kaum etwas erkennen konnten. Nicht viele neue Gäste betraten die Bar und keiner davon passte zu ihrem Phantombild. Die Zeit verstrich nur sehr langsam und sie wussten nicht ob sie schon Stunden oder erst Minuten hier verbracht hatten, als drei Männer die Bar verließen. Sofort war den beiden Wächtern klar: Das konnten nur die gesuchten Räuber sein, diese Gesichter waren unverwechselbar. Alle drei schienen kräftig einen über den Durst getrunken zu haben und konnten sich nur mit Mühe auf den Beinen halten. Langsam torkelten sie die Straße entlang, jeder mit einer Flasche Schnaps in der Hand, während sie lauthals und ziemlich schräg grölten. Dabei konnte man den Text nur sehr schwer verstehen und die beiden Wächter pressten schon bald beide Hände fest gegen ihre Ohren. Es dauerte eine halbe Ewigkeit bis sie an ihrem Ziel angekommen zu sein schienen und ihr Gesang langsam verstummte.
Sie standen am Eingang eines kleinen Parks etwas außerhalb der Schatten, während die Sonne langsam über den Bäumen unterging. An einem dieser Bäume lehnte eine Frau, die ihnen beim näheren Hinschauen verdächtig bekannt vorkam.
"Denkst du auch das, was ich denke?", flüsterte Ilona zu ihrem Kollegen während sie sich im Schatten der Mauer versteckten.
"Um das zu beantworten müsste ich Gedanken lesen können, aber ich bin nur ein einfacher Zauberer und immer wieder verwundert darüber, was wir angeblich alles können sollen", antwortete dieser und lächelte leicht.
"Ich meinte damit, dass die Frau doch nur ..."
"Sandra Süßholz sein kann. Ich erkenne sie auch wieder und mir wird jetzt einiges klar." Langsam wurden die Stimmen im Park lauter und man konnte nun Sandras Stimme klar und deutlich hören:
"Wie oft muss ich euch noch sagen dass ihr nicht immer so viel trinken sollt? Ihr seid auch einfach zu nichts zu gebrauchen, mich würde es nicht wundern, wenn Jemand euch unbemerkt bis hier hin gefolgt ist. Die Wache sucht sowieso viel zu stark nach uns, sie waren in der letzten Zeit fast jeden Tag am Museum, aber was macht ihr? Trinken bis zum umfallen!" Am Ende ihrer Rede hörte man energische Schritte die sich schnell entfernten und ein unverständliches Murmeln der drei zurück gebliebenen. Ilona spähte kurz um die Ecke um zu sehen, dass Sandra schon in der Dunkelheit verschwunden war und die drei Trunkenbolde grade darüber diskutierten ob sie noch etwas Alkohol vertragen würden. Am Ende entschlossen sie sich, dass es wohl doch genug war und sie heute lieber früh ins Bett gingen, um am nächsten Tag wenigstens halbwegs fit zu sein. Die beiden Wächter folgten ihnen wieder in einigem Abstand, bis die drei Trunkenbolde plötzlich mitten in einer Gasse stehen blieben.
"Du schind wir hier richtisch?" lallte einer der drei in die Runde und sah sich fragend um.
"Könnte dasch Hausch sein", antwortete der bärtige Mann und zeigte mit einem wackligen Finger auf ein Reihenhaus, das so aussah wie alle anderen auch in dieser Straße. Am Treppengeländer hing ein großes Schild das sie nun verzweifelt versuchten zu lesen.
"Wasch steht da?"
"Als ob isch lesen könnte!"
"Bernhard?"
"Schau misch nischt an, Sandra ist dafür schuständig!"
"Mist, na folschen wir einfach dem roten Pfeil."
"Und der führt unsch heim?"
"Jo dasch nächste Haus kommt mir auch irgendwie bekannt vor. Musch wohl unscheres sein." Die drei fielen die Treppe des nächsten Hauses hoch und hatten es nach einigen Minuten sogar geschafft die Tür zu öffnen. Also Ilona näher trat, konnte sie auch lesen was auf dem Schild stand:
"Zum hundertsten mal, ihr wohnt im Haus nebenan! Und nein ich habe nichts mehr zu trinken und meine Frau steht nur auf gepflegte Männer wie mich!" Die Wächterin hatte mühe ihr Lachen zu unterdrücken, anscheinend hatten die Räuber schon öfters Probleme damit gehabt ihr Haus zu finden. In der Zwischenzeit prägte sich ihr Kollege die Adresse genau ein, Schützenweg einunddreißig das sollte man auf einer Karte wieder finden können. Dann winkte er seiner Kollegin zu um dann leise zu flüstern:
"Komm wir sollten lieber wieder schnell zum Wachhaus zurück, dann können die anderen die Räuber noch verhaften, während sie friedlich ihren Rausch ausschlafen." Ilona war mehr als froh über diesen Vorschlag, sie hatte schon Angst gehabt das sie selber irgendein waghalsiges Manöver begehen würden um die drei festzunehmen. Wo sie doch außer ihrem Notizblock nichts dabei hatte und auch Pyronekdans Taschen schienen leer zu sein. Außerdem war es für sie schon schlimm genug durch diese dunklen Gassen zu schleichen wie ein Schwerverbrecher, sie hatte so schon Angst dass ihr lauter Herzschlag alle im Umkreis wecken würde. Doch schon bald kamen sie in eine Gegend, die auch Ilona wieder erkannte und wo der Mond ihnen den Weg beleuchtete. Im Wachhaus angekommen saß ein einzelner Wächter gelangweilt am Tresen und schien grade kurz vorm einschlafen zu sein. Beim genaueren Hinsehen, erkannte man, das es sich um Halbtag Baumfellerssohn, dem neuen Triffinsziel in Ausbildung bei Frog handelte.
"Entschuldigung, wir möchten deinen Schlaf ja nicht stören, aber wir haben eine wichtige Nachricht für Frog", sagte Pyronekdan etwas lauter als nötig. Halbtag fuhr sofort aus seinem Halbschlaf auf und sah sich im ersten Moment etwas verwirrt um, bis er die beiden Wächter erblickte.
"Was kann ich für euch tun?" murmelte er verlegen.
"Du hast doch sicher von dem Diamantenraub im Museum gehört. Wir haben herausgefunden, wo sie wohnen und dass sie im Moment damit beschäftigt sind einen heftigen Rausch auszuschlafen. Also sollte es für euch kein Problem sein sie zu verhaften", erklärte ihm Ilona und reichte ihm das Phantombild der Täter mit einem Zettel auf dem sie alles Wichtige aufschrieb.
"Na das ist mal eine erfreulich Nachricht, ich geh sofort Bescheid sagen", antwortete der Zwerg und lief in Richtung Frog Büros davon. Ilona und Pyronekdan beschlossen, dass ihre Arbeit für den heutigen Tag damit beendet war und so gingen beide nach Hause um todmüde in ihr Bett zu fallen. Das Letzte woran Ilona vor dem Einschlafen noch denken konnte war ein schöner, gemütlicher Eselskarren, der einen von A nach B kutschierte.

Alkohol wurde für Räuber zum Verhängnis! Konnte man am nächsten Tag in der Ankh-Morpork Times lesen.

Sicherlich erinnern Sie sich noch alle an unseren Bericht über den Raub im Edelstein Museum. Die drei Räuber haben gestern Abend ihren Erfolg wohl etwas zu sehr gefeiert und wurden von der Wache sturzbetrunken in ihrem Haus aufgefunden. Während die drei friedlich ihren Rausch ausschliefen, konnte die Spezialeinheit der Wache Frog sie ohne Probleme fesseln und in eine ihrer Zellen bringen. Die Anführerin der Gruppe Sandra Süßholz ist ihnen leider entkommen und aus der Stadt geflohen, aber immerhin können sie die Diamanten nun wieder im Museum bewundern.
Daemon Llanddcairfyn Abteilungsleiter von RUM:
"Sie hatten die Diamanten in den Abwasserkanälen der Stadt gut versteckt und wir sind froh, dass es Sandra Süßholz wohl zu gefährlich erschien vor ihrer Flucht die Diamanten von dort mitzunehmen. Natürlich werden wir sie weiterhin verfolgen, sobald sie wieder die Stadt betreten sollte. Immerhin ist es nicht auszuschließen, dass sie ähnliche Aktionen planen wird."
Wir von der Ankh-Morpork Times wünschen der Wache viel Glück dabei und verlosen zur Feier des Tages mehrere Eintrittskarten für das Museum.

ENDE
[1] siehe: "Bei Anruf Mord"

[2] Ilonas Bestellungen nicht mitgerechnet

[3] Obwohl von wollen eigentlich nicht die Rede sein konnte. Sie mussten es wohl oder übel.

[4] Diesen Blick hatte er so lange vor dem Spiegel geübt, bis er sich selbst eingestand, ihn wohl nie richtig zu beherrschen.

[5] Vermutlich sehr intensiv.

[6] Bis jetzt wurde Helga leider noch nicht gefunden und man sucht weiterhin nach ihr auf allen größeren Veranstaltungen. Aber es wird sich dabei wohl kaum um diese arme Frau handeln, deren Eltern sich einen kleinen Scherz erlaubt haben.

Zählt als Patch-Mission für Ilona Istnichtgut Feldacker
Zählt als Patch-Mission für Pyronekdan



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Feedback:

Von Ophelia Ziegenberger

23.11.2005 22:14

Lob: Was mir bei der Geschichte gefiel, war die Gelassenheit, die bei all der Ermittlungsarbeit zum Ausdruck kam. Unter anderem auch durch die Perspektive, regelmäßig auf die Ergebnisse eines Verdeckten Ermittlers warten zu müsen.

Kritik: Der Weg über die Entdeckung der Lippenstiftreste und deren Bedeutung erschien mir unglaubwürdig und extrem zufällig. Erst recht, wenn solche Faktoren dazu kamen, wie zum Beispiel, dass Herr Holz von seiner Frau streng begutachtet und bekrittelt wurde und auch schon länger daheim gewesen zu sein schien, ohne dass ihr das augefallen sein soll? Des weiteren konnte mich die Idee, dass gleich drei Männer sich unbemerkt anstelle der üblichen (Frauen-)Putzkollonne einschleichen konnten, nicht überzeugen. Oder auch, dass die Drahtzieherin so dumm gewesen sein soll, grundlos Kontakt mit den Schuldigen zu suchen - denn dieses Treffen erfüllte offenbar keinen anderen Zweck, als den Leser zweifelsfrei über den Zusammenhang aufzuklären.

Beide Schreiber passten ihre Textteile in dieser Coop in Form und Stil, in Länge und emotionaler Färbung gut einander an. So entstand ein 'Ganzes'. Die Rechtschreibung hätte in beiden Teilbereichen noch mal kontrolliert werden müssen.

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